Spiel des Jahres 2018 – Nominierungen

Seit Montag stehen sie fest, die Nominierten in den drei Kategorien Spiel des Jahres, Kennerspiel des Jahres und Kinderspiel des Jahres.

Spiel des Jahres (roter Pöppel)

Empfehlungsliste: 5-Minute-Dungeon, Facecards, Majesty, Memoarrr!, Santorini, Woodlands

Kennerspiel des Jahres (grauer Pöppel)

Empfehlungsliste: Klong!, Pioneers

Kinderspiel des Jahres (blauer Pöppel)

  • Emojito! (Huch!)
  • Funkelschatz (Haba)
  • Panic Mansion (Blue Orange Games / Asmodee)

Empfehlungsliste: Die Legende des Wendigo, Dinoworld, Rhino Hero Super Battle, S.O.S. Dino, Speed Colors

Es gab auch nach langer Zeit wieder einen Sonderpreis und zwar für:

Ich habe die Nominierungen nun ein wenig sacken lassen und möchte jetzt auch gerne meine Meinung kundtun. Pandemic Legacy hat es, wie erwartet, nicht auf die Nominierungsliste geschafft, wurde aber stattdessen mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Ich dachte zwar, die Zeit der Sonderpreise wäre vorbei, aber für Pandemic Legacy Season 2 freut es mich ganz besonders, da vor allem die zweite Staffel eines der besten Spielerlebnisse war, die ich jemals hatte.

Sdj18

Sdj18 / Foto: Brettspielpoesie

Beim Kinderspiel lag ich außer mit Funkelschatz daneben, habe aber auch keine Bestrebungen meine Kenntnisse in diesem Bereich zu erweitern. Mich verwundern dennoch die Nominierungen von Emojito und Panic Mansion ein wenig, da ich beide nicht als Kinderspiel eingeordnet hätte. Emojito wird auch vom Verlag selbst als Familienspiel geführt, bei Boardgamegeek ist es als Partyspiel eingetragen. Hier vertraue ich auf das Urteil der Jury, die als Grundlage für die Nominierungen viel mit Kindern spielen.

Die Nominierten zum Kennerspiel des Jahres werden, wie jedes Jahr, heiß diskutiert. Der Begriff Kennerspiel wurde von der Jury 2011 ins Leben gerufen, von ihnen wird der Preis wie folgt definiert: „Das „Kennerspiel des Jahres“ soll denjenigen Menschen eine Orientierungshilfe bieten, die schon längere Zeit spielen und Erfahrung beim Erlernen neuer Spiele mitbringen.“ Diese Definition ist in meinen Augen bewusst etwas schwammig, um sie anhand der verfügbaren Spiele  jedes Jahr etwas anders auslegen zu können. Matthias von den Bretterwissern benutzt dafür gerne das Wort Pendel. Wie ein Pendel schlägt der eine Jahrgang mal mehr in Richtung Expertenspiel und mal mehr in Richtung Familienspiel. Dieses Jahr gab es meiner Meinung nach einige gute Spiele im Familienspielbereich. Drei davon wurden nominiert. Und auch wenn es mich persönlich nicht vom Hocker haut, kommen Die Quacksalber von Quedlinburg bei vielen Spielern hervorragend an. Ich würde es nicht als Kennerspiel einstufen, ich kann die Entscheidung aber ein Stück weit nachvollziehen. Zum einen erhält es somit die Chance, eine Auszeichnung zu erhalten, was beim roten Pöppel gegen Azul kaum möglich erscheint. Zum anderen umfasst die Anleitung durchaus mehrere Seiten, es gibt einige Varianten, in denen die farbigen Plättchen immer wieder andere Auswirkungen haben. Eine Runde ist in mehrere Phasen unterteilt, die in meinen Augen jedoch auf dem Spielplan deutlich durch Piktogramme dargestellt werden. Ganz schön clever fühlt sich nicht wie ein typisches Kennerspiel an, ist als Würfelspiel durchaus vom Würfelglück bestimmt, aber es hat auch seine strategischen bzw. taktischen Anteile. Meist verfolge ich in jeder Partie eine bestimmte Strategie, von der ich anhand der Würfelergebnisse aber auch mal abweichen muss. Und der Einstieg ist wirklich nicht gerade leicht. Daher habe ich es in der Prognose ebenfalls so eingeordnet. Mit Heaven & Ale hatte ich nicht gerechnet. Ich habe noch keine Meinung dazu, da ich den Prototypen davon nur ein einziges Mal angespielt habe. Mir ist jedoch direkt aufgefallen, dass das Thema komplett aufgesetzt wirkt. Man fühlt sich nicht als Bierbrauer, der Hopfen und Malz zu einem leckeren Getränk verarbeitet. Es ist ein abstraktes Ressourcen-Management, als solches hat die erste Partie allerdings sehr gefallen und ich bin auf weitere gespannt. Es kratzt im Gegensatz zu den anderen beiden Nominierten an der anderen Grenze, nämlich der zum Expertenspiel.

