Wo geht’s hier zum Ausgang?! – No. 35

Schon viele Male habe ich euch unter dieser Rubrik nun Spiele vorgestellt, die einen Escape Room simulieren, die Spieler eine Geschichte erleben lassen oder bei denen die Spieler als Ermittler verstrickte Kriminalfälle lösen. Dabei handelt es sich um einen Trend, welcher vor einigen Jahren aufkeimte und bislang kein Ende zu finden scheint. Das ist auch gut so, denn mein Interesse an neuen Fällen ist ungebrochen und ich freue mich noch immer auf jeden neuen Fall für altbekannte Spielsysteme genauso wie darauf, völlig neue Ideen in diesem Genre zu erkunden. Daher werde ich weitermachen euch regelmäßig solche Spiele oder ihre Erweiterungen unter dieser Rubrik gesammelt vorzustellen.

Deckscape – Draculas Schloss

Deckscape Draculas Schloss Cover
Deckscape Draculas Schloss – Cover / Foto: Abacusspiele

Nach dem Ausflug zur Pirateninsel, bei dem zwei Crews in einem Escape Room-Spiel gegeneinander antraten, begeben wir uns mit Deckscape – Draculas Schloss wieder zurück zu Deckscapes Wurzeln und spielen alle gemeinsam gegen das Spiel. Dafür führt uns die Geschichte über die 54 großformatigen Karten und ein kleines Heftchen zum Titel gebendem Schloss nach Transsilvanien. Wie zu erwarten, ist die gesamte Szenerie etwas gruselig aufgebaut. Auf dem Weg zu Draculas Schloss lösen die Spieler mit feiner Beobachtungsgabe und logischer Herangehensweise so manches Rätsel. In gewohnter Weise findet sich die Lösung eines Rätsels auf der Rückseite der Karte. Entspricht die Lösung nicht der dortigen Angabe, notieren die Spieler sich diesen Fehler für die Endwertung. Es gibt aber auch Möglichkeiten im Spielverlauf dafür zu sorgen, Fehler streichen zu dürfen.

Deckscape Draculas Schloss  Spielsituation
Deckscape Draculas Schloss Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Im Schloss angekommen warten weitere Rätsel darauf gelöst zu werden. Zeitweise haben die Spieler freie Wahl bei der Reihenfolge der Rätsel, die meisten sind jedoch linear zu lösen. Es gibt so manche Szenerie zum Auslegen und Gegenstände, welche die Spieler sammeln. Bei einem Rätsel gibt es unserer Einschätzung nach neben der gesuchten Lösung noch eine weitere, die ebenfalls als korrekt einzustufen ist. Es ist recht ärgerlich, wenn man eine korrekte Lösung findet, das Spiel dies so aber nicht vorsieht. Auch sonst wirkten viele Rätselideen auf uns eher uninspiriert. Weder die Szenerie, noch die Rätsel, stechen für mich bei diesem Deckscape besonders heraus. Da haben vorherige Abenteuer dieser Serie nachhaltigere Eindrücke hinterlassen.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Abacusspiele
Autor(en): Martino Chiacchiera, Silvano Sorrentino
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Abacusspiele für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Cold Case Detectives – Fall #1: Tödlicher Sommer 1998

Cold Case Detectives: Tödlicher Sommer 1998 Cover
Cold Case Detectives: Tödlicher Sommer 1998 – Cover / Foto: Cold Case Detectives

Mit Cold Case Detectives taucht ein weiterer Verlag in die Welt der Krimispiele ein, der bisher mit X-Scape schon zwei Escape Room-Spiele veröffentlichte. Der erste Fall, Tödlicher Sommer 1998, nimmt die Spieler mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Auch wenn ich zu dieser Zeit noch etwas jünger war, als die vorgestellten Protagonisten, so empfinde ich die Umsetzung dennoch wirklich gelungen. Alleine der beiliegende Auszug eines Jahrbuchs wirkt einfach authentisch und erinnert total an die Aufmachung der eigenen Jahrbücher aus der damaligen Zeit. Dazu empfiehlt die Anleitung eine Spotify-Playlist, um das 90er-Jahre-Feeling zu unterstützen. Atmosphärisch ist das wirklich gelungen.

