Faiyum

Faiyum Cover
Faiyum – Cover / Foto: 2F Spiele

Schönheit liegt im Auge des Betrachters,
dies ist auch bei Faiyum nicht anders.
Mancher mag, wie ich, genau diesen Stil,
es gibt wohl andere, denen dies nicht gefiel.
Doch sollte die Optik nicht abschrecken,
solch ein feines Deckbauspiel zu entdecken.

Einzigartige Karten werden kombiniert,
ein Überschwemmungsgebiet zu Ackerland formiert,
alles was auf diesem Gelände passiert,
auch die Mitspieler direkt interessiert,
der Funkenschlag-Marktmechanismus hinzu addiert,
wird aus allem ein spannendes Spiel generiert.

Spielmaterial:

Die Ausstattung ist typisch für 2F Spiele. In einer länglichen, großformatigen Schachtel lässt sich der auch zusammengefaltet noch relativ große Spielplan verstauen. Es gibt viele farblose Arbeiter, unterschiedliche Ressourcen, Krokodile und Gebäude aus Holz, ebenso wie die fünf Spielerscheiben. Die Ressourcen und Krokodile sind speziell modelliert, die meisten Gebäudeteile eher abstrakt gehalten. Stanzplättchen repräsentieren das Geld und Rabattmarker für den Kartenmarkt.

Jeder Spieler erhält fünf gleiche Startkarten und zwei Übersichten. Die Übersichtskarten für 2-5 Spieler gibt es sowohl auf deutsch als auch auf englisch, so kann jeder Spieler eine davon mit für ihn verständlichen Text und eine mit Bildern vor sich auslegen. Die Bildsprache funktioniert bei Faiyum generell gut, nach einigen Partien zur Eingewöhnung. Zusätzlich gibt es 69 einzigartige Karten in aufsteigender Reihenfolge, allerdings nur mit geraden Zahlen. Das bietet die Möglichkeit später erscheinenden Erweiterungskarten auch Nummern dazwischen zu vergeben, denn die Reihenfolge ist entscheidend. Zu den vielen Karten gibt es ein umfassendes Glossar, um alle Karteneffekte ausführlich nachlesen zu können.

Faiyum Spielmaterial
Faiyum – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Der Spielplan und alle Elemente darauf sind für alle da. Das bedeutet, dass alle Spieler von den Elementen profitieren und diese für ihre Zwecke nutzen können. Die Gebäude sind limitiert, mehr als die enthaltenen lassen sich nicht errichten, wohingegen die Ressourcen unbegrenzt sind.

Wer am Zug ist, kann eine eigene Handkarte spielen und ihren Effekt abhandeln. Alternativ ist es stattdessen möglich eine Karte vom Markt zu erwerben, die Lage bestimmt den Preis. Gekaufte Karten kommen direkt auf die Hand, sind somit bereits im folgenden Zug einsetzbar. Die dritte Option ist die Verwaltung. Dabei gelangen die letzten drei ausgespielten Karten automatisch zurück auf die Hand des Spielers, weitere lassen sich für jeweils ein Geld dazu kaufen. Aber immer nur in der ausliegenden Reihenfolge. Zuvor gibt es ggf. Einkommen und Arbeiter wandern vom Plan zurück in den Vorrat, zudem wird der Markt aktualisiert. Neu gezogene Karten gelangen immer in Reihenfolge ihrer Nummerierung auf den Markt, die vier Karten im zukünftigen Markt lassen erahnen, was später für Karten verfügbar sind. Jede Verwaltung führt zu einem Rabatt der Karten, die sich schon länger im Markt befinden und macht diese somit interessanter.

Faiyum Spielsituation
Faiyum – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Karteneffekte sind leicht abzuhandeln. Meist bekommen die Spieler etwas, müssen dafür ggf. einen Arbeiter einsetzen oder etwas anderes abgeben. So lassen sich Ressourcen tauschen, um andere Ressourcen, Geld oder Siegpunkte zu generieren. Manche Karten zeigen zudem Krokodile, wenn der eingesetzte Arbeiter ein solches auf seinem Feld entfernt, gibt es Geld als Belohnung. Irgendwann ist der Nachziehstapel aufgebraucht, dann rückt der Stapel für die letzten Züge nach. Darin befinden sich auch die vier Naturkatastrophen, die das Spielende einläuten.

Faiyum Spielplan
Faiyum – Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Ab dem Moment, wo die vierte Naturkatastrophe in den zukünftigen Markt gelangt, ist keine Verwaltungsaktion mehr gestattet. Die eigenen Handkarten dürfen die Spieler noch herunterspielen, sie können aber auch früher passen, um die Naturkatastrophe mit der höchsten Punktebelohnung zu wählen. Nachdem alle Spieler gepasst haben, vergleichen sie ihre Punktzahlen, um den Sieger mit der höchsten Punktzahl zu bestimmen.

