Wo geht’s hier zum Ausgang?! – No. 28

Wo geht’s hier zum Ausgang?! / Foto: Brettspielpoesie

Wer hätte zum Start dieser Rubrik erwartet, dass so viele Veröffentlichungen in so kurzer Zeit erfolgen? Ich war mir sicher, der Trend der Escape Room- und Detektiv-/Kriminal-Spiele würde irgendwann deutlich abebben, doch bislang ist kein Ende in Sicht. Weiterhin kommen neue Serien auf den Markt. Nicht nur jeder Verlag möchte mitmischen, viele legen sich auch gleich mehrere Standbeine in diesem Genre zu. Dabei ist allerdings nicht alles Gold was glänzt, bei manchen Spielen fragt man sich tatsächlich, wie so etwas heute bei all den existierenden Angeboten noch erscheinen kann. Doch hin und wieder ist auch ein neues Spielprinzip dabei, für das es sich lohnt auch den Neuen eine Chance zu geben. Und daher höre ich nicht auf, euch von meinen Spielerfahrungen mit Escape Room- und Krimi-Spielen zu berichten.


Deckscape – Crew vs. Crew: Die Pirateninsel

Deckscape - Crew: Pirateninsel - Cover
Deckscape – Crew: Pirateninsel – Cover / Foto: Abacus

Deckscape führt uns in der neuesten Ausgabe nicht nur auf eine Pirateninsel, das ganze Spiel ist anders aufgebaut als sonst, wie schon der Name Crew vs. Crew vermuten lässt. Zwei Crews treten darin gegeneinander an, daher ist dies auch das erste Deckscape, welches nicht solo funktioniert. Es würde ausreichen zwei 1 Mann-Crews gegeneinander antreten zu lassen, wir haben aber lieber gewartet bis Treffen mit anderen Mitspielern möglich waren, um wenigstens zwei Zweier-Crews entstehen zu lassen. So ganz auf uns alleine gestellt wollten wir uns diesem Deckscape dann doch nicht hingeben.

Grundsätzlich funktioniert Deckscape wie gewohnt, die 64 großen Karten werden als Stapel nacheinander durchgespielt. Jedoch gibt es darin rote und blaue Teamkarten, entsprechend also eine rote und eine blaue Crew. Es gibt Textkarten für alle Spieler, doch sobald ein Rätsel auftaucht bekommt jedes Team seine eigene Rätselkarte. Hier entsteht ein kleiner Vorteil für das Team in welchem nicht der Vorleser drin ist, da die anderen während der Einleitung bereits die Rätselkarte studieren können.

Deckscape - Crew vs. Crew: Die Pirateninsel Spielsituation
Deckscape – Crew vs. Crew: Die Pirateninsel Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Wer zuerst glaubt die Lösung zu kennen, macht sich bemerkbar, offenbart die Lösung und gemeinsam wird dies auf der Rückseite der Karte mit der Rätselaufgabe geprüft. Ist die Antwort korrekt, erhält das Team die folgende Schatzkarte. Zeigt die Rückseite eine andere Lösung, geht der Schatz an die gegnerische Crew. Diese Schatzkarten zeigen mehrere Münzen, wie viele genau weiß bis Spielende nur die Crew in dessen Besitz sie sich befindet. Bei Spielende zählen beide Crews alle erhaltenen Münzen auf ihren Karten um den Sieger zu bestimmen. Das finde ich eigentlich ganz gut gelöst. Es ist zwar irgendwie zufällig, welche Rätsel wie viele Münzen einbringen, aber dadurch bleibt es ein offener Wettkampf dessen Ausgang bis zum Ende ungewiss ist. Ein Team kann auch gewinnen, wenn es nur wenige Rätsel schneller korrekt lösen konnte, dies aber die wertvollen waren. Diese willkürliche Vergabe der Münzen kam aber nicht bei allen Spielern gut an. Andere mögen diesen Zufallsfaktor nicht und bevorzugen die vollständig kooperativen Deckscape-Spiele. Ein generelles Zeitlimit existiert für dieses Deckscape nicht, die Spieler stehen trotzdem ständig unter Druck schneller zur Lösung zu gelangen als das gegnerische Team. Und genau diesen Druck empfand ich viel anstrengender, als die üblichen Zeitlimits bei Escape Room-Spielen, die ich ja eigentlich mag, weil sie zur Simulation eines realen Escape Rooms für mich einfach dazu gehören.

