Kurz & klein: Nochmal so gut / 5er finden / Anubix

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Ich hatte vor der SPIEL’19 ja bereits begonnen, kleine und schnell vorgestellte Spiele nicht mehr in die starre Rezensionsstruktur zu pressen. Stattdessen möchte ich ähnliche Spiele, die irgendeine Gemeinsamkeit haben nicht kurz und klein hacken, wie der Titel es vermuten lassen könnte, sondern einfach  gesammelt vorstellen. So bekommt ihr einen Überblick über das Spielprinzip und meine Gedanken zu diesen Spielen zu lesen. Freut euch heute auf die Weiterentwicklung des beliebten Roll’n’Write-Spiels Noch Mal!, welches in den vergangenen Jahren sicherlich prägend für den Erfolg solcher Spiele war. Bei 5er finden geht es darum die Würfelsymbole auf dem Plan zu finden und bei Anubixx werden Kreuze gesetzt, um daraus antike Bauwerke zu konstruieren.

Anubixx

Das Kartenspiel Ohanami war das erste Projekt, welches Autor Steffen Benndorf in Eigenregie umgesetzt hat. Das hat ihm scheinbar viel Freude bereitet, sodass dies kein Einzelfall bleiben soll: Anubixx ist sein zweites Projekt, dabei ist er gar nicht der alleinige Autor. Beim Spieleautorentreffen in Göttingen stellten ihm Florian und Helmut Ortlepp einen Prototypen namens Pyramido vor, der Steffen direkt begeisterte. Allerdings erkannte er ein wenig Optimierungspotenzial und arbeite gemeinsam mit den beiden daran. Ein wichtiger Aspekt war dabei, das Spielmaterial so aufzubereiten, dass es in eine der gängigen Schachtelgrößen beim Nürnberger Spielkartenverlag passt. Auch am Spannungsbogen wurde lange gefeilt, bis alle mit dem Produkt zufrieden waren. Der Titel änderte sich dabei mehrfach, letztendlich passt er mit seinen zwei „xx“ gut in die Würfelspielreihe des Verlags, der auch Qwixx in seinem Programm hat.

In der Schachtel befindet sich die typische NSV-Ausstattung eines Würfelspiels: Würfel, ein Abreißblock und Bleistifte. Die vier sechsseitigen Würfel zeigen farbige Steinblöcke, diese können die Spieler auf den Wertungszetteln markieren, um einen Torbogen, ein Bodenrelief und eine Pyramide fertigzustellen. Die Gebäude geben exakt an, welche Farben an welchen Stellen dafür benötigt werden. Da es sechs verschiedene Zettel gibt, wird sichergestellt, dass jeder Spieler die Farben an anderen Stellen benötigt. Nachdem der aktive Spieler gewürfelt und bis zu zwei Würfel gewählt hat, dürfen die Mitspieler bis zu zwei Kreuze setzen. Dafür stehen ihnen die übrigen Würfel zur Verfügung, aber auch Jokersteine und der Steinbruch. Ein Jokerstein ersetzt einfach einen beliebigen Stein, die Spielerzahl bestimmt über die Anzahl der verfügbaren Joker pro Partie. Der Steinbruch ist eine Reihe aus farbigen Steinen, die dem Spieler zusätzlich zur Verfügung stehen. Dieser darf dabei Steine überspringen, kann später aber immer nur Steine verwenden, die rechts des zuletzt genutzten Steins liegen. Natürlich kann auch der aktive Spieler solche Steine verwenden, er gibt den Mitspielern dann allerdings mehr Würfel zur Auswahl. Im Spiel zu zweit kommen generell nur drei Würfel zum Einsatz, dadurch kann der inaktive Spieler nur einen Würfel verwenden, also nichts im Bodenrelief ankreuzen ohne einen Joker-/Steinbruch-Stein zu verwenden.

Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Zusätzlich existiert noch ein kleines Wettrennen um die Symbole. Diese sind auf bestimmten Steinen der Gebäude zu sehen, wird ein solcher Stein (oder alle mit diesem Symbol) markiert, gibt es die Belohnung. Im gleichen Zug können die Mitspieler noch nachziehen, um ebenfalls den Bonus zu erhalten, danach wird er nicht mehr vergeben. Für jedes dieser markierten Symbole gibt es bei Spielende drei Zusatzpunkte. Ungenutzte Joker und übrige Steine im Steinbruch werden ebenfalls belohnt. Die drei Gebäude werden auf unterschiedliche Art und Weise gewertet, je nachdem wie viele Steine platziert werden konnten.

