Spiel des Jahres 2022 – Prognose

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Kommenden Montag sind wir alle schlauer, denn dann gibt die Spiel des Jahres-Jury um 10 Uhr bekannt, welche Spiele sie aus dem vergangenen Jahrgang zum Spiel, Kinderspiel und Kennerspiel des Jahres empfiehlt und nominiert. Und was wäre das hier für ein Brettspielblog, wenn ich mich nicht auch an den Spekulationen beteiligen würde? Auch wenn ich damit gefühlt schon eine der letzten bin, verzichte ich natürlich nicht auf den persönlichen Blick in die Glaskugel. Vor einiger Zeit habe ich mich bereits bei den Bretterwissern zu meinen Tipps geäußert, dennoch schreibe ich heute auch hier meine Gedanken auf, da sicherlich nicht alle Leser auch Podcasts hören. Außerdem haben wir es dort etwas anders aufgezogen und zunächst die Hörer gefragt und im Anschluss wollte ich gerade beim Kennerspiel noch unerwähnte Titel nennen. Heute geht es aber konkret um meine Tipps und dank Nico vom Podcast Brettagoge, und außerdem Mitglied der SdJ-Jury, weiß ich nun auch, das manche Titel zum Jahrgang gehören, die in meiner Wahrnehmung zu spät verfügbar waren. Aber da habe ich mich wohl geirrt.

Aber blicken wir doch erst einmal zurück. Letztes Jahr hatte ich an dieser Stelle Paleo, Aeon’s End und und Cubitos für das Kennerspiel des Jahres auf dem Zettel. Mit dem Sieger Paleo lag ich genau richtig, Aeon’s End landete immerhin auf der Empfehlungsliste, aber Cubitos fand keine Erwähnung.

Beim Spiel des Jahres hatte ich ein besseres Näschen. MicroMacro hat gesiegt und Die Abenteuer des Robin Hood waren nominiert. Mein dritter Tipp, Fantastische Reiche, wurde beim Kennerspiel eingeordnet und dort nominiert. Die größte Überraschung war die Nominierung von Zombie Teenz Evolution, das hatte irgendwie niemand auf dem Zettel.

Ich bin gespannt, ob die Jury auch dieses Jahr wieder einen solchen Geheimtipp aus dem Ärmel schüttelt. Durch den eigenen Podcast “Das spielerische Quartett” mit immer wechselnden Gästen und die zusammengefasste Kritikerrundschau zu bestimmten Spielen gibt die Jury ja bereits einen guten Einblick, was bei den Jury-Mitgliedern gerade hoch im Kurs steht.

Kinderspiel des Jahres

Beim Kinderspiel des Jahres kann ich erneut keine Tipps abgeben, dafür spiele ich einfach zu wenig Kinderspiele.

Kennerspiel des Jahres

Beim Kennerspiel gibt es viele Optionen, daher ist es schwierig abzuschätzen, auf welche drei Titel für die Nominierungen die Jury sich entscheiden wird. Leider habe ich längst nicht alle möglichen Kandidaten spielen können, daher komme ich zu folgender, wirklich subjektiv geprägter Einschätzung:

Einer der oben erwähnten Titel, die ich nicht mehr dem abgelaufenen Jahrgang zugeordnet hätte, ist Living Forest. Ein Spiel, mit dem ich selbst so meine Anlaufschwierigkeiten hatte, welches ich aber mit jeder Partie lieber mag. Diese können durch die Spielweise der Mitspieler komplett unterschiedlich verlaufen. Zudem sorgen drei Siegbedingungen für Abwechslung. Auch wenn sich manche davon einfacher spielen, als andere, gefällt mir das Gesamtpaket. Ich fühlte mich in den ersten Partien an Die Quacksalber von Quedlinburg erinnert, auch wenn es durch die Karten und ihre Symbole sicher mehr Gemeinsamkeiten mit Mystic Vale hat. Und trotz dieser Assoziation, gefällt mir Living Forest mittlerweile richtig gut. Wahrscheinlich weil ich eben nicht alles in einen Beutel werfe und hoffen muss, das Gewünschte zu ziehen. Stattdessen werden gekaufte Karten im folgenden Zug direkt aufgedeckt und da man immer das gesamte Deck durchspielt, kann ich einplanen wie viele negative Symbole noch kommen können, bis der Stapel aufgebraucht ist. Ich weiß nicht, ob ich gegenüber manch anderem Titel dieses Jahrgang Living Forest den Vortritt gewähren würde, aber wenn man sich die äußerst positiven Rezensionen vieler Jury-Mitglieder so ansieht, hat es sicher gute Chancen auf mindestens eine Nominierung. Für mich ist es aus dieser Wahrnehmung aktuell der Top-Favorit und das Spiel hat auch schon in Frankreich einen Titel abgeräumt. Pegasus Spiele selbst kennzeichnet es als Familienspiel, aber aus meiner Perspektive gehört es in die Kenner-Kategorie.

