Wo geht’s hier zum Ausgang?! – No. 41

Nach 40 Ausgaben finde selbst ich die immer wieder gleiche Einleitung irgendwie langweilig. Daher gibt es nun keinen neuen Text für die kommenden zehn, zwanzig oder sonst wie vielen Ausgaben dieser Kategorie auf meinem Blog. Stattdessen möchte ich mich in jeder Einleitung einer Ausgabe mehr mit der behandelten Thematik dieser Kategorie auf meinem Blog auseinandersetzen. Entstanden ist die Idee der gemeinsamen Vorstellung von Erweiterungen oder neuen Spielideen im Genre der Escape Room-, Detektiv- oder Ermittlerspiele aus folgendem Grund: Man kann über den Inhalt und den Verlauf der einzelnen Spiele gar nicht viel verraten ohne zu spoilern. Ich möchte hier von meinen, persönlichen Eindrücken und denen in meinem Spielgruppen berichten, aber keinem Leser den Spaß nehmen, das Spiel selbst zu entdecken und daher auch nichts verraten, was man selber erleben sollte. Heute blicke ich in diesem Sinne auf drei Fortsetzungen (Escape Room – Das Spiel: Puzzle Abenteuer, Crimetime Ungelöster Fall, Tatort Meer) und ein neues Spielsystem (Suspects).

Escape Room – Das Spiel: Puzzle Abenteuer – The Baron, the Witch and the Thief

ER Puzzle: Baron, Witch, Thief Cover
ER Puzzle: Baron, Witch, Thief Cover / Foto: Noris

Wer das erste Puzzle Abenteuer der Escape Room-Das Spiel-Serie kennt, wird sich hier schnell zu Hause fühlen. Wieder verbirgt die Box hinter sechs Klappen Puzzleteile und weiteres Material, welches die Spieler eine Geschichte erleben lässt, die einen immer wieder vor Rätselaufgaben stellt. Erneut treibt es uns ins mittlerweile wohlbekannte Lockholm, doch nicht im Hier und Jetzt, sondern im Jahr 1422. Wir verkörpern darin eine Person dessen Tochter als Hexe beschuldigt vom Baron festgehalten wird, bevor der Scheiterhaufen auf sie wartet. Sie davor zu beschützen ist das Ziel dieses Spiels.

ER Puzzle Schachtel
ER Puzzle Schachtel / Foto: Brettspielpoesie

Die Burg, in der das arme Mädchen festgehalten wird, entsteht Raum für Raum mit jedem Puzzleabschnitt vor uns. Ein kleines Heftchen leitet uns durch die Rätsel und gibt hilfreiche Anhaltspunkte, um die Rätsel lösen zu können. Zur Lösung gibt es auch hier wieder einen analogen Decoder, der mit den richtigen Puzzleteilen das folgende Türchen mit dem weiteren Spielmaterial anzeigt.

ER Puzzle Decoder
ER Puzzle Decoder / Foto: Brettspielpoesie

Auch wenn der angegebene Schwierigkeitsgrad höher liegt, als das letzte Puzzle-Abenteuer dieser Reihe, empfand ich es nicht als kniffliger. Die Rätsel fühlten sich sehr nach Standardkost im Bereich der Knobelrätsel an. Sie waren gut lösbar, aber eben nicht sonderlich innovativ. Gefallen hat mir vor allem der letzte Raum, der zumindest einen kleinen, neuen Kniff offenbarte.

ER Puzzle Spielmaterial
ER Puzzle Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Zudem offeriert das Spiel kurz vor dem Ende eine Wahl zu treffen, die entweder direkt zum Ende oder zu einem weiteren Rätsel führt. Wer ein gutes Ergebnis erzielen möchte und knapp dran ist, kann das Rätsel weglassen und sich dennoch gut fühlen. Für uns als Rätsel-Junkies stand diese Option jedoch gar nicht erst zur Wahl. Abgesehen davon waren wir aber auch hervorragend in der Zeit, ohne Hilfestellungen genutzt zu haben. Nur für solche liegen zehn Hinweismünzen bei, die man ausgeben kann, um einen leichten oder starken Wink mit dem Zaunpfahl zu erhalten. Jeder genutzte Hinweismünze kostet bei Spielende drei Minuten, die zur benötigten Zeit hinzuzuaddieren sind.

