Marco Polo II – Im Auftrag des Khan – Vorher / Nachher

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Logo Vorher/Nachher / Foto: Brettspielpoesie

Auf den Spuren von Marco Polo ist ein erfolgreiches Expertenspiel vom Hans im Glück-Verlag, es wurde im Jahr 2015 nicht nur von den Spielern zum mit dem Deutschen Spielepreis ausgezeichnet, auch die Spiel des Jahres-Jury würdigte das Spiel mit einem Platz auf der Empfehlungsliste zum Kennerspiel des Jahres. Für den Preis selbst dürfte das Spiel aufgrund seiner Komplexität allerdings nicht geeignet sein. Zwei Jahre später erschien eine Erweiterung unter dem Titel Die Gefährten des Marco Polo. Und weitere zwei Jahre später gibt es nun eine weiterentwickelte Neuauflage, eine 2.0-Version also. Was bei Videospielen mittlerweile Gang und Gebe ist, scheint auch ins Brettspieluniversum Einzug zu halten.

Die beiden Spiele Auf den Spuren von Marco Polo und Marco Polo II sind sich sehr ähnlich und zugleich verschieden. Das grundsätzliche Spielprinzip ist geblieben: Mit seinem speziellen Charakter durch das Land reisen, Kontore in Städten errichten, Ressourcen erhalten und mit diesen Aufträge erfüllen. Doch gibt es so viele kleine und große Unterschiede, dass ich gar nicht so recht weiß, wo ich diesen Vergleich beginnen soll. Nehmen wir doch den zentralen Spielplan. Dieser zeigt wieder einige Orte sowie die zu bereisenden Verbindungen dazwischen mit ihren Kosten im oberen und diverse Aktionsfelder im unteren Bereich.

Marco Polo II Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Die neue Karte zeigt andere Orte, die Reise des Marco Polo geht von Beijing aus weiter. Manche dieser Orte haben wieder einmalige Kontorboni für den ersten Spieler, der dort einen Handelsposten platziert, andere wiederum Stadtbonus-Marker, die zu Beginn jeder Runde einen Bonus ausschütten und manche Orte bieten in jeder Partie andere Aktionsfelder, durch zufällige Stadtkarten. Manche Funktionen dieser Elemente unterscheiden sich von denen des alten Grundspiels. Während in der ursprünglichen Version nur eine handvoll der Stadtkarten pro Partie im Einsatz waren, gibt es nun ein Aktionsfeld, für welches jede Runde zwei neue Stadtkarten aufgedeckt werden, die als zusätzliches Angebot allen Spielern zur Verfügung stehen.

Marco Polo II Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Einige Orte Platz haben nun Platz für Aufträge, an welche man nur gelangt, wenn man in einer solchen Stadt einen Handelsposten besitzt. Dafür entfällt die allgemeine Auslage am Aktionsfeld, zudem ist der Bonus anhand des eingesetzten Würfels einer generellen Münz-Zugabe gewichen.

Marco Polo Aufträge / Foto: Brettspielpoesie

Anstelle des in jeder Runden gleichen Marktangebots anhand der Anzahl eingesetzter Würfel und ihrer Augenzahlen gibt es nun zum Teil variable Bücher, bei denen nur noch ein Würfel eingesetzt wird, der je nach Feld eine bestimmte Augenzahl zeigen muss. Damit kann der Spieler aus vier Angeboten wählen: Entweder eines der beiden oberen, was immer Kombinationen aus Waren und/oder Geld bzw. Kamelen sind, oder eines der beiden unteren, wenn entsprechend eine oder zwei Jade abgegeben wird.

Marco Polo Bücher & Jade / Foto: Brettspielpoesie

Jade ist die neue Ware neben Pfeffer, Seide und Gold. Mit ihr kann sogar Geld oder Kamele ersetzt werden. Apropos Waren, die Formen der bekannten Waren sind dieselben geblieben, jedoch sind nun die großen Waren im Wert von drei auch optisch gut von den kleineren zu unterscheiden.

Marco Polo Ressourcen / Foto: Brettspielpoesie

Weitere Aktionen funktionieren wie zuvor, lediglich ihr Ertrag hat sich ein wenig geändert. Aus dem großen Beiblatt für jeden Spieler mit dem Rundenablauf und einer Beschreibung der möglichen Zusatzaktionen, sind nun kleine Karten geworden, welche die Zusatzaktionen nur noch symbolisch aufzeigen. In meinen Augen ist dies ausreichend, ich kenne mich in dem Spiel aber auch mittlerweile aus, kann daher nicht beurteilen, wie dies auf Neueinsteiger wirkt.

Marco Polo Spielerhilfe / Foto: Brettspielpoesie

Die Reiseaktion hat sich ebenfalls gewandelt. Statt immer zwei Würfel zu verwenden, deren Augenzahl die Reichweite und die dafür anfallenden Kosten bestimmen, kann nun zwischen einem und drei Würfeln gewählt werden. Die Reichweite hängt von der Anzahl eingesetzter Würfel ab. Als zusätzlicher Anreiz, die Aktion mit drei Würfeln auszuführen, ist das Platzieren eines weiteren Handelskontors, mit all seinen Auswirkungen, in einem Ort auf der Durchreise gestattet.