Cold Case Detectives Tödlicher Sommer 1998 Spielmaterial
Cold Case Detectives Tödlicher Sommer 1998 – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Im Umschlag befinden sich verschiedene Dokumente und Beweismittel, die alle toll aufbereitet sind. Ein Screenshot sieht so aus, wie Computer ihn damals angezeigt hätten. Die zugehörige Online-Datenbank ist zum Glück jedoch auf aktuellem Stand. Dort lassen sich Verhöre von damals anhören, sie sind auch zum Nachlesen in digitaler Textform verfügbar. Ein Umschlag ist zunächst verschlossen und darf erst nach Aufforderung geöffnet werden. Statt eines vorgefertigten Posters ist ein großes Stück Kraftpapier enthalten, ein Begriff, der mir zuvor nicht geläufig war. Auch wenn ich solches Papier durchaus aus Seminaren kenne, als Hintergrund auf Stellwänden um Karteikarten darauf zu pinnen. Wir konnten damit nichts anfangen, aber es ist immerhin mal was anderes.

Cold Case Detectives Tödlicher Sommer 1998 Spielmaterial
Cold Case Detectives: Tödlicher Sommer 1998 – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Im Sommer 1998, ist Bernd Zöller in einem Schwimmbad ums Leben gekommen. Die damaligen Ermittler hatten einige Verdächtige ausgemacht, doch konnten sie die Tat niemanden nachweisen, weshalb der Fall zu den Akten kam. Nur um jetzt von den Cold Case Detectives wieder aufgewärmt zu werden. Etwas schmunzeln musste ich nur beim Namen des Verstorbenen, denn ich kann mich aus dieser Zeit an keinen Mitschüler namens Bernd erinnern, auch nicht in den höheren Jahrgängen ;) Ansonsten ist alles recht stimmig.

Um das Spiel zu beenden, ist die Beantwortung konkreter Fragen mit Angabe der Nummern der Beweismittel erforderlich. Leider ist dies hier nicht so gut gelungen, wie bei Akte Mord, denn die gesuchten Beweismittel waren oft einfach nicht eindeutig zu identifizieren. Wir hatten schnell herausgefunden, was geschehen war, aber bei Benennung der Beweise mussten wir irgendwann nach dem Ausschlussprinzip vorgehen, was sich für erfahrene Ermittler einfach falsch anfühlt. Insgesamt empfand ich dieses Krimispiel als eine gute Umsetzung, bei der viel Wert auf die richtige Stimmung gelegt wurde. Wenn die Auflösung nächstes Mal noch etwas runder ist, wäre dies ein tolles Komplettpaket. Ich würde mich jedenfalls über eine Fortsetzung freuen.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Albert Peter und Le Vinh Quynh GbR
Autor(en): Daria Nina
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 120 – 240 Minuten

Vielen Dank an Sophies Kartenwelt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


DarkFiles Detektivspiel – 1. Fall: KOMA

Dark Files: Koma Cover
Dark Files: Koma – Cover / Foto: Blackfox Games

Aktuell kommen Liebhaber von Krimispielen, die durch Kombination der Informationen aus einem Haufen analoger und digitaler Beweismittel zu lösen sind, voll auf ihre Kosten. Regelmäßig gehen neue Serien an den Start, jeder Verlag möchte noch auf den erfolgreichen Zug aufspringen. Eine dieser neuen Serien nennt sich DarkFiles. Im ersten Fall finden wir unseren Freund Ben bewusstlos vor, müssen ihn retten und zugleich herausfinden, wer dafür verantwortlich ist.

In dem Umschlag befindet sich Material wie Dokumente, Fotos und Visitenkarten. Ein verschlossener Umschlag ist ebenfalls enthalten, der erst nach Aufforderung zu öffnen ist. Insgesamt waren es leider etwas wenige, physische Unterlagen. Es gab auch keine Übersicht über die Verdächtigen, kein Poster oder Ähnliches, um die Informationen leicht zu strukturieren. Einige der Dokumente sind völlig irrelevant für die Lösung dieses Falls. Solche bewusst platzierten falschen Fährten finde ich zwar grundsätzlich gut, doch sind diese hier leider zu wenig eingebunden, als dass sie die Ermittler wirklich ablenken würden. Wir haben uns zwar hin und wieder gefragt, was es damit auf sich haben könnte, aber damit nie viel Zeit vergeudet.

Dark Files: Koma Spielsituation
Dark Files: Koma – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die angegebene Spielerzahl finde ich auch als etwas zu hoch gegriffen, denn ich wüsste nicht wie sich bis zu 8 Spieler mit dem zur Verfügung stehenden Material sinnvoll gleichzeitig beschäftigen sollten. Unabhängig davon hätte ich mir noch mehr analoge Dokumente gewünscht. Während andere Spiele dieser Art einen mit Papier nur so überfluten, blieb es hier recht übersichtlich auf dem Tisch. Für ein Rätsel braucht man eine gute Vorstellungskraft, um das Spielmaterial nicht dauerhaft zu verändern, wie es eigentlich vorgesehen ist. Dann wäre das Spielerlebnis für nachfolgende Ermittler-Gruppen etwas gedämpft.

