Neoville

Neoville heißt die zu erbauende Stadt,
die ihr in einer Partie entstehen lasst.
Eine Stadt der Zukunft soll es werden,
die Grundlage zeigt verschiedene “Erden”.
Passende Wolkenkratzer, von klein bis groß,
doch achtet auf deren Harmonie bloß.
Wenn Größe nicht der Fläche entspricht,
lohnt sich der ganze Aufwand nicht.
Für verschiedene Bio-Projekte ebenso gilt,
sie punkten nur, wenn sie passen ins Bild.

Spielmaterial:

Die 78 quadratischen Plättchen sind jeweils in vier Landschaften unterteilt: Erde, Gras, Fels oder Wasser in verschiedener Kombination. Zu jeder diesen Landschaftsarten sind außerdem sieben Wolkenkratzer mit unterschiedlicher Wertigkeit enthalten. Zusätzlich gibt es noch kleinere Bio-Projekte. Diese sind, genau wie die Wolkenkratzer, vor der ersten Partie zusammenzustecken.

Neoville Plättchen
Neoville Plättchen / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Die Spieler lassen vor sich eine Landschaft aus 4×4 Plättchen entstehen. Dazu wählt man am Zug eines von drei Plättchen aus der Hand und platziert dieses mit mindestens einer Kante angrenzend an bereits ausliegende. Auf dem neuen Plättchen darf sofort ein noch ungenutzter Wolkenkratzer oder ein Bio-Projekt entstehen. Die Wolkenkratzer geben an, wie große die zusammenhängende Fläche desselben Geländetyps mindestens sein muss. Von den drei verschiedenen Arten von Bio-Projekten sind immer nur zwei im Spiel. Bei manchen ist die Lage im 4×4-Raster entscheidend, bei anderen die Form der Landschaft oder die Zeile und Spalte, auf dessen Kreuzungspunkt sich das Bio-Projekt befindet. Am Ende des Zuges nimmt man immer eines der offen liegenden Plättchen oder ein zufälliges vom Stapel.

Neoville Spielsituation
Neoville Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Ein solcher Aufsteller muss zu dem Zeitpunkt des Platzierens noch nicht erfüllt sein, man geht quasi eine Wette ein, die Aufgabe bis Spielende zu erfüllen. Nur dann führt der Aufsteller auch zu Punkten. Schafft man es nicht, muss man mit Punktabzug in gleicher Höhe leben.

Neoville Spielerauslage
Neoville Spielerauslage / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Sobald alle Spieler ihr Raster vervollständigt haben, endet eine Partie Neoville. Bei der anschließenden Wertung gibt es Pluspunkte für erfüllte Wolkenkratzer und Bio-Projekte, aber auch Minuspunkte, wenn welche nicht erfüllt wurden. Darauf folgt eine Mehrheitenwertung für Sportanlagen und Parks. Nur wer die meisten vorweisen kann, erhält dafür weitere Punkte. Es gewinnt, wer insgesamt die meisten Punkte gesammelt hat.

Spieleranzahl:

Die Anpassungen anhand der Spielerzahl betreffen lediglich die verfügbaren Wolkenkratzer und Bio-Projekte. Landschaftsplättchen werden keine anteilig aussortiert. Da jeder eigentlich nur vor sich hinpuzzelt, ist die Spielerzahl fast unbedeutend. Lediglich bei den begrenzt verfügbaren Aufstellern und den Mehrheitenwertungen gibt es Konkurrenz. Doch ist es schon schwer genug den Überblick über die eigene Auslage zu behalten, bei den Mitspielern ist es nur noch schwerer etwas zu erkennen.

Glücksfaktor?

Welche Plättchen man in die Hände bekommt, ist eine Frage des Glücks. Zwar liegen vier Plättchen immer offen, wenn die aber alle nicht wirklich helfen, kann es lukrativer sein vom verdeckten Stapel zu ziehen. Immerhin hat man immer drei Plättchen zur Auswahl, sodass man ein unpassendes Plättchen einige Zeit getrost ignorieren kann.