Marco Polo II Wasserwege / Foto: Brettspielpoesie

Auch wenn die Aktion selbst nun kaum noch Kosten verursacht, so sind die Reisewege oft teuer zu bezahlen. Es gibt zusätzliche Wasserwege, für deren Benutzung ein entsprechendes Gildensiegel benötigt wird. Eine ganz neue Aktion ermöglicht es ein solches zu erhalten, die Augenzahl bestimmt über die Art des Siegels, zusätzlich bringt die Aktion bei drei der Siegel zusätzlich Jade ein. Außerdem kann jedes Siegel aufgewertet werden, um einen !-Bonus auszulösen, der auch zu Beginn einer jeden Runde ausgeschüttet wird.

Marco Polo II Gildensiegel / Foto: Brettspielpoesie

Drei Orte bieten eine feste Stadtaktion, die bei aufgewerteten Siegeln ihrer Art diesen Bonus außer der Reihe ausschüttet. Bestimmte aufgewertete Siegel können außerdem auf den neuen Zielkarten bei Spielende zusätzliche Punkte generieren. Den Orten des Spielplans sind nun Wappen zugeordnet, auch diese können auf den Zielkarten angegeben sein. Sollte der Spieler bei Spielende in diesen Regionen vertreten sein, erhält er zusätzliche Wappen für die Wappenwertung. Umso mehr unterschiedliche davon gezählt werden, desto höher ist der daraus resultierende Punktewert.

Marco Polo Zielkarten / Foto: Brettspielpoesie

Die Spielertableaus haben sich nur minimal verändert. Jedem Spieler stehen nun zwei weitere Handelskontore zu Verfügung, es müssen also auch mehr platziert werden, um die Boni dafür zu erhalten. Auch die Punkte für die meisten erfüllten Aufträge haben sich etwas geändert, es wird nun auch der zweite Platz belohnt. Weitere Änderungen sind optischer Natur, so ist nun Jade als Ressource abgebildet und angegeben, wie Ressourcen und Geld bei Spielende in Punkte eingetauscht werden können.

Marco Polo Spielertableaus / Foto: Brettspielpoesie

Natürlich gibt es auch wieder einzigartige Charaktere mit speziellen Eigenschaften bzw. Fähigkeiten. Davon stehen nur noch sieben zur Verfügung, die meisten von ihnen bieten jedoch völlig neue Fähigkeiten.

Marco Polo II Charaktere / Foto: Brettspielpoesie

Fazit:

Ich mochte Auf den Spuren von Marco Polo schon sehr, es bietet durch die vielen Charaktere, die sich alle komplett unterschiedlich spielen, bereits jede Menge Variation. Aus diesem Grund war ich etwas skeptisch, ob eine neue Version des Spiels wirklich notwendig ist. Doch sie hat ihre Daseinsberechtigung allemal. Es ist, wie der Verlag es begründet: Durch viele kleine Anpassungen, die sich mit der Zeit als sinnvoll heraus gestellt haben, ist ein neues, eigenständiges Gesamtkonstrukt entstanden. Es erinnert sehr an den Vorgänger, weil es sich an vielen Stellen ähnelt, doch es sticht mit seinen Neuerungen heraus und fühlt sich noch runder an. Wieder haben wir verschiedene Charaktere, von denen jeder ein Regeldetail für sich anpasst und sich daher ganz anders spielt. Natürlich lässt sich auch hier wieder über die Ausgeglichenheit streiten, doch ich bin überzeugt, dass da viel austariert wurde. Ich denke, manche Charaktere lassen sich einfach leichter spielen als andere.

Wieder steht die Reise im Mittelpunkt, dieses Mal sogar mehr als zuvor. Es ist nicht mehr ohne weiteres möglich sich vor allem auf Aufträge zu versteifen und das Reisen zu ignorieren, durch die neue Vergabe der Auftragsplättchen muss zwangsläufig gereist werden. Auch die Wappenwertung am Ende sollte nicht völlig ignoriert werden. Sie bringt, richtig genutzt, die Spieler bei den Punkten ein großes Stück weit voran. Zudem bietet sie einen weiteren Ansporn sich breiter über die Karte zu verteilen. Aber Achtung, mehr als 13 Wappen lohnen sich kaum, da es für alle weiteren keine zusätzlichen Punkte gibt. Dafür fehlen dann sicherlich andere Optionen, die mehr Siegpunkte eingebracht hätten.

Ob durch die neue Ressource Jade, das variable Marktangebot oder die frei zugänglichen Stadtkarten in jeder Runde: An diversen Stellen bietet Marco Polo II mehr Flexibilität, doch machen mehr Optionen das Spiel nicht einfacher, eher im Gegenteil. Es wird schwieriger die Übersicht zu behalten und seine Strategie zu verfolgen, denn irgendwas fehlt immer: Eine Münze, ein Kamel, eine spezielle Ressource oder ein Würfel, um noch eine weitere Aktion auszuführen. Diese aus dem Vorgänger bekannte Knappheit ist also erhalten geblieben.

Ich habe wieder richtig Lust, ganz tief in das Spiel einzusteigen und mit den neuen Charakteren und ihren Fähigkeiten herum zu experimentieren. Daher würde ich Marco Polo II momentan immer vorziehen. Wie sich das zukünftig entwickelt, bleibt abzuwarten, wir werden jedenfalls zunächst beide Versionen behalten. Eine allgemein gültige Empfehlung, welches der beiden Spiele sich mehr lohnt, kann ich leider nicht abgeben, dies muss jeder individuell entscheiden. Wer noch keines der beiden kennt, dem sei Marco Polo II ans Herz gelegt, den Besitzern des ursprünglichen Spiels würde ich zumindest empfehlen eine Partie Marco Polo II zu spielen, sollte sich die Gelegenheit ergeben, um sich selbst ein Bild zu machen.

Marco Polo Inlays / Foto: Brettspielpoesie

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