Paris

Paris Cover / Foto: Game Brewer bzw. Kosmos

Paris ist nicht nur die Hauptstadt Frankreichs, die Stadt hat auch diverse Beinamen. Einer der bekanntesten ist wohl die Stadt der Liebe. Mit seinen schmalen Gassen, den gemütlichen Cafés und Bistros am Straßenrand und von überall einen Blick auf den Eiffelturm, verwundert dies auch nicht. Dieses Wahrzeichen wirkt nachts noch viel romantischer, wenn es immer wieder für wenige Minuten glitzernd erleuchtet wird. Womit wir bei einem weiteren Beinamen wären, nämlich die Stadt der Lichter. Ludwig der XIV. war es, der die Stadt im 17. Jahrhundert zum Leuchten brachte.

Und 2020 macht Kosmos dieses Leuchten zum Titel eines ihrer Brettspiele: Paris – Die Stadt der Lichter. Doch ist es nicht die einzige aktuelle Neuheit, die Paris im Titel trägt. Game Brewer nennt seinen neuen Titel des Erfolgsduos Kramer/Kiesling ebenfalls nach dieser Stadt, jedoch schlicht Paris ohne weiteren Zusatz. Um diese beiden Spiele soll es nun gehen, doch der Vollständigkeit halber möchte ich noch zwei weitere Titel diesen Jahres erwähnen, die ebenfalls Paris im Titel tragen. Bei Funnyfox ist Dinner in Paris erschienen und der Verlag Sorry we are french führt die Spieler im Nachfolger zu Greenville 1989 100 Jahre früher in die Stadt der Liebe, Lichter, usw..

Paris

In Paris entstehen in jeder Partie Gebäude, Denkmäler und Wahrzeichen in sechs Pariser Stadtteilen. In der Anfangsphase startet jeder Spielerzug damit, ein Gebäudeplättchen passend auf den Stadtplan zu legen. Um in einem Viertel vertreten zu sein, setzt ein Spieler einen seiner Schlüssel in der dortigen Bank ein, erhält dafür je nach Viertel zwei bis sieben Geld. Wer flexibler sein möchte, besetzt den Arc de Triomphe, um sich später in ein beliebiges Viertel ausbreiten zu können, dafür gibt es aber kein Geld. Platzierte Schlüssel dürfen später auf andere Gebäude im selben Viertel versetzt werden, dabei fallen Kosten anhand des Gebäudewerts an. Beim Versetzen auf ein höherwertiges Gebäude wird nur die Differenz fällig, auf Gebäude mit niedrigerem Wert darf nicht versetzt werden. Durch diese Platzierungen auf den Gebäuden gelangen die Spieler an ausliegende Ressourcen- bzw. Prestigemarker, die erforderlich sind, um die wertvollsten Gebäude oder Wahrzeichen zu beanspruchen bzw. Siegpunkte dafür zu erhalten.

Paris Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Zusätzlich erlauben es einige Gebäudeplätze mit der eigenen Figur ein Bonusplättchen einzusammeln. Diese liegen um den Stadtplan herum kreisförmig aus, die eigene Figur darf auf dieser Leiste beliebig weit vorgezogen werden, um ein spezielles Plättchen zu einzusammeln, aber grundsätzlich nicht mehr zurück. Die Bonusplättchen können Geld, Ressourcen, Siegpunkte oder weitere Vorteile einbringen, sie sind jederzeit im eigenen Zug spielbar. Beispielsweise gibt es welche, die eigene Schlüssel auf Gebäuden mit bestimmtem Wert belohnen. Der beste Zeitpunkt ein solches zu spielen ist natürlich dann, wenn auch viele eigene Schlüssel entsprechend ausliegen. Doch wissen das auch die Mitspieler und werden möglicherweise versuchen diese zu blockieren

Paris Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Geld ist kostbares Gut in diesem Spiel, daher sind die Stadtviertel besonders lukrativ, die viel Geld einbringen. Bei Spielende können Mehrheiten in den Vierteln interessant sein. Daher kann es sich neben den dort verfügbaren Ressourcen-/Prestige-Plättchen zusätzlich lohnen, in denen mit weniger Einnahmen vertreten zu sein. Eine solche Mehrheitenwertung wird erst mit der Platzierung des vierten Schlüssels auf einem Gebäude in einem Viertel festgelegt. Der aktive Spieler wählt eines der verschieden wertigen Plättchen, um es in ein Viertel seiner Wahl zu legen. Dadurch sorgt er für die Vergabe der angegebenen Punkte bei Spielende. Doch wie endet eine Partie? Sind alle verfügbaren Gebäudeplättchen platziert, gibt es als alternative Aktionsmöglichkeit die Option ein Spielendeplättchen mit einem Bonus zu nehmen. Erst wenn diese alle vergeben sind, folgt nur noch eine letzte Runde, bevor es zur Endwertung kommt.

