Wo geht’s hier zum Ausgang?! – No. 29

Wo geht’s hier zum Ausgang?! / Foto: Brettspielpoesie

Wer hätte zum Start dieser Rubrik erwartet, dass so viele Veröffentlichungen in so kurzer Zeit erfolgen? Ich war mir sicher, der Trend der Escape Room- und Detektiv-/Kriminal-Spiele würde irgendwann deutlich abebben, doch bislang ist kein Ende in Sicht. Weiterhin kommen neue Serien auf den Markt. Nicht nur jeder Verlag möchte mitmischen, viele legen sich auch gleich mehrere Standbeine in diesem Genre zu. Dabei ist allerdings nicht alles Gold was glänzt, bei manchen Spielen fragt man sich tatsächlich, wie so etwas heute bei all den existierenden Angeboten noch erscheinen kann. Doch hin und wieder ist auch ein neues Spielprinzip dabei, für das es sich lohnt auch den Neuen eine Chance zu geben. Und daher höre ich nicht auf, euch von meinen Spielerfahrungen mit Escape Room- und Krimi-Spielen zu berichten.


X-Scape: Der geheime Pfad

X-Scape: Der geheime Pfad / Cover
X-Scape: Der geheime Pfad / Cover / Foto: Brettspielpoesie

Der geheime Pfad ist der zweite Teil der X-Scape Reihe, die bereits 2018 mit Das Atelier des Magiers begann. An der Ausstattung hat sich nichts geändert: 17 große Karten zeigen Räume und Rätsel, die kleineren Karten Tipps und Lösungen. Jede Lösung besteht aus drei Farben und/oder Zahlen, mit Hilfe des Decoders führen solche Kombinationen im Idealfall zur nächsten Rätselkarte. Das Lösungssystem gefällt mir, da durch die Möglichkeit an jeder Stelle eine Zahl oder Farbe einzusetzen viele Optionen entstehen und man in der Regel nicht auf Anhieb weiß, wie die Lösung auszusehen hat. Thematisch müssen wir einem Freund zur Hilfe kommen, der auf der Suche nach dem geheimen Pfad der Ascáni in eine Villa eingebrochen ist und nun nicht mehr alleine fliehen kann.

X-scape Der geheime Pfad Spielmaterial
X-scape – Der geheime Pfad Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Grafisch erinnern die Karten an den Vorgänger. Mit viel Liebe zum Detail wurden die einzelnen “Räume” ausgearbeitet, die Illustrationen sind auch immer wieder Teil der Rätsel. Sie erfordern erneut eine bunte Mischung verschiedener Herangehensweisen, um zur Lösung zu gelangen.

Insgesamt waren es für unseren Geschmack jedoch zu viele Rätsel für deren Lösung etwas zeitfressend ausgeschnitten oder sorgfältig geknickt werden muss. Entsprechend lässt es sich auch nur bedingt zurücksetzen, ist also nur einmal spielbar. Vor allem stört mich bei dieser Art der Rätsel aber, dass es keine exakte Anweisung zum Schneiden gibt. Bei Exit erkenne ich an gestrichelten Linien direkt und ohne Zweifel, hier kommt die Schere zum Einsatz. Diesen Hinweis wage zu halten finde ich nicht anspruchsvoll, es verbreitet einfach Unsicherheit. Man möchte ja nichts zerschneiden, was doch nur hätte geknickt werden sollen. Leider blieben zudem mehrere Rätsel eher vage. Sie sind auf verschiedene Weise lösbar und es wird nicht eindeutig klar, warum nun der eine Weg der Richtige ist und nicht die anderen möglichen.

Das mehrstufige Hilfesystem ist gut und verhindert ein Steckenbleiben. Wir mussten es nur nutzen, um uns abzusichern, ob wir auf dem richtigen Weg sind und das Material korrekt verwenden wollen. Fast zwei Stunden haben wir dieses Mal gebraucht, um erfolgreich zu entkommen. Auch wenn der Schwierigkeitsgrad derselbe ist, würde ich dieses etwas anspruchsvoller einschätzen als den Vorgänger. Das Fazit klingt ähnlich: Ich sehe Potential, was bisher noch nicht komplett ausgeschöpft wurde.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Eigenverlag
Autor(en): Sophie Le Vinh, Lilian Le Vinh
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 90 – 150 Minuten

Vielen Dank an Sophies Kartenwelt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Escape Room – Das Spiel: Da Vinci’s Telescope

Escape Room: Da Vinci's Telescope Cover
Escape Room: Da Vinci’s Telescope Cover / Foto: Noris

Mit Da Vinci’s Telescope gibt es endlich wieder eine neue Erweiterung zu Escape Room – Das Spiel. Um sie zu spielen wird ein Grundspiel mit Chrono Decoder benötigt. Wir haben den aus Escape Room II verwendet, keine ganz neuen Batterien eingelegt und das Gerät funktionierte einwandfrei. Beim ersten Decoder gab es öfter das Problem bei späteren Erweiterungen, dass korrekte Codes nicht erkannt wurden. Dies lies sich nur mit ganz frischen Batterien beheben. Bei Escape Room – Das Spiel haben wir 60 Minuten Zeit drei Codes zu knacken, die aus jeweils vier Schlüsseln mit unterschiedliche Ausprägungen (Zahl, Buchstabe, Pfeil, Form, etc.), bestehen.