KdJ18

KdJ18 / Foto: Brettspielpoesie

Beim Hauptpreis, dem Spiel des Jahres, war Azul für mich schon länger gesetzt und wurde, wie von den meisten vorausgesagt, auch nominiert. Es bleibt für mich auch der heißeste Kandidat auf den Pöppel. Luxor ist zwar auch ein wirklich gutes Spiel, aber nach meinen Erfahrungen kommt es nicht flächendeckend so gut an, wie Azul. The Mind hätte ich lieber auf der Empfehlungsliste gesehen. Für mich ist es ein großartiges Experiment, aber der Wiederspielreiz verfliegt schnell, wenn es ein Mal geschafft wurde. Und es kann mit der falschen Gruppe auch komplett in die Hose gehen.

Sowohl beim Kenner- als auch beim Spiel des Jahres haben mich die Empfehlungslisten am meisten irritiert. Im Kennerbereich sind dort Klong! und Pioneers zu finden. Ersteres ist nicht mein Fall, letzteres hätte nach meinem Geschmack auch nominiert werden können. Wobei sich auch hierbei darüber streiten lässt, was Luxor zum Spiel des Jahres und Pioneers zum Kennerspiel macht. Ich sehe beide auf einem ähnlichen Niveau. Mir fehlen daneben einige Spiele auf der anthrazit-farbenen Empfehlungsliste. Da in den vergangenen Jahren immer Expertenspiele empfohlen wurden, hätte ich Gaia Project dort vermutet. Aber auch im Bereich der Kennerspiele fehlt für mich einiges. Rajas of the Ganges, Santa Maria, Calimala, Race to the New Found Land, The Rise of Queensdale sind in meinen Augen gute Kennerspiele, doch scheinen sie  die Jury nicht komplett überzeugt zu haben. Vielleicht liegt es an schlecht strukturierten Anleitungen, der thematischen Einbettung, fehlender Innovation oder Unstimmigkeiten bei der materiellen Umsetzung.

Die Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres ist umfangreicher, aber nicht weniger überraschend. Es sind zwar Spiele mit verschiedenen Mechanismen enthalten, aber ich hätte, wie in den vergangenen Jahren, eine buntere Mischung erwartet. Mir fehlt beispielsweise ein Geschicklichkeitsspiel wie Menara oder ein Kommunikationsspiel wie Decrypto. Aber was wären die Spiel des Jahres-Nominierungen, wenn wir nicht darüber diskutieren könnten!? Die Jury hat es sicher nicht leicht einen kompletten Spielejahrgang zu selektieren und ausreichend mit den Zielgruppen zu spielen. Die Nominierungen stellen keine Einzelmeinung dar, wie ich sie hier aufgeführt habe, sondern einen Konsens der aktuell 10 Mitglieder. Ich freue mich jedenfalls auf die Begegnungen bei der Verleihung im Juli in Berlin und werde euch hier wieder davon berichten.

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.