Ich finde den Ansatz dieses Deckscapes dennoch gut. Es ist tatsächlich mal etwas anderes als Escape Room-Spiel für daheim nicht mit, sondern gegeneinander zu spielen. Die Rätsel fand ich größtenteils gelungen. Sie sind auf dem gleichen Level wie die vieler anderer Deckscapes: Irgendwie nicht verkehrt, aber durch die Karten und das Lösungssystem auch irgendwie limitiert, manches Mal ist nicht ganz eindeutig was das Spiel jetzt genau von den Spielern erwartet. Nicht alle Aufgaben, würde ich tatsächlich als Rätsel bezeichnen, teilweise sind es eher kleine Duell-Spiele. Besonders das letzte Rätsel hat bei uns für Kopfschütteln gesorgt. Es ist dabei erforderlich die Grenzen der Spielregeln weit zu dehnen, um es lösen zu können. Die Belohnung für dieses Rätsel hat bei uns dann auch entschieden, wer den Gesamtsieg einfährt.

Ich war in dem Team, für das es nicht ganz gereicht hat, aber das fühlte sich merkwürdigerweise gar nicht blöd an. Auch wenn wir “verloren” hatten, so hatten wir dennoch eine über 90 Minuten interessante Rätselzeit und auf beiden Seiten hatte jeder die eine oder andere besondere Idee, wie ein Rätsel zu lösen ist. Beide Crews können anhand der erreichten Punktzahl anhand einer Wertungstabelle ihre Leistung einordnen. Ich bin tatsächlich hin und her gerissen, ob ich Deckscape lieber im Duell oder komplett kooperativ spiele. Gerne darf von beiden Varianten mehr erscheinen.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Abacusspiele
Autor(en): Martino Chiacchiera, Silvano Sorrentino
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 6 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Abacusspiele für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Sonderermittlung – Fall 1: Flammen im Theater

Sonderermittlung - Fall 1: Theater in Flammen Cover
Sonderermittlung – Fall 1: Flammen im Theater Cover / Foto: Brettspielpoesie

Die Sonderermittlung hält Kriminalfälle bereit, welche die Polizei nicht abschließend lösen konnte. In einer schmalen Box erwartet die Spieler eine durch die Herrichtung nahezu real wirkende Aktenmappe mit allen vorliegenden Beweismitteln unterschiedlichster Art. In der Kleinstadt Kreimhausen findet sich grundlegend alles, was eine verzwickte Kriminalgeschichte ausmacht: Lügen und Intrigen unter den Bewohnern, die alle irgendwie untereinander in Beziehung stehen. Dem Fall merkt man an, dass die Erschaffer schon Erfahrung mit der Ausstattung realer Escape Rooms haben. Es gibt schön inszenierte mediale Inhalte wie Videoaufnahmen und Tonausschnitte – ein Online-Zugang sowie ein Telefon sind zur Lösung des Falls erforderlich. Als Alternative zum Telefon lässt sich auf der Webseite zu dem Fall ein Timer starten, nach dessen Ablauf weitere Informationen zugänglich sind, die normalerweise per WhatsApp angefragt werden. Ich bevorzuge die Kommunikation mit dem Chatbot, das lässt die vierte Wand durchbrechen und führt noch mehr dazu sich wie ein wahrer Ermittler zu fühlen, der mit Kollegen vor Ort kommuniziert. Lediglich die extra für diesen Fall angelegten Webseiten hätten etwas realer wirken dürfen, als bloß ein einzelnes Bild als Html-Seite mit genau einem klickbaren Element anzulegen.

Sonderermittlun: Flammen im Theater - Spielmaterial
Sonderermittlun: Flammen im Theater – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Außer einiger beschreibbarer Unterlagen Spielmaterial wird kein Spielmaterial zerstört. Bei uns haben sich Post-Its als Alternative zum direkten Beschreiben etabliert. Leider wurde ein wenig versäumt sogenannte “Red Harrings” einzubauen, also kleine, falsche Fährten. Die Spieler haben zwar durchaus die Aufgabe einige Inhalte korrekt in Verbindung zu setzen, wenn dies jedoch erstmal gelungen ist, sind die Geschehnisse gut und ohne jegliche Ablenkung nachvollziehbar. Es ist oft direkt klar, wozu eine spezielle Information dient, da jedes Indiz nur zu einer einzigen Person passt. Zumindest als erfahrene Spieler lässt sich sehr zügig einordnen, wie bestimmte Informationen später noch zu verwenden sind. Etwas verworrener hätte es also für meinen Geschmack sein dürfen. Trotzdem hatten wir eine spannende Zeit als Ermittler und würden auch von dieser Serie gerne mehr sehen.