Für mich wäre auch Khôra ein geeigneter Kandidat. Es ist ein zugängliches und zeitlich nicht ausuferndes Zivilisationsspiel, welches die Spieler durch Auflistung der einzelnen Spielphasen auf den Spielertableaus wunderbar durch die Partie leitet. Viele unterschiedliche Völker sorgen für viel Variation. Für manche ist es optisch kein Highlight, aber ich finde das Material durchaus ansprechend mit speziell geformten Holzmarkern und den doppellagigen Spielertableaus, in denen alles seinen festen Platz hat.

As Nominierungskandidat Nummer 3 lege ich mich nun auf Witchstone fest. Ich mag dieses Punktefest mit seinen tollen Aktionskombinationen, die ich mit geschickt platzierten Plättchen vielfach ausführen kann. Das fühlt sich unheimlich belohnend an. Optisch gefällt es mir persönlich gut, manche finden es jedoch zu grell-bunt. Spielerisch bringt es in meinen Augen alles mit, was ein gutes Kennerspiel ausmacht.

Vom selben Autor und mit noch ausufernderem Punkteregen ist noch Mille Fiori zu nennen. Das funktioniert aber einfach nicht gut zu zweit, am besten zu viert und sollte in meinen Augen aus diesem Grund nicht ausgezeichnet werden. Denn im Laden steht es mit der Angabe 2-4 Spieler, doch wer vornehmlich zu zweit spielt, könnte beim Erwerb dieses Titels eine große Enttäuschung erleben. Gerade im Vergleich mit Witchstone empfinde ich es als zugänglicher und eher an der Grenze zwischen Familien- und Kennerspiel.

Auch First Rat ist früh genug erschienen, um nominierbar zu sein. Ich tue mich nach zwei Partien noch etwas schwer mit dem Spiel, aber ich erkenne durchaus an, dass es als Laufspiel einzigartig in der Kategorie Kennerspiel ist. Vielleicht erkennt die Jury gerade darin einen guten Übergang vom Familienspiel zur Welt der Kennerspiele und könnte es daher nominieren oder empfehlen.

Manch einer nennt auch Arche Nova als Kandidat für die Nominierungen. Ja, es ist das beste Spiel des letzten Jahrgangs, auch für mich, aber ich denke nicht dass es für das Kennerspiel des Jahres nominiert werden sollte. Wir haben auch mit Übung die Regelerklärung mit Einsteigern nicht schneller als in einer Stunde geschafft. Und das geht meiner Meinung nach weit über das hinaus, was man einem Kennerspieler zumuten sollte. Hingegen höre ich auch immer häufiger, dass Dune: Imperium als zu komplex angesehen wird. Da spüre ich aber kaum einen Unterschied zu Die verlorenen Ruinen von Arnak aus dem letzten Jahr. In meinen Augen sollte es sich auch mechanisch ausreichend davon abheben, um dieses Jahr Chancen zu haben. Ich glaube bei vielen Jury-Mitgliedern kam es wirklich gut an.

Auch die Deduktionsspiele Cryptid und Auf der Suche nach Planet X stehen bei vielen hoch im Kurs, leider habe ich beide noch nicht spielen können und kann daher ihre Chancen auch nicht einordnen. Honey Buzz wäre noch ein Titel mit dem derzeit so angesagtem Natur-Thema, das durch prächtiges Material auffällt und viel Variation bietet. Ich selbst bin großer Fan von The Loop, aber ich glaube innerhalb der Jury hat dieses Spiel weniger Rückhalt.

Spiel des Jahres

Beim Spiel des Jahres empfinde ich die Auswahl dieses Jahr kleiner als beim Kennerspiel, dennoch bin ich relativ ratlos, welche drei Titel es wirklich schaffen, nominiert zu werden.

Letztes Jahr hatte ich noch Calico auf der erweiterten Liste, doch fand dieser Titel keine Erwähnung von der Jury. Vielleicht klappt es für den Originalverlag Flatout Games dieses Jahr mit einem ähnlichen Spiel: Cascadia (deutsche Version ist bei Kosmos erschienen). Statt Katzen platzieren wir darin Bären, Hirsche, Bussarde, Lachse und Füchse. Auch hier geschieht das puzzeln auf zwei Ebenen. Große zusammenhängende Gebiete einer Landschaftsart werden ebenso belohnt, wie das Erfüllen der speziellen Wünsche der Tiere bezüglich Platzierung. Es gibt einfache Wertungen für das Spiel mit Kindern und sonst vier unterschiedliche Wertungen je Tierart. Dennoch ist es meiner Meinung nach beim Spiel des Jahres einzuordnen. Eine Landschaft und ein Tier zu wählen und einzupuzzeln ist einfach, lediglich die Wertungen sind etwas komplexer. Aber bereits mit der Einsteiger-Variante funktioniert Cascadia.

