My City – Roll & Write

Jede Stadt die bei My City entsteht,
ist nach eigenem Ermessen angelegt.
Die Wahl der Gebäude ist nicht wirklich frei,
Vorgaben gibt es bei diesem Spiel allerlei.
Die beiden blauen Würfel geben an,
wie ein Gebäude geformt sein kann.
Ausgefüllt, frei davon oder schraffiert,
der weiße Würfel das Muster deklariert.
Drehen oder Spiegeln ist erlaubt,
bevor man das Gebäude erbaut.
Stein und Bäume, die darunter verschwinden,
lassen die Punkte steigen oder auch sinken.
Entscheidet selbst wann eure Stadt ist vollendet,
bevor ihr berechnet, wie viele Punkte sie spendet.

Spielmaterial:

Für ein Roll- and Write-Spiel sind zwei Dinge zwingend erforderlich: Etwas zum würfeln und etwas schreiben. Nur drei Würfel enthält diese Würfelspiel-Version von My City. Sie sind aus leichtem Plastik, fühlen sich nicht sehr hochwertig an und wirken eher lieblos. Beim ersten Blick darauf hoffte ich noch die Würfel durch Aufkleber verändern zu können, doch gibt es hierbei keinen Legacymechanismus. Aber immerhin eine Kampagne mit 12 verschiedenen Spielblättern, von denen jeweils drei als Kapitel zusammenhängen. Zum Beschreiben gibt es unterschiedliche Spielblätter für jedes dieser Kapitel, der mehr als 200 Zettel enthaltende Block ist entsprechend unterteilt und doppelseitig bedruckt. Stifte sind, wie bereits auf der Schachtel angegeben, nicht enthalten.

My City - Roll & Write: Spielblock
My City – Roll & Write: Spielblock / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Mit unterschiedlichen Puzzleteilen formen wir in My City – Roll & Write unsere eigene Stadt. Und zwar in jeder Partie aufs Neue, wie auch schon beim Vorgänger. Statt Karten geben die Würfelseiten nun die Formen der einzuzeichnenden Gebäude vor. Zu diesem Zweck sind auf den zwei blauen Würfeln neben Puzzleformen auch Halbkreise drauf. Diese geben an, an welcher Stelle die beiden Würfel kombiniert werden, um das gesamte Puzzleteil zu erzeugen. Zusätzlich gibt es ein Zirkel-Symbol, welches im Verlauf der Kampagne unterschiedliche Bedeutung hat. Der weiße Würfel gibt an, um welche Gebäudeart es sich handelt. Diese unterscheiden sich durch ihr Aussehen (schraffiert, voll oder gar nicht ausgefüllt).

My City- Roll & Write Spielmaterial
My City – Roll & Write Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Das Gelände erinnert stark an das aus My City. Ein Fluss durchtrennt dieses, am Rand sind nicht bebaubare Gebirge und Wälder zu sehen. Einzelne Bäume und Steine lassen sich überbauen. Nach einen Würfelwurf tragen alle das entsprechende Puzzleteil zunächst angrenzend an den Fluss und später an bereits bestehende Gebäude an. Mehrere Male pro Parte darf auf das Einzeichnen verzichtet werden, dies kostet jedoch Siegpunkte. Nach jedem Würfelwurf bietet sich die Möglichkeit komplett auszusteigen.

My City - Roll & Write Kampagne
My City – Roll & Write Kampagne / Foto: Brettspielpoesie

Jeder Spielzettel hat seine Eigenheiten, die unter der Landschaft kurz und knapp beschrieben sind. Dadurch entwickelt sich das Spiel über alle Kapitel hinweg, es kommen immer mehr Regeln und Wertungen hinzu.

Spielende:

Eine Partie endet, sobald alle ausgestiegen sind, mit der Punkteabrechnung. Es gibt dabei Punktabzug für nicht gebaute Gebäude, nicht überbaute Steine und freie Felder auf dem Spielblatt. Pluspunkte bringen nicht überbaute Bäume. Soweit die Regeln für die erste Partie. In den zwölf Kapiteln kommen noch weitere Wertungen hinzu.

Immer drei Kapitel hängen zusammen, daher bietet das dritte Level eines jeden Kapitels auch Platz die Punkte der beiden vorherigen Spielblätter hinzuzurechnen. Für das Solo-Spiel existiert eine Tabelle, mit derer Hilfe sich die erreichte Punktzahl einordnen lässt. Das letzte Kapitel bietet ausreichend Platz die Punkte der gesamten Kampagne zu notieren.

Spieleranzahl:

Statt nur bis zu vier Spieler, haben mit My City- Roll & Write bis zu sechs Spieler die Möglichkeit in Konkurrenz zueinander ihre Städte zu entwickeln. Das Würfelergebnis zählt für alle, jeder puzzelt grundsätzlich erstmal nur für sich auf seinem Spielzettel, Interaktion gibt es kaum. In späteren Kapiteln gibt es Punkte nur für den ersten Spieler, der eine Vorgabe erreicht, aber auch das nimmt man eher so hin. Es gibt sogar Solo-Regeln, für das Spiel auf einen Highscore, der sich anhand einer Tabelle einordnen lässt.

Glücksfaktor?

Der Glücksfaktor ist hoch, höher auch als beim Vorgänger. War es bei My City noch möglich zu wissen, welche Puzzleteile überhaupt noch kommen können, so ist eine solch zuverlässige Prognose nun ausgeschlossen. Zwar gibt die Anleitung Hinweise auf Wahrscheinlichkeiten, doch gab es bei uns nicht wenige Partien in denen die wahrscheinlichsten Puzzleteile kaum fielen. Dieser Glücksfaktor trifft alle Spieler gleichermaßen. Da sich die Eintragungen der Spieler in der Regel mit der Zeit unterscheiden, trifft es sie unterschiedlich schwer, wenn bestimmte Formen erscheinen oder auch nicht. Aber das weckt auch Emotionen, wenn jemand die Würfel in die Hand nimmt, ansagt was er braucht und die Würfel auch noch genau so fallen. Im Gegenzug ist es hier nun endlich erlaubt die Puzzleteile zu drehen und zu spiegeln, was mehr Flexibilität bietet, sie auf dem eigenen Spielblatt noch unterzubekommen.

Meinung:

My City – Roll & Write bietet genau das, was ich von einem Würfelspiel-Ableger eines lieb gewonnenen Spiels erwarte: Das bekannte Spielprinzip ist auf den Würfelmechanismus angepasst, das Spielgefühl bleibt ähnlich. Dieses Würfelvariante erfindet das Spiel nicht komplett neu, sondern bietet einfach ein angepasstes Spielerlebnis mit neuem Material und punktuellen Anpassungen.

Mir gefällt es sehr, nicht mehr diesen Zwang zu erleben, ein Puzzleteil in exakt der abgebildeten Form unterbringen zu müssen. Durch die Möglichkeit des Spielgelns und Drehens entsteht eine interessante Knobelei, wie man die Teile am besten platziert, um lange im Spiel drin bleiben zu können und möglichst alle Bedingungen gut zu erfüllen. Im Gegenzug kann ich gut mit dem erhöhten Glücksfaktor leben, den manch einer als störend empfinden kann, da die Optionen weniger gut vorhersehbar sind.

Mit Blick auf die Legacy-Mechanismen wäre vielleicht sogar noch mehr drin gewesen. Dieses Würfelspiel lässt sich zwar als Kampagne spielen, die Spielblätter bauen aber nur am Ende auch ein wenig aufeinander auf. Es gibt dann Elemente, die in das folgende Spiel mitgenommen werden, wenn man sich zuvor nicht erfolgreich darum kümmert. Zuvor sind die Veränderungen eher marginal, dennoch fühlt es sich keineswegs monoton an, zwölf Partien desselben Spiels zu erleben.

Die einzelnen Partien, aber auch die gesamte Kampagne sind im Vergleich mit dem großen Bruder etwas schneller gespielt. Dabei bietet die Kampagne vor allem beim ersten Durchlauf durchaus Suchtpotential, man möchte erfahren was noch alles kommen mag und wie sich das Spiel dadurch verändert. Und natürlich erfahren, wer insgesamt der erfolgreichere Städtebauer ist.

Es bleibt in der Regel bis zum Ende spannend, doch kann sich besonders der Endspurt der Kampagne auch ungerecht anfühlen. Durch immer mehr Möglichkeiten Siegpunkte zu sammeln, steigen auch die Gesamtpunktzahlen der einzelnen Partien im Verlauf der Kampagne. Dadurch ist es möglich, dass der Gesamtsieg an einen Spieler geht, der insgesamt weniger Partien als andere gewann, durch spätere Siege aber einfach mehr Punkte darüber sammeln konnte.

Die größte Veränderung gegenüber My City ist die Wiederholbarkeit. Mit dem enthaltenen Spielmaterial ist es möglich alle Kapitel mehrfach zu erleben. Ich hatte an My City damals kritisiert, dass Spieler im Nachteil sind, die länger brauchen neue Regeln erfolgreich umzusetzen. Diese haben nun die Möglichkeit in weiteren Durchläufen ihre Fähigkeiten zu verbessern.

Fazit:

Das My City – Roll & Write versprüht durchaus My City-Vibes, ist aber noch viel flotter gespielt und vor allem wiederholbar. Dafür verzichtet es auf Legacy-Elemente, ist aber immerhin als aufeinander aufbauende Kampagne angelegt. Man bekommt also das bekannte My City-Flair in kleiner Schachtel, ideal für unterwegs. Für mich eine gute Ergänzung zum Legacy-Spiel, dessen Wiederspielreiz nach der Kampagne kaum noch vorhanden ist.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Kosmos
Autor(en): Reiner Knizia
Erscheinungsjahr: 2022
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 10 – 20 Minuten

Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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