Vienna Connection / DUNE – Geheimnisse der Häuser

Die beiden Titel, die ich euch heute vorstellen möchte, hätten auch gut in die Rubrik Wo geht’s hier zum Ausgang?! gepasst. Beide basieren auf demselben, erfolgreichen Spiel, welches 2019 zum Kennerspiel des Jahres nominiert war: Detective – Ein Krimi-Brettspiel. Während Vienna Connection von sich selbst behauptet auf dem sogenannten Detective Ermittlungssystem zu basieren, ist DUNE – Geheimnisse der Häuser laut Angabe auf der Schachtel “inspiriert vom Bestseller Detective“. Beide sind als Kennerspiele ausgezeichnet, mit einer angegebenen Spielzeit von 120 – 180 Minuten. Nachdem mich Detective – Erste Fälle nicht so recht überzeugen konnte, da es für meinen Geschmack zu weit herunter gebrochen wurde und dabei zu viel von seinem ursprünglichen Charme verlor, war ich gespannt ob dies nun besser gelungen ist.

Vienna Connection

Vienna Connection Cover
Vienna Connection – Cover / Foto: Pegasus Spiele

Vienna Connection führt die Spieler als Agenten in die Zeit des Kalten Krieges, ein Setting welches ich als geschichtsinteressierter Mensch grundsätzlich spannend finde. Das scheint den Autoren des Spiels ähnlich zu ergehen, denn die im Spiel verpackten Geschichten triefen nur so vor Begebenheiten mit realem Hintergrund. Geschichtliches Vorwissen ist für das Erleben dieses Spiels nicht erforderlich, aber schadet sicherlich auch nicht, wie es sogar in der Anleitung heißt.

Spielmechanismus:

Wieder gibt es einen dicken Kartenstapel, dessen Karten die Spieler zusammen mit der Antares Datenbank vier unterschiedliche Missionen erleben lassen. Doch ist die Einbeziehung der Datenbank hier viel unbedeutender, was aber auch irgendwie thematisch passt, denn stattdessen gibt es einen dicken Stapel Papier-Akten in Din A4-Größe. Jede Menge Papier zu durchforsten entspricht sicherlich eher den Ermittlungsmethoden in den 70er Jahren. Manche dieser Akten protokollieren Mitschnitte von Abhör-Manövern, die sich zusätzlich über die Antares-Datenbank vertont ausgeben lassen. Beim Abhören der osteuropäischen Spione fühlt man sich dann so richtig in die Zeit des Kalten Krieges versetzt.

Vienna Connection - Spielsituation
Vienna Connection – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Das standardisierte Papp-Tableau zum Wechsel von Orten wurde ersetzt durch vier unterschiedliche Papiertableaus mit bis zu vier verschiedenen Zonen. Es ist also kein Ortswechsel mehr erforderlich, die Karten verbrauchen auch keine Zeit mehr. Stattdessen versuchen die Agenten nicht aufzufallen, doch jede Spur die sie verfolgen führt zu Enthüllungen bis die Aktivitäten von ausländischen Geheimdiensten entdeckt werden, wodurch die Ermittlungen zu beenden sind. Je nach Mission sind verschieden viele Enthüllungen in den Zonen mit sicheren oder öffentlichen Orten, der kriminellen Unterwelt bzw. Polizei sowie Orten mit zu erwartender Gegenspionage möglich. Dazu passend gibt es als Holz-Ressourcen Geld sowie Kontaktmarker für Presse, Unterwelt und Auslandsnachrichtendienst.

Vienna Connection - Ressourcen
Vienna Connection – Ressourcen / Foto: Brettspielpoesie

Allgemeine Charaktere, die nicht mehr den einzelnen Spielern zugewiesen sind, bringen bestimmte Ressourcen mit. Das Verfolgen mancher Spur kann ebenfalls Ressourcen einbringen. Andere Spuren hingegen kosten zusätzliche Marker, um ihnen folgen zu können. Außerdem gibt es pro Fall drei hilfreiche Operationen, für deren Ausführung ebenfalls bestimmte Ressourcen gefordert sind.

Es gibt aber auch neuartige Spielelemente. Zu jedem Fall gibt es eine andere Codekarte, mit derer sich geheime Botschaften entschlüsseln lassen, so richtig oldschool eben. Das fühlt sich zwar manchmal etwas nach Fleißarbeit an, wirkt aber zugleich schön thematisch. Ebenso wie die Spionage-Herausforderungen bei denen die Spieler hin und wieder nach dem Umdrehen einer Karte zu Details der Vorderseite befragt werden, welche aus dem Kopf zu beantworten sind. Wer nicht aufpasst, muss mit den Konsequenzen leben.

