Spiel des Jahres 2018 – Prognose

Brettgeschichte Logo

Logo / Foto: Brettspielpoesie

Am 14.05.2018 ist es wieder so weit: Die Jury gibt die diesjährigen Listen zum Kinderspiel, Kennerspiel und Spiel des Jahres bekannt. Auch wenn ich dieses Jahr gefühlt schon sehr spät dran bin und meine Meinungen vielleicht nicht allzu sehr von denen der anderen abweichen, möchte ich euch gerne meine Prognose verraten. Gleich vorweg: Es fällt mir von Jahr zu Jahr wirklich schwerer, Tipps zu den Nominierungen abzugeben. 2016 hatte ich noch genau den richtigen Riecher und habe alle Nominierungen vorausgesagt, im letzten Jahr lag ich beim Spiel des Jahres noch richtig, konnte aber bei den Nominierungen zum Kennerspiel nur einen Treffer landen. Dieses Jahr bin ich so unsicher wie noch nie.

Wobei eines für mich schon lange feststeht: Azul (Michael Kiesling – Plan B Games) wird definitiv nominiert und ich denke trotz starker Konkurrenz auch weiterhin, dass es den Titel gewinnen wird. Tolles, haptisches Spielmaterial, dass einfach zum Spielen einlädt. Dazu wenig Regeln für einen leichten Einstieg. Und ein enormer Suchtfaktor. Wäre es nicht im gleichen Jahrgang wie Azul erschienen, würde ich Dragon Castle (Hjalmar Hach, Luca Ricci, Lorenzo Silva – Horrible Games) gute Chancen anrechnen. Es hat durch seine ebenfalls hochwertigen Mahjongg-Steine einen ähnlichen Aufforderungscharakter und ist leicht zugänglich. Aber in direkter Konkurrenz wird es sicherlich untergehen.

Daneben lege ich mich auf Luxor (Rüdiger Dorn – Queen Games) fest. Der Kartenauswahlmechanismus ist zwar nicht komplett neu, aber fühlt sich frisch und unverbraucht an. Er führt zu interessanten Zwängen und macht das Spiel dadurch auch für Vielspieler interessant. Dennoch ist der Einstieg total einfach und es gibt verschiedene Wege an Siegpunkte zu gelangen. Vor der Spielwarenmesse war Pioneers noch in meinem Fokus, wobei ich nicht sicher wäre, ob es noch als Familienspiel, oder schon als Kennerspiel durchgehen würde. Luxor konnte in unseren Gruppe jedenfalls wesentlich mehr Spieler erreichen, daher geht die Tendenz zu Luxor.

Das dritte Spiel festzulegen ist nun alles andere als einfach. Zu Beginn des Jahrgangs hatte ich noch Majesty (Marc André – Hans im Glück Verlag) auf dem Zettel, doch ist das wegen starker Konkurrenz mittlerweile hinten runter gefallen. Mich persönlich konnte es auch nicht überzeugen, aber ich glaube bei der Zielgruppe kommt es gut an. Wäre es vor Codenames erschienen, würde ich auch für Decrypto (Thomas Dagenais-Lespérance – Le Scorpion Masqué) gute Chancen auf eine Nominierung sehen. Ich denke aber, dass die Ähnlichkeit zum Spiel des Jahres 2016 zu groß ist. Zudem ist der Einstieg in der Regel etwas holpriger, dennoch ein großer Spaß für Gruppen ab vier Spielern.

Bereits auf der BerlinCon 2017 durfte ich Memoarrr! (Carlo Bortolini – Edition Spielwiese) kennen lernen, bei dem das Memory-Prinzip schön abgewandelt wurde. Eine Partie ist im Nu gespielt  und ich bin immer gerne dabei. Leider gibt es schon so viele passende Spiele in dieser Kategorie, dass in meinen Augen kein Platz dafür bleibt. Aber in der aktuellen Ausgabe wurde das Einstiegsalter auf sechs Jahre herab gesetzt und damit wäre es als Kinderspiel nominierbar. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass dieses Spiel irgendwie von der Jury gewürdigt wird. Ansonsten halte ich mich bei den Kinderspielen eher raus, haue aber daneben mal Funkelschatz und Rhino Hero Super Battle heraus, weil es die einzigen sind, die ich so am Rande mitbekommen habe.

Aber zurück zum Hauptpreis: The Mind (Wolfgang Warsch – Nürnberger Spielkarten-Verlag) ist ein spannendes Spielerlebnis, kann aber auch ziemlich in die Hose gehen, wenn die Spieler sich nicht darauf einlassen können. Daher würde ich es eher auf der Empfehlungsliste erwarten. Ebenfalls von diesem Autor ist Die Quacksalber von Quedlinburg (Wolfgang Warsch – Schmidt Spiele) erschienen, welches viele begeistert. Mich persönlich leider nicht, dennoch könnte ich mir gut vorstellen, dass es für eine Nominierung ausreicht. Auch wenn die Grenze zum Kennerspiel durchaus beweglich ist, sehe ich es beim roten Pöppel. Es ist einfach recht glückslastig und es gibt in meinen Augen auch gar nicht so viel zu erklären. Der Rundenablauf ist auf dem Spielplan aufgedruckt und die Zutaten kommen erst nach und nach, Runde für Runde ins Spiel.

