Entropy

– Ersteindruck –
Entropy - Cover
Entropy – Cover / Foto: Board&Dice

Entropie ist ein Begriff, dessen Bedeutung ich nicht so richtig greifen kann. Es hat wohl etwas mit einer “unausweichliche(n) Naturgewalt” zu tun, die sich nutzen lässt um die Gesetze des Universums nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Da trifft es sich gut, dass mich Spielmechanismen in der Regel mehr interessieren, als deren thematische Einbindung. Die Namen der Autoren lassen mich auch aufhorchen: Simone Luciani kennt man bereits von einigen interessanten T-Spielen. Nestore Mangone hat unter anderem an Newton sowie Shackleton Base mitgewirkt. Und Tommaso Battista an Wasserkraft. Das sind doch ideale Voraussetzungen für ein Gemeinschaftswerk.

Simulation

Ähnlich wie auch schon bei Civolution sitzen wir bloß an einer Konsole, von der aus wir alles steuern können und wollen in einer Abschlussprüfung mit unserem Können glänzen. Die Konsolen sind in Entropy allerdings viel kleiner. Jede Person legt dort nur drei der asymmetrische Fokus-Karten an und hat jeweils vier Plätze zur Ablage der eigenen Schöpfungs-Marker. Dafür nimmt der gemeinsame, runde Spielplan zusammen mit den einzelnen Sonnensystemen, die bei jedem aus Planeten, Sonnen und Biomen entstehen, auf dem gesamten Spieltisch nicht wenig Platz ein. In der Schachtel findet man auch so einiges, kleinteiliges Spielmaterial, teils kleine Holzfigürchen, teils Pappplättchen. Zur Aufbewahrung liegen diverse Zip-Tüten bei, doch der Spielauf- und -abbau nimmt seine Zeit in Anspruch.

It goes round and round…

Ein zentraler Aspekt ist das Aktionsrondell. Auf einem immer gleichen, inneren und einem variablen, äußeren Ring sind Aktionsfelder angeordnet. Der eigene Wissenschaftler darf sich um bis zu drei Abschnitte bewegen. Allerdings gibt es einen besseren Bonus bei weniger Schritten. Sind fremde Wissenschaftler anwesend, wenn man die Bewegung beendet, addiert man einen Schritt hinzu, der Bonus fällt also kleiner aus oder man muss sogar drauf zahlen, wenn man trotzdem drei Felder gelaufen sein sollte. Die drei Hauptaktionen sind auf dem äußeren Ring zu finden. Sterne zu verdichten, Planeten zu formen oder Leben zu erschaffen funktioniert nur mit den entsprechenden Schöpfungs-Markern. Befinden sich diese noch auf dem Rondell oder sind in diesem Zug erst zurück gekehrt, darf die Aktion gar nicht gewählt werden. dann bleiben nur die Aktionen des äußeren Rings, die insgesamt etwas schwächer sind. Deren Erträge helfen dabei, die stärkeren Aktionen vorzubereiten. Nach der zweiten kompletten Umrundung steht einem ein universeller Schöpfungsmarker zur Verfügung, mit diesem triggern aber die Fokuskarten nicht. Diese können bei jedem Einsatz dieses Markers starke Boni mit sich bringen, wenn sie bereits aufgewertet wurden. So spezialisieren sich die Spieler alle in unterschiedlicher Richtung, etwas erinnert mich dies an die spezialisierten Tableaus bei Nukleum. Für jedes Fokuskarten-Set existiert auch eine spezialisierte Übersichtskarte zu den grundlegenden Übersichten. Diese sind, wie man es von Board & Dice gewohnt ist, sehr ausführlich, was dabei hiftt den Spielablauf zu verinnerlichen.

…bis es explodiert

Zusätzlich zu den Fokus-Spezialisierungen lassen sich an vielen Stellen weitere Boni triggern: Beim Ausspielen von Karten, bei neuen Planeten, wenn dort Asteroiden hinzukommen, durch Biome bei passenden Aktionen, durch Aktivierung von Sternen, usw. Während einer Partie wächst nicht nur die physische Auslage der Sonnensysteme auf dem Spieltisch, wo jeder Stern Platz für bis zu zwei Planeten hat, denen jeweils bis zu drei Karten und bis zu fünf Lebensformen jeder Art zugewiesen werden können, sondern auch das, was man im eigenen Zug alles aktivieren kann. Und das fühlt sich sehr belohnend an. Damit es zu solchen Situationen kommt, ist jedoch einige Vorausplanung von Nöten. Viel zu schnell hat man übersehen, dass ein Schöpfungs-Marker noch gar nicht wieder zur Verfügung steht oder man noch eine andere Aktion als Zwischenschritt benötigt oder eine Ressource für eine Lebensformkarte abgeben muss, die man an anderer Stelle aber noch eingeplant hatte. Mir gefällt diese Art der Optimierung, auch wenn es sich etwas auf die Spielzeit auswirkt.

Die Interaktion beschränkt sich auf das im Weg stehen im Rondell und den gemeinsamen Zugriff auf Karten und Biome. Sowie das Auslösen des Spielendes, denn sobald zwei der sechs Endbedingungen erreicht sind, folgt nur noch eine letzte Runde. Zu den im Spiel gesammelten Punkte kommen nun noch Punkte für die Hauptziele, deren Multiplikatoren im Laufe einer Partie erhöht werden können. Diese Ziele können, genau wie die Anordnung der Aktionsplättchen, von Partie zu Partie variieren. In jeder Partie erzeugt es bei mir ein gutes Gefühl, etwas Entstehen zu lassen und es bleibt das Gefühl, dass die ganzen Boni doch noch besser kombinierbar sein müssten. Das wiederum lässt mich immer wieder gerne eine Partie Entropy spielen.

Verlag: Board & Dice / Frosted Games
Autor(en): Simone Luciani, Nestore Mangone, Tommaso Battista
Illustrator(en): Piotr Orleański, Sławomir Rybka,Mikołaj Lasota, Zbigniew Umgelter
Erscheinungsjahr: 2026
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 90-150 Minuten

Vielen Dank an Board & Dice für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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