Wo geht’s hier zum Ausgang!? – No. 16

Wo geht’s hier zum Ausgang?! / Foto: Brettspielpoesie

Ich habe auf diesem Blog nun schon einige Escape Room-Adaptionen für den Spieltisch vorgestellt, allen liegt die gleiche Idee zu Grunde: Das Erlebnis eines Escape Rooms mit all seinen Rätseln und Aufgaben, die gelöst werden müssen, um zu entkommen, einzufangen und in eine Box zu packen. 2016 fingen die ersten Verlage damit an, doch dieser Trend ist noch lange nicht vorüber. Immer wieder tauchen hier und da neue Anbieter auf und alle finden einen etwas anderen Weg der Umsetzung. Viele dieser Titel bleiben durch Erweiterungen dauerhaft am Markt. Für mich als Rezensent bleibt es schwer, darüber zu berichten. Solche Spiele sind für eine Gruppe nur ein einziges Mal spielbar, danach ist die Lösung schließlich bekannt, daher kann auch nur der grobe Spielablauf mit seinen Mechanismen beschrieben werden. Ich habe nun beschlossen keine einzelnen Rezensionen mehr zu den vielen Escape Room-Adaptionen und dessen Erweiterungen zu verfassen, sondern über mehrere gemeinsam berichten, wenn wieder ein paar durchgespielt wurden.


Escape Room II Cover / Foto: Noris

Escape Room – Das Spiel 2

Wie der Name bereits erahnen lässt, bekommt ihr mit Escape Room – Das Spiel 2 eine ganz neue Grundbox mit vier Fällen auf unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Laut Aussage auf der Spielwarenmesse 2020 soll es diese Fälle nicht einzeln geben, was ich schade finde. Besitzer der ersten Box und/oder der Jumanji-Box brauchen eigentlich nicht noch einen Chrono-Decoder. Er bietet lediglich eine neue Funktion: Einen 15-Minuten-Timer für den ebenso langen Demo-Fall, der ebenfalls mitgeliefert wird. Am Spielmechanismus wurde nichts verändert: Während die 60 MInuten auf dem Chrono Decoder herunter laufen, bekommen die Spieler in drei Umschlägen verschiedene Rätsel, die zu vierstelligen Schlüsselkombinationen führen. Dabei kann die Lösung aus verschiedenen Elementen bestehen, jeder Schlüssel hat dafür unterschiedliche Ausprägungen.

Escape Room – Das Spiel II: Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Die vier Fälle sind thematisch recht unterschiedlich: Mit einer wilden Zugfahrt im Wild West Express, wunderlichen Erlebnissen mit Alice im Wunderland oder einem Einbruch in ein Museum bei Break-In wurden eher bekannte Themen verarbeitet, frischer ist die Geschichte hinter Another Dimension, die sehr an die Serie Stranger Things erinnert. Die Geschichten und Rätsel haben uns gefallen, das Gesamtpaket fühlt sich verglichen mit der ersten Grundbox runder an. Die Rätsel waren konsistent, uns sind keine groben, logischen Schnitzer aufgefallen, die Erfahrungen der letzten Jahre sind scheinbar gut eingeflossen.

Für Escape Room-Veteranen gibt es kaum verblüffende Rätselumsetzungen, doch Neueinstieger erwartet hier sicherlich die eine oder andere Überraschung. Und an solche Spieler soll sich die neue Box ja richten, so ist es sicherlich auch zu erklären, dass der schwerste Fall noch immer gut zu lösen und keine wirklich harte Nuss ist. Wir waren auf keinerlei Hinweise angewiesen, doch wer stecken bleibt, kann sich auch hierbei zu gewissen Zeiten Hilfestellungen bis hin zu den Lösungen durchlesen. Online kann auf eine detaillierte Gesamtlösung zugegriffen werden, dort ist auch ein Abschluss zu jeder Geschichte zu lesen.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Noris
Autor(en): Markus Müller
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 3 – 5 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Noris für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Flucht aus dem Starline Express Cover / Foto: moses.

Flucht aus dem Starline Express

Trotz der teils vernichtenden Rezensionen zu Das geheimnisvolle Grand Hotel hat moses. nun auch den zweiten Teil dieser Escape Room-Serie auf deutsch veröffentlicht. Da es ja eigentlich nur besser werden kann, gaben wir auch diesem Escape Room-Spiele eine Chance. Und es wurde besser, wenn auch nicht grandios. Verglichen mit anderen Serien kann diese nicht mithalten, doch Einsteigern wird hier ein schönes Erlebnis geboten. Wir hatten zunächst über die mit 90 Minuten angegebene Spielzeit geschmunzelt, doch waren wir tatsächlich gut eineinhalb Stunden damit beschäftigt. Die Rätsel sind allesamt nicht besonders schwierig zu lösen, manche recht schnell eindeutig, andere haben durchaus Zeit in Anspruch genommen. Zeit, die man immerhin mit Knobelei verbrachte, wie es ein guter Escape Room erfordert. Leider fehlt mir ein wenig redaktionelle Bearbeitung der Rätsel. Es war nicht immer eindeutig, was genau getan werden musste, um auf die Lösung zu kommen. Das sollte besser kommuniziert werden, um Spielfehler von vorne herein zu vermeiden.

