Auf den Spuren von Marco Polo

Auf den Spuren von Marco Polo Cover

Cover / Foto: Schmidt Spiele

Marco Polo war ein venezianischer Händler, der sich im 13. Jahrhundert, nach dem Vorbild seines Vaters und Onkels, auf eine Reise von Venedig durch China bis nach Beijing machte. Doch bestehen bis heute Zweifel, ob er die Reise, über die er so ausführlich berichtete, auch tatsächlich angetreten hat. Einige Stellen sind nämlich so oberflächlich beschrieben, wie man es nur von Jemanden erwarten würde, der reines Hörensagen wiedergibt. Bekanntheit hat er dennoch erlangt und er steht sinnbildlich für diese Erkundung des Ostens der Welt. Sogar einer der Marktführer in Bezug auf Reiseführer benannte sich nach seinem Vorbild. Die anderen Charaktere im Spiel sind nachweislich weit gereist und kennen das Mongolenreich sehr gut. Marcos Vater Niccolò und dessen Bruder Matteo besuchten nach Konstantinopel ihren Bruder Marco in seinem Kontor auf der Krim und verfolgten damit eine ähnliche Route wie Wilhelm von Rubruk zuvor. Dieser bleib einige Zeit am Hof der Dschigis Khan-Nachfolger und gilt bis heute als Experte für das Mongolenreich. Auch Nachfolger von Dschingis Khan stehen als Charaktere zur Verfügung und weitere historische Persönlichkeiten aus dieser Zeit.

Spielmaterial:

Dieses Spiel bringt jede Menge hochwertiges Spielmaterial mit. Ein großer, faltbarer Spielplan zeigt verschiedene Orte mit ihren Verbindungen untereinander und verschiedene Aktionsfelder, auf denen Würfel eingesetzt werden können. Jeder Spieler bekommt ein Spielertableau und aus Holz Spielfiguren, Handelshäuser und fünf Würfel seiner Farbe (blau, gelb, grün oder rot). Die Ressourcen Kamele, Pfeffer, Seide und Gold werden ebenfalls durch Holzfiguren repräsentiert. Daneben sind jede Menge Stadt- und Zielkarten enthalten. Der Rundenablauf und die Zusatzaktionen werden auf den Übersichtskärtchen kurz dargestellt.

Kritikpunkte gibt es dennoch: Die Ressourcen gibt es jeweils in zwei Größen, sie sollen eine bzw. drei Ressourcen repräsentieren. Der tatsächliche Größenunterschied ist aber so gering, dass die beiden schnell verwechselt werden können. Auf dem Spielplan haben sich zudem zwei Fehler eingeschlichen: Beijing fehlt ein „i“ und auf der Zählleiste ist keine 48 zu finden.

Spielmechanismus:

Als Mitstreiter von Weltentdecker Marco Polo beginnen wir in Venezia unsere Reisen in Richtung Osten. Schon zu Spielbeginn erhalten wir Zielkarten, die uns bei Spielende für das Erreichen bestimmter Orte belohnen. Dafür werden Handelsposten in den Städten platziert, die uns zu dauerhaften Boni, weiteren Aktionsfeldern und Siegpunkten führen. Dafür muss unsere Reise jedoch an diesem Ort stoppen. Verfügbare Aktionen können wir mit unseren Würfel aktivieren. Der Handel wird mit den vier Ressourcen Kamele, Pfeffer, Seide und Gold betrieben. Wir können uns diese über Aktionen beschaffen und bei Erfüllung der Aufträge in andere Ressourcen, Geld, Siegpunkte und zusätzliche Würfel oder Bewegungen tauschen. Auf dem Markt gibt die Augenzahl an, wie erfolgreich mein Einkauf ist. Für viele Ressourcen werden hohe Augenzahlen benötigt und für die wertvolleren Ressourcen auch gleich mehrere Würfel. Diese müssen nicht dieselbe Augenzahl zeigen, es zählt jedoch nur die kleinste Augenzahl.

Auf den Spuren von Marco Polo Spielsituation - 2 Spieler

Spielsituation – 2 Spieler / Fptp: Brettspielpoesie

Kamele helfen im Spielverlauf an verschiedenen Stellen. Sie können als Zusatzaktion abgegeben werden, um Würfel zu manipulieren oder einen weiteren schwarzen Würfel zu erhalten. Damit hat man nicht nur einen Würfel mehr für die Aktionen, sondern auch eine weitere Farbe. Aktionsfelder sind durch Würfel nicht für die anderen Spieler gesperrt. Wer seine Würfel auf andere Würfel setzt, muss allerdings den Wert der Augenzahl dafür bezahlen. Und auf jedem Aktionsfeld darf jede Farbe nur einmalig eingesetzt werden. Mit den schwarzen Würfeln eröffnet sich die Möglichkeit ein bereits genutztes Feld, bei Bezahlung der Zusatzkosten, erneut zu nutzen.