Die Rätsel waren also okay, aber nicht besonders. Leider bin ich mit der Qualität der Puzzleteile alles andere als zufrieden. In jeder Tüte hingen bei uns diverse Puzzleteile noch aneinander, was den Puzzleaufwand reduzierte. Manche Puzzleteile waren bereits ausgefranst oder abgeknickt, was wirklich schade ist. Solche Mängel schmälern den Eindruck einfach. Die Grundidee mag ich weiterhin, würde mir jedoch wünschen bei weiteren Boxen besseres Material und noch etwas kreativere Rätsel vorzufinden.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Noris
Autor(en): k.A.
Erscheinungsjahr: 2022
Spieleranzahl: 1 + Spieler
Dauer: 120 Minuten

Vielen Dank an Noris für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Suspects – Das Detektivspiel:
Tödliche Spuren / Letzter Auftritt

Suspects 1 & 2 Cover
Suspects 1 & 2 Cover / Foto: Kosmos

Mittlerweile gibt es so viele verschiedene und doch recht ähnliche Spielsysteme, bei denen Kriminalfälle zu lösen sind, dass ich mittlerweile zunächst mit etwas Skepsis solchen Spielen gegenüber stehe. Einen Detektivfall anhand von Karten mit unterschiedlichen Informationen zu Tatorten, Tatverdächtigen, Motiven, usw. zu lösen, kennen wir bereits zu Genüge. Auf Kennerniveau bei Detective, in einer weniger komplexen und zugänglicheren Variante bei Crime Story oder mit vielen Abbildungen unterlegt bei Crime Zoom. Bei diesen Spielen bleiben manche Karten allen Spielern verborgen. Bei Sherlock oder Decktective sind immer alle Karten im Umlauf, doch dürfen nicht alle Informationen direkt mit den anderen geteilt werden. Suspects lässt jeden Spieler alle Karten offen einsehen und hebt sich damit ein wenig von den anderen Spielideen ab.

Da kann man sich schon fragen: Wenn sich jeder alle Karten anschauen darf, wo bleibt denn dann das Spiel dahinter? Dafür lohnt sich ein Blick auf die in solchen Spielen regelmäßig umstrittene Wertung. Die erste Aufforderung die Fragen zu beantworten erfolgt nach 30 eingesehenen Karten. Nach 15 weiteren Karten kann man die Antworten korrigieren und nachdem alle Karten bekannt sind, gibt es die letzte Möglichkeit dazu. Wer erst später korrekt antwortet, muss dafür einen Abzug von Punkten hinnehmen. Ich finde dieses Wertungssystem einfach gedacht, aber gut gemacht. Sonst störe ich mich oft daran, wenn das Spiel einen zu sehr bestraft in falsche Richtungen ermittelt zu haben. Hier habe ich selbst in der Hand welchen 30 Karten ich mich zu Beginn widme und ob ich mit den darauf befindlichen Hinweisen den Fall bereits lösen kann. Auch hierbei kann man sich natürlich verrennen. Für die beste Bewertung ist es aber gar nicht erforderlich jede Frage zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu beantworten. Mir gefällt das richtig gut.

Suspects Spielmaterial
Suspects Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

So ganz verstehe ich die Veröffentlichungspolitik von Kosmos nicht. Im Original war Suspects eine einzige Box mit drei Fällen. Kosmos hat sich bei der deutschen Umsetzung dafür entschieden, die drei Fälle einzeln zu veröffentlichen. Aber irgendwie nicht alle gemeinsam, wobei ich zumindest bei Thalia auch schon alle drei Fälle herum liegen gesehen habe. Diese Vorstellung bezieht sich nur auf die beiden mir vorliegenden Spiele Tödliche Spuren und Letzter Auftritt.

