Ich melde mich zurück mit einer neuen Ausgabe der Rubrik Wo geht’s hier zum Asugang?!, in der ich auch zukünftig wieder regelmäßig von meinen Erlebnissen mit Escape Room- und Krimispielen berichten möchte. Wie immer sind diese Spielvorstellungen spoilerfrei. Heute beschäftige ich mich mit bekannten Spielreihen, unter anderem dem neuen Exit-Das Spiel für Fortgeschrittene: Die letzte Vorstellung. Im Krimispiel-Bereich ist mit Das Familiengeheimnis – Zwei Tote im Hause Bouchard ein neues Ermittler-Spiel aus dem Hause Magnificum erschienen und beim Gmeiner Verlag geht Dark Cases mit Feuerfest in eine zweite Runde. Der EMF Verlag hat sich schon an ganz verschiedenen Spielen in diesem Genre versucht, nun gibt es eine Kooperation mit Philipp Fleiter und seinem Podcast Verbechen von Nebenan.
Exit – Das Spiel: Die letzte Vorstellung

Mit Die letzte Vorstellung bietet Exit – Das Spiel wieder einen Fall für Fortgeschrittene, bei dem auch die Tochter der Brands, Emely, mitgewirkt hat. Anders als bei den Exit-Fällen für Einsteiger bekommt man hier nicht nur Material für das aktuelle Rätsel, sondern auch schon Rätselkarten, die erst später wichtig werden. Also muss man selbst herausfinden, welches Material zu welchem Rätsel gehört.
Es gibt auch kein Heftchen, welches durch das gesamte Spiel führt. Stattdessen schaut man sich nach und nach Faltblätter einzelner Zirkuswaggons genauer an. Das ist hier nämlich der Ort der Geschehnisse: Während der Wanderzirkus von Stadt zu Stadt reist, kommt es in genau diesen Städten zu professionellen Einbrüchen in edle Privathäuser. Wer beim Thema Zirkus nur an Kinderkram denkt, liegt hier auf jeden Fall falsch. Ihr nutzt die letzte Zirkusvorstellung, um euch im und um den Zirkus herum umzuschauen und herauszufinden, welche Verbindung es geben könnte. Zusätzlich bekommt man, wie von dieser Reihe gewohnt: Rätsel-, Lösungs- und Hilfekarten, eine Decodierscheibe sowie weitere, seltsame Teile.

Wie bei Exit – Spielen üblich, verbraucht sich das Spielmaterial, es ist daher nicht ohne großen Aufwand erneut spielbar. Aber das finde ich in Ordnung, da diese Herangehensweise manch kreative Rätselumsetzungen überhaupt erst ermöglicht. Und da bietet diese Schachtel wieder so einiges. In diesem Exit musste allerdings auffallend viel ausgeschnitten werden, was ich etwas mühselig empfand und vermutlich auch den größten Einfluss darauf hatte, dass wir dieses Exit nicht ganz in unter eine Stunde lösen konnten. Dennoch reiht sich dieses Spiel in eine Reihe sehr gelungener Exit-Spiele ein und erzeugt nur noch mehr Lust auf die in diesem Jahr erscheinende Jubiläumsausgabe in einer Metall-Box, die sich auch an Fortgeschrittene richten soll.

Verlag: Kosmos
Autor(en): Inka Brand, Emely Brand, Markus Brand
Erscheinungsjahr: 2024
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 60 Minuten
Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare!
Verbrechen von Nebenan – Das Krimispiel
Ich selbst höre nur wenige Podcasts regelmäßig und diese beschränken sich thematisch auf Brettspiele und Fußball. Im Bereich der True Crime-Podcasts kenne ich mich daher gar nicht aus und hatte vor diesem Spiel auch noch nie von Philipp Fleiter oder dessen Podcast Verbrechen von Nebenan gehört. Ich kannte lediglich Leo und Lynn vom Podcast Mord auf Ex, da diese auch schon in anderen Krimispielen zu Gast waren, die beiden sind mir davon aber nicht nur positiv im Gedächtnis geblieben.
Daher hatte ich auch vor Verbrechen von Nebenan eine gewisse Skepsis, die aber keineswegs angebracht war. Vermutlich macht sich hier bezahlt, dass mit Kaddy Arendt, Kirsten Hiese und Michael Rieneck gleich drei mit Spieleentwicklung erfahrene Personen mitgewirkt haben. Anders als bei den Podcast-Kolleginnen geht es hier auch nicht darum, einen bereits gelösten Fall nachzuspielen, sondern der Podcaster selbst steht im Zentrum der Ermittlungen zu einem aktuellen Fall in seiner Heimatstadt Göttingen, wo er als Verdächtiger eines Diebstahls aus einer Jack the Ripper-Ausstellung gilt. Daher benötigt er dringend externe Hilfe.

