Wo geht’s hier zum Ausgang?! – No. 21

Wo geht’s hier zum Ausgang?! / Foto: Brettspielpoesie

Wer hätte zum Start dieser Rubrik erwartet, dass so viele Veröffentlichungen in so kurzer Zeit erfolgen? Ich war mir sicher, der Trend der Escape Room- und Detektiv-/Kriminal-Spiele würde irgendwann deutlich abebben, doch bislang ist kein Ende in Sicht. Weiterhin kommen neue Serien auf den Markt. Nicht nur jeder Verlag möchte mitmischen, viele legen sich auch gleich mehrere Standbeine in diesem Genre zu. Dabei ist allerdings nicht alles Gold was glänzt, bei manchen Spielen fragt man sich tatsächlich, wie so etwas heute bei all den existierenden Angeboten noch erscheinen kann. Doch hin und wieder ist auch ein neues Spielprinzip dabei, für das es sich lohnt auch den Neuen eine Chance zu geben. Und daher höre ich nicht auf, euch von meinen Spielerfahrungen mit Escape Room- und Krimi-Spielen zu berichten.


Escape Room – Das Spiel: Duo – Horror

Escape Room – Duo Horror Cover / Foto: Noris

Als die erste Duo-Box von Escape Room – Das Spiel erschien, war ich etwas enttäuscht. Denn der auf der Schachtel angepriesene „innovative Faltmechanismus“ wirkte auf mich alles andere als innovativ. Ich fand das Spiel auch nicht wirklich besser für 2-3 Spieler geeignet, da dies generell meine empfohlene Spielerzahl für solche Escape Room-Spiele ist. Jetzt ist ein zweites Spiel dieser Reihe erschienen, deren Fälle nicht Escape Room – Das Spiel-typisch in drei separaten Umschlägen auf die Spieler warten, sondern nur auf einem großen Faltblatt. Mit dem Lösen eines Rätsel, wird die nächste Ebene aufgefaltet. Dieses Mal wussten wir ja schon eher was uns erwartet, der Faltmechanismus hat uns daher nicht enttäuscht, trotz des weiterhin vorhandenen Slogans auf der Schachtel.

Wieder enthält die Box zwei auf 60 Minuten angelegte Fällen sowie einen 15-minütigen Probe-Fall, der neue Spieler gut in das Spielsystem einführt. Bei diesem wird zusätzliches Material benötigt, welches sich in jedem Haushalt finden lassen sollte. Allerdings finde ich es eine Verschwendung, dieses Material auf solche Art und Weise zu verbrauchen. Zumal sich das Rätsel auch anders lösen lässt. Die Idee ist ja gut gedacht, zusätzliches Material einzubinden. Auf diese Art und Weise finde ich es aber einfach unangebracht. Der neueste Chrono Decoder aus Escape Room – Das Spiel 2 lässt sich auf nur 15 Minuten einstellen, ideal für den Probe-Fall. Wer keinen Chrono-Decoder zur Hand hat, kann einfach die digitale App verwenden.

Escape Room Duo Horror Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Inhaltlich dreht es sich, wie der Untertitel bereits verrät, um Horror-Geschichten. Nach einem mysteriösen Ritual im Probe-Fall begeben wir uns auf die Spuren eines Serienmörders bevor wir zu guter Letzt in einem zunächst harmlos wirkenden Haus am See landen. Die Rätsel hatten gewohnte Qualität, waren durchaus abwechslungsreich. Aber es waren auch Rätsel dabei, mit deren Auflösung wir nicht vollkommen zufrieden waren. Dafür gab es im letzten Teil immerhin einen spannenden Kniff, denn je nachdem wie viel Zeit für die vorherigen Rätsel erforderlich waren, variiert der Abschluss der Geschichte und es wartet ein kleines Rätsel mehr oder weniger auf die Spieler.

Insgesamt hat uns diese Box besser gefallen, als die erste dieser Serie. Dennoch wird es nicht meine Lieblingsserie, ich freue mich aber schon sehr auf die kommenden Neuheiten der Escape Room-Reihe von Noris, die vor kurzem angekündigt wurden.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Noris
Autor(en): k.A.
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 2 – 3 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Ausblick: Nach Ravensburger und Kosmos versucht es nun auch Noris mit einer Kombination aus Puzzle und Escape Room-Spiel. Ich bin gespannt wie sich Escape Room Das Spiel – „Puzzle Abenteuer“ mit Das Rätsel um die Wissenschaftlerin in 120 Minuten lösen lässt. Neben einem Puzzle soll weiteres Material das Escape Room-Feeling herbei führen. Zusätzlich erscheinen mit Tomb Robbers und Da Vinci’s Telescope zwei Erweiterungen für Escape Room – Das Spiel. Es wird auch eine neue Family-Edition zum Thema Time Travel geben. Leider erneut mit eigenem Chrono-Decoder (das wäre dann der vierte in unserem Haushalt…).


