Mille Fiori

Mille Fiori Glas ist weit bekannt,
in Glasöfen wird es gebrannt.
Kaum jemand das Geheimnis kennt,
wie daraus entsteht manches Dekoelement.
Nach ganz Europa werden die Produkte verschifft,
all dies bei Millie Fiori eure Aufgabe ist.
Nur geschickte Verwendung der Karten,
lässt euch einen Sieg erwarten.

Spielmaterial:

Ein großer, faltbarer Spielplan ist das zentrale Element von Mille Fiori. Dieser zeigt viele Felder, welche die Spieler im Laufe einer Partie mit ihren farbigen, halbtransparenten Rauten belegen. Um dies zu tun, stehen 110 kleinformatige Karten zur Verfügung. Sie liegen aufgrund ihrer Größe vielleicht nicht gut in der Hand, da aus manchen von ihnen jedoch eine offene Auslage entsteht, scheint die Größe gut gewählt. Zu den farbigen Rauten gehört auch ein passender Pöppel und ein kleines Schiff derselben Farbe.

Mille Fiori Spielmaterial
Mille Fiori – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Die Spieler wollen ihre Glasrauten auf den Spielplan bringen, um Punkte zu sammeln. Fast jede Platzierung bringt Punkte in, manche mehr und andere weniger. Lukrativ ist es meist mehrere Rauten beieinander zu platzieren, weil sich dann die Punkteausbeute erhöht. Doch das versuchen die Mitspieler sicherlich zu verhindern. Es gibt auch Bereiche in denen die bereits platzierten Rauten der Mitspieler diesen Punkte einbringen, wenn ein Spieler dort etwas platziert.

Mille Fiori Kartenauswahl
Mille Fiori Kartenauswahl / Foto: Brettspielpoesie

Für jede Aktion ist eine Karte notwendig, diese werden zuvor gedraftet. Alle wählen dabei gleichzeitig eine Karte aus der Hand, um sie dann der Reihe nach auszuspielen. Übrige Karten gehen an den Mitspieler, nur die letzten Karten jeder Drafting-Phase gelangen in die offene Auslage.

Mille Fiori Spielsituation 4P
Mille Fiori – Spielsituation 4 Spieler / Foto: Brettspielpoesie

Die Spielplanbereiche stellen unterschiedliche Bereiche der Insel dar. Es gibt Werkstätten, Wohngebäude, Bürger, Handelswaren und den Hafen. Jeder dieser Bereiche hat seine eigene Platzierungs- und/oder Wertungsregel, bei der auch die Mitspieler belohnt werden können. Zusätzlich gibt es in jedem Bereich eigene Bedingungen um eine Raute auf dem höchsten noch freien Bonusfeld für zusätzliche Punkte zu Platzieren sowie besondere Felder für einen zusätzlichen Spielzug. Wer einen solchen ausführen darf, nutzt dazu eine der Karten aus der Auslage. Dies kann einen weiteren Bonuszug auslösen, dadurch können interessante Kettenzüge entstehen.

Mille Fiori Spielsituation 2P
Mille Fiori Spielsituation 2 Spieler / Foto: Brettspielpoesie

Nicht nur durch die Hafenaktion bewegt sich das eigene Schiffchen auf dem Wasser, um dort Punkte oder Bonusaktionen einzusammeln. Jede Karte hat einen Bewegungswert, der statt der eigentlichen Aktion dafür zum Einsatz kommen darf.

Spielende:

Die Partie endet entweder nach der Runde, in der die letzten Karten vergeben wurden oder sobald ein Spieler seine letzte Raute platziert. In diesem Fall spielen ggf. alle noch ihre aktive Karte, bevor die Partie endet. Die Siegpunkte lassen sich direkt am Spielplan ablesen, um den Sieger mit den meisten Punkten zu bestimmen.

Spieleranzahl:

Je nach Spielerzahl variiert wie viele Karten zu Beginn in die offene Auslage gelangen. Im Spiel zu zweit werden zudem nur drei Karten pro Runde ausgespielt, die übrigen gelangen ebenfalls in die Auslage. Die Anpassungen sind gut gemeint, dennoch kommt zu zweit für mich nur wenig Spielspaß auf. Der Spielplan bietet dann einfach zu viele Optionen, man kommt sich kaum in die Quere. Vor allem die Bereiche, in denen Mitspieler von den Rauten anderer profitieren, werden in dieser Konstellation uninteressanter. Und nur zu zweit zu draften ist auch immer so eine Sache. Mit jedem weiteren Spieler wird Mille Fiori interaktiver und damit in meinen Augen auch interessanter.

