Wo geht’s hier zum Ausgang!? – No. 6

Ausgang Logo

Foto: Brettspielpoesie

Ich habe auf diesem Blog nun schon einige Escape Room-Adaptionen für den Spieltisch vorgestellt, allen liegt die gleiche Idee zu Grunde: Das Erlebnis eines Escape Rooms mit all seinen Rätseln und Aufgaben, die gelöst werden müssen, um zu entkommen, einzufangen und in eine Box zu packen. 2016 fingen die ersten Verlage damit an, doch dieser Trend ist noch lange nicht vorüber. Immer wieder tauchen hier und da neue Anbieter auf und alle finden einen etwas anderen Weg der Umsetzung. Viele dieser Titel bleiben durch Erweiterungen dauerhaft am Markt. Für mich als Rezensent bleibt es schwer, darüber zu berichten. Solche Spiele sind für eine Gruppe nur ein einziges Mal spielbar, danach ist die Lösung schließlich bekannt, daher kann auch nur der grobe Spielablauf mit seinen Mechanismen beschrieben werden. Ich habe nun beschlossen keine einzelnen Rezensionen mehr zu den vielen Escape Room-Adaptionen und dessen Erweiterungen zu verfassen, sondern über mehrere gemeinsam berichten, wenn wieder ein paar durchgespielt wurden.

Clue Box

Foto: iDventure

Auf der BerlinCon sind wir ganz unerwartet auf eine Neuheit von iDventure gestoßen, die sogenannte Clue Box. Es handelt sich dabei um eine kleine Holzkiste, die ein 60-minütiges Escape Room-Abenteuer verspricht. In Berlin durfte jeder Interessierte die Box für wenige Minuten genauer unter die Lupe nehmen, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Das erweckte in uns den Reiz, weiterzumachen, also haben wir es mitgenommen, schließlich schossen die ersten Ideen direkt in die Köpfe. Und wie ich nun erfahren habe, ist die offizielle Veröffentlichung erst für Anfang November diesen Jahres geplant, das wären unerträgliche Monate gewesen, ohne es lösen zu können. Bis zur SPIEL Ende Oktober wird sie bereits in ausgewählten Fachgeschäften verfügbar sein.

Clue Box Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Aufgabe ist klar: Die Kiste soll geöffnet werden, es gibt einige Elemente, die herausragen und/oder beweglich sind. Der Rest muss ganz alleine heraus gefunden werden. Die Rätsel sind, wie auf der Verpackung vielleicht sogar angeteasert, überwiegend mathematischer bzw. mechanischer Natur. Nur bei einem Rätsel hatte ich gewisse Schwierigkeiten, weil dafür ein englischer Begriff zu verstehen sein musste, um dieses Wort richtig einordnen zu können.

Diese Box eignet sich ideal als Solo-Spiel, selbst zu zweit ist es schon schwieriger, da eben immer nur einer die Box in die Hand nehmen und herum probieren kann. Für mehr als zwei Spieler würde ich es keineswegs empfehlen. Und auch nicht für Spieler, denen die Geschichte eines Escape Rooms wichtig ist, denn hier stehen ganz klar die Rätsel selbst im Vordergrund. Diese sind aber schon ganz cool gemacht und wunderbar verpackt. Und wer es geschafft hat, kann sich auf dieser Wall of Fame eintragen und seinen Erfolg dort öffentlich festhalten.

Wertungsnote 5/6

Verlag: iDventure
Autor(en): Alexander Krys, Darius Fischer
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 1 – 2 Spieler
Dauer: 45 – 60 Minuten

Vielen Dank an iDventure für die Bereitstellung eines vergünstigten Rezensionsexemplares!


Undo

Cover/Foto: Pegasus

Undo ist eigentlich kein Escape Room-Spiel, es teilt sich aber eine Eigenschaft mit solchen: Es ist für eine Gruppe nur einmalig spielbar. Zwar suggeriert die Anleitung die Möglichkeit mehrere Durchläufe zu spielen, das erschien uns jedoch vollkommen überflüssig und keineswegs erstrebenswert. Es kann im ersten Durchlauf erfolgreich gelöst werden, man kann aber auch einfach die gesamte Geschichte nachlesen, wenn dies nicht gelingen sollte. Es erneut zu versuchen wäre für uns keine Option gewesen, dafür gibt es einfach nicht ausreichend Entscheidungsspielraum und keine wirklichen Auswirkungen.

