Wo geht’s hier zum Ausgang?! – No. 36

Schon viele Male habe ich euch unter dieser Rubrik nun Spiele vorgestellt, die einen Escape Room simulieren, die Spieler eine Geschichte erleben lassen oder bei denen die Spieler als Ermittler verstrickte Kriminalfälle lösen. Dabei handelt es sich um einen Trend, welcher vor einigen Jahren aufkeimte und bislang kein Ende zu finden scheint. Das ist auch gut so, denn mein Interesse an neuen Fällen ist ungebrochen und ich freue mich noch immer auf jeden neuen Fall für altbekannte Spielsysteme genauso wie darauf, völlig neue Ideen in diesem Genre zu erkunden. Daher werde ich weitermachen euch regelmäßig solche Spiele oder ihre Erweiterungen unter dieser Rubrik gesammelt vorzustellen.

Investigation Files – Murder in Paris

Investigation Files: Murder in Paris Cover
Investigation Files: Murder in Paris – Cover / Foto: Brettsspielpoesie

Auch wenn man sich noch so gut auf die SPIEL vorbereitet, passiert es doch hin und wieder vor Ort von manch einer Neuheit überrascht zu werden. So erging es mir letztes Jahr mit Investigation Files bei Goliath. Wobei ich gestehen muss, dass Goliath als Verlag auch noch nie wirklich im Fokus bei mir stand. Aber wie ihr wisst liebe ich Kriminalspiele und konnte daran einfach nicht vorbei gehen.

Investigation Files: Murder in Paris - Spielmaterial
Investigation Files: Murder in Paris – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Beim Material fällt direkt auf, dass es kein typisches Kriminalspiel ist. Die Umschläge mit Spielmaterial sind mit Vorhängeschlössern versehen. Durch Lösen von Rätseln und geschickter Kombination der Hinweise lassen sich die jeweils dreistelligen Zahlencodes herausfinden, um die Schlösser zu öffnen. Was genau genommen gar nicht zwingend notwendig wäre, um an das Spielmaterial zu gelangen. Mit etwas Geschick können die Fäden auch ohne das Schloss zu entfernen gelockert werden. Aber wir spielen ein solches Spiel ja für die Herausforderung. Diese Aufmachung erinnert jedoch mehr an einen Escape Room, denn an ein Kriminalspiel. Und das ist mein Hauptproblem mit Investigation Files: Das Spiel versucht beide Spielarten gleichermaßen zu bedienen, doch gelingt diese Kombination nicht gut. Es wäre vermutlich besser gewesen sich auf eines zu beschränken.

Investigation Files: Murder in Paris - Schloss
Investigation Files: Murder in Paris – Schloss / Foto: Brettspielpoesie

Untersucht wird der Mordfall von Hannah Dubois, die sich in eine adlige Familie eingeheiratet hat, was nicht alle Familienmitglieder gleichermaßen gutheißen. Sie ist nach einer wilden Partynacht auf dem Heimweg zusammen gebrochen und verstorben. Ihr überprüft ob es wirklich ein schrecklicher Unfall war oder jemand nachgeholfen hat und natürlich gibt es viele Verdächtige mit möglichem Tatmotiv. Gespielt wird auf drei Stufen, zu denen es jeweils einen Umschlag mit Spielmaterial gibt. Diese enthalten ganz unterschiedliches Material, wie Zeitungsauschnitte, Obduktionsberichte, Fotos, Zeugenaussagen, Rechnungen, etc., welches realistisch umgesetzt wurde. Leider gibt es keine medialen Inhalte. Die Verhöre sind alle abgetippt, dabei hätte sich eine Vertonung gut angeboten, um etwas Abwechslung hinein zu bringen. So geht nun leider viel Zeit dafür drauf, die ganzen Aussagen zu lesen.