Ein bekannter Erfinder braucht eure Unterstützung um das Geheimnis um Da Vinci’s Teleskop zu lüften. Das ist nur während einer Sonnenfinsternis möglich, die in einer Stunde starten wird. Ich finde das lange Warten auf die nächste Erweiterung hat sich gelohnt. Die Rätsel waren spannend und abwechslungsreich. Viele einfach zu lösen, aber nicht banal. Nur an einem Rätsel haben wir etwas genagt, weil wir es aufwändiger lösen wollten und uns die vermeintlich leichtere Lösung daher nicht direkt in den Sinn kam. Vor allem hat mir gefallen, dass manches Material erst später benötigt wird. Also bekommen die Spieler mehr Material als für den folgenden Code hilfreich ist und müssen selbst separieren. Das gefällt mir persönlich mehr, als immer genau zu wissen, was zu welchen Zeitpunkt hilfreich ist.

Escape Room- Da Vinci's Telescope Spielmaterial
Escape Room- Da Vinci’s Telescope Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Da Vinci’s Telescope hat uns fast die vollen 60 Minuten beschäftigt, obwohl es beim Schwierigkeitsgrad nur drei von fünf Sternen erhalten hat. Dafür haben wir keine Tipps benötigt, die zeitgesteuert mit Hilfe der Rotfolie aus dem Grundspiel gelesen werden dürfen. Ich bin jedenfalls schon gespannt was die kommende Erweiterung Tomb Robber bietet, welche anspruchsvoller eingestuft zu schein scheint. Vielleicht wird da der Chrono Decoder wieder interessant eingebunden, er kam hier zwar auch zum Einsatz, aber auf eher gewöhnliche Weise. Dafür wurde das zusätzliche Material sehenswert eingesetzt. Wie üblich lässt sich sämtliches Material, das dauerhaft verändert wurde, auf der Webseite zum Spiel ausdrucken, damit das Spiel für andere spielbar bleibt.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Noris
Autor(en): k. A.
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Noris für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Crime Story – Stockholm

Crime Story - Stockholm / Cover
Crime Story – Stockholm / Cover / Foto: Noris

Nach Vienna, München und Berlin führt uns dieser Crime Story-Fall nach Stockholm zur großen Nobelpreisverleihung. Wie sollte es auch anders sein, wenn wir zu tun bekommen kam es zu einem tragischen Zwischenfall, der sich als verzwickter herausstellt, als es auf den ersten Blick scheint. Bei der gestrigen Privatführung durch das Vasa-Museum für die Preisträger des Physik-Nobelpreises und ihre Angehörigen hat die Tote die Personen noch durch das Museum geführt, bevor am frühen Morgen ihre Leiche entdeckt wurde. Nur die am Abend anwesenden Personen hatten die Möglichkeit zu diesem Mord, doch die örtliche Polizei scheitert an der Auflösung.

Durch die am Abend stattfindende Nobelpreisverleihung ist die Zeit zur Lösung des Falls begrenzt. Diese Zeit existiert aber nur “virtuell”, es läuft keine Stoppuhr, welche die Spieler bedrängt. Jede zu verfolgende Spur kostet meist 15 oder 30 Minuten, die Spielfigur dient zur Markierung. Zu jeder Spur ist bekannt wie viel Zeit sie beansprucht, bevor ihr nachgegangen wird. Manchen Spuren sind nur bis zu einer gewissen Uhrzeit verfügbar, andere erst ab einem bestimmten Zeitpunkt. Wir hatten häufig das Gefühl wenig echte Wahl zu haben, welchem Pfad wir folgen, da wir meist nur aus wenigen Spuren wählen konnten. Eine Karte mit vielen weiteren Spuren haben wir erst spät aufgedeckt, als das Ende schon kurz bevor stand. Hätten wir diese früher aufgedeckt, wäre dieser Eindruck vielleicht nicht entstanden.