Crime Story – Berlin

Crime Story: Berlin Cover / Foto: Noris

Nach Wien und München, führt uns dieser für uns dritte Fall nach Berlin. Dort kam es zu einem tragischen Unfall auf der Bühne eines Musikfestivals. Ihr wurdet gerufen, um zu klären ob dahinter nicht mehr steckt, denn bei den Aufräumarbeiten wurden einige Ungereimtheiten festgestellt. Wieder starten die Spieler mit einigen Hinweisen, denen sie nachgehen können, um weitere freizuschalten. Ihr habt nur wenige Stunden Zeit bis zur Pressekonferenz, bei welcher der Polizeipräsident eure Erkenntnisse vorstellt. Bis dahin solltet ihr die Geschehnisse aufgeklärt haben. Zu gewissen Zeiten werden zusätzliche Karten freigeschaltet, weil euer Chef neue Hinweise für euch bereit hält.

Insgesamt reiht sich dieses Spiel hervorragend ein. Es ist ein wirklich zugängliches Ermittlerspiel mit wenigen Regeln. Es gibt die eine oder andere falsche Fährte, die den Spielern unnötig Zeit stiehlt. Doch diese falschen Fährten erschienen uns recht eindeutig platziert zu sein. Generell sind die Entscheidungsmöglichkeiten meist eher gering, oft stehen einfach nur wenige Hinweise zur Wahl. Dennoch gab es dieses Mal einen spannenden Kniff, mit dem wir so nicht gerechnet hätten. Zudem waren wir schon früh auf der richtigen Spur, mit jedem weiteren Hinweis taten sich allerdings mehr Fragen auf. Dadurch entstand für mich ein interessanter „Flow“. Auch wenn sich für uns am Ende alles zusammenfügte und unsere erste Intuition schon die richtige war.

Crime Story Berlin Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Wir haben dieses Mal per Videokonferenz mit unserer eingespielten Crime Story-Runde gespielt. Das hat wunderbar funktioniert, da sonst auch nur einer alle Karten vorliest, während alle gemeinsam ermitteln. Erneut wurde Liebe zum Detail bewiesen. Auch wenn wir feststellen mussten, dass ein solches Easter Egg für zu junge Mitspieler nicht unbedingt als solches erkannt wird, während es Älteren ein zusätzlicher Hinweis sein kann. Aber ich denke auch ohne diesen zu verstehen, lässt sich der Fall lösen. Es ist ja generell so angelegt, dass es meist mehrere Wege gibt, an einen Beweis zu gelangen.

Von den drei bisher erschienenen Fällen gefällt mir Berlin am besten, auch wenn für meinen Geschmack alle drei etwas zu offensichtlich und die Optionen oft beschränkt sind. Es bleibt für mich eine Light-Version der Detective-Spielidee, für Einsteiger mit weniger Entscheidungsspielraum, wodurch es zugänglicher wird.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Noris
Autor(en): Peter Prinz
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Noris für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare!


Ausblick: Zwei weitere Fälle, die uns zu einem Shakespeare-Festival nach London und zur Nobelpreisverleihung nach Stockholm führen, sind bereits für dieses Jahr angekündigt.


Hidden Games Tatort- Fall 4 Cover / Foto: Hidden Games

Hidden Games Tatort – Fall 4: Ein Drahtseilakt

Zum vierten Mal werdet ihr als Ermittler zur Hilfe gerufen. Dieses Mal geht es um einen Versicherungsfall eines umher reisenden Zirkus. Nach dem Sturz einer Artistin vom Drahtseil überprüft ein Versicherungsdetektiv die Vorkommnisse, da er mehr als einen tragischen Unfall vermutet. Ihr sollt ihm unter die Arme greifen und bekommt dafür alle Unterlagen, die bisher zu dem Fall gesammelt wurden. Auch dieser Fall reiht sich wunderbar in die Serie ein.

Zu den vorherigen Fällen ist mittlerweile unter Technik auf der Webseite angegeben, dass Facebook oder WhatsApp benötigt wird. Für diesen Fall ist beides nicht erforderlich, da ähnliche Webseiten/Funktionen einfach komplett nachgestellt wurden. Dadurch wirkt es vielleicht etwas mehr inszeniert, aber ich denke dies ist ein guter Kompromiss. Lediglich ein Mobiltelefon sollte vorhanden sein, aber davon kann heutzutage sicherlich in jedem Haushalt ausgegangen werden. Das Poster mit den Verdächtigen ist dieses Mal aufwändiger gestaltet und thematisch passend eingebunden.