Wertungsnote 4/6

Verlag: The Code Agency Düsseldorf
Autor(en): k. A.
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an The Code Agency für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Tatort Meer – Fall 1: Die Vogelinsel

Tatort Meer - Fall 1: Die Vogelinsel Cover
Tatort Meer – Fall 1: Die Vogelinsel Cover / Foto: Planet A

Dieses Krimispiel trägt den Zusatz “Das Umwelt-Krimispiel”, funktioniert aber grundlegend wie alle anderen auch. Es ist ein Verbrechen geschehen, das aufgelöst werden will. Die Spieler kommen zur Hilfe, nehmen alle Beweismittel des Falls an sich, um die Geschehnisse nachzuvollziehen und den Täter zu ermitteln. Neben den physisch enthaltenen Papieren und interessantem Zusatzmaterial direkt aus dem Meer gibt es auch Online-Inhalte zu entdecken. Ein Telefon sowie ein E-Mail-Account ist ebenfalls Voraussetzung, zudem erfolgen Hilfestellungen und Lösungseingaben online. Auch hier gibt es Informationen, welche die Spieler eigentlich auf anderem Wege erreichen sollten, auf der Webseite einzusehen, falls es technische Probleme gibt oder die entsprechende, technische Ausstattung nicht vorhanden sein sollte. Auch hier gibt es zwar beschreibbare Elemente, wenn diese jedoch nicht direkt beschriftet werden, kann das Spiel unverändert weiter gegeben werden. Zudem ist sämtliches Spielmaterial nachhaltig und plastikfrei produziert. Dennoch wurde unterschiedliches Material verwendet, sodass die unterschiedlichen Indizien sich auch anders anfühlen und realer wirken.

Tatort Meer - Fall 1: Die Vogelinsel Spielmaterial
Tatort Meer – Fall 1: Die Vogelinsel Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Es handelt sich hier nicht um einen blutigen Mordfall, stattdessen ist eine Bewohnerin der Insel spurlos verschwunden, was ihren Partner beunruhigt. Auch wenn der Fall laut Herausgebern erst ab 14 spielbar ist, so können jüngere Kinder problemlos mit-ermitteln, solange sie Unterstützung erhalten. Vom Anspruch her muss sich dieser Fall vor den Platzhirschen in diesem Genre keineswegs verstecken. Als Umweltaktivistin in einem Naturschutzgebiet hat die Vermisste einige Menschen gegen sich aufgebracht, viele hätten dadurch ein Motiv. Bis auf eine Person hat jeder von ihnen ein Alibi.

Inhaltlich lässt sich der Fokus dieser Geschichte kaum verschleiern: Ungeachtet des konkreten Kriminalfalls soll sie gezielt auf Missstände in Bezug auf den Umgang der Menschen mit ihrer Umwelt hinweisen und den Spielern ein Gespür dafür geben, was für einfache Maßnahmen getroffen werden können, um die Natur und ihre Lebewesen zu schützen. Dies geschieht hier aber keineswegs mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern ist passend in eine interessante Kriminalgeschichte eingebunden. Auf diese spielerische Art und Weise lerne ich gerne noch etwas dazu und freue mich auf hoffentlich weitere, spannende Umwelt-Krimispiele dieser Art. Ein Teil der Einnahmen durch den Verkauf dieses Spiels wird an Umweltorganisationen gespendet, jedes Team darf sich aus mehreren für eine Organisation entscheiden.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Planet A
Autor(en): Dorothee und Jonas Hufer
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 90 – 150 Minuten

Vielen Dank an Planet A für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Cold Case: Eine todsichere Geschichte

Cold Case: Eine todsichere Geschichte Cover
Cold Case: Eine todsichere Geschichte – Cover / Foto: ThinkFun

