Nachdem ich ein Jahr pausieren musste, konnte ich dieses Jahr wieder am Queen Games-Presseevent in Bonn teilnehmen. In gewohnter Weise begrüßte uns Pressesprecher Ulrich Fonrobert zusammen mit Unternehmensgründer Rajive Gupta. Dieses Jahr ging es bei den einleitenden Worten insbesondere um die vom Krieg betroffenen Transportwege, die es ungewiss machen, ob Spielmaterial rechtzeitig in Europa eintrifft. Davon möchte Queen Games sich ein wenig frei machen und überlegt Plastikmaterial mit eigenen 3D-Druckern zu produzieren. Dies soll erstmals beim zukünftigen 13. Titel der Stefan Feld City Collection Orlando geprobt werden.
Es gab auch eine kleine Sneak Peak auf das Spiel, welches ursprünglich als Quadratstadtmanager entwickelt und auch schon als Tromsø angekündigt wurde. Ausgangspunkt waren für Stefan Feld die unterschiedlich geformten Plastikgebäude aus der Kingdom Builder Empire Edition, die er in einem eigenen Spiel unterbringen wollte. Wirklich speziell sollen dabei jedoch die Würfelrollen mit einzigartigen Aktionskombinationen sein.

Für Marrakesh, das erste neu entwickelte Spiel der Stefan Feld City Collection, soll es bald eine Big Box geben. Wie im Kickstarter-Projekt zu Beginn diesen Jahres angekündigt, bietet die Big Box Platz für das vollwertige Grundspiel und das Spielmaterial der drei Erweiterungen. Die dritte Erweiterung Walls & Guards ist dann auch erhältlich.

Bei den folgenden Spielevorstellungen möchte ich darauf hinweisen, dass es sich noch nicht um das finale Spielmaterial handelt und sich die genaue Ausgestaltung des finalen Spiels von den hier gezeigten Abbildungen noch unterscheiden kann.
Beijing
(Stefan Feld, 2-5 Spieler, 90-150 Minuten)
Der zwölfte Titel der Stefan Feld City Collection führt uns ins Beijing des 13. Jahrhunderts. Wie auch schon bei Im Jahr des Drachen bekommt man es hier mit einer Mangelwirtschaft par excellence zu tun. Nur die ersten beiden der zwölf Runden bleibt es ruhig, in jeder weiteren Runde muss man sich auf ein Ereignis einstellen. Und die haben es in sich! Meist benötigt man am Ende der Runde etwas wie Reis, Geld, Medizin oder Feuerwerk und wird bestraft, wenn man nicht ausreichend oder am wenigsten hat. Die Aktionen werden zufällig in Gruppen aufgeteilt, man wählt eine Gruppe, um eine der darin enthaltenen Aktionen auszuführen. Nur gegen Bezahlung darf eine bereits besetzte Gruppe gewählt werden.

In jeder Runde darf man auch eine Person anstellen, dafür benötigt man die entsprechende Karte und ein freies Häuschen. Mit nur zwei Jokern, muss man sich gut überlegen, wen man häufiger anstellt und bei einigen Personen steht man auch vor der Wahl einen stärkeren Ertrag zu erhalten oder mehr Schritte auf der Personenleiste, welche die Spielreihenfolge vorgibt.

Mit den enthaltenen Erweiterungen kann man zwei Runden dran hängen, zusätzliche Personen einstellen, neue Ressourcen und Aktionen erhalten, um hinzukommende Ereignisse zu überstehen. Zusätzlich kann man auch mit der Stadtmauer spielen, für eine weitere Aktion und freispielbare Boni. Mit den Tableaus bekommen alle eine besondere Fähigkeit sowie asymmetrische Startressourcen. Diese empfanden wir in der Erstpartie etwas unausgeglichen, dass kann aber auch einfach an fehlender Spielpraxis mit Beijing liegen.

Ich finde diese Überleitung von Im Jahr des Drachen wirklich gelungen. Das Spiel mochte ich damals schon gerne, aber die wirklich dünne und billig wirkende alea-Ausstattung hat dem Widerspielreiz in meinen Augen etwas im Wege gestanden. Ich hoffe, das wird sich mit Beijing ändern. Ob man sämtliche Module wirklich benötigt, wird die Zeit zeigen.
Manila
(Stefan Feld, 2-4 Spieler, 60-75 Minuten)
Aus Amerigo wird nun Manila, hier soll es bereits im Grundspiel diverse Änderungen zum bekannten Spielprinzip geben. Der Würfelturm wurde etwas überarbeitet, die farbigen Klötzchen können diesen nun auf zwei Seiten verlassen, nur die Seite mit den meisten Klötzchen zählt für die aktuelle Runde. Sie werden auch nicht mehr sortenrein hineingeworfen, sondern in zufälligem Vorkommen. Das erlaubt einige Vorausplanung, allerdings weiß man auch nie genau, welche Klötzchen wann genau zum Vorschein kommen.

In drei Runden lassen sich pro Person genau sieben Aktionen ausführen. Die höchste Anzahl Würfel einer Farbe bestimmt die Aktionsstärke für alle aktuell verfügbaren Aktionen. So kann man mit dem Schiff umherfahren, an Häfen anlegen, um dort zukünftig bauen zu dürfen. Komplett erschlossene Inseln belohnen alle daran beteiligten Personen. Beim Überbauen kann man Rohstoffe erschließen, für die soch Faktoreien errichten lassen, um Siegpunktmultiplikatoren auf dem eigenen Tableau freizuschalten. Personen können sich anschließen, die einen einmaligen oder dauerhaften Bonus mit sich bringen und wir müssen uns mit Sandsäcken gegen den anstehenden Taifun wappnen.

Wir konnten am Wochenende gleich zwei Partien mit jeweils vier Personen spielen und diese fühlten sich völlig unterschiedlich an. Da hat sich auch gezeigt, dass man über ganz unterschiedliche Optionen an Siegpunkte gelangen kann und die Partien komplett anders verlaufen können. Das lässt mich eine Menge Varianz erhoffen.
Palace Quest
(Dirk Henn und Enamuele Ornella, 2-6 Spieler, 60 Minuten)
Das Spiel des Jahres aus dem Jahre 2003, Alhambra, bekommt nun mit Palace Quest eine kooperative Variante. Für diese hat Autor Dirk Henn mit Emanuele Ornella zusammengearbeitet, den man von Titeln wie Pioneers oder Ronin kennen könnte. Gebaut wird grundsätzlich nach den von Alhambra bekannten Regeln. Allerdings errichten wir die Gebäude nicht auf dem Tisch, sondern auf Bodenplatten, die pro Quadrat einen Edelstein zeigen. Diese Farbe bestimmt auf welche Plätze entsprechend der Bezahlung gebaut werden darf. Für den Bau am Rand einer solchen Fläche, darf ein neuer Untergrund angebaut werden, der mit kleinen Plättchen an der gegenüberliegenden Seite ins Spiel kommt. Diese Plättchen bleiben dort, bis sie überbaut werden würden und sie dann einen Bonus einbringen. Einen solchen Bonus bekommt man auch, wenn passend gezahlt wird.

Welche Karten für den Bau zur Verfügung stehen, werden gemeinsam mit einem Push your Luck-Mechanismus ermittelt. Reihum decken wir dabei eine Karte auf und wählen diese oder entfernen sie aus dem Spiel, um die folgende Karte aufzudecken. Wenn auch nur eine Person keine Karte mehr aufdecken kann, ist die Partie verloren. Ab der vierten Runden gibt es auch noch eine Bauvorgabe, die man erfüllen sollte, da sonst ebenfalls Karten abgegeben werden müssen. Was auch die Strafe ist, wenn man zu viele Gebäude nicht bauen konnte oder die Bonusmarker für neue Flächen ausgehen. Auch wenn man sich durch den Gebäudebau neben Siegpunkten hilfreiche Boni erspielen kann, gibt es viele Möglichkeiten zu verlieren, aber nur eine zum Sieg. Nämlich ausreichend viele Punkte zu erlangen.

In unserer Partie hatten wir gefühlt kaum Siegchancen, da die Karten und Gebäude sehr unglücklich kamen. Das erschien mir etwas zu zufällig. Ich möchte diese Erstpartie aber nicht überbewerten und könnte mir vorstellen, dass insbesondere Fans von Alhambra hiermit eine interessante, neue Herausforderung bekommen.
Alhambra – Card Game
(Dirk Henn, 2-6 Spieler, 45 Minuten)
Ebenfalls ein bekanntes Spielgefühl erleben Alhambra Fans bei Alhambra-Card Game, einer Neuauflage der Kartenspieladaption aus dem Jahr 1992. Diese wurde nicht nur grafisch angepasst, sondern besteht nun ausschließlich aus Karten. Wer am Zug ist, nimmt sich eine bzw. mehrere Karten bis zu einem Wert von 5 oder spielt Karten von der Hand aus, um ein ausliegendes Gebäude zu bezahlen. Die Position der Karte in der Auslage bestimmt den Edelstein-Typ für die Bezahlung. Wer mit dem exakten Wert bezahlt, bekommt einen zusätzlichen Zug. So kann man sich einen Vorsprung verschaffen, denn es kommt während einer Partie zu drei Mehrheitswertungen für alle Gebäudearten. Diese Variante beschränkt sich auf dieses Set Collection-Element.

