From Idiot to President

Logo / Foto: Brettspielpoesie

Gestern war der 04. Juli, für Europäer vielleicht ein ganz normaler Sommertag, doch in den Vereinigten Staaten von Amerika wird jedes Jahr an diesem Tag die Einigung auf die Unabhängigkeitserklärung und die damit verbundene Grundlage für die Staatsgründung Amerikas gefeiert. Wobei die Amerikaner im Moment eigentlich gar nicht all zu viele Gründe zu feiern haben dürften. Ihr amtierender Präsident fällt immer wieder durch fragwürdige Aussagen und Taten auf, nicht nur in seinem Land, sondern auch weit über dessen Grenzen hinaus. Das ist oft so skurril, dass man daraus eigentlich mal ein Brettspiel machen müsste. Aber Moment mal, gibt es da nicht vielleicht schon eines?

Im Spiel From Idiot to President werden Präsidentschaftskandidaten repräsentiert, welche versuchen die Wahlmänner des Landes auf Ihre Seite zu ziehen, um den nächsten Präsidenten zu stellen. Sie versuchen bestimmte Bevölkerungsgruppen auf Ihre Seite zu ziehen, dabei ist ihnen jedes Mittel recht.

From Idiot to President Kandidaten / Foto: Brettspielpoesie

Gespielt wird über vier Runden, im Grunde haben wir hier ein klassisches Area Control-Spiel. Auf der Karte der USA wollen sich die Spieler ausbreiten und eigene Holzklötzchen platzieren, um Staaten für sich zu gewinnen. Um die Wahlmänner eines Staates umzustimmen, müssen mehr Klötzchen platziert werden, als der Mitspieler dort platziert hat.

From Idiot to President Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

An die zu platzierenden Klötzchen gelangen die Spieler über die Erfüllung von Schlagzeilenkarten. In jeder Runde werden 20 der 24 enthaltenen Würfel den sechs Bevölkerungsgruppen zugeordnet. Ein Spieler wirft immer sechs und wählt dann alle Würfel gleicher Augenzahl oder zwei Beliebige, um sie entsprechend ihrer Augenzahl zu Platzieren. Jede erfüllte Karte bringt ein bis drei Klötzchen ein, je nachdem von welchem Stapel der Spieler sie gewählt hat.

From Idiot to President Schlagzeilen Stufe 1 / Foto: Brettspielpoesie

Umso höher der mögliche Ertrag, desto schwieriger ist die Karte zu erfüllen. Für die Erfüllung der Karten werden bestimmte Kombinationen von Augenzahlen benötigt. Die Würfel werden aber reihum ausgewählt und den Gruppen zugeordnet. Aus der Anleitung wird leider nicht klar, ob diese Karten offen oder verdeckt ausliegen. Eigentlich denke ich, sie sollten verdeckt liegen, denn sonst kann sehr destruktiv gespielt werden. Besonders bei Karten die keine Würfel einer Augenzahl erfordern.

Zusätzlich zu den 20 gemeinsam gewählten Würfeln, haben die Spieler zu Beginn gewisse Eigenschaften und können durch Stimmen in bestimmten Gebieten Bonuskarten und Spendenquittungen erhalten, die ihnen im weiteren Spielverlauf Vorteile einbringen. Zusätzliche Würfel bestimmter Augenzahlen, auf die sie immer zurück greifen können, zum Beispiel.

From Idiot to President Bonuskarten / Foto: Brettspielpoesie

Auch wenn es sich nur um Flavortexte handelt, die für das Spiel an sich völlig unintressant sind, lebt dieses Spiel von seinem Humor, der sich unter anderem auf vielen Karten offenbart. Da bekomme ich direkt ein sehr genaues Bild vor Augen, aber natürlich sind Ähnlichkeiten zu realen Personen völlig zufällig ;)

From Idiot to President Schlagzeilen Stufe 3 / Foto: Brettspielpoesie

Die Platzierung der Klötzchen verläuft nicht immer ganz fair. Wer früh Platzieren muss, kann von den folgenden Spielern noch gut verdrängt werden. Zumindest wenn der gelbe Pöppel vorteilhaft steht, von dem aus sich auf der Landkarte ausgebreitet werden darf. Ein Flug zu einem beliebigen Ort ist zwar immer möglich, doch muss dieser Ort noch unbesetzt sein, zum Ende des Spiels gibt es meist nur noch wenige solcher Orte.

From Idiot to President Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Bevor die Wahlmänner ausgezählt werden, offenbaren die Spieler noch ihre „Hey Schatz“-Karten, denn die Partner der Kandidaten haben sich voll und ganz ins Zeug gelegt, um in bestimmten Staaten die Stimmen auf ihren Liebling zu ziehen. Das bringt die gesamte Lage etwas durcheinander, führt aber auch dazu, dass sich zuvor kein Spieler sicher sein, die Partie zu gewinnen.

From Idiot to President Schatzkarten / Foto: Brettspielpoesie

Spielerisch ist From Idiot to President weder innovativ, noch besonders elegant. Wie bereits erwähnt, weist es leider einige redaktionelle Schwächen auf, bei denen manche Regeldetails einfach unerwähnt bleiben. Es gelingt dem Spiel aber, den Mechanismus des Area Control einsteigerfreundlich einzusetzen, sodass auch weniger erfahrene Spieler sich schnell zurecht finden. Das Thema ist das Highlight an diesem Spiel, es ist eine gelungene Parodie auf die aktuelle Zeit. Dabei bedient es sich diverser Vorurteile, die natürlich bewusst vereinfacht sind und niemanden persönlich diskreditieren sollen. Aber durch solches Schubladendenken entsteht häufig auch erst der Witz. Es ist kein Spiel, welches ich in derselben Gruppe regelmäßig auf den Tisch bringen würde. Aber es ist ein witziges Spiel, für Abende in geselliger Runde mit bis zu sechs Spielern, die etwas zugängliches spielen wollen und den Humor mögen. Ein Spiel, welches sich besonders gut am 04.Juli eines jeden Jahres spielen lässt.

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Verlag: Haarenwerk Brettspiele
Autor(en): Philipp Grasl, Florian Isensee
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 3 – 5 Spieler
Dauer: 45 Minuten

Vielen Dank an Haarenwerk für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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