Bei Anubixx haben wir es mit einem lockeren Absacker zu tun, der schnell gespielt ist. Es ist anfangs durchaus reizvoll die Gebäude fertigzustellen, und nicht einfach nur Kreuze in einem abstrakten Raster zu setzen. Doch manches Mal nervt der große Glücksfaktor einfach. Durch die unterschiedlichen Vorgaben, kann es nämlich passieren, dass die Mitspieler viel besser von den Würfeln profitieren können, als man selbst. Es gibt zwar die Joker- und Steinbruchsteine, doch führt deren Verwendung zu weniger Punkten bei Spielende. Bei der Kürze der Partien ist dies jedoch zu verzeihen.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Nürnberger Spielkartenverlag
Autor(en): Steffen Benndorf, Florian Ortlepp, Helmut Ortlepp
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 20 Minuten

Vielen Dank an den NSV für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Noch mal so gut!

Seit 2016 ist das Roll’n’Write-Spiel Noch Mal! von Inka und Markus Brand auf dem Markt. Für den Verlag Schmidt Spiele war dies der Auftakt zu einer ganzen Serie mit dem Titel Klein & Fein, die immer wieder interessante kleine Würfelspiele hervor bringt. Es sind bereits sechs verschiedene Zusatzblöcke für das Spiel erschienen, umso mehr verwunderte mich dieses nun eigenständige Spiel. Wenn man sich jedoch den aktuellen Jahrgang ansieht, in dem viele weiterentwickelte Spielideen neu vermarktet werden, erscheint es gar nicht mehr so verwunderlich. Das Spiel dann allerdings auch noch gleich Noch mal so gut! zu benennen, beweist ein gesundes Selbstvertrauen.

Was direkt auffällt ist der zusätzliche beigefarbene Würfel, der fünf unterschiedliche Symbole zeigt. Dieser wird mit den anderen zusammen gewürfelt und kann anstelle einer Kombination aus Augenzahl und Farbe verwendet werden. Allerdings nur in Verbindung mit einem freigeschalteten und unbenutzten Würfelsymbol. Manche Felder des Rasters der neuen Wertungszettel zeigen ein solches Symbol. Auf ein solches ein Kreuz zu setzen, ist eine Möglichkeit zur Freischaltung. Für die Würfelseite mit dem Herz wird einfach ein solches auf dem Zettel markiert. Es eine zusätzliche Zeile unter den Spaltenbonuspunkten, in denen bei Vollendung einer Spalte eingetragen wird, wie viele Herzen zu diesem Zeitpunkt bereits markiert wurden. Eine weitere Aktion des neuen Würfels erlaubt es zwei Sterne anzukreuzen oder drei beliebige Felder in einer Reihe, diese Felder müssen aber alle angrenzend zu bereits gekreuzten Feldern sein. Das gilt auch bei der Aktion, die es erlaubt alle Felder eines Bereichs zu kreuzen. Nur damit ist es möglich ein sechs Felder großes Gebiet in einem Zug auszufüllen. Nicht angrenzend kann nur die Bombe verwendet werden, bei der alle Felder eines 2×2 Felder großen Quadrats ausgefüllt werden können.

Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Außerdem gibt es zusätzlich zu den Spaltenboni nun auch Boni für vollständig ausgefüllte Zeilen. Alle Spieler, die eine Zeile vollständig ausfüllen, erhalten die Punkte dafür, doch nur der Erste bekommt den angegebenen Bonus. Dies kann ein Herz, eine Bombe oder eine Würfel-Aktion sein. Bei der Endwertung werden einfach die Punkte für die Zeilen und die Herzen zusätzlich addiert.

Der Würfel ist eine schöne Idee, mit ihm kann so manche Lücke schneller geschlossen werden. Mir persönlich bietet er zusammen mit dem neuen Wertungszettel aber zu wenig Mehrwert gegenüber dem Vorgängerspiel. Es ist einfach eine zusätzliche Option, die abgewägt werden muss, was dem Spiel in meinen Augen nicht gut tut. Die Nützlichkeit der Aktionen des Würfels hängen oft vom bisherigen Spielfortschritt ab, nicht jeder kann die Aktionen zum gleichen Zeitpunkt sinnvoll nutzen. So kann der aktive Spieler diesen Würfel vielleicht gar nicht verwenden und muss ihn einem Mitspieler überlassen, bei dem die Aktion gerade hervorragend passt. Ich mag Noch mal! genau so, wie es ist. Wenn ich Abwechslung möchte, wähle ich einen der vielen optionalen Wertungszettel. Mir reicht das aus, mehr benötige ich nicht. Daher sehe ich für mich keinen Bedarf zu dieser Weiterentwicklung zu greifen und sie Noch Mal! vorzuziehen.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Schmidt Spiele
Autor(en): Inka und Markus Brand
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Schmidt Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


