Auch nach Friedberg zu Pegasus Spiele ging es dieses Jahr endlich wieder in der Vorbereitung der SPIEL’26. Wie auch schon bei meinem letzten Besuch wurde der Tagesablauf etwas aufgebrochen und es gibt kein festes Rahmenprogramm mehr, sondern nur wenige offizielle Programmpunkte, sodass viel Zeit zum freien Spielen bleibt. Fast alle Neuheiten lagen auch schon vor, so konnte man aus einem großen Angebot wählen von Sommer-Neuheiten bis zu anstehenden Herbst-Neuheiten. Gespielt haben wir nicht in einem Zelt, sondern im neu gebauten Lagergebäude.
Eine kurze Vorstellung der mehr als 25 Neuheiten wurde dieses Jahr bereits vorab aufgezeichnet, weswegen auch dieser zeitfressende Programmpunkt entfallen konnte. Fast alle dieser Neuheiten waren auch schon zum Spielen verfügbar oder schaffen es ziemlich sicher rechtzeitig zur SPIEL zum Verkauf vorzuliegen. Vor allem ist man bei Pegaus stolz darauf, dass immer mehr Eigenentwicklungen darunter sind. Mit Boss Fighters QR ist man im vergangenen Jahr ein großes Risiko eingegangen, es war die bislang höchste Startauflage eines Eigentitels. Doch es hat sich gelohnt und mittlerweile wurden über 100.000 Exemplare in 17 Sprachen veräußert. Zum Kennerspiel des Jahres 2026 war es nominiert und beim Deutschen Spielepreis ist Boss Figthers QR in den Top 3 gelandet und hat damit noch die Chance mit dem Deutschen Spielepreis 2026 ausgezeichnet zu werden.
Die Erweiterung Dschungelfieber plant Pegasus ab der SPIEL’26 zu verkaufen. Bei der Entwicklung soll viel Spielerfeedback eingeflossen sein. Gewünscht waren nämlich mehr Helden/Klassen statt neuer Bossgegner. Mit dem Dschungel wurde ein Thema gewählt, welches auch optisch einiges hergibt. Besonders stolz gab es die Ankündigung, dass das neue Rätselspiel Fragments: Solara beim Presseevent seine Weltpremiere hatte, obwohl es keine Eigenentwicklung ist, sondern diesen Herbst auch bei IELLO veröffentlicht wird. Ich konnte nach der BerlinCon bereits das Demo-Spiel erleben und bin gespannt auf das vollständige Puzzle- und Rätselspiel. Das umfangreichere Kennerspiel Fragments: Fungatai schafft es leider nicht mehr zur SPIEL’26, darauf kann man sich zu Beginn des kommenden Jahres freuen.
Pegasus besinnt sich auch regelmäßig auf die eigenen Wurzeln. Angefangen haben sie mit Rollenspielen und dieses Jahr veröffentlichen sie die 6. Edition des Regelwerks zu Midgard mit Legenden von Damatu. Zusätzlich zum Grundregelwerk ist einiges Zusatzmaterial geplant.
Die Rollenspiel-Parodie Munchkin ist seit über 20 Jahren fest im Verlagsprogramm und bekommt ein weiteres Super-Mega-Set. Nach dem Erfolg des ersten Sets mit allen Inhalten zum Fantasy-Spiel inklusive zweier völlig neuer Booster-Packs enthält das zweite Super-Mega-Set Warhammer 40k noch mehr erstmals auf Deutsch erscheinende Inhalte: Diverse (Mini)-Erweiterungen, Promo-Karten und Lesezeichen.
Medico
(STEFAN FELD, 60-90 Minuten, 2-4 Personen — H@LL Games)
Zum Start in den Tag hatten wir uns zu einer Partie Medico angemeldet. Dies ist ein neues H@ll Games-Spiel von Stefan Feld. Bei Medico reisen bis zu vier Personen als Bader von Ort zu Ort, um ausreichend Wissen auf dem Weg zu einem Medicus zu erlangen. Pegasus veröffentlicht dieses Spiel als Kennerspiel und so empfinde ich es auch. Die Aktionen sind leicht zu erlernen, eine Partie verläuft relativ flott. Doch die meisten Punkte zu generieren ist in der Kürze der Spielzeit nicht trivial. Mr hat dieses Pickup-and-Deliver-Spiel gefallen, auch wenn ich in unserer ersten Partie “nur die Regeln gelernt habe”. Nächstes Mal spiele ich dann hoffentlich auch um den Sieg mit. Punkte gibt es in Feld’scher Manier wieder für viele Dinge, man sollte die beste Kombination entdecken und mit passenden Gunstkarten für zusätzliche Optionen die Nase vorn haben. Die verwendeten Orte sind fiktional und ihre Symbole sind an vorherige Veröffentlichungen von H@ll-Games angelehnt – das mag ich.