Spieleranzahl:

Es gibt nur wenige Anpassungen für die unterschiedlichen Spielerzahlen von 1-5. Die Anzahl der Spieler bestimmt die Höhe der Belohnungen der Naturkatastrophen, der letzte Spieler geht immer leer aus. Zudem bestimmt die Spielerzahl wie viele Karten bei der Verwaltungsaktion zu entfernen sind. Ich mag Faiyum in jeder Besetzung, es spielt sich immer ein wenig anders, aber mir ist keine Konstellation negativ aufgefallen. Wie so oft ist es bei weniger Spielern einfacher den Verlauf einzuschätzen. Bei mehr Spielern wird es etwas chaotischer zu erahnen, was zwischen den eigenen Zügen passiert und welche Optionen einem bleiben.

Solo lässt sich eine Highscore-Kampagne mit vorgegebenen Zielen und zusätzlichen Belohnungen spielen. Dabei wird es teurer in der Verwaltungsphase zusätzliche Karten zurückzukaufen, es besteht allerdings freie Wahl bei den zu entfernenden Karten aus dem Markt. Mir gefällt die Interaktion bei Faiyum, daher ist diese Kampagne für mich als Solospiel-Muffel nicht interessant genug, um sie selbst auszuprobieren.

Glücksfaktor?

Das einzige Glückselement ist das Nachziehen der Marktkarten, da manche Spieler früher Zugriff auf interessante Karten bekommen können, als andere. Ansonsten sind alle Informationen offen. Die spannende Aufgabe liegt darin, die eigenen Karten gut aufeinander abzustimmen und mit möglichst wenigen Zügen viele Punkte generieren zu können.

Meinung:

Optisch lässt sich sicherlich über Faiyum sicherlich streiten, mir gefällt diese reduzierte Grafik, wie auch schon bei Faultier, einfach gut. Thematisch ist mir relativ egal was passiert, ich spiele es eher auf einer rein mechanischen Ebene, das Thema gerät dabei in den Hintergrund. Die Symbolsprache ist anfangs ungewohnt, doch lässt sie sich gut erlernen, sodass spätere Partien mit wenigen Blicken ins Glossar auskommen. Die erste Partie ist sowieso eine reine Lernpartie, da die Karteneffekte erst einmal kennen gelernt werden müssen, um später mit dieser Kenntnis besser darauf spielen zu können.

Die Einzigartigkeit der Karten ist ein interessanter Aspekt dieses Spiels. Zu Beginn sind die Züge noch alle ähnlich, da alle mit denselben Karten starten, doch schon mit den ersten Karten vom Markt beschreitet jeder Spieler seinen eigenen Weg. Manche Karten lohnen sich nur zu Beginn, kommen aber erst spät, andere Elemente kommen vielleicht gar nicht zum Einsatz, weil die Karten zu spät kommen oder einfach abgeräumt werden. Das verleiht jeder Partie ihren ganz eigenen Flair. Manches Mal werden Gebäude gebaut, bis keine davon mehr verfügbar sind, beim nächsten Mal interessiert sich niemand dafür. Selbst die Arbeiter haben unterschiedlichen Einfluss auf die Partien. Selbst sie können ausgehen und sämtliche Karten blockieren, die eine Platzierung eines Arbeiters erfordern. Ist man selbst nicht davon betroffen, verzichtet man schon mal auf Einkommen, um den Mitspielern keine Vorlagen zu geben. Das Geld sitzt manches Mal ziemlich locker, beim nächsten Mal reicht es einfach hinten und vorne nicht aus.

Auch wenn die Spieloptionen selbst doch irgendwie in jeder Partie ähnlich ist, so ist es immer wieder spannend passende Kartenkombinationen zu finden und sein Spiel darauf zu optimieren. Es kann ebenso lukrativ sein schnell die Verwaltungsaktionen auszuführen, wie sein komplettes Deck immer gut durchzuspielen. Nur wenige Karten erlauben das Umsortieren oder gar Entfernen von Karten. Daher sollte die Reihenfolge der Karten gut geplant sein, um nutzlosere Karten nicht wieder aufnehmen zu müssen. Diese Variabilität durch die Karten sorgt für mich für einen großen Wiederspielreiz. Auch der Markt ist spannend, denn man sieht was kommen könnte, weiß aber nicht wann genau diese Karten in den aktuellen Markt rücken und käuflich sind.

Fazit:

Ich mag Faiyum sehr, es kommt für mich spielerisch schon fast an den großen Erfolgstitel Funkenschlag heran. Mir gefällt vor allem, dass sich die einzelnen Partien so völlig unterschiedlich spielen. Die Kartenreihenfolge bestimmt die sinnvollen Kartenkombinationen und stellt die Spieler immer wieder vor die Aufgabe, die in der jeweiligen Spielsituation lukrativsten Kombinationen zu entdecken und diese gekonnt auszuspielen. Die Spieler können sich gegenseitig nichts zerstören, dennoch entsteht ordentlich Interaktion durch den Markt und die gemeinsame Verwendung aller Elemente des Spielplans. Ein rundum gelungenes Spiel in meinen Augen.

Wertungsnote 5/6

Verlag: 2F Spiele
Autor(en): Friedemann Friese
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 1 – 5 Spieler
Dauer: 120 Minuten

Vielen Dank an 2F Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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