Marvel Champions – Das Kartenspiel

Marvel Champions Cover
Marvel Champions Cover / Foto: Asmodee

Marvels Superhelden stehen vereint,
bekämpfen gemeinsam jeden Feind.
Spiderman durch die Lüfte schwingt,
sein Netz-Kick jeden Schurken bezwingt.
Während Captain Marvel die Gruppe leitet,
ihr Photonenstrahl den Schurken Mühe bereitet.
Iron Man kommt zur Hilfe geflogen,
hat sich den stärksten Anzug angezogen.
Black Panther setzt auf die Fähigkeit der Weitsicht,
seine Wakanda-Technologie ihn sicher beschützt.
Und wenn selbst das nicht helfen kann,
muss die toughe Anwältin als She-Hulk ran.
Um den Schurken zu besiegen,
ohne die Helden klein zu kriegen.

Spielmaterial:

Der Untertitel verrät, was sich in großer Menge in der Box befindet: Jede Menge Karten. Das Inlay scheint auf den ersten Blick vielleicht gut designt, um die unterschiedlichen Karten voneinander zu trennen, doch dafür fehlt ein zentrales Element: Kartentrenner. Ohne solche ist das Inlay leider ziemlich nutzlos.

Marvel Champions Inlay
Marvel Champions – Inlay / Foto: Brettspielpoesie

Zusätzlich zu den Spieler- und Begegnungskarten sind noch kleinere Statuskarten enthalten. Es gibt einen Schurken-Lebenspunktezähler und vier kleinere für die Spieler, alle sollten vor der ersten Partie zusammengesetzt werden. Zudem sind noch einige unterschiedliche Papp-Marker dabei. Neben der Anleitung, welche Spielaufbau und -ablauf beschreibt und mit Tipps zum Deckbau gespickt ist, gibt es ein Referenzhandbuch, in dem sich einzelne Begrifflichkeiten nachlesen lassen. Die Abgrenzung scheint nicht optimal gelungen, denn manch wichtige Regeldetails lassen sich nur dort finden. Daher ist dies ebenfalls eine Pflichtlektüre vor der ersten Partie.

Spielmechanismus:

Jede Partie Marvel Champions ist ein klassischer Kampf von Gut gegen Böse: Helden, wie Spiderman, Captain Marvel, Iron Man, She-Hulk oder Black Panther bekämpfen einen Schurken (Rhino, Claw oder Ultron) und seinen hinterhältigen Plan. Helden und Schurken werden von individuellen Kartendecks repräsentiert, die im Laufe einer Partie meist mehrfach durchgespielt werden.

Dieses Spiel ist Einstieg in eine umfangreiche Welt, denn als Living Card Game erscheinen in regelmäßigen Abständen neue Kartendecks. Es ist möglich, aber nicht zwingend erforderlich, aktiven Deckbau zu betreiben. Jeder Held kommt mit einem eigenen Kartendeck, dies wird kombiniert mit den Karten eines speziellen Aspekts (Aggression, Führung, Gerechtigkeit oder Schutz). Dadurch ergeben sich bereits viele Kombinationsmöglichkeiten, die sich unterschiedlich spielen. Die Karten sind dabei so häufig enthalten, wie sie maximal im Deck vorkommen dürfen, es besteht also keine Notwendigkeit einzelne Decks mehrfach zu erwerben. Auch die vorgefertigten Kartensets der Schurken werden mit modularen Begegnungssets kombiniert, die jeweils einen etwas anderen Fokus legen.

Marvel Champions Heldenauslage
Marvel Champions – Heldenauslage / Foto: Brettspielpoesie

Zu jedem Helden gehört eine Charakterkarte, die den Helden auf der einen und seinen Alter Ego auf der anderen Seite zeigt. Die Spieler beginnen jede Partie als Alter Ego, also zum Beispiel mit Peter Parker anstelle von Spiderman. Die Schurken greifen nur die Heldengestalt an, als Alter Ego hat man seine Ruhe, gibt dem Schurken aber die Möglichkeit sich auf seinen Plan zu konzentrieren. Manche Karten sind nur in einer bestimmten Identität spielbar. Einmal pro Zug ist der Identitätswechsel erlaubt, weitere Male wäre dies nur über Karteneffekte möglich. Im Kartendeck befinden sich Upgrades, Verbündete, Ereignisse und vieles mehr. Neben dem Schutz des eigenen Charakters ist es vor allem wichtig dem Schurken zu schaden und ihn daran zu hindern seinen Plan in die Tat umzusetzen.