Suspects Spielsituation
Suspects Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Nummerierung der einzelnen Fälle findet man nur auf dem Spielmaterial selbst. Die Reihenfolge spielt zwar inhaltlich kaum eine Rolle, es gibt bloß einen wiederkehrenden Charakter von Fall 1 zu Fall 2, dennoch fände ich es gut auch schon vor dem Öffnen der Box informiert zu werden, welches die ursprünglich geplante Reihenfolge ist.

Thematisch bewegt man sich leider auf ganz schön ausgetretenen Pfaden, da wäre sicherlich mit etwas mehr kreativem Einsatz noch mehr drin gewesen. Da mir aber das Spielsystem an sich gut gefällt, freue ich mich auf weitere Titel dieser Serie. Jeder Anfang ist schwer und vielleicht gelingt es dieser Serie sich noch zu entwickeln und spannendere Kriminalgeschichten abzubilden.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Kosmos
Autor(en): Guillaume Montiage, Sébastien Duverger Nedellec
Erscheinungsjahr: 2022
Spieleranzahl: 1 – 5 Spieler
Dauer: 90 – 150 Minuten

Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


CrimeTime Krimispiel – Ungelöster Fall 003

Crime Time 003 Cover
Crime Time 003 Cover / Foto: Brettspielpoesie

Die CrimeTime Krimispiele sind bislang immer eine sichere Bank für tolle Ermittlerspiele. Bei Ungelöster Fall 003 – Schweigen ist Silber, Reden Dein Tod untersuchen wir den Todesfall einer Investigativjournalistin. Sie hat in der Vergangenheit an manch prekärem Fall gearbeitet, ist ihr dies nun zum Verhängnis geworden? Dies herauszufinden ist eure Aufgabe in diesem Ermittlerspiel für Fortgeschrittene.

Einstiegspunkt ist neben den Unterlagen des Umschlags wieder die bekannte Ermittlersoftware, die über einen beliebigen Internet-Browser zu erreichen ist. Dort befinden sich weitere Dateien, Hilfen & Tipps sowie die Möglichkeit zur Internettelefonie. Entsprechend ist also kein Telefon erforderlich, alle Anrufe erfolgen wieder online. Auf der Webseite läuft ein Timer herunter, der angibt wie lange echte Ermittler benötigten diesen fiktiven Fall zu lösen.

Zu Beginn sind die vorliegenden Unterlagen sehr übersichtlich. Auf dem großen Übersichtsplakat sind zunächst kaum Einträge vorhanden. Es liegen viele Umschläge bei, die man erst nach Aufforderung öffnen soll. Ich denke dass macht auch den Unterschied beim Schwierigkeitsgrad aus, dass dieses Spiel die Spieler mehr führen möchte. Das geschieht allerdings wirklich unbewusst, es fühlt sich keineswegs so an, als würde man mit Stützrädern spielen.

Crimetime 003 Spielmaterial
Crimetime 003 Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Leider führte dieser Umstand bei uns, und wie ich hörte auch bei anderen, dazu, sich mit Hinweisen aufzuhalten, die noch gar nicht lösbar sind, statt sich auf das zu konzentrieren, was das Spiel vorsieht. Das kann ich wohl kaum dem Spiel vorwerfen. Geärgert hat es uns trotzdem. Dadurch konnten wir den Fall auch nicht annähernd in der Zeit lösen, welche die echten Ermittler benötigten. Und dann fiel uns wieder ein, dass es uns beim allerersten Fall dieser Serie genau so erging. Die Fälle für Fortgeschrittene liegen uns also offensichtlich weniger, als der für Chefermittler ;-)