Daneben wird es schon dünner. Auch wenn es nicht unbedingt die Bestnoten vieler Jury-Mitglieder abbekommen hat, rechne ich 7 Wonders Architects große Chancen ein. Dieses Spiel ist toll ausgestattet, dadurch im Nu aufgebaut und die Regeln sind ebenso schnell erklärt. Es hätte genauso gut auch ohne den Beinamen 7 Wonders herauskommen können. Es hat so wenig Gemeinsamkeiten mit dem einstigen Kennerspiel des Jahres, dass ich nicht denke diese Verwandtschaft stünde dem Spiel im Weg.

Mit der dritten Nominierung tue ich mich wirklich schwer, vor allem, da ich viele gut bewertete Kandidaten noch nicht spielen konnte. Daher wähle ich nun ein Spiel, welches im letzten Sommer bereits erschienen ist und mir daher fast als potentieller Kandidat entgangen wäre. Project L schafft es ebenfalls mit seiner Ausstattung zu punkten. Es gibt doppellagige Puzzle-Aufgaben und tolle, bunte Puzzle-Steine, die gut in der Hand liegen. Mit jedem erfüllten Puzzle erweitert man dabei seinen Puzzle-Pool, mit dem sich weitere Puzzle erfüllen lassen. Wem es am geschicktesten gelingt die Meisteraktion einzusetzen und Aufgaben zu den eigenen Puzzleteilen zu ergattern oder diese gekonnt aufzuwerten, hat dabei die Nase vorn.

Es gibt natürlich mehrere Wege sich an die möglichen Nominierungen heranzutasten. Neben den eigenen Erfahrungen, lassen auch die Blicke auf die Rezensionen der Jury-Mitglieder oft Rückschlüsse zu. Udo Bartsch hat auf seinem Blog Rezensionen für Millionen zuletzt drei Spieler mit außerordentlich bewertet. Darunter Living Forest, aber auch Top Ten und Scout. Top Ten ist ein Partyspiel ab vier Spielern und war lange Zeit vergriffen, weshalb ich mir noch kein eigenes Bild davon machen konnte. Hoffentlich steht bald eine Partie zu sechst an. Scout habe ich mittlerweile spielen können, es hat mich aber nicht vom Hocker gehauen. Ich mochte Krass Kariert damals schon sehr und habe in der ersten Partie nicht erkannt, was Scout so viel besser machen soll. Die Gestaltung der Karten ist auch fragwürdig, da die Zahlen nur auf einer Seite sichtbar sind, was es Linkshändern erschwert, die Karten wie gewohnt auf die Hand zu nehmen.

Harald Schrapers hat auf seinem Blog Games we play Dune und Living Forest als “Top Spiel” mit der Note sechs benannt, dahinter kommen Scout und Top Ten mit fünf Punkten sowie der Auszeichnung “Top Spiel”. Ebenfalls hoch im Ranking stehen dort So Kleever! und Trek 12. Auch mir bereitet So Kleever! viel Spaß, ich finde es aber nicht so elegant reduziert wie Just One oder so genial wie Codenames seiner Zeit. Von daher wäre dies für mich, wenn überhaupt, ein Kandidat für die Empfehlungsliste. Trek 12 ist ein Roll’n’Write-Spiel mit Kampagnenmodus, welches für mich persönlich nicht in Frage käme aber viele Jury-Mitglieder haben es zuletzt gespielt und auch gut besprochen. Von daher könnte ich mir einen Platz auf der Empfehlungsliste vorstellen. Genau wie für Heuschreckenpoker, denn um ein flottes Kartenspiel von Drei Magier Spiele ergänzt die Jury in den letzten Jahren gerne diese Liste.


Aber nun genug zu meiner Prognose, wie lautet denn eure? Was glaubt ihr wird zum Spiel des Jahres, Kennerspiel des Jahres und vielleicht auch zum Kinderspiel des Jahres nominiert? Lasst mich an euren Gedanken teilhaben und schreibt eure Kandidaten in die Kommentare, gerne auch mit kurzer Begründung.

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6 Antworten auf „Spiel des Jahres 2022 – Prognose“

Hello,
Reading you from France, I am _very_ surprised than nobody is mentionning Dune Imperium for KdJ in their pronostics. It is out in Germany since after previous SdJ right ?
If yes I would be very surprised if Dune & Living Forest are not on KdJ list (both games won As d’Or in their category in France – Kenner & Expert, I was part of of the jury).

Hi Olivier, thanks for your comment and for reading my blog as well :)
Dune Imperium has been released last summer in Germany, so it should have been too late for last years nominations and may be nominated this year. Like I mentioned in my text above, some people think it is too complex for Kennerspiel, but I do not think so. For me it is on same level like The lost Ruins of Arnak. I know that several members of Spiel des Jahres jury like Dune Imperium a lot. So maybe it will have chances. Unfortunately I only got to play it once, therefore I do not know the game play good enough to judge about it.
P.S.: You do a good job in the jury. As d’Or awards are always a good indicator for SdJ nominations.

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