Out of Words – Movies & Music
(Scott Brady + Michael Davis, 2-10 Spieler, 20-30 Minuten)
Out of Words ist im Frühjahr irgendwie an mir vorbei gegangen, daher habe ich das Spielprinzip nun erst in der neuen Movies & Music-Variante kennen gelernt. Jede Karte zeigt hierbei jeweils zwei Filme, Schauspieler, Songs und Interpreten, die Rückseite der folgenden Karte bestimmt die aktuelle Kategorie. In einem Raster stehen verschiedene Anfangsbuchstaben zur Verfügung, erklärt wird mit einzelnen Worten einer der beiden Begriffe der vorgegebenen Kategorie. Genutzte Buchstaben verlassen das Spiel, sodass im Laufe einer Partie immer weniger Anfangsbuchstaben zur Verfügung stehen. Es sei denn, der erste Rateversuch ist direkt korrekt, dann gibt es eine neue Buchstabenkarte.

Mir gefällt das Spielprinzip, auch wenn es mir mit diesen speziellen Kategorien doch teilweise recht schwer fiel. Erschwerend kommt hinzu, dass die Filme die englischen Titel tragen und nicht die deutschen. Was bei Jaws für Der weiße Hai vielleicht noch bekannt sein könnte, wird bei anderen Titeln schon schwieriger zuzuordnen. Ebenso sind auch keine deutschsprachigen Songtitel oder Interpreten zu finden.
Dancing Birds
(ANNALENA Diks, 2-6 Spieler, 20 Minuten)
Bei einer Partie Dancing Birds kann man sich schnell an Rommé erinnert fühlen, denn es wirkt wie eine Einstiegsvariante zu diesem Kartenspielklassiker. Ziel ist es die eigenen Handkarten loszuwerden, indem man gleiche Werte oder Straßen ausspielt. Dabei darf man auch bei anderen Karten anlegen oder Joker austauschen. Es gibt sogar eine allgemeine Auslage, von der man Karten beim Ausspielen verwenden darf. Wer seine Handkarten los wird, bekommt dafür nicht nur einen Bonus, die anderen werden für übrige Handkarten bestraft. Auch die längste Straße wird belohnt, bevor die Karten abgeräumt werden und eine neue Runde beginnt. Gespielt werden mehrere Runden, bis eine Person eine bestimmte Punktzahl erreicht hat.

Capybara Run
(SUDHA Prakash, 2-6 Spieler, 20-30 Minuten)
Mit Capybara Run möchte Queen Games eine Variante des indischen Klassikers Pachisi herausbringen. Eine Seite des Spielplans ist für 2-4 Personen, die Rückseite ermöglicht es 5-6 Personen gemeinsam zu spielen. Ziel ist es durch Würfeln einer Sechs den eigenen Teich zu verlassen und sich mit seinen vier Figuren den Spielplan zu umrunden. Auf sicheren Felder ist das Schlagen nicht gestattet. Zudem gibt es die Möglichkeit Gruppen zu bilden. Solche Gruppen können sich gemeinsam bewegen, dann aber nur so weit, wie die Hälfte der gewürfelten Werts. Man kann Gruppen auch wieder auflösen und einzeln weiterziehen. Die Gruppen bilden allerdings Barrikaden, an denen einzelne Figuren nicht vorbei kommen. Nur Gruppen kommen vorbei oder können andere Gruppen schlagen.

Fazit
Die Stefan Feld City Collection wächst weiterhin, sie wird uns sicherlich noch einige Jahre begleiten. Ich bin gespannt auf die Folded Space-Kooperation und ob solche Inserts noch häufiger in den Spielen zu finden sein werden. Denn seien wir mal ehrlich, die Pappboxen mit den standardisierten Papptrennern sind eher suboptimal. Bei Valencia haben wir sogar Probleme die einzelnen Schachteln überhaupt aus der Schachtel nehmen zu können, da diese so fest sitzen.
Neben der City Collection werden erfolgreiche Reihen weiter ausgebaut, wie dieses Jahr mit gleich zwei Titeln zu Alhambra. Auch ein neues Schachtelformat wird bei Queen Games eingeführt: Kleine Schachteln für Kartenspiele mit Schlaufe zum Aufhängen. Damit erhofft man sich bestimmt mehr Optionen im Handel platziert werden zu können.
Es war wieder ein rundum gelungenes Wochenende mit leckerem, indischen Essen, interessanten Gesprächen und spannenden Spieleindrücken. Bei den Brettseggeln habe ich mich auch schon mit Pete zu unserem Eindrücken des Wochenendes unterhalten:
https://brettseggel.podcaster.de/podcasts/vorrunde-53-beijing-manila-von-dramen-und-dschunken/(externer Link)