The Key

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Detektiv- und Kriminalspiele sind nach den artverwandten Escape Room-Spielen zu einem großen Trend geworden. Kaum ein Verlag versucht nicht auf den erfolgreichen Zug aufzuspringen, um einen Teil vom Kuchen ab zubekommen. In diesem Jahr kündigte der, in erster Linie für Kinderspiele bekannte, HABA Verlag erstmalig neue Spiele der „Spieleabend Approved“-Serie auf der Spielwarenmesse im Frühjahr an. In den vergangenen Jahren wurden diese Familienspiel-Titel nur zur SPIEL in Essen angekündigt, wo das Laufpublikum sie direkt anspielen und mitnehmen konnte. Autor ist Thomas Sing, der mit dem zum Kennerspiel des Jahres 2020 nominierten, kooperativen Stichspiel Die Crew, Bekanntheit erlangt hat. The Key ist direkt in zwei Ausgaben erschienen, sie unterscheiden sich vor allem durch den Schwierigkeitsgrad und werden im folgenden Beitrag gemeinsam vorgestellt. Konnte der Autor auch mit diesen Spielen wieder ein glückliches Händchen beweisen?

Spielmaterial:

Es sind neun Kriminalfälle enthalten, jeder wird durch einen farbigen Holzschlüssel repräsentiert. Alle Spieler werden mit einem wieder beschreibbaren Sichtschirm, passenden Stiften und einem aufklappbaren Heftchen ausgestattet. Der Inhalt der Heftchen ist bei allen Spielern identisch, die Informationen können herangezogen werden, um Hinweise der Karten zu verarbeiten. Die Karten sind das zentrale Element des Spiels, jede zeigt auf ihrer Rückseite, zu welcher Hinweiskategorie die Vorderseite einen Tipp bereit hält. Zudem sind auf der Rückseite mehrere Farben angegeben, die mit den Farben der Holzschlüssel korrespondieren. Nur zu den angegeben Fällen, kann die Karte eine passende Lösung bieten.

The Key Spielaufbau / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Die Spieler entscheiden sich gemeinsam für einen Fall und den zugehörigen Schlüssel, zum Beispiel den Blauen. Alle Karten mit einem blauen Quadrat auf der Rückseite, enthalten Informationen zur Lösung dieses Falles. Die Karten liegen für alle Spieler gut zu erreichen in der Tischmitte, auf ein Zeichen geht es los und die Spieler dürfen sich Karten nehmen, die sie hinter ihren Sichtschirm ablegen, um die darauf gezeigten Informationen zu verarbeiten. Die Karten verbleiben bei den Spielern, sie dürfen nicht mehr zurück gelegt werden. Beim Raub in der Cliffrock Villa haben drei Personen zu verschiedenen Uhrzeiten jeweils einen bestimmten Gegenstand gestohlen und dann auf bestimmte Art und Weise die Flucht angetreten. Die Karten geben mehr oder weniger konkrete Hinweise, sind entsprechend auch mit einen Wert zwischen zwei und vier versehen. Die höherwertigen Karten sind in der Regel etwas konkreter, die anderen helfen meist nur im Kombination mit weiteren Hinweisen. Häufig muss auch das Ausschlussverfahren angewendet werden. Für den Mord im Oakdale Club müssen ebenfalls drei Täter zu den Uhrzeiten zugeordnet werden. Jeder hatte zudem eine bestimmte Tatwaffe, hat an einem Ort gemordet und ist mit einem Golfcaddy geflohen.

The Key Spielertableau / Foto: Brettspielpoesie

Es ist möglich zur Lösung zu gelangen ohne auch nur einen Blick in das Heftchen zu werfen. Manche Hinweise lassen sich jedoch nur mit dessen Hilfe verwerten. Beim Raub in der Ciffrock Villa kann zum Beispiel ein Objekt aus der Tasche des Täters gezeigt werden, im Heft sind diese Inhalte komplett abgebildet. Oder ein Pixel eines Kamerabildes ist zu sehen und muss einem Portrait der Täter zugeordnet werden. Für den Mord im Oakdale Club müssen sich die Ermittler etwas mehr anstrengen, da gibt es DNA-Codes, die aus mehreren farbigen Streifen bestehen oder kaputte Uhren, die vervollständigt werden sollten, um sie den Uhrzeiten zuzuweisen. Vielleicht wurden die Täter auch zu einer bestimmten Zeit an einem Ort gesehen, dafür sind auf einer Karte Entfernungen angegeben.

The Key Codegenerierung / Foto: Brettspielpoesie

Können die Spieler alles korrekt zuordnen, ergeben diese Elemente in der korrekten Reihenfolge einen Zahlencode. Der erste Spieler mit einem Ergebnis, beendet seine Ermittlungen und darf sich den Schlüssel aus der Mitte nehmen, um bei der Wertung einen Bonus zu erhalten. Die Mitspieler haben anschließend keinen Grund mehr, schnell zu agieren, sondern können den Fall in Ruhe lösen.

