Kurz & Klein – L.A.M.A. Dice, Lost Cities R&W, Würfelland – Europa

Ich hatte 2019 begonnen, kleine und schnell vorgestellte Spiele nicht mehr in die starre Rezensionsstruktur zu pressen. Stattdessen möchte ich ähnliche Spiele, die irgendeine Gemeinsamkeit haben nicht kurz und klein hacken, wie der Titel es vermuten lassen könnte, sondern einfach gesammelt vorstellen. So bekommt ihr einen Überblick über das jeweilige Spielprinzip und meine Gedanken zu drei solcher Spiele zu lesen. Freut euch heute auf zwei Würfelspiel-Varianten beliebter Kartenspiele und neue Spielertableaus für ein Würfelspiel.


L.A.M.A. Dice

LAMA Dice Cover
LAMA Dice – Cover / Foto: Amigo Spiele

Das simple Kartenspiel L.A.M.A. war 2019 in aller Munde, es wurde sogar zum Spiel des Jahres nominiert. Allerdings war nicht jeder mit dieser Entscheidung einverstanden, vielen war es selbst für den roten Pöppel zu simpel. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass es in jeder Runde einfach gut funktioniert und wenn es nur als Absacker zum Einsatz kommt. Es folgte letztes Jahr eine LAMA-Party-Edition mit dem besonderen Party-Lama und nun gesellt sich eine Würfelspielvariante dazu.

LAMA Dice - Spielmaterial
LAMA Dice – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Welche aber auch nicht ganz ohne Karten, oder besser gesagt, Kärtchen auskommt. Diese sind kleiner und dicker als übliche Spielkarten, jeder Spieler erhält sechs zufällige davon zu Beginn einer Runde und möchte diese loswerden, um den Durchgang zu beenden und in gewohnter Manier einen Punktechip ablegen zu dürfen. Drei Würfel kommen reihum zum Einsatz, der aktive Spieler darf nach einem Wurf zu den Würfelseiten passende Karten ablegen. Ist dies nicht möglich, kommt eine passende Karte aus der offenen Auslage hinzu. Gibt es davon keine, endet der Durchgang für alle. Als Strafe bekommt der aktive Spieler alle noch in der Mitte befindlichen Karten. Die Abrechnung erfolgt analog zum Kartenspiel: Jede Zahl zählt nur einfach, egal wie häufig sie ausliegt, das Lama schlägt mit 10 Punkten zu Buche. Es gibt noch kleine Besonderheiten, wie das Ablegen eines Punktechips, wenn nur Lamas auf den Würfel zu sehen sind.

LAMA Dice Spielsituation
LAMA Dice – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Ich bin Verwürfelungen bekannter Spieler generell nicht abgeneigt, aber L.A.M.A Dice bietet mir einfach keinen Mehrwert gegenüber dem Kartenspiel. Lässt es sich beim Kartenspiel anhand der eigenen Kartenhand noch ganz gut abwägen, wann es sich lohnt drin zu bleiben oder auszusteigen, ist dies beim Würfelspiel komplett zufällig. Das kann in voller Besetzung durchaus Spaß machen, funktioniert auch super mit Kindern. Weil es sich nicht ganz so beliebig anfühlt und so wie es ist, einfach gut ist, würde ich persönlich immer das Kartenspiel vorziehen.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Amigo Spiele
Autor(en): Reiner Knizia
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 6 Spieler
Dauer: 20 Minuten

Vielen Dank an Amigo für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Lost Cities – Roll & Write

Lost Cities R&W Cover
Lost Cities R&W Cover / Foto: Kosmos

Länger als bei L.A.M.A. mussten Fans von Lost Cities auf eine Würfelspielvariante warten, die ebenfalls aus der Feder von Reiner Knizia stammt. Bereits 1999 erschien das erfolgreiche Kartenspiel für genau zwei Spieler, bei dem zwei Kontrahenten durch das Ausspielen aufsteigender Kartenwerte bis zu fünf Expeditionspfade beschreiten können. Wer vor Beginn einer Expedition auf deren Erfolg wettet, kann die Punkte maximieren. Doch fallen vor der Wertung Kosten für jede begonnene Expedition an, die mit den erzielten Punkten verrechnet werden. Dieses Grundprinzip finden wir beim Lost Cities – Roll & Write wieder.

Lost Cities R&W Spielmaterial
Lost Cities R&W Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Die Blätter des Spielblocks zeigen sechs farbige Expeditionspfade aus jeweils neun Feldern, dazu noch zwei weitere Spalten für Artefakte und Würfel. Sechs Würfel werden reihum gewürfelt, drei davon zeigen Farben, die anderen Zahlenwerte von 0 bis 9. Wer würfelt, wählt anschließend eine Kombination, die restlichen Würfel stehen den Mitspielern zur Verfügung. Soweit bekannt aus etlichen Roll & Write-Spielen.

In den einzelnen farbigen Spalten werden von unten nach oben nur gleiche oder höhere Werte eingetragen. Vor der allerersten Eintragung in jeder Spalte kann mit einer Würfelkombination aus der 0 mit der entsprechenden Farbe für eine Verdopplung der Punkte bei Spielende gesorgt werden. Was aber auch für Minuspunkte gilt, die Kreuze auf den untersten Stufe jeder Spalte bringen nämlich negative Punkte ein. Artefakte finden sich auf bestimmten Feldern sowie am Ende jeder Spalte, wenn nach dem obersten Eintrag ein weiteres Mal ein passender Wert erreicht wird.