Es ist explizit keine Verwendung von Hilfsmitteln, wie dem Internet, gestattet. Doch sollen die Spieler einen Morsecode entschlüsseln – ohne vorliegendes Morsealphabet. Das ist kein kniffliges Rätsel, sondern schlicht eine unlösbare Aufgabe, da vermutlich die wenigsten das Morsealphabet exakt im Kopf haben. Generell kommen hier allgemein bekannte Verschlüsselungen und Rätselaufgaben zum Einsatz, das ganze Spiel wirkt wenig innovativ. Wer an einer Stelle nicht weiterkommt, findet einige kurze Hinweise auf einem Lösungsblatt, die mit der beiliegenden Rotfolie lesbar sind. Hier findet man zur Not auch den benötigten Morsecode.

Zeitweise konzentriert sich das Spiel nicht mal mehr auf das Ziel den Mörder zu entlarven, stattdessen sollen die Spieler auf Stufe zwei die Ermittlungsergebnisse der Polizei verifizieren. Es sollen zwei Verdächtige aufgrund ihrer bereits bestätigten Alibis ausgeschlossen werden, statt nach derjenigen Person zu suchen, die es möglicherweise getan hat. Diese Aufgabe fühlt sich inhaltlich irgendwie überflüssig an.

Mich beschleicht auch das Gefühl, dass der Verlag selbst nicht ganz hinter dem Produkt steht. Denn auf der deutschen Webseite von Goliath findet sich kein Eintrag zu diesem Spiel. Die Spielschachtel nennt weder die Autoren, noch die ungefähre Spielzeit. Was bleibt, ist ein solider Kriminalfall ohne große Überraschungen. Das Material ist abwechslungsreich, doch fühlt sich alles nicht wirklich zu Ende gedacht an.

Wertungsnote 2/6

Verlag: Goliath
Autor(en): k.A.
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1+ Spieler
Dauer: k.A.

Vielen Dank an Goliath für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Decktective – Der letzte Wille

Decktective: Der letzte Wille - Cover
Decktective: Der letzte Wille – Cover / Foto: Abacusspiele

Was soll ich zu Decktective noch lange schreiben? Mit dem Fall Der letzte Wille setzt sich die Reihe gekonnt fort, die mich von Fall zu Fall etwas mehr begeistern kann. Wir begeben uns nach Amsterdam, am Ende des 17. Jahrhunderts, in die Villa von Cornelius Kloos. Ihr findet den Mann tot über seinen Schreibtisch gebeugt vor. Und versucht durch das Ausspielen von Handkarten Informationen mit euren Mitspielern zu teilen, um den Fall umfassend lösen zu können.

Decktective: Der letzte Wille - Spielsituation
Decktective: Der letzte Wille – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Karten lassen sich nicht einfach nach Belieben ausspielen. Ihr Wert darf nicht höher sein als die Anzahl der verdeckt abgelegten Karten im Archiv. Nicht alle Karten enthalten hilfreiche Informationen, um die Fragen zu beantworten, denen sich die Spieler nach dem Ausspielen aller Karten stellen müssen. Der 3D-Tatort hilft, die Geschehnisse nachzuvollziehen. Er wird im Laufe des Spiels durch sogenannte Plottwists erweitert.

Uns gelang es leider nicht alle Details zu erkennen und in den richtigen Zusammenhang zu bringen. Es wäre aber durchaus möglich gewesen, der Fall ist logisch aufgebaut und nachvollziehbar. Ich mag an Decktective, wie sich der 3D-Tatort verändert und aktiv in die Lösung des Falls eingebunden wird. Es erzeugt ein interessantes Krimierlebnis für eine gute Stunde.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Abacusspiele
Autor(en): Martino Chiacchiera, Silvano Sorrentino
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Abacusspiele für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Das Mysteriöse Krimi-Puzzle: Tod bei den Pyramiden

Krimi Puzzle: Tod bei den Pyramiden - Cover
Krimi Puzzle: Tod bei den Pyramiden – Cover / Foto: HCM Kinzel

Lange hat es gedauert, von der ersten Ankündigung bis zum Verkauf der ersten vier mysteriösen Krimi-Puzzle bei HCM Kinzel. Der Verlag verspricht auf seiner Webseite eine Kombination aus Puzzle und Kurzkrimi, die eine tolle Herausforderung für Puzzleliebhaber und Freunde mysteriöser Kriminalfälle bietet. Thematisch geht es bei diesen vier Fällen zu Sherlock Holmes, auf die Titanic, zum Istanbul Express oder, wie in unserem Fall, zu den Pyramiden. Auf einer Kreuzfahrt kam es zu einem Todesfall, die Anzahl der möglichen Verdächtigen ist auf die Passagiere begrenzt. Doch welcher der Passagiere hatte ein Motiv, die Gelegenheit und auch den Mut dazu?