Spielende:

Eine Partie endet erst, wenn alle Spieler glauben den Code heraus gefunden zu haben. Dann überprüft der Spieler mit dem Schlüssel seinen Code, indem er diesem auf der Codetafel sucht und den Schlüssel hindurch steckt. Passen auf der Rückseite die Farbe des Schlosses mit der Farbe des Schlüssels überein, wurde alles korrekt gelöst. Ansonsten prüfen die anderen Spieler weiter. Wer den Code korrekt erkannt hat, zählt nun die Werte seiner Karten zusammen, um unter diesen Spielern den Sieger mit der geirngsten Punktzahl zu ermitteln. Ist der Spieler mit dem Schlüssel darunter, darf er dabei eine Karte seiner Wahl nicht mitzählen.

Spieleranzahl:

Da alle recht solitär vor sich hin knobeln, ist es eigentlich völlig egal, ob alleine gespielt wird oder Mitspieler dabei sind. Das Wettrennen, als erster den Code zu entdecken, kann allerdings das Zünglein an der Waage zum Sieg sein. Wer für sich alleine spielt hat immer die Auswahl aus allen Karten, umso mehr Mitspieler, desto geringer wird diese im Laufe der Partie. Dennoch gibt es immer ausreichend Hinweise für alle Spieler, um den Fall zu lösen, solange die Spieler nicht wahllos beliebige Karten aufnehmen. Das Solo-Spiel zielt darauf ab, möglichst wenige Hinweise zu benutzen, um der Lösung auf die Schliche zu kommen.

Glücksfaktor?

Gerne würde ich an dieser Stele schreiben, dass es vor allem auf Deduktionsfähigkeiten und logisches Kombinieren ankommt, doch leider lässt das Spielprinzip viel Glück zu. Wird eine Karte genommen, deren Hinweis bereits andere Karten gegeben haben, zieht diese Karte bei Spielende einfach Punkte ab ohne irgendeinen Nutzen einzubringen.

Meinung:

Ich mag solche Knobelaufgaben, wie sie bei The Key geboten werden. Doch bin ich mir nicht sicher, ob mir der Spielablauf und die Wertung wirklich zusagen. Es kann nämlich schnell frustrieren, wenn andere Spieler immer schneller sind. Ohne Zeitdruck würden die Spieler zwar weniger in Konkurrenz stehen, aber jeder könnte von Anfang an in Ruhe knobeln. So ist das erst möglich, sobald der Schlüssel vergeben ist, dann kommt es auf die Zeit nicht mehr an. Was im Umkehrschluss zu längeren Wartezeiten für den schnellsten Spieler führen kann. Nicht selten haben sich in unseren Partien Spieler komplett verheddert, alles weggewischt und wieder von vorne begonnen, die Hinweise ihrer Karten zu notieren und zu kombinieren.

Zwar geben die Rückseiten der Karten erste Hinweise, auf welchen Aspekt der Ermittlungen sie sich beziehen, dennoch kann es passieren Informationen zu erhalten, die bereits bekannt sind. Der Wert der Karte wird sich dann negativ auf die Punkte auswirken, auch wenn deren Information gar nicht mehr verwendet wurde. Die beiden Ausgaben unterscheiden sich zum einen durch die zu betrachtenden Ebenen. Während beim Raub in der Clifford Villa Täter, Beute und Fluchtfahrzeug ermittelt werden, sind beim Mord im Oakdale Club neben Täter und Fluchtfahrzeug auch die Tatwaffe und der -ort gesucht. Zudem gibt es beim schwierigeren Fall keine Karten mit Wert 3. Die Hinweise sind häufig negiert, was die Kombinationen etwas schwieriger macht. Auf den Schachteln gibt es noch einen höheren Schwierigkeitsgrad, zudem bislang kein Spiel erschienen ist. Ich bin gespannt, was sich der Autor dafür ausdenken wird. Die einfachen Fälle spielen wir nur noch, um Mitspielern das Spielprinzip näher zu bringen. Reizvoller erscheinen mit die anspruchsvolleren Fälle.

Damit kommen wir auch direkt zu zentralen Frage: Kann The Key mehrfach gespielt werden? Ja, schließlich sind ja neun Schlüssel und damit neun zu ermittelnde Zahlencodes enthalten. Mit etwas Zeit zwischen den Partien können aber auch bereits gelöste Fälle neu angegangen werden. Dafür sind die Kriminalfälle einfach zu generisch, bieten keine eigenständige Geschichte, als dass diese lange im Gedächtnis bleiben. Wer nicht gerade mit einen fotografischen Gedächtnis ausgestattet ist, wird sich nach einiger Zeit sicher nicht mehr an den gesuchten Zahlencode erinnern können. Und selbst wenn doch, gäbe es noch immer die Möglichkeit mit den zufällig gezogenen Karten die Zahlenreihenfolge herzuleiten, deren Kombination meist eine andere sein wird.

Fazit:

The Key ist für mich ein gelungenes Spiel, um in die Welt der aktuell sehr beliebten Detektiv- und Kriminalspiele einzutauchen. Es erzählt keine einzigartige Geschichte, eignet sich aber gut, um Kombinationsfähigkeit und logisches Denken zu trainieren.

Wertungsnote 4/6

Verlag: HABA
Autor(en): Thomas Sing
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an HABA für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare!

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