Paris Wahrzeichen / Foto: Brettspielpoesie

Meinung

Das Spielmaterial ist imposant, die Tischpräsenz hervorragend. Es wurde festes Pappmaterial verwendet, das Spielermaterial aus Holz gibt es in schwarz und den drei Farben der französischen Flagge. Diese findet sich auch auf den Rückseiten der Spielendeplättchen wieder. Auch bei den Illustrationen ist viel Liebe zum Detail zu erkennen. Doch leider trügt der erste Schein ein wenig. Die als Gebäude gestalteten Sichtschirme sind je nach Lichtverhältnissen nur schwer einzusehen. Sie werden nur gesteckt, und sollten daher nicht zu beherzt angefasst werden. Der dreidimensionale Arc de Triomphe in der Spielplanmitte versperrt leider die Sicht auf den gegenüberliegenden Teil des Spielplans, der für die Spieler durchaus relevant ist. Immerhin gibt es ein flaches Ersatzplättchen, um den Arc de Triomphe leicht zu ersetzen. Dann fehlt aber auch schlicht einer der Hingucker dieses Spiels. Zu guter Letzt zeigten bei uns manche Plättchen nach den ersten Partien bereits leichte Abnutzungserscheinungen.

Bei mehr Spielern sind gewisse Bonusplättchen mehrfach vorhanden, bei manchen unterscheidet sich die Punktevergabe abhängig von der Spielerzahl. Auch die Anzahl der Schlüssel pro Spieler hängt davon ab. Ansonsten bleibt der Spielverlauf gleich. Mit gefällt es zu dritt oder viert besser, denn dann passiert einfach mehr auf dem Spielplan. Da es um Mehrheiten geht, wird dann die Konkurrenz und damit auch der Wettstreit größer. Zu zweit es es eher ein Belauern, wer einen vierten Schlüssel platzieren und damit eine Wertung festlegen kann. Mit der Platzierung eines dritten Schlüssels auf einem Gebäude wird bereits eine vorteilhafte Ausgangslage für den folgenden Spieler geschaffen. Spannend finde ich, dass sich das Spielgefühl bei mir mit jeder Spielerzahl geändert hat. Manche Bonusaktionen werden dadurch mehr oder weniger interessant, die Viertel entwickeln sich auch ganz unterschiedlich. Zu viert kann bei Spielende nahezu alles blockiert sein, daher liegt mein persönlicher Sweetspot bei drei Spielern.

Sobald ein Schlüssel in einem Viertel liegt, bleibt er dort bis zum Spielende, er kann nicht mehr entfernt werden, um wonaders die Mehrheitcverhältnisse zu verändern. Es kann passieren, dass Spieler sich „blank“ spielen und im letzten Zug keine Aktionsmöglichkeit mehr haben, weil das Geld einfach nicht reicht um einen Schlüssel umzuplatzieren. Sicherlich kann man sagen, da hat der Spieler schlecht geplant, hätte Geld oder Schlüssel aufbewahren sollen. Da es bei uns recht häufig passierte, vor allem in den ersten Partien mit neuen Spielern, mache ich hier Autor und Verlag einen kleinen Vorwurf, nicht aktiv gegengesteuert zu haben. Denn zu Passen ist laut Spielanleitung keine gültige Option. Als Spieler, dem dies dennoch passiert, fühlt man sich schlecht, entgegen der Spielregeln handlungsunfähig zu sein.

Das Spiel finde ich an sich durchaus reizvoll, auch wenn in verschiedenen Partien eigentlich immer wieder das gleiche passiert. Es gibt Möglichkeiten den Spielaufbau zu variieren, aber das ändert wenig am Spielgefühl. Es macht es nur unübersichtlicher, wenn sämtliche Marker relativ frei platziert wurden. Die vielen Bonusplättchen, von denen ein Spieler pro Partie nur einen Bruchteil erhält, erlauben es unterschiedliche Schwerpunkte zu setzen. Ein Bonusplättchen erscheint mir besonders stark, vielleicht sogar zu stark. Es lässt übriges Geld bei Spielende in Siegpunkte umwandeln. Ohne dieses sind Ressourcen bei Spielende und somit auch viele der Spielendeplättchen weitestgehend wertlos. Sie können lediglich in Geld umgewandelt werden, um vielleicht noch einen Schlüssel umzuplatzieren und dadurch das Mehrheitsverhältnis in einem Viertel zu verändern.

