Würfelland

Würfelland Cover

Cover / Foto: NSV

Würfelspiele waren hier erst vor Kurzem Thema einer Brettgeschichte. Dabei ging es unter anderem um Qwixx, mit dem es der Nürnberger Spielkartenverlag sogar auf die Nominierungsliste zum Spiel des Jahres schaffte. Nürnberger Spielkartenverlag plus Würfelspiel ist immer mindestens einen Blick wert. So auch auf der Spielwarenmesse 2018 in Nürnberg, wo neben den zwei Titeln von Wolfgang Warsch auch Würfelland von Andreas Spies vorgestellt wurde. Ich kenne die Begriffe Würfelteller oder Würfelbecher, aber was zur Hölle ist ein Würfelland? Das Cover zeigt eine Kugel, auf der die Hex-Felder der Spielertableaus und ein paar Bäume zu sehen sind. Sollen die Hex-Felder verschiedene Geländearten einer Weltkugel darstellen? Blaue Flüsse, gelber Sand und grüne Wälder vielleicht?

Spielmaterial:

Würfelland Würfelvergleich

Würfel / Foto: Brettspielpoesie

Mit den vier enthaltenen Stiften lassen sich die vier doppelseitig unterschiedlichen, abwischbaren Spielertableaus mit ihren bunten Hex-Feldern beschreiben. In den Farben der Hex-Felder (blau, gelb, grau, grün, orange, rot) sind sechs Holzwürfel enthalten. Während die Filzstifte und die Spieleschachtel mit dem Filz im Deckel zur Nutzung als lärmdämmende Würfelunterlage punkten können, hat das restliche Spielmaterial seine Schwächen. Aus einem mir unerklärlichen Grund wölben sich die Spielertableaus sehr stark. Das führt dazu, dass beim Spiel auf der gewölbten Seite der Tableaus kein fester Halt entsteht und sich diese gerne drehen. Und auch die Würfel haben ihre Schwächen, denn besonders die Farben gelb, orange und rot sind, je nach Lichtverhältnissen, nur schwer voneinander zu unterscheiden. In diesem Punkt hat der Verlag aber bereits nachgesorgt und das Spiel mit überarbeiteten Würfeln versehen. Diese haben eine etwas dunklere Grundfarbe und kräftigere Farben. Die Farbwahl ist nach wie vor nicht optimal, aber es wurde seitens des Verlags gut nachgesteuert.

Würfelland Spielertableaus

Spielertableaus / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Wie sollte es im Würfelland auch anders sein, wird in jeder Runde fleißig gewürfelt, um Kreuze auf dem eigenen Spielertableau machen zu dürfen. Jedes Spielerteableau zeigt mehrere zusammenhängende Gebiete aus Feldern in den sechs Farben. Dazu einige schwarze Felder, die nicht überquert werden können. Genau zwölf Felder, zwei Felder jeder Farbe, zeigen zudem Sterne, durch sie werden Schätze gekennzeichnet. Diese Felder gilt es zu kreuzen, da dies einen Schatzwurf ermöglicht und man dem Spielende näher kommt. Für letzteres wird zudem das Ankreuzen eines jeden Feldes einer Farbe benötigt.

Würfelland Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Als aktiver Spieler darf so oft gewürfelt werden, wie gewünscht, solange mindestens ein Würfel die nach dem ersten Wurf gewählte Farbe zeigt. Endet die Würfelei, trägt der Spieler für jeden Würfel ein Kreuz in der gewählten Farbe auf dem Spielertableau ein. Pro Zug darf nur in einem Gebiet gekreuzt werden. Ein in einer Farbe begonnenes Gebiet muss erst vollendet werden, bevor in einem späteren Zug ein weiteres Feld der Farbe begonnen werden kann. Es kann also passieren, dass der Spieler zu gierig wird und sich überwirft, dann darf er keine Eintragung vornehmen. Alle anderen Spieler dürfen eine der nicht gewählten Farbe nutzen und entsprechend der Anzahl nach den gleichen Regeln Kreuze setzen.