Marvel Champions Spielsituation
Marvel Champions – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Jede Karte hat ihren Preis, der mit Ressourcen zu zahlen ist. Ressourcen kommen hauptsächlich von anderen Karten, sodass man in der Regel nicht alle verfügbare Handkarten anwenden kann, obwohl die Aktionen und Fähigkeiten meist alle erstrebenswert sind. Manche Karten lassen sich durch Aktivierung erschöpfen, sodass sie in dieser Spielphase kein weiteres Mal einsatzbereit sind. Das gilt z.B. für die Erholung der Lebenspunkte als Alter Ego oder auch für den Helden, wenn er eine Basiskraft (Angriff, Widerstand leisten, Verteidigung) verwendet.

Marvel Champions PunktezaehlerSchurke
Marvel Champions – Punktezähler Schurke / Foto: Brettspielpoesie

Ein Schurke lässt sich von den Helden natürlich nicht auf der Nase herumtanzen und schlägt in der folgenden Spielphase zurück. Unvermeidbar schreitet sein Plan jede Runde voran, danach widmet sich der Schurke nacheinander den Helden oder seinem Plan, bevor seine möglicherweise ausliegenden Schergen aktiv sind. Egal ob der Schurke angreift oder den Plan vorantreibt, zusätzliche, zufällige Karten erhöhen die Basiswerte. Dadurch ist nicht exakt kalkulierbar, was in dieser Phase geschieht. Die Helden können sich selbst verteidigen, was sie allerdings auch für den folgenden Spielerzug erschöpft. Sie können alternativ ihre Verbündeten vorschicken oder sich sogar von Mitspielern Unterstützung holen. Gespielt wird nämlich wirklich gemeinsam und nicht nur nebenher. Zusätzlich aufzudeckende Begegnungskarten verbreiten am Ende einer jeden Runde ein wenig Chaos, sie bringen beispielsweise Schergen ins Spiel, stärken den Schurken oder lassen ihn erneut aktiv werden.

Spielende:

Eine Partie Marvel Champions kann auf verschiedene Weisen enden. Im Idealfall erledigen die Helden den Schurken, bevor dieser seinen Plan vollendet hat. Sinken die Lebenspunkte eines Spielers auf 0, scheidet dieser für den Rest der Partie aus. während die anderen weiterspielen. Sollte es ihnen noch gelingen zu gewinnen, gewinnen alle zusammen, auch die Ausgeschiedenen. Sterben jedoch alle Helden, siegt der Schurke.

Spieleranzahl:

Im Spiel gibt es Karteneffekte, die sich auf ‘X’ pro Spieler beziehen. Die Lebenspunkte des Schurken hängen beispielsweise von der Spieleranzahl ab, auch für die Pläne ist die Spielerzahl entscheidend. Wir haben alle unsere Partien nur zu zweit gespielt, das funktionierte wunderbar. Mit mehr Spielern lassen sich mehrere Helden pro Partie spielen und entsprechend auch mehr Spezialfähigkeiten kombinieren. Mit nur einem Helden stelle ich es mir schwieriger vor, da manche sich besser dafür eignen die Pläne zu vereiteln, andere haben dafür starke Angriffe. Durch die fünf enthaltenen Helden und die unterschiedlichen Aspekte bietet sich alleine mit dem Grundspiel bereits viel Variationsmöglichkeit.

Glücksfaktor?

Selbst Partien mit denselben Karten für Helden und Schurken werden vermutlich niemals exakt gleich verlaufen, da spielt die zufällige Reihenfolge der Karten eine entscheidende Rolle. Das kann sich positiv wie negativ auf den Verlauf der Partie auswirken. Partien laufen wesentlich entspannter, wenn nicht zu viele Nebenpläne aktiv sind. Anstrengender wird es auch, wenn die persönlichen Erzfeinde der Helden mit ihren Begegnungskarten ins Spiel kommen. Vieles ist vorhersehbar, manches bleibt ungewiss. Doch genau wie Helden bessere und schlechtere Tage haben können, finde ich das hier kaum störend, sondern freue mich jedes Mal aufs Neue heldenhaft die möglichen Hürden auf dem Weg zum Sieg zu überwinden.