Flucht aus dem Starline Express: Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Es wird kein elektronisches Gerät benötigt, um die gefundenen Codes einzugeben. Die Lösung eines Rätsels verweist auf den nächsten Umschlag. Durch die Nummern auf den Umschlägen sind die möglichen Lösungen früh einsehbar und umso mehr Umschläge verwendet wurden, desto geringer sind die zur Verfügung stehenden Optionen. Wird ein Umschlag geöffnet, steht als allererstes von wo die Spieler kommen sollen, um zu prüfen, ob der korrekte Weg eingeschlagen wurde. Zudem bietet jeder Umschlag eine Lösungshilfe, die bei Bedarf geöffnet werden kann. Falls auch dies nicht hilft, steht ein Lösungsheft zur Verfügung, was ein komplettes Steckenbleiben verhindert.

Besonders erwähnenswert ist der Fakt, dass die meisten Rätseldokumente doppelt vorhanden sind. So können immerhin zwei Spieler gleichzeitig darüber grübeln ohne das der andere Spieler das Material aus der Hand geben muss. Generell ist die Ausstattung wieder sehr gelungen. Die einzelnen Zugatbeile werden in Umschlägen abgebildet, die zusätzliche Informationen und neues Material bereit halten. Es gibt viel haptisches Material, für eine tolle Atmosphäre.

Wertungsnote 3/6

Verlag: moses. Verlag
Autor(en): Alessandro Deriu
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 90 Minuten

Vielen Dank an moses. für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Escape Tales: Low Memory Cover / Foto: Kosmos

Escape Tales: Low Memory

Bei den Escape Tales steht die Story im Vordergrund, weswegen diese Serie auch neben der Exit-Reihe einen Platz im Verlagsprogramm von Kosmos erhalten hat. Escape Tales: The Awakening fand ich gut, thematisch war es allerdings nicht ganz meine Wellenlänge. Das passt beim neuen Fall Escape Tales: Low Memory wesentlich besser zusammen. Es geht um technologischen Fortschritt im Jahr 2060, wenn Erinnerungen einfach elektronisch abgelegt werden können. Doch hat jeder technologische Fortschritt auch seine Schattenseiten, wie wir in diesem Fall zu spüren bekommen.

Das Spielmaterial unterscheidet sich kaum zum ersten Teil, neu ist lediglich die Aufteilung in drei einzelne Geschichten, in der die Spieler jeweils eine andere Person verkörpern und deren Geschichte erleben. Für jede dieser Geschichten gibt es ein eigenes Storyheft, so ist es leichter entsprechende Passagen aufzufinden. Die Geschichten gehören zueinander und sollten auch unbedingt in der richtigen Reihenfolge erlebt werden, doch lässt es sich dazwischen ohne große Verwaltung des Spielstandes leicht pausieren. Zur Eingabe der Lösungen muss eine Webseite aufgerufen werden, dort gibt es auch Hilfestellungen zu allen Rätseln. Durch die Webseite können die Lösungen ganz unterschiedlicher Art sein. Der erste Hinweis gibt immer an, wie viele Karten zur Lösung benötigt werden, um sich nicht an einem Rätsel festzubeißen, für das noch gar nicht alle Informationen verfügbar sind.

Escape Tales: Low Memory Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Wir haben alle drei Teile an verschiedenen Tagen erlebt, der Spielmechanismus lädt ja geradezu dazu ein. Auch durch die längere Gesamtspielzeit empfiehlt sich ein solches Vorgehen sicherlich. Obwohl Kosmos redaktionelle Anpassungen vorgenommen hat, um das Spielerlebnis zugänglicher zu machen, ist es dennoch recht kniffelig. Aufgrund der Geschehnisse wird es erst ab 18 Jahren empfohlen, von daher finde ich den Schwierigkeitsgrad auch völlig akzeptabel. Die Rätsel sind thematisch gut eingebunden, es fühlt sich nicht so an, als wären die Rätsel einfach platziert, um an dieser Stelle ein Rätsel lösen zu können. Ein wenig geärgert habe ich mich wieder über die Verwendung der Aktionsscheiben, bei denen die Spieler entscheiden müssen, welche Bereiche genauer betrachtet werden. Hin und wieder konnte es logisch erschlossen werden, welcher Bereich interessant sein wird, doch gab es auch Momente wo man links oder rechts schauen konnte, ohne konkreten Anhaltspunkt. Dieses Raten ins Blaue störte mich. Das Gesamtpaket hat mir dennoch gefallen. Auch wenn die Stimmung im zweiten Teil bei uns etwas kippte, als sich ein Rätsel einfach nicht korrekt lösen lies. Wir zweifelten schon an uns selbst, doch der Kosmos-Verlag hat den Fehler auf einer Karte bestätigt und ein Errata mit der korrekten Abbildung veröffentlicht. Das solltet ihr euch auf jeden Fall herunterladen, bevor ihr loslegt.

Wieder werden die Spieler nicht alle Räume und damit auch nicht alle Rätsel zu sehen bekommen. Dennoch halte ich auch diese Box nicht für sinnvoll mehrfach spielbar. Es gibt diverse Enden zu erreichen, doch unterscheiden sich diese in meinen Augen nicht so sehr, als dass ein wiederholter Durchlauf für mich erstrebenswert erscheint. Ich bin schon gespannt auf den folgenden Fall Children of Wyrmwoods, der schon bald im Original bei Board & Dice Games erscheint. Kosmos hat bereits angekündigt, dass dieses düstere Fantasy-Abenteuer thematisch nicht ins Verlagsprogramm passt, daher wird es voraussichtlich über die Spieleschmiede beim Verlag Grimspire veröffentlicht.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Kosmos Verlag
Autor(en): Jakub Caban, Bartosz Idzikowski
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 360 – 540 Minuten

Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.