Escape Tales – The Awakening

Cover / Foto: Kosmos

Ich bin in letzter Zeit dazu übergegangen euch Escape Room-Adaptionen für zu Hause im Paket vorzustellen, da die einzelnen Abenteuer sich lediglich thematisch unterscheiden und nur ab und an vielleicht ein neues Element einführen. Die unterschiedlichen Abenteuer einer Serie unterschieden sich jedoch zu wenig in den von mir festgelegten Kategorien einer Rezension, sodass ich mich häufig wiederholen müsste. Doch zu Escape Tales möchte ich heute gerne etwas ausführlicher werden, da es sich von den bisher vorgestellten Escape Room-Spielen doch etwas mehr unterscheidet. Bereits letzten Herbst wurde die englische Version von Board & Dice veröffentlicht, doch noch vor der Messe gab Kosmos die anstehende deutsche Version bekannt, weswegen ich lieber noch etwas gewartet habe. Der Zusatz auf dem Cover „Löst die Rätsel. Erlebt die Geschichte“ verrät schon ein wenig, in welche Richtung es geht.

Spielmaterial:

Die Box ist bei Kosmos in etwa doppelt so groß wie eine Exit-Schachtel, dafür gibt es auch mehr Spielzeit. Enthalten sind Kartenstapel in zwei unterschiedlichen Größen, deren Vorderseiten sich die Spieler nicht ansehen sollten, bevor sie dazu aufgefordert werden. Es ist ein kleiner Spielplan enthalten sowie einige rote Scheiben. Das Herzstück ist das Storybuch, indem die Spieler nachsehen, was sie gerade entdeckt haben. In diesem Heftchen steht die gesamte Geschichte, welche die Spieler im Laufe des Spiels erkunden wollen. Die einzelnen Textpassagen sind durchnummeriert, zur besseren Auffindung stehen die Nummern zusätzlich am Rand, sodass schnell durchgeblättert werden kann, ohne dabei zu viel zu erblicken.

Storybuch / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Die Geschichte fängt unheilvoll an, ihr spielt einen Vater, dessen Tochter im Koma liegt. Die Ärzte wissen nicht was los ist und die einzige Chance das kleine Mädchen zu retten ist scheinbar ein mystisches Ritual, welches ihr nun durchführen wollt. Bei diesem Escape Room-Spiel läuft keine Stoppuhr, dennoch gibt es einen Mechanismus, der die Spieler davon abhalten soll sich jede Ecke und jeden Winkel anzusehen. Ihr dürft jeden Raum nur ein Mal betreten, sobald er verlassen wird, gibt es kein zurück. In jedem Raum gibt es sechs oder zwölf Abschnitte, die ihr euch näher ansehen könnt. Das geschieht indem eine Scheibe platziert und die zugehörige Passage im Storybuch gelesen wird. Seid ihr auf der richtigen Spur, findet ihr meist Gegenstände oder erhaltet weiterführende Informationen. Habt ihr keine Scheiben mehr, gibt es nur die Verzweiflung, das sind spezielle Karten, die mehr Aktionsscheiben einbringen. Es wird nicht ohne gehen, doch kommen zu viele zum Einsatz, wird es Auswirkungen auf den Verlauf der Geschichte haben.

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Neben der Geschichte sind 28 Rätsel enthalten, diese setzen sich zumeist aus mehreren Karten zusammen, die zunächst gefunden werden müssen. Auf einer Webseite können die Lösungen eingegeben werden, dort gibt es auch Informationen wie viele und welche Karten notwendig sind sowie Hilfestellungen. Besonders die Anzahl Karten kann sehr hilfreich sein, um sich nicht zu verrennen, wenn ein Rätsel noch gar nicht gelöst werden kann.

Spielende:

Dieses Escape Room-Abenteuer hat nicht die eine Lösung, es gibt verschiedene Enden. Welches ihr davon erfahrt, liegt an euren Entscheidungen. Es gibt also gar kein richtig oder falsch. Dennoch fühlen sich manche Enden mehr nach einer Niederlage und andere eher nach einem Sieg an. Wobei die meisten Enden die Spieler eher bedrückt zurück lassen.

Spieleranzahl:

Wir haben dieses Spiel nur zu zweit gespielt. Das hat gut funktioniert und ich würde es wieder in dieser Besetzung spielen.

Glücksfaktor?

Wie so oft bei diesen Escape Room-Spielen ist wenig vom Zufall bestimmt, es erfordert viel mehr die Gabe Rätsel zu lösen und die nicht immer offensichtlichen Zusammenhänge zu erkennen. Es müssen zudem Entscheidungen getroffen werden, für die es keine offensichtlich beste Lösung gibt.

