Wo geht’s hier zum Ausgang?! – No. 39

Schon viele Male habe ich euch unter dieser Rubrik Spiele vorgestellt, die einen Escape Room simulieren, die Spieler eine Geschichte erleben lassen oder bei denen die Spieler als Ermittler verstrickte Kriminalfälle lösen. Dabei handelt es sich um einen Trend, welcher vor einigen Jahren aufkeimte und bislang kein Ende zu finden scheint. Das ist auch gut so, denn mein Interesse an neuen Fällen ist ungebrochen und ich freue mich noch immer auf jeden neuen Fall für altbekannte Spielsysteme genauso wie darauf, völlig neue Ideen in diesem Genre zu erkunden. Heute geht es bei CRIMECASES um ein neues Ermittlerspiel mit gleich zwei aufzuklärenden Todesfällen, einem neuen Escape Room-Spiel auf hoher See und der Fortführung eines Abenteuerbuches sowie einer etablierten Detektivspiel-Reihe.

CRIME CASES Fall 1: Kunstfehler

Crime Cases: Kunstfehler Cover
Kunstfehler – Umschlag/ Foto: Brettspielpoesie

Bei Crime Cases handelt es sich wieder eine neue Umsetzung eines Ermittlerspiels, bei dem die Spieler zu Beginn viel Beweismaterial vorgelegt bekommen und anhand dessen einen Kriminalfall lösen sollen. Beim Start des Spiel wird der gewünschte Schwierigkeitsgrad abgefragt. Einsteiger, Mittel und Profi stehen als Optionen zur Wahl, wir haben uns natürlich direkt an Profi gewagt. Laut Beschreibung orientiert sich daran, wie viel Hilfestellungen die Spieler bekommen. Als nächstes ist eine Telefonnummer anzugeben, die auch während des Spiels erreichbar ist. Es folgt die Einleitung des Kommissars, der unsere Hilfe benötigt. Dieser wirkt mit seinem süddeutschen Akzent wirklich sympathisch und ist einem Bierchen niemals abgeneigt, weswegen er auch Hilfe benötigt, um seinen Feierabend genießen zu können.

Crime Cases: Kunstfehler Spielmaterial
Crime Cases: Kunstfehler Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Bei einer Kunstgala in Gretenburg kam es gleich zu zwei unerklärlichen Todesfällen. Noch ist unklar, ob dies ein Zufall ist oder beide Morde zusammen hängen. Es sind dieselben Personen, die für beide Todesfälle in Frage kommen. Ihre Motive und Alibis helfen dabei, sie als Täter auszuschließen oder festzusetzen. Eine Verdächtigenliste und ein Plakat aller Personen hilft dabei, dies zu strukturieren. Das Material ist vielfältig, verschiedenes Papier kam bei den Dokumenten zum Einsatz und lässt die Beweisstücke realistisch wirken. Auch die Online-Inhalte sind gut umgesetzt. Etwas unglücklich empfand ich die Unterteilung in vier Einzelfragen, die in vorgegebener Reihenfolge gelöst werden sollten, um darüber die Hilfestellungen zu optimieren. So haben wir zunächst in andere Richtungen ermittelt und die Anrufe kamen nicht so ganz zur rechten Zeit.

In meinen Augen ist CRIME CASES mit Kunstfehler ein guter Einstieg in das Genre gelungen. Sie machen vielleicht nichts vollkommen neuartig, haben aber einen gut durchdachten und liebevoll ausgestatteten Fall erschaffen. Dieser ist nicht vollkommen offensichtlich, aber gut lösbar, ohne logische Inkonsistenzen. Ein paar mehr falsche Fährten könnten gerne noch eingebaut werden, um das Ermittlererlebnis noch besser zu machen. Ich bin sehr gespannt auf weitere Fälle dieser Serie.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Momentum Games
Autor(en): k. A.
Erscheinungsjahr: 2022
Spieleranzahl: 1+ Spieler
Dauer: 90 – 120 Minuten

Vielen Dank an Momentum Games für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Gefahr aus der Tiefe

Gefahr aus der Tiefe Cover
Gefahr aus der Tiefe Cover / Foto: moses.

Der moses.-Verlag hat schon verschiedene Escape Room-Serien auf den Markt gebracht, mit Gefahr aus der Tiefe kommt nun der vierte Ansatz, Escape Room-Feeling für zu Hause zu erschaffen. Der Originalverlag ist Professor Puzzle, dem wir auch schon Das geheimnisvolle Grand Hotel zu “verdanken” haben. Entsprechend war ich zunächst skeptisch. Die Aufmachung hebt sich aber bereits davon ab, das Spielmaterial ist nicht auf unterschiedliche Umschläge aufgeteilt. Stattdessen beinhaltet die rechteckige Spielschachtel drei kleine Handbücher und einen Bauplan des U-Boots, auf dem sich die Spieler befinden. Die Jagd nach einem gefährlichen Agenten hat euch dorthin geführt und schon bald seid ihr eingeschlossen und die Raketen startbereit. Eure Aufgabe besteht darin zu entkommen, den Raketenstart zu verhindern und den Agenten zu schnappen, bevor er noch mehr Unheil ausüben kann.