Als Ausgangslage ist ein Mord geschehen. Die Spieler wollen diesen ungeschehen machen, indem sie in der Zeit zurück reisen, um an einigen Orten zu bestimmten Zeiten die richtigen Entscheidungen für die Protagonisten zu treffen. Von allen verfügbaren Orten können drei Orte nicht besucht werden, welche ausgelassen werden, entscheiden die Spieler. Und da ist die erste Krux bei diesem Spiel, denn zu Beginn tappen die Spieler ziemlich im Dunkeln und nur wenige Orte lassen sich völlig ausschließen. An jedem Ort erfahren die Spieler eine kurze Geschichte in wenigen Sätzen, dann müssen sie eine von drei Handlungen auswählen. Für jede solche Entscheidung erhalten die Spieler eine Wertung, abhängig davon wie sehr sie den Ausgang der Geschichte zu beeinflussen vermag. Dies erfolgt als Punktevergabe: 0 Punkte wenn die Geschichte nicht verändert wurde, Minuspunkte für eine Verschlechterung der Situation und Pluspunkte, wenn die Geschichte nachhaltig verbessert wird. Für besonders entscheidende Momente liegen die Punkte bei 2 bzw. -2. Bis zu drei Mal im Spiel können sich die Spieler zu einem Ereignis weitere Hinweise geben lassen.

Die Geschehnisse an den verschiedenen Orten sind vollkommen unabhängig voneinander, was zwar in der Anleitung explizit erwähnt wird, aber irgendwie entsteht dadurch auch keinerlei Bindung zu der Geschichte oder den handelnden Personen. Vor allem muss man jedes Ereignis separat betrachten, da die Entscheidungen untereinander keinerlei Auswirkung haben. Erst am Ende der Partie werden alle Entscheidungen wirksam, die im Spiel gesammelten Punkte entscheiden dann über Sieg oder Niederlage. So reicht es zum Beispiel nicht alleine, dass sich Mörder und Opfer niemals begegnen. Thematisch ergibt das wenig Sinn. Es kann sogar passieren, dass trotz einer solch wegweisenden Entscheidung die Partie verloren wird, weil man nicht genug andere Entscheidungen korrekt getroffen hat. Besonders der Einstieg erschien uns ziemlich willkürlich, die Strategen in uns wollten gerne konkretere Anhaltspunkte bekommen, um zu entscheiden an welchem Zeitpunkt eingestiegen werden sollte.

Im Freundeskreis wurde diese Art von Spiel, besonders bei Spielern mit weniger Spielerfahrung, aber doch eher positiv aufgenommen. Sie mochten es, die Geschichte nach und nach zu entdecken und zu spekulieren, was passiert sein könnte. Es lebt wirklich davon, das alle Spieler ihre Ideen teilen und die Gruppe vor sich hin spinnt, was geschehen sein könnte. Für den Einstieg würde ich daher einfach den Promo-Fall  „Versunkene Träume“ empfehlen, ein etwas kürzeres Undo-Spiel, welches ihr auf Messen oder beim Spielehändler eures Vertrauens kostenlos erhalten solltet. Damit könnt ihr euch selbst ein Bild davon machen und genau erleben, ob euch diese Art von Spiel gefallen könnte. Meinen Geschmack trifft es leider nicht, daher werde ich auch die anderen beiden Spiele der ersten drei Veröffentlichungen nicht spielen. Aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf, ob das Spielprinzip nicht noch etwas optimiert werden kann…

Wertungsnote 3/6

Verlag: Pegasus Spiele
Autor(en): Michael Palm, Lukas Zach
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 60+ Minuten

Vielen Dank an Pegasus Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Escape Room – Das Spiel: Family Edition Jumanji

Cover/Foto: Noris

Escape Room – Das Spiel von Noris war eines der ersten Escape Room-Spiele für daheim, seine Besonderheit ist der Chrono Decoder mit der ablaufenden Zeit. Manche störten sich an diesem Zeitdruck, ich finde ihn passend, denn in realen Escape Räumen steht man eben unter solchem Zeitdruck. Es sind bereits einige Erweiterungen dazu erschienen, kleine Boxen mit viel Material, bei dem der Chrono Decoder wieder verwendet werden kann. In anderen Ländern gab es unverständlicherweise bereits weitere Boxen in denen diverse Erweiterungen mit neuem Chrono Decoder ausgeliefert wurden. Doch nun gibt es so etwas auch bei uns. Diese Family Edition ist im Grunde eine weitere Grundbox, zu ähnlichem Verkaufspreis. Die Geschichten sollen familienfreundlich sein, weswegen das Spiel ab 10 und nicht erst ab 16 Jahren empfohlen wird. Das ist vielleicht ideal für Einsteiger, könnte aber Escape Room – Das Spiel – Liebhaber verschrecken, da sie die drei enthaltenen Fälle nicht einzeln erwerben können. Auf der anderen Seite könnten passionierte und erfahrene Escape Room-Spieler vielleicht sogar etwas enttäuscht sein, denn die drei enthaltenen Fälle sind recht einfach und schnell zu lösen. Wobei es in der deutschen Version immerhin drei vollwertige Szenarien sind, während das Einstiegsszenario in anderen Ländern auf ein 15-minütiges Abenteuer gekürzt wurde.