Glücksfaktor?

Die Verteilung der Karten im Stapel ist zufällig, alle anderen Informationen sind für alle offen einsehbar. Es ist bei jedem Draft ein gewisses Glücksspiel, welche Karte man wählt und wie gut diese tatsächlich zu spielen ist, wenn man selbst an die Reihe kommt. Das sollte bei der Auswahl eine Rolle spielen. Auch ohne die Karten der Mitspieler genau zu kennen, kann man deren Optionen abstecken und daraus seine Schlüsse ziehen, um nicht das Nachsehen zu haben, weil Mitspieler die selben Aktionen vor einem ausführen.

Meinung:

Mille Fiori ist ein großer, bunter Punktesalat. Ich mag solche Spiele, bei denen jede Aktion belohnt wird. Obwohl es sich schon etwas ungewohnt anfühlt, mit so verdammt vielen Punkten belohnt zu werden, wie hier. Wo es bereits in der Erstpartie problemlos gelingt den Spielplan punktemäßig zu umrunden, vielleicht sogar mehrfach. Vor allem wirkt dies merkwürdig, da kein Spielmaterial beiliegt, um die Umrundungen anzuzeigen. Wir nutzen dafür die übrigen Rauten, die nur im Spiel erforderlich sind, wenn jemand mit der letzten Aktion weitere auslöst.

Das Thema gibt den einzelnen Aktionen einen Rahmen, es wirkt dabei allerdings völlig austauschbar. Denn als Glasproduzent hab ich mich nie gefühlt. Man sammelt recht abstrakt Punkte für das bloße Platzieren der Rauten, was dahinter stecken soll, ist eher uninteressant. Diese Abstraktheit hat sich bei mir aber auch nicht negativ niedergeschlagen, es passt hier einfach.

Auch wenn die Rauten sehr leicht sind und daher vielleicht nicht so gut in der Hand liegen, wie beispielsweise die Steine bei Azul, so empfand ich sie zu keiner Zeit als minderwertig. Liegen sie erstmal auf dem Spielplan entfaltet sich im Lauf einer Partie ein schönes, buntes Bild. Wer zufällig vorbei geht, kann sich selten eines Blicks verwehren. Schon bei diesem Anblick zeigt sich, dass es zu zweit weit weniger wirkt.

Die Interaktion ist hoch. Beim Draften geht es nicht nur darum für sich selbst das Beste herauszupicken, sondern auch den nachfolgenden Spielern keine Vorlage zu bieten. Dabei fühlt es sich etwas ungerecht an, dass bei regulärem Spielende durch die Karten ein Spieler mehrfach Startspieler sein durfte. Als Startspieler bekommt man seine gewählte Aktion immer sicher durch, da die Spielplanauslage vor Wahl der Karte bekannt ist und nicht verändert werden kann. Dies könnte man mit der Variante herbeiführen, welche die Spieler erst nach der Aktion des vorherigen Spielers die eigene Karte wählen lässt. Ich mag Mille Fiori jedoch genau so wie angedacht, mit dem leichten Chaos bei der gewählten Aktion. Nicht nur das Draften der Karten erzeugt Interaktion, viele Spielbereiche belohnen auch die Mitspieler. Es entsteht fast ein Wettrennen um die vielen Sonderpunkte und Zusatzaktionen, mit denen es ein Spieler schaffen kann, sich dauerhaft punktemäßig von den anderen abzuheben.

Trotz der mittlerweile hinlänglich bekannten Mechanismen entfaltet Mille Fiori für mich immer wieder neuen Spielreiz. Und das, obwohl in jeder Partie eigentlich genau das Gleiche geschieht. Natürlich verläuft jede Partie etwas anders, die einzelnen Bereiche des Spielplans füllen sich meist unterschiedlich, doch ändert dies kaum etwas am Spielgefühl. Dennoch wäre ich jederzeit bei einer Partie am Start.

Fazit:

Mille Fiori ist ein Punktesalat in Reinform, das mag vielleicht nicht jedem gefallen. Ich finde, dadurch fühlt es sich sehr belohnend an, wenn auch manchmal fast ein wenig zu sehr. Das Spielmaterial sieht auffordernd aus und die Regeln sind leicht zu erfassen, daraus ergibt sich ein ideales Einsteigerspiel, welches aber auch erfahrene Spieler durchaus begeistern vermag.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Schmidt Spiele
Autor(en): Reiner Knizia
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Schmidt Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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