Die Legenden von Andor III – Die letzte Hoffnung

Andor Teil III Cover

Cover/ Foto: Kosmos Verlag

Heute wird das Pferd mal von hinten aufgezäumt. Sonst stelle ich euch bei Erweiterungen gerne erst das Grundspiel vor, dieses Mal fange ich mit dem dritten Teil an. Denn dieser dritte Teil ist im eigentlichen Sinne keine Erweiterung der Legenden von Andor, dem Kennerspiel des Jahres 2013, sondern ein eigenständiges Spiel, mit dem man auch als Neueinsteiger ohne Vorkenntnisse durchaus starten kann. Bei Andor spielt man gemeinsam eine Geschichte nach, die in mehreren Legenden erzählt wird und einige Zufallselemente enthält, also jedes Mal etwas anders verlaufen kann. Man hangelt sich dabei von Legende zu Legende und muss die ein oder andere davon vielleicht auch mehrfach angehen. Dabei müssen die Helden verschiedene Aufgaben erfüllen und sich vor den Kreaturen in acht nehmen.

Spielmaterial:

Ein vollgepackter Karton erwartet euch beim dritten Andor-Teil. Ein neuer, großer, beidseitig bedruckter Spielplan, der sich mit den beiden aus dem ersten und zweiten Teil zusammen fügen lässt. Dazu Spielmaterial für vier Helden, jede Menge Kreaturen und ein Haufen Stanzteile, wie z.B. Nahrung, Ausrüstung, Nebel-, Höhlen- und Quellenplättchen. Die Legendenkarten der sieben Legenden knüpfen an die bisherigen Legenden an und erzählen die Geschichte, die 32 Ereignis-Karten beeinflussen den Spielverlauf.

Es gibt keine Anleitung im eigentlichen Sinne, nach einer kurzen Einführung erlernt man die Grundmechanismen in der kurzen Losspiel-Legende während der Partie. Zusätzlich existiert ein Begleitheft, in welchem die wichtigsten Regeldetails jederzeit nachgelesen werden können.

Spielmechanismus:

Jede Legende wird auf mehreren Legendenkarten erzählt. Nach dem Standard-Spielaufbau, der für jede Partie gilt, werden die ersten Legendenkarten vorgelesen. Sie geben an, wo Kreaturen auftauchen, wo Stern-Plättchen für den Erzähler platziert werden und weitere nützliche Dinge. So zum Beispiel auch die Startwerte für Stärke- und Willenspunkte der Helden und somit auch die Anzahl zu verwendender Würfel. Zudem erfährt man Aufgaben oder bereits das Legendenziel. Dann ist es an den Helden diese zu erfüllen. Eine Runde repräsentiert einen Tag, an dem jeder Held 10 Zeitstunden verbrauchen kann. Die ersten sieben stehen ihm regulär zu, jede Überstunde kostet ihn Willenspunkte. Zwei Aktionsmöglichkeiten stehen zur Verfügung: Bewegung oder Kampf. Jedes Feld, welches ein Held bei seiner Bewegung betritt, kostet ihn eine Stunde. Nebelplättchen oder Höhlen auf dem Zielfeld werden aktiviert und der nächste Spieler ist erst einmal am Zug. Für eine Kampfrunde muss ebenfalls ein Stunde eingesetzt werden. Es werden so viele Runden gespielt, bis eine Seite verloren hat oder die Helden sich zurück ziehen. Im letzten Fall erlangen die Kreaturen jedoch ihre komplette Stärke zurück. Die Helden können Felder mit Kreaturen einfach beschreiten oder sogar dort stehen bleiben. Jedoch dürfen nur wenige Kreaturen das Lager erreichen, sonst ist die Legende verloren, daher müssen diese ab und zu aufgehalten werden.

Andor Teil III Spielplan

Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Kommt es zum Kampf, dürfen Spieler, die sich auf dem gleichen Feld befinden, unterstützen. Im Kampf zählt jeweils das höchste Würfelergebnis eines jeden beteiligten Helden zu seiner aktuellen Kampfstärke auf seinem Spielertableau und wird mit der Kampfstärke der Kreatur und dessen bestem Würfelergebnis (ein Mitspieler würfelt für sie) verglichen. Man beachte, dass die Kreatur gleiche Augenzahlen addieren darf. Die Differenz wird dem Unterlegenen von seiner Willensstärke abgezogen. Dies kann die Anzahl der Würfel in weiteren Kampfrunden beeinflussen. Sinkt die Willensstärke bei der Kreatur auf null, ist sie besiegt und man darf sich die entsprechende Belohnung nehmen. Sinkt ein Spieler auf null Willenspunkte, muss er einen Stärkepunkt abgeben und erhält im Gegenzug drei Willenspunkte. Für erlegte Monster gibt es einen Bonus, die Kreatur verlässt das Spiel und der Erzähler bewegt sich.

Andor Teil III Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Zu Beginn eines neuen Tages werden jedes Mal die gleichen Phasen durchlaufen. Ein neues Ereignis (positiv oder negativ) tritt ein, die Kreaturen bewegen sich in Richtung des Lagers bzw, des Trosswagens, Quellen und Höhlen stehen wieder bereit. Wer es nicht ins Lager geschafft hat, muss nun Proviant oder Willenspunkte abgeben. Zuletzt rückt der Erzähler vor, wodurch eine Legenden-Karte ausgelöst werden kann. Durch diese können weitere Aufgaben, Ziele oder Aktionsmöglichkeiten ins Spiel kommen. Manchmal erfährt man auch einfach neue Details der Geschichte und es kommen neue Elemente bzw. Kreaturen hinzu.