Spielerisch bleibt alles beim alten. In drei Umschlägen findet sich Material zum rätseln, zu jedem Umschlag muss eine Schlüsselkombination gefunden werden. Was zu tun ist, um an die Schlüssel zu gelangen steht hierbei immer detailliert beschrieben, die Spieler werden stark geführt, was für eine Familienedition angemessen erscheint. (Die Lösungen müssen natürlich weiterhin selbst heraus gefunden werden) Die Geschichte ist durch den aktuellen Jumanji-Film vorgegeben, sie wird ganz grob nacherzählt. Es sind allerdings keine Kenntnisse aus dem Film notwendig. Die Rätsel sind abwechslungsreich, nicht zu schwer, es wurde eine gelungene Mischung gefunden. Bei einem Rätsel wurde eine Taschenlampe gefordert und explizit auf die Möglichkeit der Verwendung einer Smartphone-Lampe verwiesen. Manch einer möchte vielleicht am Spieltisch nicht zum Handy greifen und hat keine Taschenlampe zur Hand, dann wird es problematisch. Gut finde ich dabei, dass dies zu Beginn des Falls bekannt gegeben wird und nicht erst wenn man mittendrin ist und schlimmstenfalls abbrechen müsste.

Wir hatten bei keinem der drei Fälle Zeitdruck, wurden immer schneller fertig, fühlten uns in dieser Zeit aber durchweg gut unterhalten. Es wurden teilweise spannende Ideen umgesetzt, diese könnten Escape Room-Kennern allerdings so oder so ähnlich bereits untergekommen sein. Insgesamt kann ich die drei Fälle durchaus empfehlen, nur gibt es keinen guten Grund für den Erwerb eines weiteren Chrono Decoders. Auch die Spielerzahl, die strikt bei 3-5 Spielern bleibt, kann ich nicht nachvollziehen. Ich finde es funktioniert hervorragend zu zweit, sollte auch solo funktionieren, dafür aber weniger mit fünf Spielern, da das enthaltene Material dies gar nicht hergibt.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Noris
Autor(en): keine Angabe
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 3 – 5 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Noris für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Exit – Das Buch: Tagebuch der Zeit

Foto: Kosmos

Das erste Exit – Buch für Profis lies uns etwas ratlos zurück. Es handelte sich dabei um eine reine Rätselsammlung, lediglich am Ende gab es einige wenige Worte zu den Umständen, die uns zu diesem Buch geführt haben. Das Tagebuch der Zeit ist quasi der zweite Teil dazu, es beginnt nicht nur thematisch dort, wo der letzte Teil endete, auch die Rätselnummern werden einfach weiter gezählt. Die Eingabe der Lösungen erfolgt wieder auf einer Webseite, dort befinden sich auch zu jedem Rätsel zwei Hinweise und die Lösung. Wie viele Hilfen verwendet wurden, müssen die Spieler eigenständig festhalten, um dies in die Endabrechnung einfließen zu lassen.

Von den drei Profi-Büchern hat mir dieses am besten gefallen, einige der störenden Elemente der vorangegangenen Bücher wurden hier bereits beseitigt. Sowohl auf der Webseite als auch im Buch selbst. Dennoch kann auch dieses Buch nicht komplett von sich überzeugen. Wir haben es wieder zu zweit versucht, was in meinen Augen auch ganz gut funktioniert. Zwar steht nun mehr Text im Buch geschrieben, eine spannende Geschichte ergibt sich daraus dennoch nicht. Da wir auch die Hilfen nur im Notfall verwenden möchten, um möglichst viel selbst zu erschließen, führte das bei uns wieder zu Phasen, in denen das Buch einfach in der Ecke lag, bis wir wieder Lust verspürten weiter zu rätseln. Es bleibt eine Rätselsammlung mit schwankender Rätselqualität. Manche wurden im Nu gelöst, bei anderen standen wir anfänglich ordentlich auf dem Schlauch, doch dann hat es irgendwann klick gemacht. Solche Rätsel mag ich. Es waren aber auch wieder Rätsel dabei, deren Lösung wir selbst jetzt noch nicht ganz nachvollziehen können oder auf deren Lösung wir einfach niemals gekommen wären. Das liegt meist an der fehlenden Aufgabenstellung, oft sieht man nur einige Symbole, Grafiken und oder Zahlen und muss alles weitere selbst heraus bekommen.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Kosmos
Autor(en): Dimitris Chassapakis
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 Spieler
Dauer: keine Angabe

Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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