Neben einem Begleitheft befinden sich vier Rätselumschläge und 48 Karten in der Schachtel. Die Karten sind dabei der Motor des Spiels, sie enthalten wertvolle Informationen und können zu weiteren Spielmaterialien, z.B. in den Rätselumschlägen führen, deren Inhalte man sich dann auch erst ansehen darf.

Insgesamt sind es neun Rätsel, die man nach Sichtung entsprechender Karten und zugehörigem Spielmaterial gut lösen kann. Wer mal nicht alleine weiterkomme, kann auf ein mehrstufiges Hinweissystem bis hin zu Lösungen im Begleitheft zurückgreifen. Zwingend benötigt wird zudem ein Internetfähiges Gerät, um die zugehörige Webseite aufzurufen, auf der zum einen viele Audioinhalte abspielbar sind, aber auch die Lösungen eingegeben werden können. Oft sind es Freitextfelder, bei denen uns nicht immer ganz klar war, was als Antwort genau benötigt wird. Das System scheint aber recht flexibel zu sein, sodass unsere Lösungen immer akzeptiert wurden.
Bei diesem Spiel wird man an die Hand genommen, die Rätsel sind nicht banal, aber gut lösbar. Daher eignet es sich besonders für Einsteiger in diesem Genre, was auch gut dazu passt, falls Philipps Podcast-Fans hiermit in diese Art von Spielen einsteigen. Ein letztes Rätsel korrekt zu lösen ist optional, man bekommt auch sonst eine vollständige Auflösung. Und wer danach noch nicht genug hat, kann versuchen zusätzliche Fragen zu beantworten.
Die Geschichte ist gut geschrieben und der Ausgang nicht vollständig vorhersehbar. Dieses Spielprinzip erfindet das Rad nicht neu, aber es ist eine gelungene Komposition. Für die komplette Lösung benötigten wir etwas mehr als eineinhalb Stunden. Das Spielmaterial bleibt dabei unberührt, wodurch das Spiel problemlos weitergegeben werden kann. Ich bin unsicher, wie gut ein zweiter Fall rund um diesen Podcaster funktionieren würde, aber von dem Autorenteam würde ich gerne noch weitere Spielideen in diesem Genre erleben.

Verlag: EMF Verlag
Autor(en): Katharina Arendt, Kirsten Hiese, Michael Rieneck, Philipp Fleiter
Erscheinungsjahr: 2025
Spieleranzahl: 1 – 5 Spieler
Dauer: 60 – 120 Minuten
Vielen Dank an EMF für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Dark Cases: Feuerfest
Drei Jahre sind seit dem ersten Fall von Dark Cases vergangen, da kann man schon hoffen, dass die Zeit genutzt wurde, um weiter an dem Spielprinzip zu feilen. Schon wenn man die Schachtel das erste Mal öffnet, bemerkt man einen Unterschied, denn sie ist nicht mehr nur zu einem kleinen Teil gefüllt.

Was geblieben ist, ist das einheitliche Format der Beweismittel, denn diese sind meist so gekickt, dass sie genau in die Schachtel hinein passen. Sie sind aber alle ganz unterschiedlich gestaltet, sodass dies kein besonders negativer Aspekt mehr ist. Wirklich schade finde ich hingegen, dass die verwendeten Webseiten noch immer mit einem Website-Baukasten erstellt wurden und die URLs daher einen Zusatz tragen, was die Immersion etwas stört.

