Dragon Castle

Dragon Castle Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Umso mehr Spiele am Markt existieren, desto häufiger werden bekannte Mechaniken als Grundlage für eine Spielentwicklung genommen. Das ist auch gar nicht schlimm, denn so wie sich die gesamte Welt und damit auch die Spieler verändern, verändert sich auch deren Anspruch an Spiele. Was haben wir als Kinder nicht alle Monopoly, Memory oder Scrabble rauf und runter gespielt!? Das war damals in Ordnung, man kannte halt noch nicht viel mehr. Das sieht heute bei mehr als 1.000 Neuheiten pro Jahr alleine auf der Spiel in Essen ganz anders aus. Und dennoch haben manche Spiele etwas nostalgisches, weil es einen an eine Zeit erinnert, in der alles besser war. So ist das nämlich mit dem Gehirn, die guten Erinnerungen bleiben viel länger bestehen, daher gaukelt uns das Gehirn diesen Zustand so oft vor. Doch wenn die Mechanismen aus heutiger Sicht nicht mehr so funktionieren, vergeht heute der Spielspaß schnell. Wenn sich solche Umsetzungen jedoch frisch und originell anfühlen, ist das Spielerherz zufrieden. So wie bei Dragon Castle, der modernen Mahjong-Variante als Brettspielumsetzung.

Spielmaterial:

Das Spielmaterial ist klasse. 116 schwere Spielsteine sind der Mittelpunkt dieses Spiels. Es gibt zwei Sorten: Während die Steine der drei Farben gelb, grün und rot die Werte 1 – 6 mit Symbolen dargestellt zeigen, sind die Steine in blau, schwarz und rosa seltener und tragen Jahreszeiten, Winde bzw. Drachen als Symbole. Sie werden auf den Hauptspielpänen aus dünner Pappe zu einer gemeinsamen Auslage gestapelt (Auf den Bildern wurde die Promo-Matte verwendet, die auf der Spiel’17 von Horrible Games ausgegeben wurde). Jeder Spieler erhält ein eigenes Spielertableau, ebenfalls aus dünner Pappe. Zudem gibt es 40 Schreine aus Plastik, 85 Siegpunktmarker, sieben Zeitplättchen, einen Startspielermarker und 24 Karten. Vier davon sind Übersichtskarten, die den Spielern die Aktionen und Wertungen übersichtlich darstellen.

Spielmechanismus:

Für die Drachenburg gibt es verschiedene Vorlagen und Empfehlungen, welche Vorgaben an eigene Anordnungen bestehen. Sie entsteht in der Mitte aus den 116 Spielsteinen. Thematisch stürzt sie gerade ein und die Spieler nehmen die Überreste, um eigene Drachenburgen zu erbauen. Dafür nehmen sie sich Steine aus der Drachenburg und legen sie auf ihre eigenen Spielpläne. Sobald dort mindestens vier Steine gleicher Farbe aneinander liegen, werden diese sofort umgedreht. Abhängig von der Anzahl Steine erhält der Spieler Siegpunkte. Hat man Schreine im eigenen Vorrat, darf bei den nummerierten Steinen anschließend ein Schrein platziert werden, bei den anderen Farben zwei Schreine. Die Steine mit Drachensymbol bringen sogar noch einen zusätzlichen Siegpunkt. Auf umgedrehten Steine dürfen ebenfalls Steine platziert werden, die maximale Stapelhöhe beträgt drei Steine.

Dragon Castle Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Als Aktion im eigenen Zug versucht man an Spielsteine aus der großen Drachenburg zu gelangen. Es dürfen bis zu zwei Spielsteine genommen werden, beide müssen das gleiche Symbol zeigen und mindestens einer dieser Steine muss aus der obersten Ebene genommen werden. Genau wie bei Mahjong dürfen nur Steine genommen werden, deren lange Kante frei liegt. Alternativ wählt man nur einen Stein der obersten Ebene und nimmt sich einen Schrein in seinen Vorrat. Wer in seinem Zug gar keinen Stein nehmen möchte, wählt einen Stein, den er umgedreht vor sich ablegt. Dafür bekommt der Spieler einen Siegpunkt. Erst wenn nur noch Steine der untersten Ebene zur Auswahl stehen, gibt es eine weitere Aktion. Man kann den Drachen herbei rufen, indem man das vorderste Zeitplättchen nimmt. Dieses bringt zwei Siegpunkte ein und bringt das Spielende näher.

Dragon Castle Spielkarten

Spielkarten / Foto: Brettspielpoesie

Die ersten Partien werden noch ohne Karten empfohlen, später können die Drachen- und Geisterkarten hinzugenommen werden. Jeweils eine zufällig ausgewählte Gunst der Geister modifiziert eine Aktion oder ermöglicht eine Zusatzaktion, wenn ein offen liegender Spielstein oder ein Schrein abgelegt wird. Eine Drachenkarte bietet eine weitere Möglichkeit bei Spielende an Siegpunkte zu gelangen. Erfahrene Spieler können auch mehrere dieser Karten in einer Partie verwenden.

Spielende:

Ist das Ausrufezeichen ! auf dem Spielplan zu sehen, nachdem ein Zeitmarker entfernt wurde, ist die aktuelle Runde die letzte Runde der Partie. Die Spieler erhalten dann noch Punkte entsprechend der Ebene (1., 2. oder 3.), auf der sie Schreine platziert haben. Wurde eine Drachenkarte ausgewählt, kann diese zusätzliche Punkte einbringen. Der Spieler mit der höchsten Punktzahl konnte den Drachen zu seiner Burg locken und die Partie gewinnen.