Vienna Connection Screenshot
Vienna Connection – Screenshot / Foto: Brettspielpoesie

In der Antares-Datenbank warten zudem Puzzle-Fragmente darauf entdeckt zu werden. Auf manchen Karten oder Akten befinden sich Zahlen in bunten Formen und einige Buchstaben eines Wortes. Mehrere solcher Hinweise ergeben dann den gesamten Zahlencode und auch das Lösungswort, um inhaltlichen Fortschritt festzuhalten. Während Detective den Spielern wirklich eine Wahl lässt, welche Handlungsstränge sie verfolgen und ihnen abverlangt gefundene Informationen eigenständig in Beziehung zueinander zu stellen, nimmt Vienna Connection den Spielern diese Aufgabe dadurch ein Stück weit ab. Es verheimlicht dabei nicht einmal ansatzweise völlig abstrakt zu sein. Beim Abschluss eines Falls wird es dann noch absurder, denn plötzlich können die Spieler Entscheidungen treffen, selbst wenn sie bestimmte Personen oder Orte gar nicht aktiv verfolgt haben. Hier fehlt leider ein wenig der Bezug zwischen den wirklich erlebten Inhalten und dem grundsätzlichen Fortschritt des Spiels.

Meinung:

Es hätte so schön werden können: Ich bin begeistert vom Detective-Spielprinzip und mag Agenten-Storys zu Zeiten des Kalten Kriegs gleichermaßen, da erschien Vienna Connection ein kleiner Stern am Himmel zu werden. Anfangs war ich auch noch relativ begeistert vom Spielerlebnis und den neuen Spielelementen wie Verschlüsselungen, Puzzle-Fragmenten oder Spionage-Herausforderungen. Doch leider erlosch dieser Eindruck schon während der ersten der vier enthaltenen Fälle und eine gewisse Enttäuschung machte sich breit. Die neuen Elemente kommen nur sporadisch zum Einsatz. Was ich zunächst als spannendes Puzzle-Element bewertete, entpuppte sich schnell als ein einfaches Tracking-System des Fortschritt ohne wirkliches Puzzle für die Spieler. Mir erklärt sich auch nicht, warum das Spiel darauf angelegt ist, das Material zu verbrauchen. Zwar sind die Tableaus für die einzelnen Missionen doppelt enthalten, ohne das Material zu kopieren oder nicht dauerhaft zu beschreiben, wäre nach zwei Durchläufen jedoch keine Wiederspielbarkeit mehr gegeben, was mir unnötig erscheint.

Ein weiterer Grund für die Enttäuschung ist die unzureichende Sorgfalt bei der deutschsprachigen Umsetzung. Während ich über kleinere Tipp- oder Grammatik-Fehler noch ganz gut hinwegsehen könnte, so haben sich hier leider massive Fehler eingeschlichen, die das Spielgefühl trüben. Das beginnt bei wechselnden Übersetzungen für ein und dieselbe Sache. In einem Spiel, bei dem es um das Ver- und Entschlüsseln von Informationen geht, steht man nämlich jedes Mal vor der Frage ob ein Fehler bewusst platziert oder schlicht auf Schlampigkeit zurückzuführen ist.

Ebenso lassen sich diverse Fehler bei Datumsangaben finden, bei denen auch schnell die Frage aufkommt, ob dies nun ein bewusster Hinweis oder ein unglücklicher Fehler ist. Es gipfelt darin, dass eine Verschlüsselung gar nicht aufzulösen ist, weil bei der Übersetzung etwas komplett schief gelaufen sein muss. In der englischen Ausgabe kommt man mit exakt derselben Entschlüsselung zu einem sinnvollen Ergebnis. In der deutschen Version ist das Ergebnis eine zufällige Aneinanderreihung von Buchstaben, die überhaupt keinen Sinn ergibt. Es dauert jedoch, bis man akzeptiert auf einen Fehler im Spiel gestoßen zu sein, jedenfalls war es bei uns der Fall. Zuvor wurde alles mehrfach überprüft, die Partie zog sich in die Länge, was einfach nur fürchterlich frustrierend war.

