Romeo & Julia

Romeo & Julia - Cover
Romeo & Julia – Cover / Foto: Huch!

“Zwei Häuser waren – gleich an Würdigkeit –
Hier in Verona, wo die Handlung steckt,
Durch alten Groll zu neuem Kampf bereit,
Wo Bürgerblut die Bürgerhand befleckt.

Aus dieser Feinde unheilvollem Schoß,
Das Leben zweier Liebender entsprang”,
Sie wollten beieinander sein bloß,
doch erzürnte dies den elterlichen Zank.

Lasst die Liebenden zueinander finden,
Im Geheimen, damit die Liebe siegt,
Doch müsst ihr euch auch etwas winden,
Sich sonst der Hass weiter vertieft.
Quelle: Zeile 1-6 aus Shakespeare’s Romeo & Julia, Übersetzung Schlegel

Spielmaterial:

Das Spielmaterial ist ein wahrer Hingucker. Die ungewöhnliche Schachtel zeigt einen Kuss der Liebenden, doch finde ich diese Illustration gewöhnungsbedürftig. Die Schachtel selbst hat aber einiges zu bieten, begonnen mit einem Magnetverschluss. Nach und nach lassen sich sich Spielplanteile zu allen vier Seiten ausbreiten, bevor der Inhalt sich zeigt. Dazu gehören zwei Pappaufsteller, die Romeo Montague und Julia Capulet zeigen sowie neun dicke, bedruckte Holzscheiben mit Familienmitgliedern beider Familien, dem Geistlichen Bruder Lorenzo und dem Sinnbild des Hasses.

Ein Holzmarker zeigt die Runde an, ein anderer wo die Liebe steht und ein weiterer lässt den Hass steigen. Zu beiden Hauptfiguren gibt es jeweils 14 persönliche Karten, sie zeigen Orte und Begleiter. Kapitel- und Übersichtskarten, kleinere Ereigniskarten und ein Herz- sowie mehrere Botschaftenplättchen gehören ebenfalls zum Spielmaterial. Der Bühnenplan wird auf den Schachtelboden gelegt, er bietet Ablagefläche für Ereigniskarten und zeigt die beiden Leisten für Hass und Liebe. Somit ist die gesamte Schachtel in das Spielgeschehen eingebunden.

Spielmechanismus:

Die Liebe soll in Verona den aufkeimenden Hass besiegen. Nur wenn die von den Spielern verkörperten Liebenden dieses Ziel erreichen, lässt sich eine Partie gewinnen. Zu Beginn werden alle Charaktere anhand der ausgewählten Kapitelkarte platziert. Die roten Figuren gehören zur Familie Montague, die blauen zu den Capulets, der Geistliche Bruder Lorenzo ist ein neutraler Vermittler und das Sinnbild des Hasses verbreitet selbigen. In Maximal zwölf Runden wählen beide Spieler jeweils einen Ort und eine Person von ihrer Hand, der eigener Charakter bewegt sich mit der Person zum angegebenen Ort und führt dessen Effekt aus. Die meisten Orte lassen bestimmte Charaktere bewegen. Nach diesen Bewegungen werden Hass und Liebe überprüft.

Romeo & Julia - Spielaufbau
Romeo & Julia – Spielaufbau / Foto: Brettspielpoesie

Die Spieler haben immer nur jeweils vier Orte und Personen auf der Hand, sind also etwas eingeschränkt bei der Wahl. An sich vielleicht keine sonderlich herausfordernde Aufgabe, wenn es da nicht noch eine weitere Einschränkung gäbe: Die Spieler dürfen nicht offen kommunizieren, Romeo und Julia mussten ihre Treffen auch heimlich arrangieren. Damals gab es noch keine elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten. Dafür gab es Stift und Papier, entsprechend dürfen die Spieler im Spiel geheime Botschaften zum Treffpunkt senden, wenn sie dabei ein Botschaftenplättchen abgeben können. Danach müssen sich beide noch auf Liebe oder Verstand einigen, denn nur wenn beide die Liebe wählen, lässt ein Treffen auch die Liebe steigen. Fällt die Wahl auf den Verstand erhalten beide ein Botschaftenplättchen, welches später wieder für eine Botschaft zum Treffpunkt verwendet werden kann. Selbst wenn bei gewähltem Verstand beide am selben Ort stehen sollten, hat das keine Auswirkung auf die Liebe.

Romeo & Julia - Kartenauswahl
Romeo & Julia – Kartenauswahl / Foto: Brettspielpoesie

Es folgt die Auflösung. Die Amme überreicht Julia ein Botschaftenplättchen, wenn sie beide am selben Ort stehen. Hass breitet sich aus, wenn Charaktere unterschiedlicher Familien gemeinsam an einem Ort sind. Auch Romeo und Julia dürfen dabei nicht mit Mitgliedern der anderen Familie zusammen stehen. Es sei denn Bruder Lorenzo ist zur Schlichtung dabei. Das Sinnbild des Hasses verbreitet immer Hass, wenn sich an dessen Ort auch nur eine weitere Person befindet. Die Liebe steigt, wenn Romeo und Julia zueinander gefunden haben, auf Julias Balkon sogar doppelt. Jeder Schritt auf der Liebesleiste führt zu einer neuen Ereigniskarte. Einmalige Ereignisse bewegen bestimmte Charaktere, dauerhafte ändern gewisse Detailregeln ab. Auf dem Weg zum Sieg werden neun Ereigniskarten aufgedeckt, es gibt aber nur drei Plätze, sodass manche dauerhafte Effekte später überdeckt werden können.