Meinung:

Aufgrund der vielen positiven Stimmen zu Marvel Champions musste ich es einfach auch ausprobieren, obwohl ich vor unserer ersten Partie mit dem Marvel Universum rein gar nichts anfangen konnte. Weder mit den Filmen, noch mit den Comics, welche die eigentliche Grundlage für dieses Spiel darstellen. So lässt sich auch erklären, warum in der Grundbox Helden enthalten sind, die im Marvel Cinematic Universe (MCU) erst spät oder noch gar nicht auftauchen (z.B. Captain Marvel, She-Hulk). Mein persönliches Desinteresse am Marvel-Universum legte sich allerdings schnell, denn das Spielprinzip gefällt mir richtig gut.

Jeder Held spielt sich völlig anders. Ausrüstungen und Fähigkeiten entsprechen den besonderen Eigenheiten und Stärken, das fühlt sich alles so unglaublich gut durchdacht an. Auf jeden Helden und jeden Schurken muss man sich einlassen, um damit bzw. dagegen erfolgreich zu sein. Auch wenn das, was man als Spieler tut, eigentlich immer ähnlich ist, so fühlt es sich mit jedem Helden anders an, weil andere Akzente gesetzt werden. Der eine kann besser austeilen, ein anderer eignet sich zum verteidigen und Plan vereiteln besser. Dies zu erkennen und das Ausspielen der Karten zu optimieren, macht für mich den besonderen Reiz aus.

Die einzelnen Partien folgen einem angenehmen Flow. Anfangs haben die Spieler nicht viele Möglichkeiten dem Schurken wirksam zu begegnen, sie müssen sich ausrüsten und Verbündete hinzuzuziehen. Denn mit jeder dauerhaft ausgespielten Karte wird der Charakter stärker, bieten sich ihm mehr Optionen. Da der Gegner ebenfalls stärker wird, fühlt sich das nur gerecht an. Es führt aber auch dazu, dass die einzelnen Züge mitunter länger dauern, wenn viele ausliegende Karten zusätzlich aktivierbar sind. Scheiden Spieler kurz vor Ende der Partie aus, ist das gut zu verkraften. Man gewinnt ja gemeinsam. Sollte dies jedoch zu früh passieren, würde ich empfehlen die Partie neu zu starten, damit der ausgeschiedene Spieler nicht ewig zum Zuschauen verdammt ist.

Es kann auch Phasen geben, die eher verwaltender Natur erscheinen, weil die Helden sich heilen oder Bedrohungen entfernen, statt dem Schurken Lebenspunkte zu nehmen und damit dem Sieg näher zu rücken. Doch oft läuft es auf einen großen Showdown hinaus, bei dem noch einmal alles in den Ring geworfen wird, um den Schurken zu erledigen. Das fühlt sich großartig an und durch die vielen bekannten Elemente laufen dabei auch direkt Szenen aus den bekannten Vorlagen in den Köpfen ab.

Ich kann also bestätigen, dass ein Vorwissen im MCU nicht zwingend erforderlich ist, um mit Marvel Champions glücklich zu werden. Sicherlich mag es cool sein, beim ersten Spielen der Helden viel Bekanntes zu entdecken, es funktioniert aber auch anders herum: Die Charaktere über dieses Spiel kennen zu lernen und in den Filmen (bzw. Comics) bekannte Elemente der Karten wieder zu entdecken und deren Hintergrund einordnen zu können.

Das Grundspiel bietet mit seinen Karten diverse Variationsmöglichkeiten, auch ohne selber aktiven Deckbau zu betreiben. Die Spielanleitung schlägt verschiedene Kombinationen für Helden und Schurken vor, darüber hinaus sind viele weitere Zusammenstellungen denkbar. Die vorgeschlagenen Szenarien stehen für sich alleine, dadurch verpasst das Grundspiel die Chance eine Kampagne anzubieten. Dies wird immerhin in der ersten “großen” Erweiterung The Rise of Red Skull nachgeholt. Wir haben auch schon einige zusätzliche Charakterpacks spielen können, die sich allesamt hervorragend in das Spiel einreihen und mit ihren Besonderheiten thematisch dicht und dabei abwechslungsreich sind. Rundum ein gelungenes Paket, dieses Living Card Game.

Fazit:

Mich, als vorheriger Marvel-Noob, hat Marvel Champions wirklich positiv überrascht. Das macht es für mich leider auch gleich ziemlich teuer, denn ich kann gar nicht aufhören neue Helden und Schurken zu entdecken und mit bzw. gegen sie erfolgreich spielen zu lernen. Für mich ein wahres Highlight dieses Jahrgangs.

Wertungsnote 6/6

Verlag: Fantasy Flight Games / Vertrieb: Asmodee
Autor(en): Michael Boggs, Nate French, Caleb Grace
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 45+ Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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