Brettspiel-Festival

Brettgeschichte Logo

Logo / Foto: Brettspielpoesie

Bei der Neuheitenschau auf der Spiel’17 wurde ich plötzlich auf englisch angesprochen. Das alleine ist dort keine Seltenheit, doch was ich hörte war ein astreiner britischer Akzent, ein Träumchen! Nicht erst seit ich mehrere Monate in England verbringen durfte, liebe ich diese Aussprache. Caroline Mosdell war es, die mich ansprach, um mir ihr Spiel Festival Board Game näher zu bringen. Da ich selber gerne auf Musik-Festivals gehe, war ich direkt interessiert an dem Spiel. Ich erzählte etwas über mich und den Blog, mit dem Namen „like board game poetry“ und Caroline meinte, sie hätte das perfekte Spiel für mich. Ihr Mann Jeremy kam hinzu und beide erzählten uns davon, wie sie das Spiel für ihre Kinder entwickelten. Doch es blieb nicht dabei es mit ihren Kindern zu spielen, auch wenn Freunde kamen wurde Festival hervor geholt und viel Spaß verbreitet.

Nun sind die Kinder älter geworden und die Eltern wollen weitere Familien und Spieler aller Art mit dem Spiel beglücken. Sie entschieden sich für eine Kickstarter-Kampagne, die so viel Geld einbracht, dass die Produktion starten konnte. Und das ebnete auch den Weg nach Essen, um das Spiel auf der Spiel unter die Spieler zu bringen. Ich habe das Spiel mitgenommen, um mir einen Überblick zu verschaffen, doch ist es für mich nicht viel mehr als die Kombination eines simplen Laufspiels und Activity. Vier Spieler oder Spielergruppen würfeln, laufen auf dem Spielplan herum, sammeln Gegenstände ein, lösen irgendwelche Ereignisse aus und müssen sich für viele Siegpunkte zum Affen machen. Genau das ist die Intention des Spiels: „Winning a backstage pass involves acting out things, guessing and performing, all guaranteed to make your friends laugh.“ Natürlich kann man lachen so oder so sehen, als über oder mit einem lachen, aber für viele sind solche Spiele einfach nicht geeignet. Auch als Party-Spiel gibt es so viele bessere Optionen, bei denen sich einzelne Spieler nicht zur Belustigung die Blöße geben müssen. Man nehme zum Beispiel das Spiel des Jahres 2016. Bei Codenames werden nur einzelne Wörter benutzt, um auf mehrere Wort-Karten zu deuten. Das hat bei uns bisher in jeder Gruppe funktioniert, auch wenn manche sich mit der Rolle des Agentenführers wirklich schwer tun.

Festival Board Game Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Festival Board Game-Autoren schreiben zu der Kickstarter-Kampagne, dass es nicht auf das Gewinnen ankommt, sondern um den Spaß am gemeinsamen Spielen. Doch können das andere Spiele auch bereits sehr gut. Bei Concept (2013, Gaëtan Beaujannot und Alain Rivollet, Repos Production) zählen wir nie irgendwelche Punkte, es macht einfach Spaß Begriffe anhand von vorgegebenen Piktogrammen zu erklären und zu erraten. Ebenso lange kann man sich mit Word Slam (2016, Inka und Markus Brand, Kosmos Verlag) beschäftigen. Das gleiche Prinzip, nur werden hier vorgegebene Wortkarten verwendet und zwei Teams vermitteln und raten parallel. Da will man natürlich mehr erraten als das gegnerische Team, doch spielen wir immer alle Karten zu Ende, auch wenn das Ergebnis fest steht, weil es einfach total witzig werden kann. Und erstaunlich, mit wie wenig Begriffen etwas umschrieben werden kann. Bei Invisible Ink (2017, Martin Nedergaard Andersen, Huch!) wird gemalt, doch bekommt man viele Spieler dazu, die nicht von sich behaupten malen zu können, weil sie selbst oder alle Ratenden gar nicht sehen können was für Gebilde entstehen. Durch Brillen, welche die Spieler je nach Würfelergebnis aufsetzen müssen, sieht man die gelbe Farbe nicht, die zum Malen verwendet wird. Die Aufgabe ist es, anhand der Handbewegung die Begriffe zu erkennen. Alle diese Spiele machen einzelne Elemente des Festival Board Games besser, ohne das Spieler bloß gestellt werden. Und mit ihnen kann man sich fast unbemerkt diverse Stunden beschäftigen, auch wenn es eintönig klingt. So viel Abwechslung wie Festival Board Game bieten möchte, benötigt man gar nicht um gemeinsam lange Zeit Spaß mit einem Brettspiel zu haben. Zwischen den Ereignissen passiert hier auch einfach zu wenig, die Spieler- oder Gruppen laufen herum und versuchen Dinge einzusammeln. Wenn sie dann die erforderlichen Backstage-Pässe und Camping-Gegenstände eingesammelt haben, geht es zur Main Stage, wo eine Wissensfrage beantwortet werden muss, um das Spielende herbei zu führen. Die korrekte Beantwortung bringt zusätzliche Punkte ein. Bei Spielende werden die gesammelten Punkte verglichen um den Sieger zu bestimmen.

Festival Board Game Karten

Karten / Foto: Brettspielpoesie

Die Entstehung dieses Spiel finde ich bemerkenswert und es freut mich, dass diese Familie damit viel Spaß hat. Ich denke aber auch, dass dieses Spiel nur einen sehr kleinen Kreis an Spielern anspricht, die wirklich Bock auf die unterschiedlichen Aufgaben haben. Grafisch erkennt man auf den ersten Blick die Umsetzung ohne erfahrenen Grafiker, doch ist das alleine noch lange kein Grund das Spiel abzulehnen. Das Spielprinzip ist meiner Meinung nach nicht fesselnd genug und muss sich gegen zu viele bestehende Spiele durchsetzen, die einzelne Elemente einfach besser umsetzen. Mir ist auch nicht ganz klar, was die einzelnen Show-Elemente bei einem Festival zu suchen haben, aber vielleicht sind englische Festivals anders ausgelegt. Vor diesem Blog war ich Teil des Poetenkollektivs Löwenmaul, einer Gruppe aus jungen Menschen, die gemeinsam Texte schreiben und diese in Szene gesetzt vortragen. Da diese Gruppe Menschen aller Nationen offen steht, ist englisch dort keine Seltenheit, auch gemeinsame Aktionen mit einer Gruppe aus Nottingham gab es in der Vergangenheit. Das wäre meiner Meinung nach eine optimale Gruppe für diese Art von Spiel. Allen anderen kann ich es leider nicht uneingeschränkt empfehlen.

Festival Board Game Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

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