Detective: L.A. Crimes

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Das zum Kennerspiel des Jahres 2019 nominierte Spiel Detective hat einen großen Nachteil: Es spielt sich „aus“. Sind die enthaltenen Fälle erfolgreich gelöst, gibt es keinen Anreiz mehr, das Spiel auf den Tisch zu bringen, die Auflösung ist schließlich bekannt. Das ist ziemlich schade, denn Detective: Ein Krimi-Brettspiel ist für mich ein großes Highlight des sich zu Ende neigenden Brettspieljahrgangs. Umso erfreuter kann man darüber sein, dass der deutsche Verlag Pegasus Spiele die Erweiterung mit dem Untertitel L.A. Crimes zügig übersetzt hat, um den Spielern den erneuten Einsatz als Ermittlerteam zu ermöglichen.

Spielmaterial:

Bei der kleinen Schachtel handelt es sich nicht wie beim Grundspiel um eine Stülpschachtel, es ist einfach ein dünner Karton, der an zwei Seiten geöffnet werden kann. Das führt zwangsläufig dazu, dass auch kein ausgeklügeltes Tiefziehteil enthalten ist. Man findet darin drei Kartenstapel für die drei enthaltenen Kriminalfälle und ein neues Spieltableau, bei dem beide Seiten unterschiedlich bedruckt sind. Außerdem sind fünf neue Ermittler enthalten. Diese sind, genau wie das Spielertableau, nicht mehr aus dicker Stanzpappe, sondern nur noch auf dünnes Kartonpapier gedruckt. Zur weiteren Verwaltung werden die Marker und Plättchen des Grundspiels verwendet. Unglücklicherweise können Situationen entstehen, in denen bestimmte Marker nicht ausreichend vorhanden sind. Schade, dass man die Erweiterung nicht einfach um solche Marker erweitert hat. An einer Stelle sind die Marker, die verwendet werden sollen viel zu groß für ihren Einsatz, eine verpasste Chance.

Eingangs erwähnte ich positiv die schnelle Übersetzung, doch leider erweist sich diese an manchen Stellen auch als Problemfall. Immer wieder sind kleine Fehler zu entdecken, von einigen Buchstabenverwechslungen bis hin zu der fehlerhaften Verwendung von Namen. Letzteres beeinträchtigt die Spielbarkeit, da die Spieler noch sorgfältiger lesen müssen und sich dabei ihren eigenen Reim daraus machen müssen, was oder wer an dieser Stelle nun genau gemeint war. Uns gelang dies in der Regel ganz gut, aber es hätte doch so einfach vermieden werden können.

Spielmechanismus:

Der Spielmechanismus ähnelt dem des Grundspiels. Lediglich der zentrale Spielplan hat sich etwas verändert, es gibt nun nur noch vier Orte, welche die Ermittler besuchen können. Wieder werden die Stunden und Tage markiert, die noch zur Auflösung bleiben, wieder können Überstunden gemacht werden. Insgesamt sind drei Kriminalfälle enthalten, die einen Zusammenhang haben und daher in kurzen Abständen gespielt werden sollten, um alle Informationen noch präsent zu haben.

Cover / Foto: Brettspielpoesie

 

Spielende:

Auch das Spielende bleibt unverändert. Nach Ablauf der Zeit oder wenn die Ermittler sich zu viel Stress ausgesetzt haben, müssen sie spätestens ihren Abschlussbericht einreichen. Die Antworten auf die Fragen und die gefundenen Beweisstücke werden in Punkte umgerechnet und ermittelt, ob die Spieler den Fall lösen konnten oder nicht.

Spieleranzahl:

Wieder haben wir nur zu zweit gespielt, was zum Einsatz der übrigen Charaktere als Berater und dadurch zu mehr unterschiedlicher Ermittlerplättchen führt.

Glücksfaktor?

In Bezug auf den Glücksfaktor gibt es kaum Änderungen. Es können nicht alle Karten eingesehen werden, es muss eine Auswahl getroffen werden, doch gibt es meist mehrere Wege zu den gleichen Informationen. Auf den Wegen, die wir eingeschlagen haben, verspürten wir kaum einen Mangel an Ermittlerplättchen. Wir waren anfangs sehr großzügig mit dem Einsatz und das war auch gut, da es gar nicht mehr so viele Möglichkeiten gab, diese woanders einzusetzen. Das war im Grundspiel anders, da mussten wir besser mit diesen Plättchen haushalten.

Fazit:

Detective – L.A. Crimes führt die Spieler in das L.A. der 80er Jahre. Die Karten sind in passendem Design gestaltet und mit dem empfohlenen 80er Jahre Soundtrack im Hintergrund sind die Spieler bereit zur Zeitreise. Passend dazu wirkt auch die Optik der Antares Datenbank wie aus den 80ern, das ist nicht unbedingt komfortabel, unterstützt aber die passende Atmosphäre herzustellen. Die Warnung vor „Explicit Content“ auf der Schachtel bezieht sich vermutlich auf das häufige Fluchen auf den Kartentexten und die grundsätzliche Geschichte rund um Drogen und Kriminalität, es ist aber nichts Schlimmes zu sehen oder detailliert beschrieben, es passiert vieles nur im Kopf. Der erste Fall spielt sich sehr ähnlich zu denen des Grundspiels, beim zweiten und dritten kommen neue Spielideen zum Einsatz, die gut in das Gesamtbild passen und erneut dazu führen, dass sich nicht alle drei Fälle identisch spielen und anfühlen.

Im Vergleich zum Grundspiel erschienen uns die Fälle leider etwas geradliniger. Vielleicht liegt es daran, dass nur drei statt fünf Fällen enthalten sind, was gar nicht die Option liefert viele verschiedene Handlungsstränge zu beginnen und ordentlich zu beenden. Ich selbst hatte das Gefühl, dass zwischenzeitlich einfach Akteure hinzu genommen wurden, die so gar nicht ins Bild passten, nur um einen umfangreichen Fall zu konstruieren. Es wurde weniger diskutiert, vieles schien eindeutiger und insgesamt haben wir nicht ganz so viel Zeit für die einzelnen Fälle benötigt, wie noch im Grundspiel. Und ich denke nicht, dass dies einfach von der Erfahrung mit dem Grundspiel kommt, sondern eher vom Aufbau der Story. Auch wenn ich nun diverse Kritikpunkte aufgezählt habe, so hatten wir wieder einige spannende Stunden, die Lösungen wurden auch hier nicht auf dem Silbertablett serviert, es musste einiges kombiniert werden. Es macht einfach immer wieder Spaß in die Rolle der Detektive zu schlüpfen, auch wenn die Geschichte an einigen Stellen konstruiert wirkt, so sind sie doch alle spannend und interessant aufgebaut. Daher kann ich guten Gewissens noch fünf Punkte vergeben, wünsche mir aber für zukünftige Fälle wieder etwas mehr Genauigkeit und am liebsten sogar mehr unterschiedliche Fälle pro Erweiterung für eine umfangreichere Gesamtgeschichte. Ich möchte einfach immer wieder gerne tief in das Geschehen versinken und mich für ein paar Stunden wie ein echter Ermittler fühlen.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Portal Games / Pegasus Spiele
Autor(en): Ignacy Trzewiczek
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 5 Spieler
Dauer: 120 – 180 Minuten

Vielen Dank an Pegasus Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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