5er finden

Einen wirklich neuen Ansatz in der Welt der Würfelspiele geht HABA mit 5er finden. Der Titel sagt eigentlich schon alles: In einem Raster aus vielen bunten Kästchen müssen bestimmte Formen gefunden werden, die exakt fünf Kästchen groß sind. Die Würfel geben genau vor, aus welchen Symbolen diese Figuren bestehen müssen. Sobald die Würfel liegen, muss schnell agiert werden, denn nur wer sich als Erster die Sanduhr schnappt, bekommt einen Bonuspunkt und kann die anderen unter Druck setzen, die nur noch Formen einzeichnen dürfen, solange der Sand durch die Uhr rieselt. Jede erlaubte Form darf nur ein einziges Mal gewertet werden, pro Runde zählen nicht mehr als fünf Formen und diesen sind feste Punkte von 1-4 zugewiesen. Gespielt wird über fünf Runden, nach jeder Runde werden die Tableaus abgewischt. In der folgenden Runde steht wieder das gesamte Raster zur Verfügung, um fünf weitere Formen zu finden. Das können, wenn es ganz blöd läuft, auch exakt die gleichen Symbole sein, wie zuvor. Doch passiert dies in der Regel nicht sehr häufig. In jeder Runde wird also alles wieder auf Anfang gestellt. In der letzten der fünf Runden werden die Punkte für gefundene Formen sogar doppelt gezählt, das gefällt mir nicht. Warum sollten in der letzten Runde doppelt so viele Punkte vergeben werden, wo sich die Aufgabe doch überhaupt nicht ändert. Es wäre etwas anderes, wenn durch die vorherigen Runden immer weniger Fläche zur Verfügung stehen würde, so ist es doch nur dafür da, bis zum Spielende für Spannung zu sorgen. Und es bringt einen weiteren Glücksfaktor hinein, denn wer die letzte Runde rockt, kann richtig Punkte sammeln.

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Für Abwechslung sorgen die Spielertableaus. Eine Seite ist bei allen Spielern identisch, so kann niemand hinterher sagen, bei den anderen wäre es doch viel einfacher gewesen, die Formen zu finden. Die andere Seite unterscheidet sich bei allen Spielern, dann kann niemand bei den anderen abgucken. Ich mag beide Varianten. Auch das Wertungstableau hat eine Rückseite, für die enthaltene Puzzle-Variante. Dabei werden die Formen nicht nach jeder Runde entfernt. In maximal zwölf Runden dürfen die Spieler nur jeweils eine Form finden, die sie bisher nicht verwendet haben. Auch hier kommt die Sanduhr zum Einsatz, sobald der erste Spieler seine Form eingezeichnet hat. Finden die Mitspieler vor Ablauf der Zeit keine Form, müssen sie eine beliebige Form von ihrer Auswahl streichen und die Form schraffiert einzeichnen, damit auch dann weniger Felder zur Wahl stehen. Oft werden genau die Formen gestrichen, die in den Folgerunden immer wieder gefunden werden können. Da hilft es beim nächsten Mal nur schneller zu sein.

Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Ich finde die Spielidee spannend, es ist mal ein etwas anderes Roll’n’Write-Spiel.Kleiner Kritikpunkt sind für mich die Stifte, denn sie riechen sehr extrem, was schnell zu Kopfschmerzen führen kann. Ich bin ja eigentlich ein großer Freund von wieder beschreibbarem Spielmaterial, laminiere Wertungszettel gerne ein, um sie wiederverwenden zu können, doch mit diesen Stiften habe ich wenig Spaß. Was ich in Spielen grundsätzlich weniger mag, ist Zeitdruck. Ich bin eben perfektionistisch veranlagt, möchte daher immer die besten Formen finden, doch vorher dreht irgendwer die Sanduhr und ich muss mich mit weniger zufrieden stellen. Genau darauf basiert das Spiel, aber meinen persönlichen Geschmack trifft das nun mal nicht ganz. Die Puzzle-Variante finde ich da reizvoller. Meinem Freund ergeht es genau anders herum, er präferiert das normale Spiel. So kommt jeder auf seine Kosten und kann für sich das Beste aus dem Spiel heraus holen.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Haba
Autor(en): Jürgen P. K. Grunau
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 10 Minuten

Vielen Dank an HABA für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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