Gefahr aus der Tiefe Spielmaterial
Gefahr aus der Tiefe – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Die Karten führen die Spieler von Rätsel zu Rätsel. Als Antwort ist immer ein Buchstabe oder Symbol gesucht. Zu dem Symbol lässt sich ein Feld freirubbeln, welches bei Erfolg auf die folgende(n) Karte(n) verweist oder einen Fehler anzeigt. In einem solchen Fall, muss noch weiter getüftelt werden. Wer mal nicht alleine weiter kommt, kann zu jedem Rätsel zwei Tipps und zur Not auch die Lösung freirubbeln. Entsprechend ist dieses Spiel nur einmalig spielbar und lässt sich nicht ohne weiteres an andere Gruppen weitergeben.

Anfangs fühlten wir uns etwas verloren, weil wir nicht richtig einordnen konnten, was man nun genau von uns möchte. Wenn man das erst einmal begriffen hat, lässt sich das Spiel gut lösen. Wir haben auch nahezu die angegeben zwei Stunden Spielzeit benötigt, um den Auftrag zu erfüllen. Der Gesamteindruck ist positiv. Für meinen Geschmack waren viele Rätsel leider zu technisch oder mathematisch. Alleine hätte ich mich wohl etwas überfordert gefühlt. Zu zweit konnten wir uns gut ergänzen.

Auf diesem Niveau kann es gerne weitere Escape Room-Spiele geben. Auch wenn es etwas schade ist, dass bei einer so großen Schachtel mit entsprechendem Preis das Spielmaterial zerstört wird. Aber zumindest ein Utensil heben wir auf und es wird uns sicherlich noch in vielen anderen Escape Room-Spielen nützlich sein.

Wertungsnote 4/6

Verlag: moses.
Autor(en): Elliot Humphries, James Smith
Erscheinungsjahr: 2022
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 120 Minuten

Vielen Dank an moses. für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Cantaloop – Buch 2: Ein ausgehackter Plan

Cantaloop 2 Cover
Cantaloop 2 – Cover / Foto: Lookout

Richtig viel Spaß hatten wir letztes Jahr mit Cantaloop – Teil 1, entsprechend freudig war ich nun darüber, den zweiten Teil zu erleben. Doch leider stellte sich schon bald Ernüchterung ein. Wieder steuern wir Hook, und dieses Mal auch seine zwei Komplizen, durch verschiedene Orte Cantaloops. Wir finden Objekte, können diese miteinander, mit Orten oder Personen kombinieren. Durch diesen Fortschritt kommen wir in der Geschichte voran. Es gibt allerdings auch Auszeichnungen für besonders “dämliche” Kombinationen. Diese zu finden macht uns mindestens genauso viel Spaß. Soweit, so bekannt. Es hätte also ein richtig tolles Erlebnis werden können.

Cantaloop 2 Buch
Cantaloop 2 – Buch / Foto: Brettspielpoesie

Wenn man sich das Poster für die Objektkombinationen anschaut, so ist dieses viel kleiner geraten, als bei Teil 1. Für die meisten absurden Kombinationen gibt es einfach keine Einträge. Das finde ich ein wenig schade. Auf der anderen Seite gibt es zwei Zusatzseiten im Buch, auf denen jede Menge irrelevante Codes zu finden sind. Da passt das Verhältnis für mich einfach nicht.

Auf einer Seite haben sich gleich mehrere Fehler eingeschlichen. Das ist dem Verlag bewusst und sie bieten auf ihrer Webseite eine PDF-Datei mit der korrigierten Seite an. In unserem Exemplar lag eine solche Zusatzseite bereits bei.

Cantaloop 2 Ersatz
Cantaloop 2 – Ersatz / Foto: Brettspielpoesie

Wir hatten aber das Gefühl, dass an mehreren Stellen nicht alles komplett durchdacht wurde. Wir hatten einige Texte, die wir erst später aufgesucht hatten, als es wohl vorgesehen war und dort passten die Inhalte dann nicht mehr so wirklich zum aktuellen Spielgeschehen. An vielen Stellen gibt es konkrete Anweisungen zu einem Dialog zu gehen, bei manch anderen fehlt diese Aufforderung und man muss selbst aktiv die Dialoge aufsuchen, um zu sehen ob neue Texte verfügbar sind. Gefühlt war das im ersten Teil besser aufgebaut, die Erinnerung kann mir dabei aber auch einen Streich spielen.