Spieleranzahl:

Dragon Castle funktioniert mit jeder Spieleranzahl. Es werden immer alle Spielsteine verwendet, nur die empfohlenen Drachenburgen variieren je nach Spielerzahl. Zudem werden die Zeitplättchen so verteilt, dass jeder Spieler in der letzten Runde noch eines nehmen kann, auch wenn der erste Spieler in der Reihenfolge sich für diese Aktion entscheidet. Zu zweit können spannende Zwickmühlen entstehen, wenn einem Spieler mehrere Optionen gelassen werden, die alle dazu führen dem Gegenspieler lukrative Steine freizumachen. Es entsteht dadurch ein direkteres Duell als im Spiel zu viert, wo man nicht auf alle Spieler achten kann und eher auch mal bei einen Zug nur an sich denken muss. Das kann zum Beispiel eintreten, wenn man noch unbedingt einen bestimmten Stein benötigt und die Gefahr zu groß ist, dass dieser nicht mehr zur Verfügung steht, bis man wieder an der Reihe ist.

Glücksfaktor?

Ein Teil der Steine ist bereits zu Beginn bekannt, nur bei Spielsteinen welche in Stapeln aufeinander liegen, weiß man nie genau, welcher Stein sich darunter befindet. Dadurch kann es passieren, dass man einen Stein wählt und damit einen lukrativen Stein für einen Mitspieler freilegt. Dem kann man nur entgehen, indem man keine Steine vom Rand wählt, sondern nur welche, deren untere Steine noch nicht am Rand liegen. Entscheiden sich mehrere Spieler für die gleiche Farbe, ist es für den einzelnen schwieriger Flächen dieser Farbe zu vervollständigen.

Fazit:

Schon beim ersten Spielen des Prototypen auf Burg Stahleck hat mich dieses Spiel überzeugt. Die Regeln wurden noch etwas nachjustiert, was sie zugänglicher macht, da die Ermittlung der Punkte vereinfacht wurde. Das Spiel hat einen hohen Aufforderungscharakter, fast jeder sieht die Mahjongg-Steine als etwas Bekanntes an, mit dem die meisten schon viel Zeit verbracht haben. Der Aufbau der Drachenburg zieht sich etwas, da die 116 Spielsteine in bestimmter Anordnung platziert werden müssen. Doch dann spielt es sich recht flott. Wie auch beim bekannten Computerspiel, spielt man in erster Linie nur für sich. Interaktion kommt im Laufe des Spiels bei der Auswahl der Steine aus der Drachenburg ins Spiel, wenn die Spieler nicht nur darauf aus sind für sich selbst das Beste heraus zu holen, sondern auch darauf achten, welche Steine sie den Mitspielern nicht überlassen dürfen. Es ist also eher eine indirekte Interaktion, man verhindert vielleicht die bestmögliche Option für den Mitspieler, zerstört aber nichts, was er bereits aufgebaut hat.

Auch auf dem eigenen Tableau sind taktische Entscheidungen notwendig. Führt man Gebiete aus wenigen Steinen zusammen, wird das mit wenigen Punkten belohnt, wartet man jedoch darauf große Gebiete zu verbinden, setzt man sich der Gefahr aus, diese Gebiete nicht mehr vereinen zu können, weil man die entscheidenden Steine nicht erhält. Zu Beginn kann es sich lohnen kleine Gebiete zu errichten, um früher in die Höhe bauen zu können, wofür bereits umgedrehte Steine notwendig sind. Steine umzudrehen lohnt sich in der Regel nur dann, wenn auch Schreine im eigenen Vorrat sind, die platziert werden dürfen. Um an diese zu gelangen bleibt es nicht aus, einzelne Steine zu nehmen. Besonders wenn die oberste Ebene nur noch aus wenigen Steinen besteht, ist dies oft eine lukrative Option. Die Steine auf dem eigenen Spielstein umzudrehen ist nichts für Grobmotoriker, vor allem bei Steinen in der Mitte anderer Steine ist das oft nicht ganz einfach.

Das Spiel besticht durch seine Optik und das hochwertige Material, auch wenn die Papptableaus etwas dicker sein dürften. Das Thema ist natürlich aufgesetzt, es ist eigentlich ein eher abstraktes Spiel. Die Symbole haben zwar in der Anleitung beschriebene Bedeutungen, aber im Spielverlauf werden Farben genannt und nicht die erdachte Funktion dieser Farbe. Das Spielprinzip funktioniert gut und ist durch die verschiedenen Aufbaumöglichkeiten der Drachenburg und den Geister- bzw. Drachenkarten immer wieder anders. Erst wenn diese Karten hinzugenommen werden, gibt es eine genaue Vorgabe, was mit der eigenen Drachenburg erreicht werden sollte und es spielt sich richtig rund. Diese Varianz erzeugt zudem großen Wiederspielreiz.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Horrible Games / Vertrieb: Asmodee
Autor(en): Hjalmar Hach, Luca Ricci, Lorenzo Silva
Erscheinungsjahr: 2017 (Deutsche Ausgabe: 2018)
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 30 – 45 Minuten

Vielen Dank an Horrible Games für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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