Kommen wir nun zu den Nominierungen zum Kennerspiel. Ich habe mal geschaut, welche Spiele aus diesem Jahrgang ich mit vollen sechs Punkten bewertet habe. Das sind bisher gar nicht so viele. Escape Room Erweiterungen, Exit-Spiele und die zweite Season von Pandemic Legacy (Rob Daviau, Matt Leacock – Z-Man Games). Erweiterungen können grundsätzlich ausgeschlossen werden, denke ich. Die weiteren Exit-Spiele konnten qualitativ mit der ersten Serie mithalten, wenn nicht sogar noch etwas mehr bieten, dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass die Jury eine weitere Exit-Reihe nominiert. Für die zweite Pandemic Legacy Staffel fürchte ich dasselbe Schicksal, obwohl sie es in meinen Augen voll verdient hätte. Es ist auch nicht einfach eine Erweiterung oder eine Kopie der ersten Staffel, ich halte sie für eigenständig genug, für eine weitere Nominierung. Und dann vielleicht sogar den Sieg?!? Denn das Spielerlebnis war einfach grandios und sogar noch besser als Season 1.

Sollte sich die Jury jedoch gegen eine Nominierung von PL Season 2 aussprechen, dann hoffe ich doch sehr, dass The Rise of Queensdale (Inka und Markus Brand – alea) nominiert wird. Es ist ebenfalls ein tolles Legacy-Spiel, mit einer interessanten Geschichte und tollen Wendungen, die sich auch auf das Spielgefühl auswirken, hier könnten allerdings Regel und Materialschwächen dagegen sprechen. Als weitere Nominierung lege ich mich auf ein weiteres Spiel des Autorenpaares aus Gummersbach fest: Rajas of the Ganges (Inka und Markus Brand – Huch!). Ein Worker-Placement-Spiel mit dem besonderen Kniff, dass sich die eigenen Marker auf der Geld- und Ruhmesleiste, die gegenläufig angelegt sind, treffen müssen. Auch wenn der bunte Spielplan und die vielen Aktionsmöglichkeiten zunächst etwas abschrecken können, spielt es sich schon bald recht flott und intuitiv.

Ein Expertenspiel möchte ich noch nennen, das noch nicht bei den bestbewertesten Spielen auf diesem Blog aufgeführt ist, weil die Rezension noch in Arbeit ist. Es hat aufgrund seiner Komplexität keine Chance auf eine Nominierung, aber vielleicht wird es empfohlen. Der Nachfolger von Terra Mystica, Gaia Project (Jens Drögemüller, Helge Ostertag – Feuerland Spiele), ist ein grandioses Spiel mit viel Variabilität und dadurch hohem Wiederspielreiz. Viele verschiedene Völker erlauben zusammen mit dem variablen Spielaufbau ganz unterschiedliche Strategien, die zum Sieg führen können.

Calimala (Fabio Lopiano – Blackfire Games) habe ich leider erst ein Mal gespielt, aber in dieser Partie konnte es direkt überzeugen. Ob es vom Anspruch noch für das Kennerspiel reicht, vermag ich nach dieser einen Partie nicht zu beurteilen. Race to the New Found Land (Martin Kallenborn, Jochen Scherer – Hans im Glück Velrag) und Santa Maria (Eilif Svensson, Kristian Amundsen Østby – Pegasus Spiele) sind zwei weitere Kandidaten, denen ich allerdings wenig Chancen auf eine Nominierung einräume, auch wenn mir die Partien beider Spiele bisher zu gefallen wussten. Während ersteres vermutlich zu wenig Innovation bietet, könnte letzteres schon wieder etwas zu komplex sein. Zudem stören sich viele an der Optik, die mir, abgesehen von den wirklich schrecklichen Siegpunktplättchen, durchaus zusagt. Schlicht und übersichtlich finde ich das. Auch Photosynthese sehe ich in dieser Kategorie. Es sieht zwar sehr friedlich und hübsch aus, hat eine wirklich kurze Anleitung aufgrund der wenigen Regeln, aber dahinter verbirgt sich ein knallhartes Optimierspiel.

Vielleicht etwas unerwartet, könnte ich mir dieses Jahr auch ein Würfelspiel als Nominierten vorstellen. Ganz schön clever! (Wolfgang Warsch – Schmidt Spiele) hat es faustdick hinter den Ohren, der Einstieg ist schon eine kleine Herausforderung. Die sechs verschieden farbigen Würfel und ihre unterschiedlichen Arten eingetragen zu werden, plus die Bonusfelder und die Möglichkeiten der Kettenreaktionen, machen es in meinen Augen zu einem Kennerspiel. Es ist eben vom Anspruch her nicht mit einem Qwixx oder einem Noch Mal! zu vergleichen.

Ja, so richtig festlegen möchte ich mich dieses Jahr gar nicht. Umso gespannter bin ich auf die Entscheidung der Jury. Am 14.05.2018 wissen wir alle mehr. Dann kann wieder diskutiert, gemeckert und auch mal gelobt werden. Habt ihr euch auch schon festgelegt, welche Spiele nominiert werden könnten oder sollten? Ich würde mich über eure Kommentare dazu freuen.

Ähnliche Artikel:

Ein Gedanke zu “Spiel des Jahres 2018 – Prognose

  1. Bei mir sind die Nominierten
    SdJ:
    ‚AZUL
    Quacksalber von…
    The Mind
    KdJ:
    Rajas of the Ganges
    Klong!
    Heaven & Ale

    Ich bin gespannt und vielen Dank für deinen Beitrag hierzu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.