Crime Story - Stockholm Spielsituation
Crime Story – Stockholm Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Während des Spiels ertappte ich mich dabei, mir die Frage zu stellen, warum mir genau dieses Spielprinzip so gut gefällt. Denn eigentlich sind wir bei den Crime Story-Spielen immer gut dabei, schaffen es ohne große Probleme den Fall korrekt aufzulösen und dennoch übt die Serie einen großen Reiz auf uns aus. Ich mag einfach dieses gemeinsame Ermitteln, das kooperative Grübeln, wie die einzelnen Informationen zusammen laufen und Sinn ergeben. Im Gegensatz zu den Krimispielen, die ich am liebsten zu zweit spiele, damit jeder mal alles Material selbst in die Hände bekommt, funktioniert Crime Story auch super zu fünft. Einer liest die kurzen Textabschnitte vor und alle diskutieren mit. Dies geschieht bei jeder neuen Karte und gemeinsam wird entschieden in welche Richtung die Ermittlung verläuft.

Vermisst habe ich dieses Mal lediglich die coolen Zeitungsauschnitte, die in den vorherigen Fällen enthalten und mit witzigen, popkulturellen Anspielungen gespickt waren. Dafür gibt es erstmalig einen Moment im Spiel, an dem sich die Spieler für einen Weg entscheiden müssen und entsprechend eine andere Sichtweise auf die Geschehnisse erhalten. Insgesamt war es wieder ein unterhaltsamer Fall.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Noris
Autor(en): Peter Prinz
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 60 – 90 Minuten

Vielen Dank an den Noris für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Escape Room – Blutige Spur

Escape Room - Blutige Spur Cover
Escape Room – Blutige Spur Cover / Foto: ARS Edition

In Buchhandlungen entdecke ich immer mal wieder völlig neue Escape Room-Spiele, die nicht von etablierten Brettspielverlagen stammen, sondern von Buchverlagen. So fiel mir auch die kleine, schmale Schachtel in die Hände, auf der einfach nur Escape Room steht, darunter der Untertitel Blutige Spur und der Zusatz “Ein ESCAPE-Krimi-Spiel”. Enthalten sind 50 größere Spielkarten und ein Codeheft. Die Spielanleitung befindet sich auf einer der Karten, sie ist nicht sehr umfangreich, sodass die Spieler direkt starten können.

Manche Karten enthalten bloß Text, andere zeigen zudem Illustrationen und Zahlen. Zahlen können zu weiteren Karten führen oder kombinierbare Objekte kennzeichnen. Dafür sind einfach beide Zahlen aneinander zu reihen und der entstehende vierstellige Code nachzulesen. Manche Objekte lassen sich nicht kombinieren, dann ist kein Code dafür vorgesehen. Korrekte Codes führen zur nächsten Karte oder zu einer Anweisung für den folgenden Code. Dann müssen die Spieler kombinieren und erst das Ergebnis bringt die folgende Karte. Die Karten können auch Entscheidungen erfordern, um den einen Weg oder einen anderen zu beschreiten. In manchen Situationen werden die Spieler aufgefordert einen bestimmten Kartentyp zu nehmen, der leider an keiner Stelle weiter erläutert wird. Da hätte ich mir doch etwas mehr Spielerklärung gewünscht, man kann es sich zwar leicht erschließen aber zunächst waren wir kurz etwas ratlos.

Escape Room - Blutige Spur Spielmaterial
Escape Room – Blutige Spur Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Das Spielsystem finde ich prinzipiell gut, die Rätsel waren abwechslungsreich und interessant, teilweise sogar recht herausfordernd. Leider gibt es keinerlei Hilfestellungen. Die einzige Option, wenn man stecken bleibt, wäre eine Rückwärtssuche über das Codeheft durchzuführen. Das nimmt einem natürlich jeglichen Spielspaß. Noch frustrierender empfand ich allerdings, dass die Spieler Objekte verpassen können, die dazu führen das Spiel nicht mehr erfolgreich beenden zu können (manche Karten fordern die Spieler auf bestimmte Objektkarten wieder abzulegen). Außerdem scheinen sich echte Fehler eingeschlichen zu haben, die das korrekte Lösen der Aufgaben erschweren.

Ohne solche Fehler und die Möglichkeit sich selbst ins Aus zu spielen, wäre die Bewertung sicherlich besser ausgefallen. Das Grundprinzip mag ich. Mir gefällt auch die etwas düstere Geschichte, die bei weitem nicht so verstörend und geschmacklos ist, wie sie bei 50 Clues war. Doch so blicke ich leider enttäuscht auf das Escape Room-Erlebnis zurück. Wenn mir noch ein anderer Fall dieser Serie in die Hände fällt, werde ich dem Spielprinzip gerne noch eine Chance geben.

Wertungsnote 2/6

Verlag: ARS Edition
Autor(en): Jens Schumacher
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 30 – 60 Minuten

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.