Kurz & Klein: Spiele von Phil Walker-Harding

Ich hatte 2019 begonnen, kleine und schnell vorgestellte Spiele nicht mehr in die starre Rezensionsstruktur zu pressen. Stattdessen möchte ich ähnliche Spiele, die irgendeine Gemeinsamkeit haben nicht kurz und klein hacken, wie der Titel es vermuten lassen könnte, sondern einfach gesammelt vorstellen. So bekommt ihr heute einen Überblick über das jeweilige Spielprinzip und meine Gedanken zu drei aktuellen Spielen des Autors, dem wir unter anderem Sushi Go und Imhotep zu verdanken haben. Freut euch auf Städtebau in luftiger Höhe bei Cloud City, die Erkundung neuer Landflächen bei Explorers und weidende Lamas im Hochgebirge bei Llamaland.

Cloud City

Cloud City - Cover
Cloud City – Cover / Foto: Brettspielpoesie

Das Stadtbauspiel Cloud City erschien bereits im vergangenen Herbst bereits bei Blue Orange Games, durch die nicht physisch statt gefundene SPIEL’20 ist es ein wenig an mir vorbei gegangen. Da Asmodee relativ zügig eine deutsche Version ankündigte, entschied ich mich auf deren Veröffentlichung in diesem Sommer zu warten.

Spielablauf

In Cloud City – Die Wolkenstadt lassen die Spieler in einem 3×3-Raster Gebäude entstehen und verbinden diese in luftiger Höhe mit Fußgängerüberwegen. Die Plastikgebäude gibt es in drei verschiedenen Farben bzw. Höhen, es gibt an jeder Gebäudeseite eine Anlegemöglichkeit für eine farblich passende Brücke. Es sind aber nur zwei Brücken pro Gebäude erlaubt, um diese mit Gebäude derselben Höhe zu verbinden. In neun Runden entstehen die Landschaften durch Anlegen eines der drei Kärtchen von der Hand. Jedes dieser Kärtchen zeigt genau zwei farbige Gebäudefelder, farblich passende Gebäude gelangen direkt darauf. Im Anschluss lassen sich Gebäude ggf. mittels Fußgängerbrücken verbinden. Diese Brücken in verschiedenen Längen sind pro Farbe jedoch begrenzt, wenn weg, dann weg. Für den folgenden Zug nimmt der Spieler ein Kärtchen der offenen Auslage oder vom Stapel auf.

Cloud City - Spielsituation
Cloud City – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Bei Spielende zählen die Brücken einfach die angegebenen Punkte, alles wird pro Spieler zusammen addiert. Alleine die Länge der Brücken ist für die Punkteausbeute entscheidend, die Höhe hat keinen zusätzlichen Einfluss darauf. Mitgelieferte Varianten ermöglichen rechteckige Städte aus je 12 Kärtchen im Spiel zu zweit oder dritt sowie die Hinzunahme einer bzw. zweier Sonderauftragskarten für zusätzliche (Minus-)Punkte bei Spielende.

Cloud City - Spielerauslage
Cloud City – Spielerauslage / Foto: Brettspielpoesie

Meinung

Was von weitem noch ganz hübsch und interessant ausschaut, entpuppt sich aus der Nähe als wahrer Blender. Die Plastikgebäude wirken einfach billig. Die Brücken zu Platzieren artet manches Mal in eine wilde Fummelei aus, bei der schnell auch mal was umfällt und neu errichtet werden muss. Jeder baut bei Cloud City für sich. Anderen Spielern gezielt bestimmte Plättchen vorzuenthalten lohnt sich kaum, einzig durch die begrenzt verfügbaren Wege kann man sich mal in die Quere kommen und es entsteht so etwas wie Interaktion. Welche Brücken überhaupt noch möglich sind, sollte hingegen jeder im Blick behalten, um die Anlage der eigenen Stadt nicht planlos anzugehen und irgendwann feststellen zu müssen, dass ausreichend lange Brücken gar nicht mehr verfügbar sind. Für diese Planungen ist ein einigermaßen gutes 3D-Vorstellungsvermögen von Nöten, das besitzt nicht jeder. Auch die Beschränkung auf nur zwei Brücken pro Gebäude gerät schnell mal in Vergessenheit.