Krimi Puzzle: Tod bei den Pyramiden -Spielmaterial
Krimi Puzzle: Tod bei den Pyramiden -Spielmaterial / Foto: Brettspielpoeise

Es gibt keine wirkliche Anleitung. Die Aufforderung auf dem Cover “Lesen. Puzzeln. Lösen.” ist schon der beste Anhaltspunkt, was zu tun ist. Enthalten sind 1000 Puzzleteile und eine mehrseitige Kurzgeschichte. Diese soll als Einstieg dienen und den Kriminalfall offenbaren, der sich mit Hilfe des fertigen Puzzlebilds lösen lassen soll. Die Kurzgeschichte ist meiner Meinung nach weder gut geschrieben, noch baut sie sonderlich Spannung auf. Stattdessen war ich schnell genervt von den vielen Einzelpersonen mit ihren unaussprechlichen Namen, die zu Beginn vorgestellt werden. Die Geschichte spielt mit Vorurteilen und gibt den meisten Anwesenden einen guten Grund Interesse am Tod der Verstorbenen gehabt zu haben. Nach der Geschichte war uns direkt klar, was passiert sein muss. Aber nun gut, wir wollten ja auch puzzeln und erhofften uns von dem Puzzlebild einen besseren Einblick in die Geschehnisse.

Eine Herausforderung bei dem Puzzle besteht darin, das Puzzlebild nicht zu kennen. Also gar nicht, nicht einmal ansatzweise. Während sich das Bild der Puzzleteile bei den Exit Puzzles von Ravensburger nur etwas vom Schachtelbild unterscheidet, haben wir hier gar keine Vorlage. Das kann man natürlich als zusätzliche Herausforderung ansehen.

Wir haben zu zweit mehr als sieben Stunden benötigt, um das Puzzle zu vollenden. Normalerweise ist eine solche Puzzlezeit gespickt davon, interessante Details zu erkennen und mitzuerleben, wie sich das Bild Stück für Stück vor einem entfaltet. Das Bild unseres Krimi-Puzzles ist aber leider vollkommen unscharf. Es wirkt fast so, als wäre ein kleineres Bild einfach hochskaliert worden. Das erschwerte das Puzzeln zusätzlich, da sich oft erst nach Fertigstellung eines Bereichs erkennen lies, was genau man da jetzt zusammen gepuzzelt hat. Dabei blieb der Puzzlespaß für uns leider komplett auf der Strecke. Man schaut über 7 Stunden auf Puzzleteile mit verschwommenen Abbildungen, nur um am Ende das Gesamtbild mit etwas Abstand halbwegs klar erkennen zu können. Besonders am unteren Rand offenbart sich die unsaubere Verarbeitung. Ein Puzzleteil ist einfach ein Stück zu lang, während am anderen Ende des Puzzles ein dünner, weißer Streifen zu sehen ist. Als wäre die Bildvorlage ein wenig verrutscht.

Krimi Puzzle: Tod bei den Pyramiden - Rand
Krimi Puzzle: Tod bei den Pyramiden – Rand / Foto: Brettspielpoesie

Bei der Stanzung der Puzzleteile wurde keine Grid-Stanzung verwendet, bei der jedes Teil sich genau eine Kante mit einem anderen Puzzleteil teilt, sondern eine sogenannte Strap-Stanzung, bei der sich an einer Seite eines Teiles, mehr als ein Teil anschließt. Ich bevorzuge die symmetrische Anordnung der Grid-Stanzung, die sich mittlerweile zum Standard bei den großen Puzzle-Anbietern etabliert hat.