In der Antares Datenbank sind wir auf technische Störungen und Unstimmigkeiten gestoßen, die einem in ihrer Häufung irgendwann den Spielspaß nehmen. Da unser Spielerlebnis bereits kurz nach Veröffentlichung erfolgte, können diese bei den Online-Inhalten mittlerweile abgestellt sein, das kann ich natürlich nicht beurteilen. Unsere Erfahrung war einfach sehr enttäuschend durch die enorme Häufung der Unstimmigkeiten. Das zieht die Bewertung leider hinunter, aber so wie wir Vienna Connection erlebten, kann ich es nicht uneingeschränkt empfehlen. Obwohl ich das Setting nach wie vor spannend finde und die thematische Umsetzung der Missionen auch durchaus interessant empfand. Ich würde mir wirklich weitere Umsetzungen wünschen, aber eben auch, dass weitere Fälle redaktionell besser betreut werden.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Portal Games / Pegasus Spiele
Autor(en): Ignacy Trzewiczek, Jakub Poczęty, Przemysław Rymer, Jakub Łapot
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 5 Spieler
Dauer: 120 – 180 Minuten


DUNE – Geheimnisse der Häuser

Dune - Geheimnisse der Häuser Cover
Dune – Geheimnisse der Häuser – Cover / Foto: Pegasus Spiele

Trotz des eher negativ geprägten Erlebnis mit Vienna Connection, waren wir gespannt auf das nächste Spiel in diesem Universum. DUNE – Geheimnisse der Häuser knüpft inhaltlich an die Geschichten des aktuellen Dune Kinofilms an. Es wird ein Erzählstrang aus den Büchern beleuchtet, der in den Filmen keine große Rolle spielen soll. Auch wenn wir zuvor nur bedingt Interesse am DUNE-Universum hatten, nahmen wir dieses Spiel zum Anlass eines Kinobesuchs, um danach die Geschichte mit diesem Spiel weiter verfolgen zu können.

Spielmechanismus:

Neben dem gewohnten Kartendeck gibt es hier ein weiteres mit kleineren, quadratischen Karten, dem sogenannten Hinweisdeck. Diese Kärtchen zeigen Abbildungen relevanter Personen, Orte oder Gegenstände, sind aber mehr als Gimmick anzusehen. Mir hat sich der Mehrwert dieser Kärtchen jedenfalls nicht wirklich erschlossen. Außer den Spielern Bilder in den Kopf zu setzen, wenn sie selbst nicht über ausreichend Fantasie verfügen.

Dune - Geheimnisse der Häuser Spielsituation
Dune – Geheimnisse der Häuser Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Bis zu vier Spieler bekommen einen Charakter für alle drei Kapitel und den vorangehenden Prolog zugewiesen. Die Charaktere sollen sich entwickeln. Dazu liegen Aufkleber mit interessanten Boni für folgende Partien bei. Die Charaktere bekommen aber kein wirkliches Profil. Sie bringen eben Ressourcen ein, welche erforderlich sind um bestimmte Begegnungen haben zu können. Jede Begegnung kostet hier einfach eine Zeiteinheit, nach dem Verbrauch aller Zeiteinheiten, erfolgt der Abschlussbericht. Ein weiteres Element sind die Konsequenzen, die manche Begegnungen mit sich bringen können. Dafür liegen Konsequenz-Marker bei, die zufällig bestimmen ob eine Konsequenz eintritt oder nicht. Die Konsequenzleiste bestimmt am Ende der Partie darüber wie viele Erfahrungspunkte die Spieler verwenden können, um neue Fähigkeiten zu erlernen, die als Sticker auf die Charakterbögen kommen. Im letzten Kapitel wird die Konsequenzleiste dann durch eine Siegpunktleiste ersetzt.

Dune Screenshot Filmbuch
Dune Screenshot Filmbuch / Foto: Brettspielpoesie

Manche Karten geben Nummern für Geschichten und Filme an, die über die Dune-Datenbank abrufbar sind. Doch bieten die Filme nur einzelne Text-Inhalte, die nach einer Startanimation nach und nach eingeblendet werden, während bei den Geschichten fortlaufender Text auf englisch vorgelesen wird, während deutsche Untertitel durchs Bild laufen. Oft mussten wir pausieren, um die Inhalte komplett zu erfassen. Ich sehe keinen Mehrwert darin die Webseite zu diesem Zweck aufzurufen, gegenüber der Möglichkeit diese Informationen in gedruckter Form vorliegen zu haben. Es scheint fast, als hätte man versucht mit aller Kraft digitale Inhalte einzubinden, ob sinnvoll oder nicht.

