50 Clues – Die Leopold-Trilogie

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Der Escape Room-Trend scheint noch nicht vorüber zu sein, weiterhin tauchen überall neue Escape Room-Anbieter auf der Bildfläche auf und auch in der Brettspielwelt werden weiterhin neue solcher Ideen verwirklicht. So hat auch der Däne Jeppe Norsker seine eigene Vision der Umsetzung eines Escape Rooms für zu Hause umgesetzt, die er gleich als ganze Trilogie in seinem Eigenverlag Norsker Games veröffentlicht hat. Ich habe mir die Spiele auf der SPIEL in Essen besorgt, die es dort in verschiedenen Sprachen zu erwerben gab. Mittlerweile hat sich mit Game Factory ein Verlag gefunden, der die deutschen Ausgaben von Das Pendel der Toten, Weißer Schlaf und Leopolds Schicksal auch regulär in den Handel bringen wird.

Ein Video des Autors dient als Ersatz für eine Spielanleitung. In dem Video kann nach verfolgt werden, wie der Autor einen kurzen Demo-Fall löst. Alle möglichen Optionen, welche das Spiel bietet, werden darin kurz erklärt und vorgeführt. Auch auf den ersten Karten stehen wichtige Hinweise zum Aufbau der Karten und den verschieden farbigen Zahlen, die darauf gefunden werden können. Die Karten sind in Grautönen gehalten, lediglich Blut ist farblich hervorgehoben. Blut? Ja genau! Thematisch verkörpern die Spieler eine psychisch kranke Frau, die davon besessen ist ein mystisches Ritual durchzuführen. Auf ihrem Weg dahin, scheut sie vor nichts zurück, wenn sich ihr jemand in den Weg stellt.

50 Clues App / Foto: Brettspielpoesie

Unbedingt erforderlich ist ein internetfähiges Gerät, um mit dem Spiel zu interagieren. Dafür wird lediglich ein Browser benötigt, die Installation einer App ist nicht erforderlich. Für den Zugang muss nur die Seriennummer eingegeben werden, die in jeder Packung enthalten ist. Auf der Webseite gibt es drei Möglichkeiten: Es können zwei dreistellige Ziffern miteinander kombiniert, Codes eingegeben oder Hinweise angezeigt werden.

Die Kombination von Gegenständen auf den Karten erinnerte mich an ein recht klassisches Point-and-Click-Adventure. Doch sind die gefragten Kombinationen teilweise moralisch fragwürdig, da geht es weniger um das Lösen eines Rätsels, sondern darum, die gesuchte Kombination zu finden, auf die man als als normal denkender Mensch normalerweise niemals kommen würde. Die Codes hingegen werden meist aus ganz klassischen Escape Room-Rätseln ermittelt. Die meisten Informationen befinden sich auf den Karten, die Anwendung zeigt hauptsächlich an, welche der durchnummerierten Karten hinzugenommen  und welche abgeworfen werden sollen. Das Abwerfen sorgt dafür, die Kartenauslage übersichtlich zu halten. Wie bei allen anderen Escape Room-Spielen auch, hilft es den Spielern Stift und Papier für Notizen bereit zu halten, das Spielmaterial selbst wird hier nicht verändert. Daher kann das Spiel nach einer Partie problemlos weitergegeben werden.

50 Clues Karten / FOto: Brettspielpoesie

Ein Blick auf das Spielmaterial erinnert direkt an Unlock!, es gibt jedoch einige Unterschiede: Bei 50 Clues läuft kein genereller Timer herunter, die Spieler stehen nicht dauerhaft unter Zeitdruck. Doch es gibt Momente im Spiel, bei denen die Zeit plötzlich doch mit läuft. Unter Zeitdruck sollen die Spieler nun Entscheidungen treffen, die sie eben nicht komplett zu Ende abwägen sollen. Mir gefällt dieser Ansatz richtig gut, auch wenn ich grundsätzlich finde, dass ein ablaufender Timer zur Abbildung eines realen Escape Rooms irgendwie dazu gehört. Während es bei Unlock! nur eine Sternebewertung bei Spielende gibt, bekommen die Spieler bei 50 Clues nach jeder Aufgabe zur Einordnung ihrer Leistung Sterne angezeigt. Am Ende der Partie wird daraus eine Prozentzahl errechnet und den Spielern angezeigt. Wie genau sich die Sterne bzw. Prozentzahl zusammen setzen, ist nicht bekannt, es hängt sicherlich mit der Anzahl von Fehlversuchen und Hinweisen zusammen. Wir konnten uns über den Verlauf der Trilogie immer weiter steigern, was uns weiter angespornt und am Ende zufrieden zurück gelassen hat. Allerdings nur in Bezug auf die Wertung, die Geschichte ließ eher ein bedrückendes Gefühl zurück.

Fazit:

Ich werde für dieses Spiel ausnahmsweise keine Bewertung abgeben, da ich mich nicht in der Lage sehe, es analog zu anderen (Escape Room)-Spielen zu bewerten. Ich mag den Ablauf des Spiels, wie die Codes ermittelt oder Karten kombiniert werden können. Mir gefallen die Rätsel zum Teil richtig gut. Es sind größtenteils recht klassische Rätsel aus unterschiedlichen Bereichen (z.B. Wort-, Zahlen-, oder Logikrätsel), die aber passend zur Geschichte eingebunden werden. Sie fühlen sich kaum konstruiert an, sondern bekommen durch die Story einen passenden Rahmen. Sie sind immer logisch, aber liegen nicht auf der Hand, es muss ein wenig um die Ecke gedacht werden. Ich habe dabei aber einfach ein Problem mit dem Thema und Dingen, die in diesem Spiel getan werden müssen. Und daher komme ich auf keine faire Note, da diese mit Blick auf das Spielkonzept ganz anders ausfallen würde, als in Bezug auf das, was hier auf der erzählerischen Ebene passiert. Das ist meine ganz persönliche Sichtweise, ich möchte niemanden verurteilen, der damit kein Problem hat, doch kann ich es einfach nicht ruhigen Gewissens empfehlen.

Der erste Teil ist noch recht harmlos, verglichen mit dem was in den späteren Teilen passiert.  Die Geschehnisse haben mich immer weiter schockiert, wir haben uns als Spieler dabei zumindest immer besser auf das Spiel einstellen können. Wir wurden skrupelloser bei unseren Entscheidungen, was sich später auch bei der Bewertung zeigte, da wir nicht mehr zunächst nach einer moralisch korrekten Lösung gesucht haben. Da die drei Teile thematisch aneinander anknüpfen, sollten sie auf jeden Fall in richtiger Reihenfolge gespielt werden. Wer sich nicht sicher ist, kann zunächst den ersten Teil ausprobieren und anschließend entscheiden, ob weiter gespielt werden soll.

Wem die Atmosphäre skandinavischer Krimis gefällt, wird hiermit vielleicht glücklich, ich für meinen Teil hoffe auf die kommende Umsetzung, an welcher der Autor laut eigener Aussage bereits arbeitet: Die Spieler versuchen dabei als Ermittler, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Das Spielprinzip hat mich grundsätzlich überzeugt, daher würde ich mich über weitere Umsetzungen freuen, die thematisch anders gelagert sind.

Verlag: Norsker Games / Game Factory
Autor(en): Jeppe Norsker
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 5 Spieler
Dauer: 90 Minuten pro Box

Vielen Dank an Norsker Games für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

Ähnliche Artikel:

  • Keine ähnlichen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.