Fazit

Trotz der aufgeführten Kritikpunkte ist Paris in meinen Augen ein gut designtes Spiel um Mehrheiten, mit leichtem Eintieg. Man merkt schnell, dass dies das Werk erfahrener Autoren ist. Die einzelnen Elemente sind gut verzahnt, das erzeugt eine gelungene Spieltiefe bei viel Interaktion.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Game Brewer
Autor(en): Wolfgang Kramer, Michael Kiesling
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 2-4 Spieler
Dauer: 90 Minuten

Vielen Dank an Game Brewer für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Paris – Die Stadt der Lichter

Der neueste Vertreter der 2-Spieler-Reihe vom Kosmos Verlag ist ein Plättchenlegespiel in zwei Phasen. Die Spieler konkurrieren darum prächtige Bauwerke zu errichten, die von möglichst vielen Straßenlaternen hell erleuchtet werden. Die Spieleschachtel ist dabei zentraler Bestandteil während des Spiels, darauf lassen die Spieler eine beleuchtete Stadt entstehen. Beide Spieler erhalten einen Satz aus Straßenplättchen. Darauf befinden sich unterschiedliche Gebiete: Eigene, gegnerische und neutrale. Auf einigen dieser Plättchen ist zudem eine Straßenlaterne zu sehen. Im ersten Teil des Spiels platzieren beide Spieler abwechselnd eines ihrer Straßenplättchen oder wählen ein verfügbares Gebäudeplättchen. Die Gebäude gibt es in verschiedenen Polyomino-Formen, sie haben eine vorgegebene Ausrichtung und können nicht gewendet werden. Wer früher sein letztes Straßenplättchen einsetzt, wird Startspieler der folgenden Phase.

Paris Stadt der Lichter Spielsituation Phase I / Foto: Brettspielpoesie

In dieser platzieren die Spieler reihum ihre zuvor genommenen Gebäudeplättchen, auf eigenen und/oder neutralen Straßenabschnitten. Alternativ wird eine der Bonusaktionen der um den Spielkarton herum ausliegenden Postkarten gewählt und ausgeführt. Diese führen zu Sonderplättchen oder ermöglichen es eine Spielregel abzuwandeln. Beispielsweise ein Plättchen mit dem Vorrat zu tauschen oder eine Laterne überbauen zu dürfen.

Paris Stadt der Lichter Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Sind alle acht Bonusaktionen ausgeführt und kein Spieler kann mehr ein Gebäude platzieren, endet die Partie mit der Wertung. Für jedes Gebäude wird die Größe mit der Anzahl Straßenlaternen multipliziert, die es beleuchten. Jeder Spieler erhält einen Punkt für jeden Straßenabschnitt seines größten zusammenhängenden Gebäudeabschnitts. Nicht platzierte Gebäude führen zu Punktabzug. Weitere Punkte können die Aktionsmarker auf den Postkarten einbringen. Wer im Anschluss die meisten Punkte vorweisen kann, gewinnt.

Paris Stadt der Lichter Spielsituation Phase II / Foto: Brettspielpoesie

Meinung

Auch hier hat das hochwertige Spielmaterial einen großen Anteil am positiven Spielgefühl. Die Spieler lassen Paris nicht einfach schnöde auf dem Spieltisch entstehen, sondern in der zauberhaft illustrierten Schachtel. Um diese herum liegen die ebenso fabelhaften Postkarten, anstelle von einfachen Spielkarten. Lediglich die Sicht auf diese kann sich schwierig gestalten, wenn die Postkarten zu nah an der Schachtel liegen.

Auch wenn Paris – Die Stadt der Licher auf den ersten Blick verspielt romantisch wirkt, so steckt dahinter ein knallhartes Duell. Die erste Phase legt fest, welche Optionen den Spielern in Phase zwei zur Verfügung stehen. Legt der Mitspieler seine Straßenzüge in bestimmtem Muster, ist es ein leichtes ihm das entsprechende Plättchen vor der Nase wegzuschnappen. Dann sollte aber auch dafür gesorgt werden, es selbst Platzieren zu können. Die größeren Gebäudeteile führen zu mehr Punkten, sie sind aber auch schwieriger zu verbauen. Im Vorteil ist ganz klar der Startspieler der zweiten Phase, denn er hat den ersten Zugriff auf die gemeinsam nutzbaren Straßenzüge.

Sämtliche Optionen sind in Paris – Die Stadt der Lichter jederzeit offen einsehbar, es ist ein ständiges Belauern, die Interaktion ist groß. Nicht selten ist schnelles Umdenken gefragt, weil der eigene Plan vereitelt wird. Zum Glück bieten die Postkarten in der zweiten Phase spannende Fähigkeiten, die aus einem solchen Dilemma heraus helfen können. Von den zwölf enthaltenen pro Partie nur acht zu verwenden, sorgt für etwas Abwechslung. Da die Straßenplättchen immer anders angeordnet werden, ist es jedes Mal eine neue Herausforderung, diese möglichst punktebringend zu bebauen.

Fazit

Paris – Die Stadt der Lichter führt die erfolgreiche 2-Spieler-Reihe des Kosmos Verlags gekonnt fort. Mit hochwertigem Material entsteht ein intensives Duell, hier wird konkurriert und nicht gekuschelt.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Kosmos
Autor(en): José Antonio Abascal
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 2 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung eines Rezensionexemplars!

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