Dive

Dive Cover
Dive Cover / Foto: Pegasus Spiele

Das Meer so tief, das Wasser so klar,
alles weit zu erkennen, ganz wunderbar.
Doch schnell stellt man dann fest,
das sich gar nicht gut erahnen lässt,
welche Tiere es wo gibt zu entdecken,
wo man sich sollte vor Haien verstecken.
Nur wer den besten Überblick behält,
am Ende die meisten Punkte für sich zählt.

Spielmaterial:

Das Spielmaterial hat eine tolle Tischpräsenz. Die 36 Ozeankarten stellen auf einem Pappgerüst zufällig in beliebiger Ausrichtung aufeinander gestapelt den tiefen Ozean dar. Ein weißes Kartonstück als Unterlage sorgt für Spielbarkeit unabhängig vom Untergrund. Jeder Spieler bekommt einen Sichtschirm und eine Spielertafel. Die Sichtschirme sind zauberhaft illustriert, doch leider sind die Spielertableaus etwas zu lang, um dahinter im Verborgenen zu bleiben. Zusätzlich gibt es fünf beidseitig bedruckte Luftmarker aus Holz mit den Werten von 1 bis 5, eine Taucherfigur und eine Muschel für jeden Spieler. Die Gefährten-Plättchen kommen nur in der Variante zum Einsatz. Die zusätzliche schwarze Taucherfigur, die beiden Luftblasen-Marker und die Häuptlingskarten sind für das Solo-Spiel dabei. Sämtliches Spielmaterial hat seinen festen Platz im eigens dafür designten Inlay.

Dive Ozeankarten
Dive Ozeankarten / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Vor uns liegt der tiefe Ozean, repräsentiert durch einen Stapel größtenteils transparenter Karten. Die einzelnen Ebenen davon versuchen die Spieler Runde für Runde korrekt einzuschätzen, um dadurch Punkte zu sammeln. Die Taucher interessieren sich auf jeder Ebene dafür, ob sich ein Hai dort tummelt, oder auch nicht. Die fünf Tauchmarker eines jeden Spielers zeigen auf einer Seite nur eine Zahl zwischen 1 und 5, auf der anderen zusätzlich einen Hai. Verdeckt hinter einem Sichtschirm platzieren alle geheim ihre Tauchmarker, maximal für die folgenden fünf Ebenen.

Dive Spielübersicht
Dive Spielübersicht / Foto: Brettspielpoesie

Sind alle fertig wird Ebene für Ebene aufgedeckt und ausgewertet, ob sich dort ein Hai befindet. Bei falscher Einschätzung endet der Tauchgang für den jeweiligen Spieler. Für alle anderen geht es weiter. Befinden sich zudem Schildkröten oder ein Rochen auf der Ebene, erhält der Spieler einen Bonus, dessen Marker auf dieser Position die höchste Gesamtzahl zeigen. Um einen hohen Gesamtwert zu erzielen, können auch mehrere Luftmarker einer Ebene zugewiesen werden. Dadurch können die Spieler pro Runde unterschiedlich viele Ebenen tief tauchen.

Dive Spielertableau
Dive Spielertableau / Foto: Brettspielpoesie

Schildkröten bringen ein oder zwei zusätzliche Punkte ein, der Rochen lässt eine Figur auf der Punkteleiste bis zur nächsten Spielerfigur schwimmen. Zusätzlich zu diesen Boni wird jede korrekt eingeschätzte Ebene am Ende der Runde mit einem Punkt belohnt. Ab 15 Punkten wird es kniffelig, dann wird im tiefen Wasser getaucht, was nichts anderes bedeutet, als das ein Planungsfehler dazu führt, in dieser Runde keine Punkte am Rundenende zu erhalten, auch nicht für zuvor korrekt eingeschätzte Ebenen.

Dive Spielsituation
Dive Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Es gibt mehrere Optionen das Spiel anzupassen. Mit jüngeren Kindern kann auf die Sonderregel im tiefen Wasser genauso verzichtet werden, wie auf den Bonus der Schildkröten und Rochen. Die Gefährten, von denen jeder einen pro Partie wählt, bieten dem Besitzer einen einmalig ausführbaren Spezialeffekt.

Spielende:

Erreicht ein Spieler 23 oder mehr Punkte, endet die Partie nach dieser Runde. Es gewinnt, wer auf der Punkteleiste am weitesten vorangekommen ist. Alternativ endet die Partie, wenn alle Ozeankarten gespielt sind. In diesem Fall gewinnt, wer bis dahin die meisten Punkte sammeln konnte.