Am meisten stören mich jedoch diverse Mini-Spiele innerhalb des Spiels. Es fühlt sich so an, als hätte man damit versucht noch eine weitere Ebene in das Spiel zu integrieren, bei mir kam das aber nicht gut an. War es anfangs noch ganz nett, diese Aufgaben zu lösen, wurde es mit jeder weiteren Aufgabe komplexer und zeitaufwändiger sie zu lösen. Leider kommen diese Aufgaben auch immer gebündelt und werden nicht nur mal zwischendurch eingeschoben. Es wurde zu einer Knobel-Aufgabe, die ich vielleicht noch gerne digital löse, aber keineswegs analog, weil dort der Verwaltungsaufwand zu groß ist. Klar, kann man diese Aufgaben einfach überspringen, aber das verdirbt einem dennoch ein wenig das Spielerlebnis. Vor allem durch diese Aufgaben, hat mich Cantaloop eher etwas enttäuscht hinterlassen. Natürlich möchte ich noch immer wissen, ob der Coup im dritten Teil gelingen kann, doch hoffe ich dabei sehr auf Rückkehr zu Altbewährtem. Gerne dürfen auch neue Ideen einfließen, wenn sie das Spielprinzip unterstützen und nicht ausbremsen, wie in diesem Teil. Diese Gratwanderung ist sicherlich nicht einfach, aber ich baue auf den Autoren und seine Kreativität.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Lookout Spiele / Vertrieb: Asmodee
Autor(en): Friedemann Findeisen
Erscheinungsjahr: 2022
Spieleranzahl: 1+ Spieler
Dauer: 300+ Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Decktective – Den Tod kann man nicht betrügen

Decktective Tod Cover
Decktective Tod – Cover / Foto: Abacus

Mit Den Tod kann man nicht betrügen existiert bereits der fünfte Decktective-Fall, der nicht nur aus einem sortierten Kartenstapel besteht, sondern auch aus der Spielschachtel einen 3D-Tatort kreiert. Dieser zeigt einen Pokertisch mit vier Leichen. Das Casino ist noch gar nicht eröffnet und es ist eure Aufgabe die Tode aufzuklären, bevor das FBI einfällt und euch den Fall entreißt.

Zum ersten mal haben wir uns zu sechst an einen solchen Fall gewagt. Zu Beginn haben alle fröhlich ihre Karten abgelegt und deren Informationen den anderen vorenthalten, da hatte ich schon etwas Sorge wohin uns das führen wird. Es ermöglichte das Ausspielen vieler weiterer Karten direkt hintereinander, doch zum Ende hin wurde es noch einmal knapp und ein Spieler konnte seine als wichtig eingeschätzte Karte nicht mehr spielen. Obwohl es kurz vor Ende der Partie war, gelang es ihm nicht, sich vollständig korrekt an diese zu erinnern. Das ist nämlich die Sache bei Spielen dieser Art: Zwar darf man, nachdem Ausspielen aller Karten, auch über die abgelegten reden, aber sich vollständig korrekt zu erinnern gelingt nicht immer und auch nicht jedem. So manches Detail bleibt dabei gerne auf der Strecke, welches sich hinterher als essentiell herausstellen können.

Decktective Tod 3D-Aufbau
Decktective Tod – 3D-Aufbau / Foto: Brettspielpoesie

Leider ist es uns nicht gelungen den gesamten Fall korrekt aufzulösen. Es gibt da einige Plottwists, denen wir leider in unserer Vorstellung nicht ganz folgen konnten. Obwohl wir eigentlich viele entscheidende Details bemerkt hatten, die uns zum korrekten Schluss hätten führen können. Aber es gelang uns nicht diese konsequent zu Ende zu denken. Um einen entscheidenden Hinweis zu erhalten, hätte das Spielmaterial auf eine Weise untersucht werden müssen, von der uns nicht bewusst war, das dies erlaubt sei. Vielleicht denken wir in dieser Hinsicht zu regelkonform, was uns daran hindert über den Tellerrand hinaus zu schauen.

Dennoch war es insgesamt eine interessante Ermittlung. Im direkten Vergleich mit aktuellen Sherlock-Titeln gab es Uneinigkeit bei der Bewertung innerhalb unserer Spielegruppe. Manchen präferieren Sherlock mit den zufälligen Karten, andere Decktective mit dem 3D-Aufbau. Das bestätigt mich wieder darin, dass beide Serien ihre Daseinsberechtigung haben und beide ihre Fans finden.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Abacusspiele
Autor(en): Martino Chiacchiera, Silvano Sorrentino
Erscheinungsjahr: 2022
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Abacusspiele für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


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