Meinung:

Bei Vienna Connection empfanden wir die eigene Ermittlungstätigkeit und Notwendigkeit zur Kombination gefundener Hinweise schon sehr gering, aber DUNE – Geheimnisse der Häuser fühlt sich vom spielerischen Gehalt her noch viel banaler an. Es scheint völlig egal zu sein, was die Spieler entdecken und welche Entscheidungen sie treffen, die Geschichte geht einfach weiter. Es werden Fragen aufgeworfen, deren korrekte Beantwortung nicht wirklich interessiert und die oft nicht mal umfassend aufgelöst werden. Ressourcen sind auch hier notwendig um bestimmte Begegnungen auslösen zu können, doch haben wir nur selten einen Mangel an Ressourcen verspürt. Es gab immer lohnende Alternativen und viele Fähigkeiten sorgen für ausreichenden Nachschub.

Leider hat sich bei DUNE – Geheimnisse der Häuser ebenfalls so mancher Fehler eingeschlichen, was mit etwas mehr Sorgfalt vermeidbar gewesen wären. Auf einer Karte ist z. B. plötzlich von Gewürz die Rede, obwohl sicherlich das in DUNE knapp vorhandene Spice gemeint war. Ein ganz klassischer Übersetzungsfehler, der eigentlich nicht durch die Qualitätskontrolle kommen dürfte. Die dauerhaften Veränderungen der Spielertableaus sollen sicher ein besonderes Highlight darstellen, vielleicht sogar etwas Legacy-Atmosphäre versprühen, aber dadurch wird unnötigerweise eine ansonsten problemlos mögliche Wiederspielbarkeit verhindert.

Die Geschichte ist hingegen wirklich gut geschrieben. Sie nimmt die Spieler mit auf eine spannende Reise durch einen unbekannteren Teil des DUNE-Universums, in eine Welt voller Freundschaften und Bündnisse, Lügen und Intrigen. Viele Charaktere, ihre Familien und ihre Verbindungen untereinander sind gelungen geschrieben, es ist spannend ihr Schicksal zu erleben und die einzelnen Abschnitte bieten viel Raum für Spekulationen während der Partien. Nur ist es für das Beenden der Kapitel völlig irrelevant, ob man diese Informationen korrekt aufgenommen und in Verbindung gesetzt hat, das Spiel fährt so oder so wie vorgesehen fort.

Die Siegpunkte bei Spielende sind auch einfach nur da, werden aber nicht bewertet oder in irgendeine Relation gesetzt, sodass man sie sich genau so gut hätte sparen können. Das fühlt sich einfach nicht gut an, da es die eigenen Entscheidungen herabsetzt. Vielleicht ist es die Intention des Verlags, mit diesem Spiel auch unerfahrenere Spieler zu erreichen und sie wollen diese nicht mit zu viel Regeldetails abschrecken. Aber wie auch schon bei Detective – Erste Fälle habe ich die Befürchtung, dass eine solche Umsetzung eher davon abhält weitere Detective-Spiele zu entdecken.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Portal Games / Pegasus Spiele
Autor(en): Ignacy Trzewiczek, Weronika Spyra, Jakub Poczęty, Przemysław Rymer
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 120 – 180 Minuten

Vielen Dank an Pegasus Spiele für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare!

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2 Antworten auf „Vienna Connection / DUNE – Geheimnisse der Häuser“

Auch für unsere Spielegruppe war Vienna Connection leider etwas enttäuschend. Nachdem wir vor gut 2 Jahren Detective für uns entdeckt haben und ganz tief in die Thematik eingetaucht waren, hatten wir uns sehr auf Vienna Connection gefreut. Aber vor allem die immer wieder auftauchenden Übersetzungsfehler, nicht nur die Datumsangaben betreffend, waren frustrierend. Wir haben uns Ewigkeiten mit einer Decodierung aufgehalten, bis sich herausstellte, dass mit dieser Codekarte einfach keine sinnvolle Lösung zu erreichen ist und nur die englische Version eine Decodierung ermöglicht. Da hätten sich die Übersetzer mal in das Spiel eindenken sollen …
Wir haben es trotzdem zu Ende gespielt und hatten eine paar schöne Abende. Und vielleicht gibt es ja noch eine neue Auflage, bei der die Fehler behoben werden.

Hallo Anja,
vielen Dank für Deinen Eindruck von Vienna Connection. Es ist wirklich schade, dass ein eigentlich gutes Spielerlebnis durch die Häufung der enthaltenen Fehler so negativ besetzt im Gedächtnis bleibt. Es hätte einfach so richtig gut werden können ohne diese Ärgernisse, denn sonst hat es uns auch schöne Spielesessions bereitet.
Verspielte Grüß, Sonja

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