Spieleranzahl:

Bis zu vier Spieler können bei Dive gegeneinander antreten, es gibt keinerlei Anpassungen für unterschiedliche Spielerzahlen. Nur die Solo-Variante funktioniert anders, dabei kommen Karten zur Simulation eines Gegenspielers zum Einsatz. Dieser Gegenspieler plant immer richtig, die Karten geben nur an wie viele Ebenen er vorrückt und mit welchen Werten sich der Spieler messen muss, um den Bonus der Schildkröten/Rochen zu erhalten. Das erscheint mir nicht reizvoll, mir gefällt bei Dive vor allem das gemeinsame Erlebnis beim Aufdecken der einzelnen Ebenen.

Glücksfaktor?

Gute Tiefenwahrnehmung und ein Quäntchen Glück sind bei Dive erforderlich, um die Ebenen gut einzuschätzen. Zudem sollte der Ozeanstapel gut ausgeleuchtet sein. Da man den besten Blick von oberhalb des Ozeanstapels hat, scheitert die gute Ausleuchtung jedoch meist daran, dass man sich mit dem eigenen Kopf selbst das Licht nimmt.

Meinung:

Unterwasserspiele gab es zuletzt einige, aber in den wenigsten davon geht es um den Tauchvorgang an sich. Dieser wurde bei Dive in den Mittelpunkt gestellt. Die Spielidee kling zunächst total spannend: In einem aus diversen größtenteils transparenten Karten bestehenden Ozean zu erahnen, welche Meerestiere sich auf den einzelnen Ebenen befinden. Die Aufgabe entpuppt sich prompt als gar nicht so einfach. Vor allem, da der Ozean so schwer einzusehen ist. Die Auflösung bietet immer wieder kleine Spannungsmomente. Entweder sprudelt Freude aus den Spielern heraus oder sie ärgern sich darüber, daneben gelegen zu haben. Dabei war man sich doch so sicher!

Eigentlich könnten alle parallel planen, doch in der Praxis funktioniert es eigentlich nur nacheinander so richtig gut ohne gegenseitig Kopfnüsse zu verteilen. Schnell wird klar, dass es auch noch auf den “Einsatz” pro Ebene ankommt, um sich von den Schildkröten und Rochen pushen zu lassen. Der Rochen hilft vor allem abgeschlagenen Spielern noch den Anschluss zu bekommen. Dadurch muss keiner früh gefrustet aufgeben. Es ist fast ein kleines Pokerelement, die Mitspieler richtig einzuschätzen, wann es sich lohnt hohe Werte zu setzen oder wann man sich lieber mit den bis zu fünf Punkten der fünf Ebenen zufrieden gibt.

Im tiefen Gewässer wird es riskanter viele Ebenen tief zu tauchen, denn bei nur einem Fehler gibt es keine Belohnung mehr für vorherige Ebenen. Doch wirklich anders fühlt sich auch diese Phase des Spiels nicht an. Es passiert während einer Partie in jeder Runde dann doch irgendwie immer dasselbe. Ich hatte nicht das Gefühl nach mehreren Partien ein besseres Gefühl für die Einschätzung zu bekommen. Auf der obersten Ebene lassen sich die Meerestiere noch gut erkennen, darunter wird es für mich unklarer was sich auf der zweiten, dritten oder vierten Ebene befindet. Irgendwie hatte ich mir etwas mehr Spiel, oder zumindest Spielspaß erwartet. Durch die schwierige Ausleuchtung bleibt es leider immer eher anstrengend in Erinnerung. Keine unserer Spielgruppen forderte direkt eine weitere Partie.

Die Gefährten ändern auch nicht viel am Spielgefühl, sie machen die Partien durch die speziellen Effekte nur unausgeglichener. Das frustriert umso mehr. Der Wiederspielreiz ist leider nicht mehr sonderlich hoch, wenn der Reiz des Neuartigen erst verflogen ist. Es bleibt ein Hingucker, um vor allem weniger spielerfahrene Spieler an den Spieltisch zu bringen, aber ein Dauerbrenner wird es bei uns nicht werden.

Fazit:

Dive entpuppt sich als wahrer Hingucker, doch verpufft dieser Effekt leider schnell. Das Spielprinzip ist beim ersten Mal noch irgendwie neuartig und interessant, nutzt sich jedoch schnell ab, da immer dasselbe geschieht. Daran können auch die erhaltenen Varianten kaum etwas ändern.

Wertungsnote 3/6

Verlag: SitDown! / Pegasus Spiele
Autor(en): Romain Caterdjian, Anthony Perone
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 20 – 40 Minuten

Vielen Dank an Pegasus Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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