In unseren Gruppen kam bei Cloud City leider kaum Spielspaß auf. Daran ändern auch die Aufträge nichts, die teilweise nur für einen zusätzlichen Glücksfaktor sorgen. Wenn zum Beispiel blaue Gebäude belohnt werden, haben die Spieler Vorteile, welche direkt mit blauen Gebäuden starten. Ich jedenfalls benötige keine weiteren Partie Cloud City.

Ausblick

Ebenso skeptisch beäugte ich zunächst den ganz frischen Phil Walker-Harding Titel, der ebenfalls bei Blue Orange erscheint, mit dem Titel Neoville. Auch da bauen wir hohe Gebäude in unsere eigene Stadt, die wir nach und nach mit quadratischen Plättchen entstehen lassen, doch da machte die Erstpartie auf der SPIEL’21 direkt Lust auf mehr.

Wertungsnote 2/6

Verlag: Blue Orange Games / Asmodee
Autor(en): Phil Walker-Harding
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 30 – 60 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Explorers

Explorers - Cover
Explorers – Cover / Foto: Ravensburger

Bei sogenannten Flip’n’Write-Spielen geben Karten vor, was Spieler auf ihren Tableaus oder Zetteln eintragen dürfen, um zu punkten. In dieses Genre möchte Ravensburger nun mit Explorers ebenfalls einsteigen. Dabei verzichtet das Spiel auf Spielkarten als solche, das gesamte Spielmaterial ist vollständig wieder beschreibbar. Selbst die Landschaftskärtchen, die eigentlich gar nicht beschrieben werden, aber so gibt es immerhin keinen Materialmix und alles erscheint aus einem Guss.

Spielablauf

Jeder Spieler erhält einen Rahmen, in den ganz variabel drei Wertungs- und vier Landschaftsplättchen eingelegt werden. Alle Spieler verwenden pro Partie dieselben Plättchen in gleicher Ausrichtung. Über vier Runden zeigen jeweils sieben der acht enthaltenen Landschaftskärtchen die Optionen für die Kreuze. Der aktive Spieler wechselt reihum, wählt eine Landschaft des obersten Kärtchens aus und malt drei Kreuze angrenzend an bereits bestehende auf seinem Tableau. Diese müssen auf die gewählte Landschaft gesetzt werden, aber nicht zwingend in dasselbe Gebiet. Alle anderen Spieler können sich entscheiden die andere Landschaft zu wählen und ebenfalls drei Felder zu kreuzen oder sie machen nur zwei Kreuze auf der gleichen Landschaftsart, wie der aktive Spieler.

Explorers - Landschaftskaertchen
Explorers – Landschaftskärtchen / Foto: Brettspielpoesie

Mit den Kreuzen versuchen die Spieler Elemente zu erreichen, um von deren Effekt zu profitieren. Es gibt Sammelaufgaben (Diamanten, Proviant) sowie Schlüssel, die notwendig sind um Tempel kreuzen zu dürfen. Diese Tempel bringen mehr Punkte, wenn Spieler vor den anderen dort ankommen. Weitere Elemente sind die Pferde, die sofort ein zusätzliches Kreuz einbringen und die Landkarte, um statt der verfügbaren Landschaft ganze vier Kreuze auf eine beliebige zu setzen. Die Dörfer bringen nur bei Spielende Siegpunkte anhand der um sie herum gesetzten Kreuze.

Explorers - Spielauslage
Explorers – Spielauslage / Foto: Brettspielpoesie

Kommen die Rückseiten der Wertungsplättchen zum Einsatz, lässt sich Proviant rundenweise nur sortenrein sammeln oder es drohen Minuspunkte, bis die ersten Diamanten erreicht sind. Zusätzlich können einige der nicht verwendeten Landschaftsplättchen umgedreht zusätzliche Wertungen bieten. Diese bestrafen die Verwendung mancher Elemente mit Minuspunkten, belohnen Kreuze in vorgegebenen Anordnungen oder Sets von Elementen anhand der Runde ihrer Vervollständigung.

Explorers - Aufgabenkarten
Explorers – Aufgabenkarten / Foto: Brettspielpoesie

Meinung

Explorers erfindet das Genre nicht neu, dennoch übt es einen großen Reiz auf mich aus. Es ist sehr belohnend, da alle erreichten Elemente einen Vorteil einbringen und lukrativ erscheinen. Jede Partie fühlt sich zudem durch die variablen Landschaften anders an. Und das bereits ohne die Expertenmodule oder die Auftragsplättchen, die dem Spiel eine weitere Ebene hinzufügen. Diese können das Spielgefühl grundlegend verändern, wenn bestimmte Elemente zu vermeiden oder besonders früh gefragt sind.

Grundlegend passiert in den Partien dennoch immer dasselbe: Landschaftsfelder anzukreuzen, um möglichst effektiv die Elemente freizuschalten und die Punkte zu maximieren. Die Aufträge, die eine bestimmte Anordnung der Kreuze erfordern trotzdem sinnvoll zu erfüllen ohne viele nutzlose Kreuze zu setzen, ist für mich noch immer jedes Mal eine besondere Herausforderung. Das Material wirkt hochwertig, doch leider verschmieren vor allem die Kreuze auf dem Rand schnell, wenn mittig Eintragungen vorzunehmen sind. Die mitgelieferten Stifte schreiben gut, wenn auch etwas dick. Es ist leider nichts enthalten, um das Spielmaterial hinterher zu säubern.

Die Mitspieler geben dem Spiel tatsächlich nur wenig, da man sich bloß Punkte bei den Tempeln wegschnappt und mit den Punktzahlen der Mitspieler konkurriert, statt einem Highscore hinterherzulaufen. Zu zweit lässt sich noch ganz gut überblicken, welche Optionen der andere Spieler benötigt, um ihm diese bewusst zu erschweren. Bei mehr Spielern ist es kaum noch sinnvoll möglich, dies in die eigenen Überlegungen einzubeziehen. Zu viert kann sich eine Partie mit Grüblern schon ein bisschen ziehen, obwohl immer alle parallel Eintragungen vornehmen können. Zuvor muss eben die Entscheidung für eine Seite der Landschaftskärtchens fallen. Es gibt im Normalfall tatsächlich viele lukrative Optionen, die drei oder bewusst auch mal nur zwei Kreuze zu setzen. Mittlerweile spiele ich Explorers sehr gerne in der digitalen App als Solo-Variante, da entfällt dann auch sämtliche Verwaltung.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Ravensburger
Autor(en): Phil Walker-Harding
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 20 Minuten

Vielen Dank an Ravensburger für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Llamaland

Llamaland - Cover
Llamaland – Cover / Foto: Lookout

Man hört häufiger davon, dass Autoren ihre erfolgreichen Spielideen gerne weiterentwickeln und neu verpacken. Genau dies scheint bei Llamaland der Fall zu sein. Zuerst erschien Bärenpark von Phil Walker-Harding, ein Spiel mit Polyomino-Teilen, bei dem eine vorgegebene Parkfläche optimal mit Bärengehegen bepuzzelt werden möchte. Ein Jahr später folgte mit Hexenhaus ein Spiel bei dem es mit Domino-Teilen in die Höhe geht, um Fabelwesen anzulocken. Nun, einige Jahre später, bietet Llamaland Polyomino-Teile, für den Bau in Breite und Höhe zugleich, um Weideflächen für Lamas zu erschaffen. Eine Kombination zweier guter Spiele, kombiniert mit kleinen Lama-Figuren, klingt auf den ersten Blick nach einem Erfolgsgarant.

Ablauf

Alle Spieler starten mit einem 4×4 Felder großen, quadratischen Spielplan, von dem aus sie ihre Landschaft errichten. Wer am Zug ist, platziert genau ein neues Landschaftsteil und hat danach die Möglichkeit ein Lama mit Futter anzulocken. Landschaftsteile zeigen immer genau fünf Felder, es gibt sie in fünf verschiedenen Formen. Wer am Zug ist wählt eines der oben liegenden Plättchen und darf dieses gedreht und/oder gespiegelt entweder auf der bestehenden Landschaft platzieren oder daneben.

Llamaland - Spielmaterial
Llamaland – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Beim Bau in die Höhe muss das Plättchen auf mindestens zwei anderen aufliegen, danach erhält der Spieler jede Belohnung, die das neue Plättchen überdeckt. Dies kann eine Münze, Mais, Kartoffeln, Kakao oder ein Dorfbewohner sein. Ein solcher wird aus der offenen Auslage oder vom Stapel genommen und bringt einen Sondereffekt für den Rest des Spiels mit sich. Wird die Grundfläche der eigenen Auslage mit dem neuen Plättchen ausgedehnt, darf im Anschluss ein Marker auf ein freies Feld einer Wertungskarte platziert werden. Ist die Bedingung bei Spielende erfüllt, gibt es die angegeben Punkte oben drauf. Wer seine Marker später platziert, bekommt natürlich weniger, es ist also auch ein wenig Kalkül dabei.

Llamaland - Karten
Llamaland – Karten / Foto: Brettspielpoesie

Um ein Lama anzulocken sind vier Ressourcen der angegeben Sorte erforderlich, zwei Münzen können eine beliebige Ressource ersetzen. Der Spieler erhält eine Lama-Figur sowie die wertvollste noch verfügbare Karte dieser Lama-Art. Die Lama-Karten liegen absteigend aus, sodass sich frühes Anlocken lohnt, wenn meist noch wenig Weidefläche ausliegt. Sobald Lamakarten oder Landschaftsplättchen in der Auslage zu Neige gehen, wird nur noch die laufende Runde beendet. Punkte gibt es für Lama-Karten, erfüllte Wertungen mit passenden Markern und für übrige Ressourcen.

Llamaland - Spielsituation
Llamaland – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Es existieren Varianten für Anfänger (ohne Wertungskarten) und Experten (Mehrheitswertungen) sowie die Möglichkeit die Platzierung eines Lamas nur auf das soeben platzierte Plättchen zu erlauben.

Meinung

Leider ist der Funke bei mir überhaupt nicht über gesprungen. Die Partien fühlten sich alle beliebig an, ich hatte nie große Probleme irgendwelche Wertungsziele erfüllen zu können. Eigentlich geben die Wertungskarten ganz gut vor, was sich in der aktuellen Partie lohnt. Durch diese verschiedenen Ziele entstehen zwangsläufig unterschiedliche Landschaften, aber es wird nicht wirklich interessanter. Zwar gibt es da einen kleinen Wettkampcharakter, da mehr Punkte bekommt, wer seinen Marker früher platziert, aber über alle Wertungen gleicht sich das gefühlt wieder aus. Im Spiel zu zweit ist lediglich die mittlere Stufe einer jeden Wertungskarte nicht verfügbar und weniger Lama-Karten liegen aus, Plättchen werden keine aussortiert. Zu viert sind die Wertungskarten am interessantesten, da pro Karte nur Plätze für drei Spieler existieren.

Auch bei den Llama-Karten gibt es ein Wettrennen, da die Karten immer weniger wert sind. Für jede dieser Karten kommt ein Lama hinzu und blockiert bebaubare Fläche. Dies gekonnt einzuplanen mag interessant sein, reicht für mich aber nicht um länger anhaltenden Spielspaß zu erzeugen. Die Helferkarten sind zu Beginn der Partie hilfreich, da sie es beispielsweise erlauben Ressourcen zu tauschen oder mehr Ertrag aus dem Überbauen von Plättchen zu bekommen. Im späteren Spielverlauf sind ihre Effekte aber immer weniger gefragt, vor allem wenn schon einige Helfer erfolgreich im Einsatz sind. Das wertet diese Felder im späteren Spielverlauf etwas ab.

Lamas lösen bei mir generell keine großen Begeisterungsstürme aus, doch ich denke selbst Schafe würden meine Meinung von diesem Spiel nicht gravierend verändern. Ich persönlich würde immer lieber zu Bärenpark oder Hexenhaus (vor allem in der bevorstehenden Adventszeit…) greifen und sehe keinen guten Grund statt diesen Llamaland zu wählen.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Lookout Spiele
Autor(en): Phil Walker-Harding
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 45 Minuten

Vielen Dank an ASS Altenburger für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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