Spielende:

Eine Partie endet mit Sieg oder Niederlage. Haben zu viele Kreaturen das Lager bzw. den Trosswagen erreicht, gilt die Legende genauso als verloren, wie wenn das Legendenziel nicht erreicht wurde, bevor der Erzähler den geforderten Buchstaben erreicht. Im diesem Fall können die Helden mit dem Wissensvorsprung, was auf sie zu kommt, einen neuen Versuch wagen. Wurde das Legendenziel rechtzeitig erfüllt, gilt die Legende als erfolgreich absolviert und man kann sich in das kommende Abenteuer stürzen. Der Spielplan wird wieder neu bestückt und die Helden beginnen mit geringen Stärke- und Willenspunkt-Werten. Diese werden nicht von vorherigen Legenden übernommen.

Spieleranzahl:

In dieser Hinsicht ist das Spiel gut ausbalanciert. Viele Ereignisse unterscheiden sich je nach Spieleranzahl. Spielt man mit weniger als vier Helden, ist es eine recht kniffelige Entscheidung, welche Charaktere mit ihren Sonderaktionen man einsetzt. Dafür werden die Aufgaben etwas leichter und es dürfen mehr Kreaturen das Lager erreichen. Dabei sollte man nicht vergessen, dass weniger Charaktere auch weniger Zeitstunden pro Tag zur Verfügung haben.

Glücksfaktor?

Vieles passiert zufällig. Beginnend beim Auswürfeln der Positionen von Waffen und ggf. Kreaturen zu Legendenbeginn, über verschiedene Ereignisse bis hin zu den Vergleichen von Würfelergebnissen bei den Kämpfen. Klar, kann es mal ärgerlich sein, wenn man eine Legende gefühlt chancenlos verliert, weil man das Glück nicht auf seiner Seite hatte, aber es stört nicht wirklich, sondern erweckt den Ehrgeiz es beim nächsten Mal einfach besser anzugehen und den Wissensvorsprung gezielt einzusetzen. Wenn das wiederholt nicht gelingen mag, kann das schon etwas frustrieren. In solchen Momenten können Anpassungen vorgenommen werden, welche die Legende erleichtern sollen.

Fazit:

Für mich sind Die Legenden von Andor einfach ein tolles Spielerlebnis. Ob für Einsteiger oder Kenner, der dritte Teil lohnt sich in jedem Fall. Und wer die Vorgeschichte noch nicht kennen sollte, will sie spätestens jetzt selbst durchleben. Die Helden sind älter und reifer geworden, das spiegelt sich in ihren neuen Fähigkeiten wieder, die auch dringend benötigt werden. Dementsprechend sind allerdings auch die Legenden anspruchsvoller. Wieder beginnt die Geschichte mit einem schnellen Losspiel-Abenteuer und wird dann von Legende zu Legende kniffeliger. So bleibt das Spiel anspruchsvoll und es ist nicht ungewöhnlich, dass man für die ein oder andere Legende mehrere Anläufe benötigt. Viele der Hauptmechansimen sind aus dem Grundspiel bekannt, zum Teil erweitert und es gibt nun mehr Kreaturen, mehr Geschehnisse bei Sonnenaufgang und mehr spezielles Material. Auch die alte Zwergenstraße und der sich bewegende Trosswagen bringen neue Elemente hinein.

Nach jeder erfolgreichen Legende, möchte man wissen wie es weiter geht, dadurch entsteht ein großer Wiederspielreiz. Im Gegensatz zu Legacy-Spielen ist der Spielreiz nach einer erfolgreichen Legende nicht verloren, durch die zufälligen Elemente kann man sich der Herausforderung durchaus mehrfach stellen, auch wenn man die Geschichte bereits kennt. Außerdem wird hierbei kein Material zerstört oder verändert. Thematisch lässt es sich vielleicht nicht ganz erklären, dass die Stärke der Helden immer wieder zurück geht, aber so bleiben die einzelnen Partien spannend. Es ist empfehlenswert die Legenden in kurzen Zeitabständen zu spielen, da sonst der Wiedereinstieg recht schwerfällig sein kann. Aber keine Angst, wie bei einer guten Serie entsteht nach jeder Legende der Wunsch möglichst bald zu erfahren was den Helden noch geschieht und ob sie es schaffen, die Bewohner Andors zu befreien.

Die Legenden von Andor waren von Anfang an als Trilogie geplant, es ist nur konsequent die Geschichte mit dem dritten großen Teil zu schließen. Aber schon bald kommen die dunklen Helden heraus, um auch diesen mit 5-6 Spielern erleben zu können. Und vielleicht kommt ja noch die ein oder andere offizielle Legende nach. Oder man spielt eine der vielen Fan-Legenden nach, die sich in der Community immer wieder ausgedacht und veröffentlicht werden. Oder zu zweit die 2-Spieler-Variante, Andor wird auf jeden Fall weiter leben.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Kosmos Verlag
Autor(en): Michael Menzel
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 60 – 90 Minuten

Vielen Dank an den Kosmos Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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