Liebes Tagebuch…

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Liebes Tagebuch, heute war ein schöner Tag. Wir haben es geschafft! Nach einigen Stunden, die wir mit dem neuen Exit-Buch verbracht haben, Tagen an denen wir uns die Köpfe zerbrachen, konnten wir es heute endlich beenden. 63 Rätsel liegen nun hinter uns, die uns die Forscher der streng geheimen Ausgrabung hinterlassen haben, bevor sie spurlos verschwunden sind…Hmm, moment mal, solltet ihr wirklich das Tagebuch eines Fremden lesen!? Vermutlich eher nicht! Außer die Person ist verschwunden und alles was von ihr übrig ist, ist eben dieses Tagebuch.

Glückwunsch! Ihr kennt jetzt schon die gesamte Hintergrundgeschichte aus dem aktuellen Exit-Buch Tagebuch 29. Mehr werdet ihr auch im Buch selbst nicht finden. Dieses ist zwar mit 63 Rätseln ausgestattet, aber wirklich auch nicht mehr. Die Rätsel stehen auch nicht wirklich in einem Zusammenhang, geschweige denn dass sie aufeinander aufbauen würden. Auf jeder Doppelseite im Buch ist links ein QR-Code sowie eine URL zu finden, auf der rechten Seite das eigentliche Rätsel. Man muss jedoch nicht jeden QR-Code einzeln scannen, nach der Eingabe einer korrekten Lösung, kann man direkt zur Eingabemöglichkeit des folgenden Rätsels übergehen. Ab und zu steht zu einem Rätsel ein wenig geschrieben, doch dies zu entziffern ist aufgrund der Schriftart häufig ein weiteres Rätsel. Nunja, genau zu diesem Ziel lesen wir ja schließlich dieses Buch. Dennoch hätte ich mir an manchen Stellen einfach eine leichter lesbare Schriftart gewünscht, um Missverständnisse zu vermeiden.

Nach den ersten zehn Rätsel waren wir fast ein wenig enttäuscht, denn diese waren recht schnell und locker zu lösen. Und ja, wir haben uns zu zweit durch das Tagebuch gerätselt, das funktionierte auch sehr gut. Da so gut wie kein Text enthalten ist, ging das sogar viel besser als beim Keller der Geheimnisse. Die hier enthaltenen Rätsel bedienen sämtliche Herangehensweisen, gepaart mit einer Menge Vorwissen, das macht es zu zweit etwas einfacher. Einem liegt das eine Rätsel eher, der andere kommt beim nächsten Rätsel direkt auf die Lösung. Oder einer sieht ein bestimmtes Detail, mit dem der andere etwas anfangen kann und man erarbeitet sich die Lösung gemeinsam. Jede Lösung führt zu einem Wort, welches notiert werden sollte, da es in späteren Rätseln verwendet wird. Das ist auch die einzige Verbindung zwischen den Rätseln. So wird sicher gestellt, dass man nicht einfach von Seite zu Seite blättert, sondern auch jedes Rätsel löst und die Lösungen kennt.

Nach dem letzten Rätsel waren wir etwas ratlos, war es das nun? Kommt da noch was, haben wir etwas übersehen? Das Buch hat kein wirkliches Ende, man hat alle Rätsel gelöst, bekommt eine Wertungsmatrix anhand der genutzten Hilfe-Karten, aber bleibt etwas ratlos vor dem Buch sitzen und weiß nicht so recht, ob es einen Grund gibt sich zu freuen. So erging es uns auch schon nach einigen Rätseln, für die wir eine Online-Suchmaschine benutzen mussten, um des Rätsels Lösung zu erhalten. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber bei manchen Rätsel kann man Muster erkennen, um diese korrekt anzuwenden bedarf es aber einfach weiterer Information. Man hat zwar generell ein Internet-fähiges Gerät in der Nähe, dennoch fühlt sich das fast ein wenig an, als hätte man geschummelt.

Insgesamt haben uns die Rätsel gut unterhalten und teilweise wirklich heraus gefordert. Wenige Rätsel haben uns leider überhaupt nicht gefallen, da sie nicht logisch nachvollziehbar waren. Bei dieser Aneinanderreihung von Rätseln kommt leider auch nicht im Ansatz das Gefühl eines Escape Rooms auf. Dennoch würde ich die Herausforderung eines weiteren Rätsel-Buches dieser Art wieder annehmen. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob Kosmos sich mit diesem „Einkauf“ wirklich einen Gefallen getan hat. Denn es verbreitet nicht annähernd die Atmosphäre, die im Jugendbuch oder den Exit-Spielen herrscht. Wie bei den Exit-Spielen hätte ich mir gewünscht mehr mit dem Material zu arbeiten,beim Jugendbuch gab es ja immerhin die Decodier-Streifen, die einem die folgende Seite verraten haben. Doch hier hat sich der Autor selbst einer tollen Möglichkeit für die Umsetzung seiner Rätsel beraubt, indem er diese weitere Ebene durch verändern/zerstören des Materials nicht eingesetzt hat.

Lediglich die Hilfe wurde analog zu den Exit-Spielen integriert, denn im Original gab es nur Diskussionsforen, in denen man Hilfe suchen konnte. Hier gibt es zu jedem Rätsel zwei aufbauende Hinweise und die komplette Lösung, falls man gar nicht weiter kommt. Dies führt zu einem weiteren Kritikpunkt: Auf meinem Smartphone (Samsung Galaxy S6) sind die Hinweiskarten immer im Weg, wenn versucht wird eine Lösung einzugeben und abzusenden. Egal ob ich das Gerät längs oder quer halte, kann ich nicht einsehen, welche Buchstaben ich eintippe, da die Tastatur und/oder die Hilfekarten im Vordergrund sind. Ich fürchte zudem, dass dieses Buch einige Fans der Exit-Serie abschrecken wird, da hier eine Marke für etwas verwendet wird, das mit dem Original neben dem Titel nicht mehr viel gemeinsam hat und sich einfach sehr von den Exit-Spielen und dem zuvor erschienenen Jugendbuch abhebt.

Bei Amazon ist bereits ein Nachfolger eingetragen, der scheinbar im November bei Kosmos ebenfalls als Buch auf Profi-Level erscheinen soll: Das Logbuch 1907 von Autor Giorgos Kiafas ist bereits als TRIP 1907: Interactive Survival Book Game über die Crowdfunding-Plattform indiegogo erschienen. Es scheint auf den ersten Blick sehr ähnlich ausgerichtet zu sein, man benötigt ebenfalls eine App um die nur noch 43 Rätsel zu lösen. Ich hoffe auf spannende, neuartige Rätsel und bitte etwas mehr Story drum herum, sodass es sich besser in die Exit-Reihe einfügt.

Exit - Das Buch: Tagebuch 29 Cover

Cover / Foto: Kosmos Verlag

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