My City

Cover / Foto: Kosmos

Euch interessiert bestimmt, wie mir gefiel,
My City, Kosmos‘ neues Legacy-Spiel,
ein Überblick als Ziel, will natürlich nicht verraten zu viel.

Aus unterschiedlich geformten Puzzleteilen,
baut ihr im Spiel farbige Häuserzeilen,
solltet euch bisweilen, dabei durchaus beeilen.

Um manchen Fortschritt früher zu erreichen,
den entsprechenden Bonus einzustreichen,
sollte es reichen, sich ab und an zu vergleichen.

Eine Landschaft umrahmt von Gebirgen und Wald,
darauf erstrahlen eure Städte schon bald,
durch neuen Inhalt, mit immer mehr Vielfalt.

Nur zu Beginn ist euer Land genau gleich,
jedes weitere Kapitel ist einflussreich,
verändert zugleich, euer eigenes Reich,

Es fällt mir schwer nicht zu verraten,
was ihr hier alles könnt erwarten,
kann euch nur raten, einfach loszustarten.

Solltet dafür nicht abgeneigt sein,
einem Legespiel mit Puzzle-Anteil,
es lebt ungemein, vom Mechanismus allein.

Eine spannende Geschichte zu erleben,
kann euch dieses Spiel nicht geben,
das Spiel wird davon leben, Spielmaterial zu bekleben.

Dieses Gedicht ist in acht Absätze mit jeweils drei Zeilen eingeteilt, genau wie das Spiel My City in acht Kapiteln mit jeweils drei Partien gespielt wird. Zu jedem Kapitel gehört ein Umschlag mit den Regeldetails, mit Stickern und teilweise zusätzlichem Spielmaterial. Wie das Gedicht bereits verraten hat, kann die Geschichte vernachlässigt werden, es sind nur wenige Sätze über die Entwicklung der Städte, in dessen Kontext die zusätzlichen Regeln und Materialien eingeführt werden.

My City Umschlag / Foto: Brettspielpoesie

Der Spielmechanismus in diesem Spiel des erfolgreichen Autors Reiner Knizia ist ein bekannter: Alle Spieler erhalten die gleichen Plättchen und puzzeln Runde für Runde dasselbe Teil in ihre Stadt ein, über ein Kartendeck wird das jeweils aktuelle Plättchen ermittelt. Punkte gibt es für Bäume, die bis zum Spielende nicht überbaut wurden, während Steine für Punktabzug sorgen, sollten sie noch zu sehen sein. Möchte ein Spieler ein Puzzleteil nicht platzieren, kann er passen, das Plättchen umdrehen und sich einen Punkt abziehen. Die Spieler können auch jederzeit die Partie für sich beenden, ohne weitere Minuspunkte zu kassieren.

My City Spielaufbau / Foto: Brettspielpoesie

Dieser Mechanismus an sich ist sicherlich nicht sonderlich innovativ, was My City von anderen Spielen abhebt ist die Entwicklung über die 24 Partien hinweg. Nach jeder Partie bekommen die Spieler etwas hinzu, die Sieger werden dadurch meist ein wenig ausgebremst, während die anderen einen kleinen Bonus erhalten, um den Anschluss nicht zu verlieren. Dabei darf viel geklebt werden, zusätzlich wird der Spielfortschritt mit einem Stift auf den Spielertableaus festgehalten.

My City Spielertableau / Foto: Brettspielpoesie

Auch wenn das Personalisieren von Spielmaterial nichts völlig Neues mehr ist, so ist es doch irgendwie ungewohnt und etwas befremdlich zugleich, das eigene Spielertableau und nicht nur den gemeinsamen Spielplan zu beschriften und bekleben. Die Aufkleber halten übrigens genauso gut, wie sie auch wieder zu entfernen sind, falls nicht sauber geklebt wurde. Allerdings spiegeln die Spielertableaus bei direkter Beleuchtung mit der Zeit immer mehr, durch die Oberflächen der Aufkleber. Leider biegen sie sich auch leicht und werden daher zu einer rutschigen Angelegenheit auf dem Tisch.

My City Spielertableau / Foto: Brettspielpoesie

Die kleinen Veränderungen im Spielablauf und der Wertung, die in den einzelnen Partien hinzu kommen, machen das Spiel zum Teil unberechenbarer, da mehr Zufall hinein kommt und nicht alles durchgeplant werden kann. Zugleich werden die Partien aber auch anspruchsvoller, da mehr Optionen entstehen und abgewägt werden können oder besser gesagt sollten, möchte man um den Sieg mitspielen. In jeder der 24 Partien gibt es einen Sieger, zudem wird zum Abschluss ein Gesamtsieger ermittelt. Doch das nur am Rande, bei My City zählt viel mehr das Gesamterlebnis als der Gesamtsieg. Auch wenn ich selbst ein wenig geknickt war, schon einige Partien vor dem Finale wenig Chancen auf den Gesamtsieg gehabt zu haben. Bei nur zwei Spielern kann sich das eben schon früher heraus kristallisieren. Da jede Partie nur einmalig vorgesehen ist, haben Spieler, die neue Regeln schneller adaptieren können, einen gewissen Vorteil. Dennoch hatte ich bis zum Finale Spaß mit My City. Nach dem Finale muss das Spiel nicht aussortiert werden, die Spielertableaus haben identische Rückseiten, mit denen die Spieler wieder und wieder in Wettstreit treten können. Wer jedoch die Legacy-Kampagne zuvor durchgespielt hat, wird sicherlich einiges vermissen. Wir hatten bei den Spielen der Kampagne jedenfalls sehr viel mehr Spaß, als mit dieser Variante. Auch wenn es sich nach der Kampagne für uns ausgespielt hat, so hat es uns immerhin 24 interessante Partien beschert.

My City Das ewige Spiel / Foto: Brettspielpoesie

Zu Beginn der Legacy-Kampagne dauerten unsere Partien nicht annähernd 30 Minuten, wie angegeben, später dauerten die Partien etwas länger. Im Schnitt haben wir dennoch keine 30 Minuten benötigt, haben aber auch nur zu zweit und hauptsächlich aus dem Bauch heraus gespielt. Obwohl alle parallel spielen, muss öfter mal auf einen Spieler gewartet werden, der noch überlegt, daher kann ich mir gut vorstellen dass die Partien mit zunehmender Spielerzahl auch länger dauern. Wir haben damit jedenfalls ein tolles Wochenende verbringen können, doch sehe ich kein Problem dabei, sich mehr Zeit damit zu lassen. Es wird empfohlen immer kapitelweise zu spielen, damit wären es ca. 90 Minuten am Stück. Spieler können auch aussteigen, die anderen Spielern spiele dann eben unter sich weiter um den Gesamtsieg. Später einzusteigen empfiehlt sich jedoch weniger, da sich die Tableaus der Mitspieler dann bereits entwickelt haben, während der Neueinsteiger ein unbeflecktes Tableau nutzen müsste. Für mich hat das Spiel meine Erwartungen genau getroffen, es wird als Familienspiel angepriesen, das sollte einem bewusst sein, bevor hier zugeschlagen wird. Es ist leicht zugänglich, entwickelt sich schrittweise von Kapitel zu Kapitel, um die Spieler mitzunehmen.

Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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