Leider hat die technische Umsetzung bei uns ziemlich versagt, was sich sehr negativ auf den Gesamteindruck niedergelassen hat. Wie bei vielen anderen Spielen dieser Art auch, gibt es zeitgesteuerte, digitale Elemente, doch kamen diese bei uns viel zu spät. Zu diesem Zeitpunkt waren wir wirklich kurz davor das Spiel abzubrechen, weil wir keine Möglichkeit sahen, die vier Fragen korrekt zu beantworten. Auch die mehrstufigen Tipps haben uns nicht wirklich weiter geholfen, weil uns digitale Dokumente zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorlagen, auf welche sich die Hinweise konkret bezogen. Vielleicht haben wir den initialen Anstoß zu spät gegeben, da wir erst alle Unterlagen sichten wollten, um uns einen umfassenden Überblick zu verschaffen bevor wir etwas anstoßen wollten. Aber für solche Fälle müsste das Spiel Vorkehrungen treffen. Zudem erhielten wir einen vermutlich fälschlichen Anruf, der inhaltlich überhaupt nicht passte, also lässt sich annehmen, das da technisch was nicht korrekt lief.

Leider überwiegen im Gesamteindruck die negativen Erlebnisse durch die fehlerhafte technische Umsetzung und das wenige haptische Material. Aber in Ansätzen hat uns auch dieses Krimispiel gefallen, sodass ich Hoffnung hätte, das da beim nächsten Fall dieser Serie noch mehr herauszuholen ist.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Blackfox Games
Autor(en): k.A.
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 8 Spieler
Dauer: 60 – 180 Minuten

Vielen Dank an bigdaygraphix für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Crime Story – London

Crime Story: London Cover
Crime Story: London – Cover / Foto: Noris

Wieder einmal ist ein Kriminalfall in einer großen Stadt geschehen, erneut ist externe Hilfe von Nöten, um die wahren Umstände aufzuklären. Dieses Crime Story-Spiel führt die Spieler nach London zum Shakespeare Festival des London Globe Theaters. Eine Schauspielerin wurde vor kurzem vergiftet, ein Hauptdarsteller eines anderen Stücks ist plötzlich spurlos verschwunden. Eure Aufgabe besteht darin herauszufinden was geschehen ist, damit die Premiere von Shakespeares Hamlet am Abend ohne weitere Störungen stattfinden kann.

Dafür stehen in bekannter Weise nur 54 Karten, eine kurze Anleitung, deren Rückseite als Spielplan funktioniert sowie eine Holzfigur zur Verfügung. Es gibt verschiedene Spuren, die zu weiteren Karten mit inhaltlichen Informationen und weiteren Spuren führen. In einem vorgegebenen Zeitrahmen haben die Spieler freie Wahl, welchen Spuren sie folgen. Die Zeit ist nicht absolut, jede Spur kostet virtuell 15 oder 30 Minuten Zeit ihr nachzugehen. Zu einigen Zeiten fließen Informationen der Auftraggeberin ein, mit neuen Erkenntnissen zu den Geschehnissen.

Crime Story: London - Spielsituation
Crime Story: London – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Erstmalig haben wir Crime Story zu sechst gespielt. Das funktioniert ebenso gut wie zu fünft oder zweit, die Spieler können sich beim Vorlesen abwechseln und gemeinsam ermitteln. Zum ersten Mal konnten wir allerdings nicht alle Fragen umfassend beantworten, da wir einen entscheidenden Handlungsstrang ignoriert haben. Wir waren uns so sicher auf der richtigen Fährte zu sein und wollten in keine Falle treten, die uns nur Zeit kostet. Dieser Abschluss dämpft natürlich den Gesamteindruck, auch wenn das Spiel an sich ja keine Schuld daran trägt, dass wir in die falsche Richtung ermittelten. In der Gruppe war die einhellige Meinung, dass es für den gebotenen Kriminalspaß etwas zu lange dauerte. Die schriftlichen Informationen wurden hierbei nur wenig aufgelockert, es gab keine spannenden Zeitungsartikel und auch kein neuartiges Element, welches für Spannung sorgte. Daher bleibt das Spielerlebnis leider etwas hinter denen der anderen Spielen dieser Serie zurück.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Noris
Autor(en): Peter Prinz
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 90 Minuten

Vielen Dank an Noris für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


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