Adventure Games – Monochrome AG / Das Verlies

Cover / Foto: Kosmos

Kosmos hat dieses Jahr auf der Spielwarenmesse in Nürnberg drei Spielsysteme nebeneinander präsentiert, bei denen es diverse Überschneidungen gibt. Zuerst gab es die Exit-Spiele, von denen die ersten drei sogar zum Kennerspiel des Jahres gekürt wurden. Diese Spiele orientieren sich an klassischen Escape Rooms, in denen die Spieler Rätsel lösen müssen um wieder zu entkommen. Der Fokus liegt dabei auf den Rätseln, eine Geschichte existiert meist nur am Rande. Daneben gibt es nun die Escape Tales, von denen ich vor kurzem erst berichtet habe. Diese gehören ebenfalls zu den Escape Room-Spielen, sie enthalten jede Menge Rätsel, doch steht bei ihnen die Geschichte im Mittelpunkt. Und nun existieren auch noch die Adventure Games, die eher an Point and Click-Adventures auf dem PC erinnern. Auch hier geht es mehr um die Geschichte, dabei sind keine klassischen Rätsel wie in den Escape Room-Spielen zu lösen, sondern vielmehr Objekte sinnvoll miteinander oder mit Orten zu kombinieren, um die Geschichte voranzutreiben. Genau diese möchte ich nun genauer vorstellen.

Spielmaterial:

Die Spiele bestehen hauptsächlich aus Spielkarten in zwei Größen. Die größeren für die Räume und kleinere für Objekte, Personen, Zustände, etc. Das weitere Spielmaterial unterscheidet sich recht deutlich, bei der Monochrome AG sind Pappfiguren und Plastikständer für die Spieler dabei, beim Verlies sind es Holzfiguren.

Das Verlies / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Wer kennt sie nicht mehr, die guten alten Point and Click-Adventures, bei denen man mit der Computermaus alle möglichen Dinge und Orte versucht an anzuklicken und miteinander zu kombinieren!? Genau dies ist auch die Aufgabe bei den Adventure Games von Kosmos. Aber natürlich gibt es im analogen Spiel keine Computermaus, man kann nichts „anklicken“. Daher haben alle Orte und Gegenstände eine eindeutige Nummer, zu der Informationen zu finden sind. Entweder im gedruckten Storybuch oder in der App mit Sprachausgabe, bei der eine atmosphärische Stimme das Vorlesen ersetzt. Dabei kann man sich zurück lehnen und genießen. Natürlich können, besser gesagt müssen, hierbei verschiedenste Dinge sinnvoll miteinander kombiniert werden, um weitere Räume zu erschließen, Objekte oder Personen zu finden und die Geschichte voranzubringen. All diese Karten mit Objekten können zwischen den Spielern weitergegeben werden, in einem der Abenteuer allerdings mit einer gewissen Einschränkung.

Adventure Games App / Foto: Brettspielpoesie

An zwei Stellen bietet das Spiel die Option eine Pause einzulegen, dafür sind die Abenteuer jeweils in drei Kapitel unterteilt. Am Ende eines jeden Kapitels wird ein Punktwert notiert, den das Team erreicht hat. Im Verlies einer mittelalterlichen Burg geht es in Bezug auf die Geschichte etwas friedfertiger zu, dennoch können die Spieler dort Schaden erleiden. Das Gebäude der Monochrome AG ist mit sehr viel Technik ausgestattet, die Spieler bekommen hierbei zu Beginn und möglicherweise auch während der Partie Handicaps, die einen Alarm auslösen können, wenn sie gewisse Technologien verwenden wollen. Ansonsten sind die Spieler völlig frei darin was sie tun und wie lange sie dafür benötigen. Wer an einer Stelle gar keine Idee mehr hat, der kann sich Tipps geben lassen, deren Benutzung nicht in die Endwertung eingerechnet wird.

Adventure Games Monochrome AG / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Nach Durchlauf der drei Kapitel endet die Partie. Kurz vor Schluss bietet das Spiel Wahlmöglichkeiten, welche den Ausgang der Geschichte beeinflussen. Es folgt eine kleine Schlusswertung für das gesamte Team.

Spieleranzahl:

Wir haben beide Adventure Games zu zweit gespielt, das hat gut funktioniert. Dabei hatten wir vermutlich einfach Glück, denn zu zweit könnte man sich sehr ausbremsen, wenn beide Spieler dasselbe Handicap bekommen und es dadurch schwieriger wird, bestimmte Orte aufzusuchen. Wenn man sich alles von der App vorlesen lässt, sind immer alle Spieler involviert und niemand verpasst etwas. Ein einzelner Spieler trifft dann jedoch selbst weniger Entscheidungen, wenn man sich nicht eh die meiste Zeit abstimmt.

Glücksfaktor?

Einen Glücksfaktor gibt es bei den Adventure Games nicht. Es gibt keine Zufallselemente, die Spieler müssen einfach vieles untersuchen, miteinander kombinieren und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Anhand der ausgewählten Charaktere bekommt man an manchen Orten lediglich andere Texte zu hören, die auf die spezifischen Eigenheiten der Charaktere eingehen. Dabei geht es jedoch nur um Flavortext, eine Aufgabe wird vielleicht etwas kniffeliger oder leichter, das gleicht sich dann bei anderen Aufgaben wieder aus.

Fazit:

Spiele dieser Art erleben derzeit einen wahren Aufschwung, es erscheinen immer mehr Spiele mit neuen Konzepten, bei denen es darum geht Abenteuer zu erleben und Rätsel zu lösen. Mich sprechen solche Spiele immer an, ich muss sie alle ausprobieren. Entsprechend groß waren auch meine Erwartungen an die Adventure Games. Sie wurden jedoch nur teilweise erfüllt, ich hatte gehofft mehrere Durchläufe machen zu können mit unterschiedlichen Entscheidungen und Spielverläufen. Durch andere Charaktere und einige abweichende Entscheidungen ließe sich zwar eine etwas andere Geschichte erleben, aber die Unterschiede sind zu minimal, als dass sich dieser Zeitaufwand in meinen Augen lohnen würde. Weitergegeben werden kann das Spiel im Gegensatz zu den Exit-Boxen schon, es wird keinerlei Material zerstört.

Ja, die Geschichte soll im Vordergrund stehen und ist auch einigermaßen interessant, ich hätte sie mir jedoch noch spannender und fesselnder gewünscht. Was mir auch fehlte, waren so richtig falsche Fährten. Ich hatte das Gefühl man musste sich fast alles ansehen, um das Spielende zu erreichen, es gab nicht wirklich viele Wahlmöglichkeiten. Außer bei der Reihenfolge, die ist nämlich ziemlich beliebig. Es gibt keinerlei Begrenzungen, weder in Form von ablaufender Zeit, noch bei der möglichen Anzahl an Aktionen. Das eröffnet theoretisch die Möglichkeit Zug für Zug durch das gesamte Gebäude zu rennen, anstatt einen Raum nach dem anderen zu durchsuchen und gefiel uns weniger gut, da es nicht im Sinne eines solchen Spiels zu sein scheint. Im Gegensatz zu den bekannten Point and Click-Adventures auf dem PC lassen diese Spiele ein wenig Humor vermissen, es sind leider zu wenige sinnlose Kombinationsmöglichkeiten vorgesehen.

Das Spielsystem empfand ich an manchen Stellen schon fast als ungerecht. Ich wollte mir so manches Mal nur ein Objekt genauer ansehen, stattdessen hat mein Charakter es direkt angefasst und benutzt. Da hätte ich mehr Differenzierung erwartet, die aktive Wahl ob ich es verwenden möchte oder nicht, bevor mir etwas zustößt. An manchen Stellen habe ich nämlich genau solche Wahlmöglichkeiten, ob ich mich lieber abwende oder genauer hinsehen möchte. Schaden zu nehmen oder den Alarm zu erhöhen ist jetzt aber auch nicht wirklich tragisch, es beeinflusst lediglich die Endwertung. Was  hier etwas belanglos klingt, haben wir leider genau so empfunden. Wir wurden zwar mehrere Stunden unterhalten, aber es ist sicherlich noch Potential vorhanden, um mehr aus der Spielidee heraus zu holen und die einzelnen Abenteuer noch interessanter und abwechslungsreicher zu gestalten.

Von den beiden ersten Veröffentlichungen hat mich die Monochrome AG etwas mehr überzeugt als Das Verlies, die Geschichte war etwas facettenreicher und es gab diverse unterschiedliche Enden. Die Altersangabe ab 16 Jahren ist dabei sicherlich berechtigt, denn bei der Monochrome AG geht es schon etwas düsterer zu.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Kosmos / Kosmos
Autor(en): Matthew Dunstan, Phil Walker-Harding
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 3 x 90 Minuten

Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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