Meinung:

Nach der eher enttäuschenden Erfahrungen mit Cloud City vom selben Autor, freute ich mich sehr auf diese auf den ersten Blick recht ähnliche, aber doch abgewandelte Umsetzung des Baus einer Stadt mit Wolkenkratzern. Die erste Partie am Stand von Blue Orange Games auf der SPIEL’21 machte auch direkt Lust auf mehr. Eine deutsche Lokalisierung erhielt Neoville später überraschenderweise bei HCM Kinzel, die eher für kleinere Spieleschachteln, zumeist weniger bekannter Autoren, bekannt sind. Leider haben sie versäumt den Namen des Autors auf dem Cover unterzubringen.

Das Spielprinzip ist denkbar einfach. Plättchen auslegen, ggf. Wolkenkratzer oder Bio-Projekt platzieren, Plättchen aufnehmen. 16 Runden lang. Die Interaktion beschränkt sich auf ein Minimum, nämlich indem man Plättchen oder Aufsteller anderen vor der Nase wegschnappt. Dies ist jedoch schwer nachzuhalten, da man nur schlecht erkennen kann, was den Mitspielern hilft oder auch nicht. Die deutsche Version der Anleitung ist in meinen Augen gegenüber dem Original unvorteilhaft strukturiert.

Das frühe Entscheiden für bestimmte Wolkenkratzer klingt anfangs nach einer spannenden Wette, doch früh genommen, lassen sich diese eigentlich immer gut erfüllen. Bei den Bio-Projekten sieht es ganz ähnlich aus. Erst zum Ende hin, sollte man etwas abwägen, welche Vorgaben sich noch realisieren lassen, um Punktabzug zu verhindern. Aber bitte nicht zu lange die verschiedenen Optionen abwägen, denn die Mitspieler warten währenddessen meist ungeduldig. Es fühlt sich nahezu beliebig an, was die anderen tun, wodurch eine unangenehme Downtime entstehen kann.

In der Schachtel findet man nur ein einfaches, graues Pappinlay vor, welches seinen Zweck aber gut erfüllt. Die Plättchen passen hochkant exakt in das schmale, längliche Fach und die Wolkenkratzer und Bio-Projekte problemlos in das größere Fach. Allerdings ist vor jeder Partie etwas Aufbauzeit von Nöten, zumindest wenn man zur besseren Übersicht alle gleichartigen Elemente gemeinsam aufreihen möchte.

Zwar entsteht vor jedem Spieler eine eigene Stadt, aber man baut keinen wirklichen Bezug dazu auf. Es ist völlig uninteressant ob man nun ein Wasser- oder Felsgebäude oder was auch immer errichtet, wichtig ist nur, welche noch verfügbar und erfüllbar sind. Die Art der Gebäude hat darüber hinaus keinerlei Bedeutung. Der Stadtbau bleibt völlig abstrakt, trotz der schönen Illustrationen. Die wiederum darunter leiden, dass die zusammengesteckten Aufsteller eher wackelig und instabil wirken. Eigentlich genau das Gegenteil von dem, wie man sich einen Wolkenkratzer so vorstellt.

Fazit:

Mit Neoville bekommt man ein einfaches Plättchenlegespiel, bei dem jeder etwas eigenes aufbaut. Die verschiedenen Bio-Projekte sorgen für ein wenig Abwechslung, das Spielprinzip verändern sie kaum. Mir bietet das Spiel leider zu wenig, um sich dauerhaft auf dem Spieltisch zu etablieren. Vor allem dem ähnlich gelagerten Spiel Cloud City würde ich eine Partie Neoville allerdings jederzeit vorziehen.

Wertungsnote 3/6

Verlag: HCM Kinzel
Autor(en): Phil Walker-Harding
Erscheinungsjahr: 2022
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an HCM Kinzel für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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