Kreuzt ein Spieler einen Stern und erhält einen Schatzwurf, wird mit einem Würfel der kommende Spieler in Spielerreihenfolge markiert und der oder die Spieler mit einen Schatzwurf führen diesen nun mit den anderen fünf Würfeln aus. Nur sie selbst dürfen dann eine Farbe wählen und entsprechend Kreuze auf dem eigenen Tableau markieren. Dadurch können auch weitere Schatzwürfe freigeschaltet werden.

Spielende:

Das Spiel endet mit dem Zug, in dem ein Spieler die Endbedingung von neun Schätzen und einer komplett ausgefüllten Farbe erzielt. Dies führt den Spieler auch direkt zum Sieg.

Spieleranzahl:

Die Spielerzahl hat keinen großen Einfluss auf den Spielverlauf.

Glücksfaktor?

Durch die Würfel entsteht ein großer Glücksfaktor, dennoch sind auch taktische Entscheidungen möglich. Die Spieler wollen versuchen Gebiete zu vervollständigen, um mit kommenden Würfel weitere Felder dieser Farbe zu beginnen. Es kann dabei sinnvoll sein, für sich selbst nicht das optimale heraus zu holen, wenn die Würfelaugen für die Mitspieler aktuell ungünstig erscheinen. Wer zu viel wagt, kann sich überwerfen und leer ausgehen und riskiert, dass die Würfelaugen dann für die Mitspieler besser aussehen.

Fazit:

Beim ersten Blick auf dieses Spiel, fühlte ich mich an Träxx erinnert. Es kann durch die gleiche Schachtelgröße kommen, oder durch die Nutzung von Hex-Feldern, die gekennzeichnet werden. Ansonsten haben die beiden nämlich wenig gemeinsam. Würfelland macht nicht viel falsch, aber leider auch nichts so richtig gut, verglichen mit anderen Spielen dieser Kategorie. Während andere Roll’n’Write-Würfelspiele es schaffen, alle Spieler dauerhaft einzubinden, schlägt dies bei Würfelland durch die Schatzwürfe leider fehl. Es kann passieren, dass nach einem regulären Wurf mehrere Spieler Schatzwürfe erhalten, bei denen alle anderen nur zusehen dürfen. Das sonst sehr angenehme Spielgefühl, bei dem alle Spieler eingebunden werden, indem sie auf tolle Würfelergebnisse für sich selbst warten oder sich hämisch freuen, wenn der aktive Spieler sich überwirft, wird dadurch leider etwas kaputt gerissen.

Die Regeln sind übersichtlich und gut verständlich, dennoch passiert es auch geübten Spielern hin und wieder versehentlich, dass ein bereits begonnenes Gebiet einer Farbe übersehen und ein neues Gebiet in der Farbe begonnen wird. Die unterschiedliche Anordnung der farbigen Gebiete auf den Tableaus sorgt für viel Varianz, aber es fühlt sich nicht ausgeglichen an. Manche Tableaus zeigen weniger Gebiete bestimmter Farben, das erscheint ungerecht. So muss ein Spieler für die Endbedingung eben nur vier statt fünf Gebieten kreuzen, um die Farbe zu vervollständigen. Von jeder Farbe existieren zwar auf jedem Tableau genau 16 Felder, es erscheint also ausgeglichen, aber es fühlt sich nicht so an. Würfelland ist kein schlechtes Spiel, aber es kann in meinen Augen bei der aktuell starken Konkurrenz von unterhaltsamen Würfelspielen leider nicht ganz mithalten.

Wertungsnote 4/6

 

Verlag: Nürnberger Spielkarten-Verlag
Autor(en): Andreas Spies, Reinhard Staupe
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 15 Minuten

Vielen Dank an den NSV für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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