Auf den Spuren von Marco Polo Spielsituation - 4 Spieler

Spielsituation – 4 Spieler / Foto: Brettspielpoesie

Jeder Spieler erhält pro Partie einen speziellen Charakter, mit einer Sonderfähigkeit, die nur ihm zur Verfügung steht und eine bestimmte Detailregel etwas aushebelt. Der eine würfelt nicht, sondern legt sich die Augenzahlen so zurecht, wie es ihm passt. Ein anderer ist mit zwei Spielfiguren auf dem Spielplan unterwegs, während mancher von jedem Marktbesuch eines Mitspielers profitiert. Diese Fähigkeit gilt es vorteilhaft in die eigene Strategie einzubauen. Für die erste Partie gibt es eine Vorgabe für die Verteilung der Charaktere. Später wird ein Charakter mehr gezogen, als Spieler und dann in umgekehrter Spielerreihenfolge einer gewählt. Zudem können geübte Spieler vor Spielbeginn aus vier Zielkarten zwei auswählen und die blauen Stadtbonus-Marker zufällig verteilen.

Spielende:

In der fünften Runde endet das Spiel, sobald kein Spieler mehr Würfel zum Einsetzen hat. Es werden noch Punkte entsprechend der erfüllten Zielkarten vergeben. Jede erreichte Verbindung zweier Orte wird belohnt und zusätzlich ein Bonus für die Anzahl unterschiedlicher Städte der Zielkarten vergeben, die erreicht wurden. Hinzu kommen Punkte für die miesten erfüllten Aufträge und das Restgeld. Es siegt der Spieler mit der höchsten Punktzahl.

Spieleranzahl:

Dieses Spiel skaliert gut für jede Spielerzahl. Es gelangt immer ein schwarzer Würfel mehr ins Spiel, als Spieler dabei sind und die Aktionsfelder, bei denen die Würfel aufsteigend eingesetzt werden müssen, bieten weniger Plätze bei weniger Spielern. Zu zweit kann es mit etwas Übung recht flott herunter gespielt werden. Dennoch gefällt es mir zu dritt und viert etwas besser, da einfach mehr Konkurrenz um die besten Aktionsplätze entsteht.

Glücksfaktor?

Obwohl bei diesem Spiel jede Runde gewürfelt wird, hält sich der Glücksfaktor in Grenzen. Wer in einer Runde nur niedrig würfelt, erhält einen Ausgleich in Form von Kamelen und/oder Geld. Zudem sind nicht immer hohe Augenzahlen notwendig, möchte man eine bereits besetzte Aktion nutzen, sind wenige Würfelaugen sogar von Vorteil. Die Aktionen sind dann allerdings auch weniger stark. Die Startaufträge werden zwar zufällig verteilt, sind jedoch alle recht lukrativ und alle weiteren werden bewusst erworben.

Fazit:

Auf den Spuren von Marco Polo ist im Grunde ein ganz klassisches Eurogame. Die Würfel werden wie Arbeiter platziert, um an Ressourcen zu gelangen, die wiederum dazu verwendet werden, Aufträge zu erfüllen. Daneben versucht man auf dem Spielplan möglichst viele Orte zu besuchen, alles um verschiedene Boni zu ergattern und Handelsposten zu platzieren. Am Ende zählen nur die Siegpunkte. Den enormen Wiederspielreiz zieht dieses Spiel aus der Vielfalt des verwendeten Spielmaterials und vor allem den Charakteren, die sich alle komplett anders spielen. Jeder Einzelne verändert ein bestimmtes Spielelement für sich elementar. Einsteiger können von den unterschiedlichen Charakteren leicht abgeschreckt werden. Nach der ersten Partie werde die Charakter-Fähigkeiten oft ungleich stark eingeschätzt, doch man muss sich eben genau auf diese Fähigkeit einstellen, um möglichst viele Punkte heraus zu holen. Das gelingt den meisten Einsteigern nicht auf Anhieb. Ich sehe dies jedoch als Aufforderung mit allen Charakteren herum zu probieren. Bei mir bestätigt sich das Gefühl, dass manche Charaktere einfach schwerer einzusetzen sind, als andere, deren Vorteil klarer erkennbar ist. Aus diesem Grund gibt die Anleitung auch klare Empfehlungen für die erste Partie.

Die Spieler leiden in diesem Spiel an chronischem Mangel. Überall werden Kosten fällig, um bestimmte Aktionen auszuführen. Das kann passieren, wenn andere Spieler einem zuvorkommen und eine Aktion nutzen, die dadurch teurer wird. Oder weil die Wegstrecke beschwerlich ist und Abgaben erfordert. Oder weil ich Kamele abgeben muss, um mit einem schwarzen Würfel eine weitere Aktion auszuführen, für die ich diese Kamele ebenfalls benötige, Oder, oder, oder…Ob es um die freien Aktionsplätze oder das Erreichen der großen Städte mit einmaligen Boni geht: Der Wettlauf-Charakter ist merklich zu spüren. Und viel zu schnell sind die fünf Runden schon wieder vorüber, dabei wollte man noch so vieles machen. Man fühlt sich direkt aufgefordert, es bei der nächsten Partie besser zu machen. In meinen Augen ein rundum gelungenes Spielt.

Wertungsnote 6/6

Verlag: Hans im Glück Verlag
Autor(en): Simone Luciani, Daniele Tascini
Erscheinungsjahr: 2015
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: ca. 20 – 25  Minuten pro Spieler

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