Lost Cities R&W Spielsituation
Lost Cities R&W Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Wer keine Würfelkombi verwenden möchte, markiert einen Würfel in der zugehörigen Spalte. Auch darüber gibt es aufsteigend immer mehr Punkte, bis man beim letzten markierten Würfelsymbol dieser Spalte auf 0 Punkte zurück fällt. Dies ist nicht wirklich erstrebenswert, aber immerhin ermöglicht es für den Rest der Partie sämtliche Würfelkombinationen unbehelligt auszuschlagen. Die Partie endet wenn entweder alle Spieler den letzten Würfel markieren mussten oder alle Brücken erreicht wurden. Diese liegen in jeder Spalte zwischen dem sechsten und siebten Feld. Nur wer sie zuerst erreicht, erhält dafür Zusatzpunkte.

Auch hier sorgen die Würfel gegenüber Karten für einen höheren Glückseinfluss. Beim Kartenspiel kann ich die gespielten Karten in meine Überlegungen einbeziehen, hier versuche ich aus den Würfelergebnissen das Beste herauszuholen. Es spielt sich mit allen Spielerzahlen gut, verläuft aber zu zweit durchaus anders als zu fünft. Bei weniger Spielern ist der einzelne häufiger am Zug und seltener auf das angewiesen, was übrig bleibt. Ich mag vor allem die Würfelspalte, die es zunächst ermöglicht mit abgelehnten Würfelkombinationen zu punkten, was sich irgendwie unnatürlich anfühlt. Nach der ersten Eintragung verleitet es dazu möglichst weit nach oben zu gelangen. Dort wird es jedoch brandheiß, da die Möglichkeiten Würfel einzutragen zum Ende der Partie auch immer weiter schwinden.

Ich sehe Lost Cities – Roll & Write keineswegs als Ersatz für das Kartenspiel Lost Cities, sondern als gelungene Abwechslung, vor allem wenn mehr als ein Mitspieler zur Verfgung steht.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Kosmos
Autor(en): Reiner Knizia
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Würfelland Europa

Würfelland Europa Cover
Würfelland Europa Cover / Foto: NSV

Das Roll’n’Write-Spiel Würfelland erschien bereits 2018 beim NSV. Damals zeigten die vier wieder beschreibbaren Spielertableaus jedoch noch gleichförmige “Länder”, bei denen sich nur die Anordnungen der Farbfelder unterschieden. Um dem Spiel frischen Wind einzuhauchen, steht jedem Spieler mit dieser Erweiterung ein neues wiederverwendbares Tableau mit dem Umriss eines europäischen Landes zur Verfügung. (Und das obwohl diese Erweiterung hin und wieder als Zusatzblock angekündigt wird…) Wer sich bei der Zuordnung der Umrisse nicht sicher ist, bekommt kleine Symbole als Hinweis aus das jeweilige Land (Eiffelturm, Big Ben, Stier, etc.). Übrigens sind nicht alle Länder enthalten, deren Flaggen das Cover, oder besser gesagt Deckblatt, zeigt. Diese Flaggen geben nämlich nur (zum Teil) die verfügbaren Sprachen der kurzen Anleitung an.

Würfelland Europa England
Würfelland Europa England / Foto: Brettspielpoesie

Die Flächen der Länder sind kleiner als im Grundspiel, das finde ich sehr angenehm. Entsprechend gibt es auch weniger Sterne, nur einen jeder Farbe, deren Markierung einen Bonuswurf exklusiv für den aktiven Spieler auslöst. Auf die schwarzen Blockaden wurde vollständig verzichtet. Im Grundspiel habe ich noch die ungleiche Anzahl der zusammenhängenden Feldern einer Farbe bemängelt, nun gibt es von jeder Farbe vier Farbbereiche, bestehend aus 2, 3, 4 und 5 Feldern. Ich finde auch die kürzere Spielzeit tut dem Spiel gut, daher bevorzuge ich die neuen Spielpläne. Sie wellen sich bisher nicht, was bei Würfelland ein nerviges Problem war.

Würfelland Europa Schweiz
Würfelland Europa Schweiz / Foto: Brettspielpoesie

Die Zuordnung zu existierenden Ländern führt bei mir zu erhöhtem Spielreiz. Es bleibt zwar dennoch vollkommen abstrakt, aber löst bei mir den Wunsch aus, mal alle Länder auszuprobieren. Diesen Wunsch habe ich bei den noch abstrakteren Würfelländern des Grundspiels eher nicht verspürt. Etwas überrascht hat mich meine damalige Bewertung mit vier Punkten, was ich an dieser Stelle gerne etwas nach unten korrigieren möchte. Es gibt doch mittlerweile einige Roll’n’Write-Spiele die mich mehr begeistern. Soll es dennoch mal eine Partie Würfelland sein, dann nur noch mit den Europa-Spielplänen.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Nürnberger Spielkarten Verlag
Autor(en): Andreas Spies, Reinhard Staupe
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 6 Spieler
Dauer: 20 Minuten

Vielen Dank an den NSV für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


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