Inhaltlich war es eine spannende Geschichte, mit überraschenden Wendungen und auch dem einen oder anderen Element zur Ablenkung, den solche Spiele öfter vermissen lassen. Besonders der letzte Hinweis auf den Täter ist wirklich gut umgesetzt. Manche Elemente haben mir allerdings weniger gefallen. Zum einen gibt es zwei Dokumente, die man erst zuschneiden muss. Bei einem ergibt es inhaltlich Sinn, dass man dies als Ausdruck zum Basteln erhält. Beim anderen bricht dieser Umstand mit der Realität, es wäre wohl aber zu teuer in der Produktion Papierschnipsel als Schnipsel beizulegen. Das wäre aber tatsächlich das Sahnehäubchen gewesen. Mit einer inhaltlichen Lösung bin ich nicht zufrieden, da es auch laut Hinweisen zwei mögliche Lösungen gibt und man einfach ausprobieren soll. Vielleicht ist es realistisch manchmal einfach ausprobieren zu müssen, in einem solchen Spiel hätte ich jedoch gerne nur eine korrekte Lösung, die es zu identifizieren gibt.

Das ist nun aber wirklich Kritik auf höchstem Niveau. Gesamt gesehen waren wir äußerst zufrieden mit der Umsetzung dieses Spiels und freuen uns auf weitere gut ausgearbeitete Fälle dieser Serie.

Wertungsnote 6/6

Verlag: Columbo Brothers
Autor(en): k.A.
Erscheinungsjahr: 2022
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 120 – 180 Minuten

Vielen Dank an Columbo Brothers für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Tatort Meer: Fall 2 – Verschollen

TM Fall 2: Verschollen Cover
TM Fall 2: Verschollen Cover / Foto: Planet A

Von der Vogelinsel führt uns Tatort Meer beim zweiten Fall Verschollen direkt aufs offene Meer. Ein Segelschiff transportiert emmisionsfrei Rum und Kaffee über die Weltmeere, doch ist ein Crew-Mitglied nachts plötzlich verschwunden. Während man sich in die Geschichte einliest, stellt man fest, dass die verschwundene Person nicht gerade sehr beliebt war. Stattdessen hatte sie viele kleinere oder größere Streitigkeiten mit anderen Crew-Mitgliedern. Sie sind also alle verdächtig. In dieser Szenerie gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren und herauszufinden was wirklich geschehen ist auf dem Segelschiff mitten im Atlantik.

Tatort Meer Fall 2 Spielmaterial
Tatort Meer Fall 2 Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Dieser Fall ist von gleicher Qualität wir der erste Fall dieser Reihe. Es gibt viele unterschiedliche Hinweise, analog wie digital, die mit viel Liebe zum Detail erstellt wurden. Darunter befinden sich auch wissenswerte Fakten über die Natur und die Gefahren, derer sie ausgesetzt ist. Auch dieses mal fühlt es sich nicht nach einem gehobenen Zeigefinger an, sondern ist passend in das übrige Spielmaterial integriert. Wer mal nicht weiterkommt, findet online hilfreiche Tipps und Hilfestellungen. Dort sind auch Audio-Spuren zu finden, falls technisch etwas nicht funktioniert oder man sein eigenes Telefon nicht verwenden möchte.

Mir bleibt leider nicht viel übrig, als mich gegenüber der Vorstellung von Fall 1 zu wiederholen. Dieser Fall hinterließ ebenfalls einen guten Eindruck. Es sticht nichts besonders hervor, es macht dieselben Sachen gut. Es wurde ein spannender Fall kreiert, der gut zu lösen ist, wenn man sämtliche Hinweise richtig einordnet. Dabei ist er aber auch nicht zu offensichtlich. Auf diesem Niveau dürfen gerne weitere Fälle folgen.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Planet A Games
Autor(en): Dorothee Hufer, Jonas Hufer
Erscheinungsjahr: 2022
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 90 – 150 Minuten

Vielen Dank an Planet A für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert