Carpe Diem – Vorher/Nachher

Logo Vorher/Nachher

Logo / Foto: Brettspielpoesie

Ich denke kaum ein Spiel hat in diesem Jahrgang so sehr die Gemüter erhitzt, wie Carpe Diem. Nicht, weil das Spiel so schlecht wäre, das Spielprinzip kommt eigentlich durchweg ziemlich gut an. Es geht um die Optik, viele Spieler stören sich am Aussehen des Spiels. Dabei zählen doch die inneren Werte ;-) Es mag sein, dass die Grafiken etwas „altbacken“ wirken, in meinen Augen reiht sich das Spiel jedoch perfekt in die Reihe der alea-Spiele ein. Aber okay, alea hat nun 20-Jähriges Jubiläum, vielleicht sollte man dann doch einfach etwas mit der Zeit gehen ;-)

Im Fall von Carpe Diem ist es allerdings mehr als nur eine Geschmacksfrage. Es sind eindeutige Fehlentscheidungen bei Grafiken und deren Farben getroffen wurden. Zum Beispiel gibt es zwei Arten von Plättchen, die sich nur an ihren Rückseiten unterscheiden lassen sollen. Die einen sind grün und die anderen, ähm ja, ebenfalls. Der eine Grünton mag vielleicht etwas heller sein, als der andere, aber die Unterscheidung fällt wirklich schwer.

Plättchen Rückseiten Alt / Foto: Brettspielpoesie

Plättchen Rückseiten Neu / Foto: Brettspielpoesie

Da könnte man vielleicht noch drüber hinweg sehen, es geht schließlich nur um den Spielauf- und abbau, der dadurch erschwert wird. Man könnte die Plättchen einer Sorte auch einfach selbst markieren, um das Problem zu beseitigen. Doch dann sind da noch die Gebäude. Der Händler und der Bäcker, in beige und bräunlich, wieder sehr ähnliche Farben. Diese geben auch noch Bedingungen auf den Rahmenteilen vor, dabei sind die Gebäude viel kleiner, also noch schwerer zu unterscheiden. Ähnliches gilt für den Hühnerstall, der bei der ersten Auflage, genau wie die anderen Kulturlandschaften, eckig auf den Rahmenteilen dargestellt wird. In der neuen Auflage sind sie, entsprechend ihrer Abbildung auf den Plättchen, abgerundet. Auf den folgenden Abbildungen ist auch zu erkennen, das ein See um ein Feld versetzt wurde. In der Erstauflage konnte es passieren, dass sich zwei Seen exakt gegenüber lagen. Dabei schwieg sich die Anleitung darüber aus, ob ein See auf dieser Linie ausreicht oder zwei benötigt werden, was logisch erschien, sonst wäre es ja ungerecht, dass eben dieser Spieler seine erfüllte Aufgabe doppelt werten könnte.

Rahmen Alt/ Foto: Brettspielpoesie

Rahmen Neu / Foto: Brettspielpoesie

Ein zentrales Element bei der Plättchenwahl war ursprünglich der Stern, die Spieler konnten sich mit ihrer Figur entlang der beiden Wege zu den anderen Plätzen bewegen. Im späteren Verlauf einer Runde, wenn erste Plätze komplett leer sind, auch darüber hinweg und sogar wieder zurück. Der Stern war wohl ein Überbleibsel aus der Prototypenphase, in der mit unterschiedlicher Anzahl Plätze getestet wurde. Dabei wurde scheinbar übersehen, dass man nun bei sieben Plätzen genau so gut einfach nach rechts oder links gehen könnte, es würde mathematisch keinen Unterschied machen. Ich fand das nicht schlimm, durch den Stern war es nicht direkt immer offensichtlich welche Plättchen erreicht werden können. Der Stern wurde nun entfernt und mit ihm die Option über leere Plätze wieder zurück zu gehen. Ich verstehe nicht wieso es zu dieser Regelanpassung kommen musste, sie führte bei dem bekannten, englisch-sprachigem Video-Blogger Rahdo bereits dazu, dass Carpe Diem seinen ersten Platz in der Top 10 des aktuellen Jahrgangs verlor.

Spielplan Alt / Foto: Brettspielpoesie

Spielplan Neu / Foto: Brettspielpoesie

Zu guter letzt wurden noch die Übersichtstafeln überarbeitet. Aus irgendeinem Grund wurde der Platz zur Ressourcenablage auf die andere Seite der Tafel versetzt. Zusätzlich gab es Änderungen an der Symbolik der Dächerwertung der Villen. Zuvor wurden nur vollendete Villen angezeigt, aber die Wertung daneben bezieht sich eben nicht auf die Villen selbst, sondern auf die Anzahl der Dächer in vollendeten Gebäuden. Und zwar pro Villa, was nun auch symbolisch nachzuvollziehen ist.

Übersicht Neu / Foto: Brettspielpoesie

Übersicht Neu / Foto: Brettspielpoesie

Interessant finde ich auch, dass in der Anleitung wirklich nur die notwendigen Abbildungen ersetzt und ausschließlich dringend erforderlicher Text angepasst wurde. Selbst die fragwürdige Grafik auf der Schachtelrückseite ist geblieben. Dort wurde anscheinend ein Bild vom Prototypen verwendet, das hätte ich von einem etablierten und erfahrenem Verlag wie Ravensburger nun wirklich nicht erwartet. Der Verlag kann sich glücklich schätzen, dass sie mit Carpe Diem ein richtig gutes Spiel erwischt haben, bei dem viele Spieler über die kleinen Problemchen hinweg sehen können. Selbst die Spiel des Jahres-Jury hat sich durch die überarbeitete Auflage offensichtlich erweichen lassen, denn ich glaube nicht, dass das ursprüngliche Spiel hätte nominiert werden können. Leider ist im Moment nicht eindeutig erkennbar, um welche Version es sich genau handelt, wenn man das Spiel im Laden entdeckt. Das dürfte sich aber erledigen, sobald das Spiel (mindestens) mit dem „Nominiert zum Kennerspiel des Jahres“ – Pöppel versehen wird.

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