Thematisch tauchen wir tief in die Dorfpolitik eines kleinen Ortes ein, denn die amtierende Bürgermeistern wird vermisst. Und das, während im Wald eine Scheune abgebrannt ist und in den Trümmern auch noch ein Brandopfer zum Vorschein kommt. Was ist in diesem sonst so beschaulichem Örtchen nur passiert?
Um das Spiel zu beenden, müssen vier Fragen korrekt beantwortet werden, zu denen es verschiedene Antwortmöglichkeiten gibt, der Lösungsraum ist also etwas eingeschränkt. Wer am Ende noch Lust hat, kann sich an einer Zusatzaufgabe versuchen. Wird diese korrekt gelöst, kann man die eigene Bewertung erhöhen, die sich sonst nur aus der Spielzeit und der Anzahl verwendeter Tipps ergibt. Wir haben mit der Spielzeit schon am oberen Ende der Spieldauer-Vorgabe gekratzt, haben aber keine Tipps benötigt. Das gesamte Spielmaterial bleibt unverändert und kann somit weitergegeben werden. Ich finde die Weiterentwicklung dieser Spielreihe ist gut gelungen, auch wenn es noch immer Potential gibt, das Spielerlebnis noch runder und immersiver zu gestalten. Trotzdem finde ich, dieses Spiel hat eine bessere Note verdient, als der erste Fall dieser Reihe.

Verlag: Gmeiner
Autor(en): Tobias Kühnlein, Mona Dengler
Erscheinungsjahr: 2025
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 90 – 150 Minuten
Vielen Dank an Gmeiner für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Magnificum: Das Familiengeheimnis
Die Magnificum-Krimispiele sind ganz klassische Ermittlerspiele, bei denen man jede Menge Beweismaterial bekommt, digital wie analog, und nach Sichtung all dieser Inhalte einige Fragen korrekt beantworten können soll. Das Beweismaterial ist dabei vielfältig und mit viel Liebe zum Detail produziert. Es ist auch ein separater Umschlag enthalten, der erst geöffnet werden darf, wenn man während der Ermittlungen dazu aufgefordert wird. Erst wenn dies geschehen ist, liegen alle Informationen vor, anhand derer man in die Lage versetzt wird, den Fall vollständig aufzulösen.

Neben einer Webseite für das Spiel an sich, existieren auch einige digitale Inhalte auf verschiedenen Webseiten. Wie zum Beispiel einem fiktiven Server der französischen Polizei. Denn es geschah in Südfrankreich, wo sich die Familie Bouchard jedes Jahr trifft, doch dieses Jahr endete das Familientreffen mit zwei Toten. Doch wer aus dieser Familie kommt für die Morde in Frage?

Für die Lösung gibt es auch hier vier Multiple Choice-Fragen, der Lösungsraum ist also begrenzt. Es folgt eine umfassende Audio-Auflösung. Der Verlag kategorisiert diesen Fall als den bislang schwersten Fall. Das kann man schon so sehen, erfahrene Ermittler sollte dies trotzdem vor keine allzu große Herausforderung stellen. Trotz einiger zeitraubender Aufgaben, die sich aber keineswegs fehl am Platz anfühlten, sondern eher als notwendiger Teil “echter” Ermittlungsarbeit, konnten wir den Fall nach etwa drei Stunden vollständig lösen. Auch wenn wir ein kleines Detail übersehen hatten, lagen wir mit unseren Schlussfolgerungen komplett richtig.
Für weniger erfahrene Personen kann dieser Fall durchaus kniffelig erscheinen, man bekommt wirklich wenige Hilfestellungen aus dem Spiel selbst heraus (z.B. durch mehrfach platzierte Hinweise), kann aber auf umfassende Tipps auf der zugehörigen Webseite zurückgreifen. Das Spielmaterial bleibt komplett verschont sodass dieses Spiel problemlos weitergegeben werden kann. Die Spiele von Mafnificum sind eine sichere Bank, wenn es um gut gestaltete Ermittlerspiele geht, ich spiele gerne mehr davon.

Verlag: Magnificum
Autor(en): Benjamin Scheel, Antonio Kuklik, Haykal Hamidou
Erscheinungsjahr: 2025
Spieleranzahl: 1-6 Spieler
Dauer: 150 – 270 Minuten
Vielen Dank an Magnificum für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!