Dorfromantik – Südsee
(Michael Palm / Lukas Zach, 45 Minuten, 1-4 Personen)
Nach einer kleinen Stärkung fühlten wir uns direkt an unseren letzten Pressetag 2024 erinnert. Denn wie auch damals spielten wir mit Jasmin und Jan von der Brettspielerunde eine Partie des neuen Dorfromantik-Ablegers. Nur ist es dieses mal nicht asiatisch angehaucht, stattdessen kommt Südsee-Feeling auf. Wieder gibt es sechs verschiedene Landschaftsarten mit zugehörigen Aufträgen, wobei hier nur der Steg passend fortgesetzt werden muss. In der ersten Partie ignoriert man einige neue Elemente, da diese erst nach und nach über das Kampagnenblatt hinzukommen. Die Südsee passt perfekt zu Dorfromantik, da ist es nicht verwunderlich, dass der erste Prototyp schon in dieses Thema hatte.
Wie auch schon bei Dorfromantik – Sakura, sind nicht alle Wege auf dem Kampagnenblatt durch erspielte Kreuze zu erreichen, aber viel mehr möchte ich an dieser Stelle noch gar nicht verraten. Was ich euch sagen kann, dass mir das Entdecken wieder viel Spaß bereitet, sodass ich es allen Dorfromantik-Fans empfehlen kann, die eine neue Herausforderung suchen.

Kalypso
(GILLES TURBIDE, 45-60 Minuten, 1-4 Personen)
Auch bei Kalypso sind wir im Meer unterwegs, nur hier befinden wir uns in einem postapokalyptischen Szenario. Auf zwei Ebenen entsteht auf dem Wasser eine neue Stadt, Überlebende rette wir aus dem Wasser. Das Treibgut für den Untergrund, auf dem wir neue Gebäude errichten können, draften wir im Uhrzeigersinn und umgekehrt. Diese Plättchen und die Tableaus sind speziell beschichtet, sodass sie aneinander haften. Das hilft beim Weitergeben der Plättchen und so verruckelt die Basis auch nicht auf dem eigenen Tableau. Nur die Gebäudeplättchen darauf sind aus normaler Pappe und können verrutschen. In vier Runden müssen wir auch mit den Wetterbedingungen zurecht kommen, die uns im kompetitiven Spiel unsere Mistspieler zuweisen. Bei Spielende gibt es eine umfangreiche Wertung für das erschaffte Gebiet, den darauf entstandenen Gebäuden und das Erreichen von Siedlungszielen damit.
Es gibt auch eine kooperative Spielvariante, die wir allerdings nicht ausprobiert haben. Ich spiele ja lieber die vom Autoren präferierte Variante und tue mich daher schwer mit Spielen, die man so oder so spielen kann. Auch wenn es schon Ausnahmen gab, bei denen beides für mich gut funktioniert, wie z.B. bei Endeavour – Die Tiefsee. Mir hat unsere Partie Spaß gemacht, auch wenn sich die Wetterkarten ein wenig ungerecht anfühlten, da manche Sofort-Effekte haben, während andere zusätzliche Punkte bei Spielende einbringen können. Insgesamt fehlt mir doch das Besondere, um dieses Plättchenlegespiel anderen vorzuziehen.

Raas – Tanz der Liebe
(Mihir Shah/SHAlEEn HALALKA , 30-90 Minuten, 1-6 Personen)
Raas – Tanz der Liebe hat einen hohen Aufforderungscharakter, denn die sieben Drehscheiben wirken wie kreisförmig tanzende Menschen, wofür der traditionelle Volkstanz aus Indien bekannt ist, dessen Namen dieses Spiel trägt. Die Drehscheiben verändern den Spielplan jede Runde und bieten daher unterschiedliche Möglichkeiten an Würfel und Aktionen zu gelangen. Dafür ist auch die Sitzposition der einzelnen Personen entscheidend. Mit den Aktionen gelangt man an farbige Stäbe und Kleidung oder kann auf den drei Leisten aufsteigenden, für Punktemultiplikatoren bei den drei Wertungen während einer Partie. Wir haben die Einstiegsvariante gespielt und für mich war es persönlich etwas zu seicht. Da die Drehscheiben nicht fest verbaut sind, empfand ich das gesamte Konstrukt auch relativ wacklig.