ThinkFun brachte mit Escape the Room – Das Geheimnis der Sternwarte im Jahr 2016 eines der ersten Escape Room-Spiele für zu Hause auf den Markt. Auf den Escape Room-Trend folgten viele Kriminalspiele, bei denen die Spieler sich nahezu ohne Regeln durch einen Haufen an Beweisstücken wühlen, um die Geschehnisse eines Verbrechens in Beziehung zu setzen und davon ausgehend den gesamten Fall lösen können. Von diesen sind zuletzt einige erschienen, zum Teil nicht einmal von etablierten Brettspiel-Verlagen, sondern von Escape Room-Anbietern, die während der pandemiebedingten Schließungen daran arbeiten konnten. Nun möchte scheinbar auch ThinkFun noch auf diesen erfolgreichen Zug aufspringen und bringt die ersten zwei Cold Case-Fälle heraus. Den ersten Fall mit dem Untertitel Eine todischere Geschichte konnte ich bereits ausprobieren.

In der schmalen Schachtel befindet sich eine Aktenmappe und darin diverse schriftliche Zeugenaussagen, ein alter Zeitungsartikel, Fotos und weiteres Beweismaterial. Es geht um einen lange vergangenen Mordfall und um die Frage ob dieser nicht erneut aufgerollt werden sollte, um den Täter doch noch zu überführen. Im ersten Moment fand ich es relativ charmant, dass alle zur Lösung notwendigen Informationen den enthaltenen Dokumenten zu entnehmen sind und die Webseite ausschließlich zur Eingabe der Lösung dient. Die Zeugenaussagen sind alle mit kleinen Fotos der Gesprächsteilnehmer versehen, das wirkte authentisch und gibt den Spielern einen guten Einblick. Teilweise sind die Aussagen jedoch sehr lang, was zu einer enorm ruhigen Partie führt. Andere Spiele dieser Art schaffen es kleinere Häppchen zu servieren, über welche die Spieler gezielt diskutieren können und die oft erst in Zusammenhang mit anderen Informationen sinnvoll erscheinen. Mir fehlten dann doch irgendwie auflockernde Video- oder Sprach-Inhalte, welche die Spieler gemeinsam konsumieren können. Oder ein richtiger Hingucker, also irgendwie außergewöhnlicheres Spielmaterial, wie es in anderen Spielen dieser Art oft zu finden ist.

Cold Case: Eine todsichere Geschichte Spielmaterial
Cold Case: Eine todsichere Geschichte Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Bei Cold Case lesen alle Spieler alle Unterlagen und sollten daraufhin gut einschätzen können, was geschehen sein muss. Es fühlte sich für uns nicht wirklich nach “ermitteln” an, dafür ist alles zu eindeutig. Sobald wir beide mit sämtlichen Unterlagen durch waren, haben wir gemeinsam die Geschichte zusammengefasst und konnten direkt zur Lösungseingabe übergehen. Wir haben uns nicht einmal die Mühe gemacht die Verdächtigen zu notieren und deren Motive und Alibis gegenüberzustellen, wie es bei anderen Spielen dieser Art notwendig ist. Unsere Post-Its lagen bereit, kamen aber überhaupt nicht zum Einsatz. Das Spielmaterial bleibt unverändert und lässt sich problemlos weitergeben.

Auf einer Webseite wird dann die Lösung eingegeben, es stehen zu mehrere Fragen auch diverse Antwortmöglichkeiten zur Verfügung. Die meisten der möglichen Optionen stehen jedoch in keinem Zusammenhang zu dem, was den Beweismitteln zu entnehmen war. Also selbst, wenn nach all den Informationen noch nicht so recht klar ist, wie der Fall aufzulösen ist, sollte es spätestens durch die Antwortmöglichkeiten deutlich werden. Insgesamt wirkt dieser Fall irgendwie etwas altbacken für mich. Und ich glaube das lieg nicht nur daran, dass wir zu einem Kriminalfall aus den 80ern ermitteln, sondern an der gesamten Aufmachung des Spielmaterials. Diese hat verglichen mit anderen Spielen dies Genres ganz klar das Nachsehen, zieht die Spieler atmosphärisch weniger mit. Dafür wird aber auch ein niedrigerer Preis als für vergleichbare Spiele aufgerufen.

Wertungsnote 3/6

Verlag: ThinkFun / Ravensburger
Autor(en): Jim Symonds, Adam Symonds
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: beliebig

Vielen Dank an den Think Fun / Ravensburger für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


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