Fazit:

Wer bei den zuvor erschienen Escape Room Spielen vor allem die dürftige Geschichte bemängelt hat, der wird bei Escape Tales voll auf seine Kosten kommen. Die Geschichte steht hier im Vordergrund, die Spieler werden richtig in das Spiel hinein gesogen. Dabei wurde erreicht, dass sich die teilweise recht klassischen Rätsel nicht wie Fremdkörper anfühlen, sie passen immer in den Kontext. Die Rätsel sind durchweg logisch, manche sind leichter zu lösen, andere schwieriger. Aber das hängt sicherlich einfach von der eigenen Denkweise ab. Zusätzlich werden die Spieler Entscheidungen treffen, die den weiteren Spielablauf beeinflussen. Je nachdem welcher Weg eingeschlagen wird, sieht man vielleicht nicht jedes Rätsel, möglicherweise nicht einmal jeden Raum. Und die Entscheidungen sind nicht leicht zu treffen, schließlich geht es dabei teilweise um recht moralische Entscheidungen.

Jetzt könnte man denken, es wäre mehrfach spielbar, um beim nächsten Durchlauf andere Entscheidungen zu treffen. So wird es auch vom Verlag angepriesen. Doch sind die Unterschiede in meinen Augen dafür viel zu minimal, als dass ich erneut mehrere Sunden Zeit dafür aufwenden wollen würde. Denn die braucht man, wir haben etwa gut 5 Stunden mit diesem Abenteuer verbracht, in nur einem Durchlauf. Die Zeit verging dabei jedoch wie im Flug, es kam uns nicht annähernd so lange vor. Es läuft auch kein Timer, der die Spieler unter Druck setzt, man kann sich so viel Zeit nehmen, wie einem beliebt. Wer so viel Zeit nicht am Stück aufbringen kann, der kann beim Raumwechsel einfach pausieren, alles geordnet verpacken, um beim nächsten Anlauf an genau dieser Stelle weiter zu machen. Dafür sind zusätzliche Ziptüten für die Karten und eine Tabelle zum Eintragen des aktuellen Spielstandes in der Anleitung enthalten. Aber glaubt mir, das Spiel wird es euch nicht leicht machen, eine längere Pause einzulegen. Ich jedenfalls wollte unbedingt erfahren, wie die Geschichte ausgeht.

Leider ist nicht immer eindeutig, welcher Teil eines Raumes wirklich interessant ist. Das ist in meinen Augen nicht stringent durchgezogen. Manches Mal erschien uns eindeutig, wo wir hin gehen sollten oder gerade nicht, doch es war genau anders herum. Es wurde dann quasi zu einem Glücksspiel, in welchem Teil des Raumes wirklich näher hingesehen werden muss und wo sich nichts verbirgt. Dadurch wird Zeit verschwendet, die in Verzweifelung endet. Und diese hat wiederum Einflüsse auf das Ende der Geschichte. Ich bin mir nicht sicher, ob es diese Art der „Bestrafung“ wirklich benötigt. Das ist nun aber wirklich schon Kritik auf recht hohem Niveau. Wer ein Escape Room mit immersiver Geschichte sucht, der muss hier einfach zugreifen. Lediglich wer nur an Rätseln interessiert ist, könnte sich von der Geschichte ausgebremst fühlen. Zudem wird ein guter Vorleser benötigt, denn die Story steht ausschließlich im Buch, die Webseite bietet leider keine Sprachausgabe. Ein zusätzlicher Pluspunkt: Bei diesem Spiel wird nichts zerstört, nach dem eigenen Durchlauf, ob einfach oder mehrfach, kann das Spiel einfach weiter gegeben werden.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Kosmos Spiele
Autor(en): Jakub Caban, Matt Dembek, Bartosz Idzikowski
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 180 – 360 Minuten

Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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2 Gedanken zu “Escape Tales – The Awakening

  1. Pingback: Adventure Games – Monochrome AG / Das Verlies | Brettspielpoesie

  2. Hi Jakub,

    danke für den interessanten Einblick in di eWelt der Escape Games Brettspiele. Als ebenfalls, der über Freizeitaktivitäten berichtet (wenn auch Bdrettspiele), frage ich mich, was nun besser ist aus deiner Sicht, ein Escape Brettspiel oder doch ein Live Escape Room Game?
    Zuletzt, welches Escape Boardgame würdest du empfehlen? Das hier oben erwähnte Escape Tales oder ein Anderes?

    Danke im voraus.
    Wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit Brettspielpoesie.

    Nic Hammburg, Autor und Blogger OKHamburg.de

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