12 Rivers
(Hisashi Hayashi, 30 Minuten, 2-5 Personen)
Auch 12 Rivers hat einen hohen Aufforderungscharakter. Der Spielplan steht leicht schräg und es finden Murmeln über verschiedene Bahnen ihren Weg nach unten. Optisch kann man sich an das Kinderspiel 2022 Zauberberg erinnert fühlen – spielerisch bietet das 2022 zuerst im Original veröffentlichte 12 Rivers aber mehr. Mit Holzmarkern versperrt man die Bahnen, um sich dann eine der hübschen Perlen nehmen zu dürfen. Umso höher man einen Marker platziert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eine gesuchte Farbe zu ergattern, allerdings muss man dafür mit Karten bezahlen. Diese können sonst hilfreiche Sonderfunktionen bieten, müssen dafür aber im Doppelpack ausgespielt werden. Die Perlen werden auf einem Alpaka zwischengespeichert und am Ende jeder Runde auf eigene Personenplättchen verteilt, deren Felder bestimmt Anforderungen an die Farben haben. Diese Personen bringen zusätzliche Punkte bei Spielende. Wenn man vom auffordernden Aufbau mal absieht, bleibt ein solides Set Collection-Spiel mit interaktiven Elementen.

Wolfsmond
(Michael Palm / Lukas Zach, 20-50 Minuten, 2-5 Personen)
Bei Wolfsmond denkt man vielleicht schnell an die Social Deduction-Spiele rund um Werwölfe, liegt damit aber ziemlich daneben. Wenn man es gespielt hat, erkennt man welches Spiel die Autoren dazu inspiriert hat: Love Letter. Man hat eine Karte auf der Hand und zieht im Zug eine weitere, um danach eine auszuspielen oder tauscht mit einer offenen Auslage. Auch hier ist es möglich eine Runde durch Ausscheiden zu verlieren. Eine Möglichkeit zu gewinnen ist es als einzige Person im Spiel zu bleiben. Im Kartenstapel sind nun auch Vollmond-Karten, beim dritten Vollmond gewinnt die Werwölfin, wenn jemand diese Charakterkarte dann auf der Hand hält. Es gibt aber auch weitere Charaktereffekte und Siegmöglichkeiten. Ich empfand es nach dieser ersten Partie etwas zu chaotisch, da bevorzuge ich doch das originale Love Letter.

Minikin City
(SIMONE LucianI/MATTHIEU VERDIER, 30 Minuten, 2-5 Personen)
Auch ein zugängliches Familienspiel an dem Simone Luciani mitgewirkt hat, weckt Erinnerungen an den letzten von mir besuchten Pegasus Pressetag. Damals haben wir MESOS angespielt, dieses Jahr Minikin City. Minikins sind kleine Figürchen, die sich in Haushaltsgegenständen ein neues Zuhause errichten. Runde für Runde spielen wir eine Karte, um entsprechend ihrer Stich-Rangfolge Belohnungen zu erhalten. In umgekehrter Reihenfolge wählen wir eine neue Handkarte. Die ausgespielten Karten haben zudem einmalige Belohnungen oder zählen bei Spielende. Wir sammeln bestimmte Symbole und auf manchen Karten können wir die Minikins einziehen lassen. Auch wenn es Stichspiel-Elemente verwendet. fühlt es sich nicht wie ein reines Stichspiel an. Mir hat es gut gefallen.

Ausblick
Auch diesen Herbst erscheinen bei Pegasus vielfältige, interessante Titel, von denen wir nur einen kleinen Teil spielen konnten. Erfolgreiche Serien bekommen Erweiterungen (u.a. Bomb Busters, Boss Fighters QR, Light Speed Arena), neue Editionen (u.a. Flamme Rouge, Onitama) oder neue eigenständige Ableger (u.a. Emerland – Ein Spiel in der Welt von Everdell, Dorfromantik – Kopf an Kopf) und neben Lokalisierungen (u.a. Tax the Rich, La Cuenta, Positano) hat Pegasus auch vermehrt eigene Titel im Programm (u.a. Spirits of Valenor, Wolfsmond).
Auch die Partner-Verlage bringen diesen Herbst Neuheiten heraus. Das Kennerspiel Rooms&Roomies von Deep Print Games konnte ich bereits auf der BerlinCon anspielen. Von Friedemann Friese erscheint diesen Herbst mit Familiar Feat ein hübsch illustriertes Solospiel. Das schon länger angekündigte Hidden Games Ermittlerspiel Alarmstufe Rot soll es nun zur SPIEL’26 schaffen, die darin beschriebene „komplexe Bedrohungslage“ wurde zusammen mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz entwickelt.
Abschließend möchte mich für die gelungene Durchführung bedanken, die es uns ermöglicht in entspannter Runde viele Spiele kennen zu lernen und gute Gespräche zu führen. Als nächstes Event steht auch schon die SPIEL an, auf der ich viele Personen treffe, mit denen ich die vergangenen Wochenenden bereits verbringen durfte, aber sicher auch noch viele andere und darauf freue ich mich schon.