Krimi Puzzle: Tod bei den Pyramiden - Verschnitt
Krimi Puzzle: Tod bei den Pyramiden – Verschnitt / Foto: Brettspielpoesie

Wie weiter oben bereits erwähnt, bestätigte uns das Puzzlebild nur in unserer Vermutung, die wir bereits direkt im Anschluss an die Kurzgeschichte anstellten. Die Auflösung ist in Spiegelschrift verfasst, man sollte also einen Spiegel zur Hand haben, um sie leicht erfassen zu können. Ein Hilfesystem existiert nicht, ist in meinen Augen aber noch nicht nötig. Dieses mysteriöse Krimi-Puzzle lässt uns leider enttäuscht zurück. Weder das Puzzle, noch der Kriminalfall, wussten zu begeistern.

Wertungsnote 1/6

Verlag: HCM Kinzel
Autor(en): k.A.
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1+ Spieler
Dauer: k.A.

Vielen Dank an HCM Kinzel für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Crime Zoom

Crime Zoom Cover
Crime Zoom Cover / Foto: Brettspielpoesie

Um das erste der Crime Zoom-Spiele ging es bereits in meinem Bericht zum Asmodee Presseevents im Frühjahr 2021. Auch bei dieser Spielreihe erfolgte die Auslieferung erst später, als ursprünglich angekündigt. Neben Sein letztes Blatt gibt es nun auch die Fälle Vögel des Unheils und Ein tödlicher Autor zu erleben. Das Spielprinzip hatte ich damals als Kombination aus Crime Story und den Panorama-Bildern aus T.I.M.E Stories (Revolution) beschrieben. So sehe ich es auch immer noch. Allerdings sind die drei Fälle weniger ähnlich aufgebaut. Jeder dieser drei Crime Zoom-Fälle hat seine eigenen Besonderheiten. Mal starten wir mit vielen verschiedenen, kleineren Räumen und diversen verdächtigen Personen, beim nächsten Mal in einem Raum aus vielen einzelnen Karten und nur einer Leiche. Alle spielen zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort.

Crime Zoom Spielmaterial
Crime Zoom Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Anders als bei Crime Story ist nicht vorgegeben wie viel virtuelle Zeit es benötigt einem Hinweis zu folgen. Stattdessen dürfen alle einzelnen Karten eines Ortes nach Belieben umgedreht werden, um weitere Informationen zu erhalten. Diese sind nicht alle gleichermaßen hilfreich, daher hilft es schon abzuwägen, welche Orte man genauer unter die Lupe nehmen möchte. Denn es schlägt sich auf die Bewertung nieder, wenn zu viele Karten angesehen wurden. Die Erkundung hilfreicher Karten führt hingegen zu einer Belohnung. Es gibt für eine zusätzliche auch Gegenstände einzusammeln, welche für die Überführung des Täters hilfreich sind.

Es gibt keine feste Rundenanzahl, kein Zeitlimit, wann zur Lösung übergegangen werden sollte. Die Spieler entscheiden selbst, wann sie meinen genug erfahren zu haben, um den Fall aufzulösen und zu den Fragen überzugehen. Wenn sie diese nicht annähernd beantworten können, offeriert die Anleitung die Möglichkeit einen Schritt zurück zu gehen und weiter zu ermitteln. Ansonsten sind die Antworten zu notieren, teilweise mit exakten Kartennummern und dann mit der großen Auflösung abzugleichen.

Was ich bereits nach dem ersten Fall kritisierte, bleibt bestehen: Am Ende wird eine erreichte Punktzahl ermittelt, jedoch völlig ohne Kontext. Man kann den Wert in der Anleitung notieren und mit anderen Gruppen vergleichen. Man bekommt zwar schon ein gutes Gefühl, wenn man viele Sterne sammelt, dennoch hätte ich gerne eine grobe Einordnung, wie man sich angestellt hat. Die Fälle sind allesamt interessant aufgebaut und erzeugen eine Stunde Krimispaß. Ich bin gespannt ob diese Serie weitergeht und wie weitere Fälle ausgestaltet wären. Nicht nur von der Spielzeit ähneln sie den Decktective-Fällen, sie hinterlassen auch ein ähnliches Spielgefühl bei mir. Sie ergeben ein kurzes, nicht zu schwer zu lösendes Kriminalspiel – perfekt als kleiner Krimi-Snack für zwischendurch.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Asmodee
Autor(en): Stéphane Anquetil
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


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