HIdden Games Tatort Fall 4 Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Dieser Fall erschein uns recht einfach zu lösen, das mag aber auch einfach an unserer Erfahrung mit solcher Art von Spielen liegen. Wir hatten eine interessante Zeit mit dem Spiel und mussten auch ein wenig knobeln, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Leider kamen bei uns einige zeitgesteuerte Elemente nicht ganz zum richtigen Zeitpunkt, sodass wir zwischenzeitlich etwas festhingen. Wir haben eine der ersten fertig produzierten Ausgaben erhalten. Im Hintergrund wurde seitdem vor allem an den digitalen Inhalten noch mächtig gefeilt. Ein Online-Element wird wohl in den kommenden Tagen noch ersetzt, von daher lohnt es sicher noch 1-2 Wochen auf dieses Erlebnis zu warten. Insgesamt wartet in dem Umschlag wieder ein interessanter Kriminalfall in gewohnter Qualität auf die Spieler.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Hidden Games
Autor(en): k.A.
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 90 – 150 Minuten

Vielen Dank an Hidden Games für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


ESCAPE Dysturbia – Gefahr in den Docks

Escape Dysturbia Docks Cover / Foto: Homunculus

In Dysturbia gibt es wieder Arbeit für die Ermittler der ansässigen Detektei. Die Docks gehören zwar eigentlich nicht zum Gebiet, in dem das Syndikat üblicherweise sein Unwesen treibt, doch dort ist ein Generalstaatsanwalt verschwunden mit Beziehungen zum Syndikat. Ihn zu befreien könnte sich als nützlich erweisen, dem Syndikat das Handwerk zu legen. Also macht ihr euch auf den Weg. Der Schwierigkeitsgrad wird über die Charaktere gesteuert, wobei es möglich ist zwei bis acht Charaktere hinzuzunehmen. Sie können in der zwingend erforderlichen App an bestimmten Orten Hinweise geben. Mit dieser können manche Karten für weitere Inhalte eingescannt werden. Zudem können Objektkarten nun mit anderen Objekten und/oder Orten kombiniert werden. Nach Abschluss ermittelt die App den erreichten Highscore anhand des Schwierigkeitsgrads sowie benötigter Zeit, Hilfestellungen und der Anzahl falscher Schlüsse.

ESCAPE Dysturbia Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Doch nicht nur Karten sind enthalten, sondern auch weiteres Material, das zum Teil auf interessante Weise zum Einsatz kommt. Es ist nicht erforderlich die vorherigen Fälle gespielt zu haben, dies bringt aber einen kleines Easter Egg mit sich. Auf der Schachtel prangt ein Sticker mit der Aufschrift „WIRKLICH INNOVATIV“, als Zitat der Escape Maniacs. Das ist in meinen Augen etwas hoch gegriffen, denn wirklich innovativ fühlt sich dieses Escape Room-Spiel nicht an, zumindest wenn diverse andere bereits bekannt sind. Auch wenn cooles Material eingesetzt wurde, so sind die meisten Rätsel doch eher als Standardkost einzuordnen. In meinen Augen bietet Escape Dysturbia – Gefahr in den Docks dennoch erneut ein gelungenes Erlebnis.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Homunculus Spiel
Autor(en): Sebastian Frenzel, Simon Kösters, Michael Meinke, Joseph Reinthaler, Alexander Diener, Daniel Wehr
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 8 Spieler
Dauer: ca. 120 Minuten

Vielen Dank an Homunculus für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Ausblick: Mal schauen wie lange wir uns dieses Mal gedulden müssen, einen weiteren großen Fall lösen zu dürfen. Als nächstes werden hoffentlich Mitte Februar die drei bereits für vergangenes Jahr angekündigten Pocket Escapes veröffentlicht.


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3 Antworten auf „Wo geht’s hier zum Ausgang?! – No. 21“

ESCAPE Dysturbia – Gefahr in den Docks ist ein wirklich gelungenes Spiel. Wirklich innovativ finden wir hauptsächlich Ansatz, wie sich hier entschieden wurde das Thema Escape Spiel zu verpacken. Wir mögen den Ansatz des World Buildings und die Teile entsprechend unter einander zu verbinden.

Liebe Escape Maniacs, vielen Dank für die Erläuterung. Ich gebe euch recht, das macht sonst kaum ein Escape Room-Spiel. So wirkt das Zitat nun auch passender, denn die Rätsel selbst fühlen sich zum größten Teil wirklich nur wenig innovativ an. Das Gesamterlebnis stimmt dennoch, daher auch die 5 von 6 möglichen Punkten auf diesem Blog :)

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