Romeo & Julia - Spielsituation
Romeo & Julia – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die zwölf Runden verteilen sich auf drei Akte, an deren Ende die Karten jeweils neu gemischt werden. Nur eine Karte jeder Sorte wird mit in den folgenden Akt genommen. Die verschiedenen Kapitel bestimmen nicht nur die Startpositionen der Charaktere, die Anzahl der Botschaftenmarker zum Start und ein regeländerndes Ereignis für die gesamte Partie, sondern auch die möglichen Ereigniskarten im Spiel. Durch die Verteilung und die Ereignisse sind die Kapitel einfacher oder schwerer zu lösen.

Romeo & Julia - Spielende
Romeo & Julia – Spielende / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Eine Partie Romeo & Julia kann auf verschiedene Weise enden. Sind alle zwölf Szenen abgeschlossen, aber die Liebe ist noch nicht ganz oben angekommen, verlieren die Spieler. Gleiches passiert, sobald der Hass das höchste Feld seiner Leiste erreicht hat. Nur wenn der Herzmarker das höchste Feld erreicht, siegt die Liebe und die Spieler gewinnen die Partie.

Spieleranzahl:

Dies ist ein reines 2-Personen-Spiel.

Glücksfaktor?

Die Ereigniskarten gibt es in vier Stufen, jedes Kapitel gibt vor aus welchen Stufen wie viele Karten stammen. Die konkrete Auswahl erfolgt zufällig. Diese einerseits geführte, aber dennoch beliebige Verteilung, sorgt für Variation und verhindert, dass exakt vorhersehbar ist, was in einem bestimmten Kapitel noch passieren mag. Besonders die dauerhaften Effekte können je nach Zeitpunkt ihres Auftauchens mehr oder weniger nerven, zum Ende hin vielleicht gar dafür sorgen, dass die Partie nicht mehr zu gewinnen ist. Aufgrund der kurzen Spielzeit ist dies allerdings gut zu verkraften.

Die Spieler haben zu Beginn eines Durchgangs nicht alle Orte und Personen auf der Hand, so ist es manchmal unmöglich sich an bestimmten Orten zu treffen. Das kann zu aussichtslosen Kombinationen führen, doch besteht dann die Möglichkeit Verstand zu wählen, um Botschaftenplättchen zu bekommen. Die Liebe muss auch nicht zwingend in jeder Runde steigen, um die Partie zu gewinnen. Jede ausgespielte Charakterkarte gibt zudem Informationen zu den weiteren Optionen preis.

Meinung:

Die Idee des Spiels wird thematisch hervorragend unterstützt, die Liebenden wollen sich im Geheimen treffen, damit der Hass durch die verfeindeten Familien nicht steigt. Schließlich wissen wir ja alles wie das sonst ausgehen könnte. Die Aufgabe wird dadurch richtig spannend, dass beide Charaktere nicht alleine unterwegs sind, sondern immer nur in Begleitung. Dadurch entsteht das spannende Rätsel, wie es mit den auszuspielenden Handkarten und Ortseffekten gelingen mag, die Charaktere optimal zu positionieren. Die Illustration auf der Schachtel selbst lädt mich überhaupt nicht ein, das Spiel zu entdecken. Das küssende Paar wirkt auf mich irgendwie unnatürlich. Aber das restliche Spielmaterial und dessen Illustrationen ziehen mich total in den Bann und lassen mich gefühlt einem echten Theaterstück folgen.

Mit kooperativen Spielen stehe ich ja öfter mal auf Kriegsfuß, auch bei Romeo & Julia hat sich anfangs gezeigt, warum das häufig so ist. Da beide Spieler nur sehr eingeschränkt kommunizieren können, ist es wichtig sich wortlos zu verstehen und die Situation ähnlich gut einschätzen zu können. Dafür habe ich mehr Zeit benötigt als mein Gegenüber, was ihn anfangs sicherlich ziemlich verzweifeln lies. Aus dem Bauch heraus lässt sich Romeo & Julia wohl kaum erfolgreich spielen. Nicht nur wollen die Liebenden zueinander finden, jede Charakterbewegung kann sich auch auf den Hass auswirken. Von daher muss immer auch an die Konstellationen an anderen Orten und die Effekte der Orte gedacht werden. Auch welche Optionen in einem Akt noch bleiben, wenn bestimmte Handkarten bereits ausgespielt sind, sollte beachtet werden.

In der allerersten Partie sind die Effekte der Orte noch optional, um ein Gefühl für das Spiel bekommen zu können. Dadurch bietet sich ein guter Einstieg. Jedes Kapitel bringt eine spezielle Besonderheit mit sich, auf diese müssen sich die Spieler zunächst einstellen. Auch wenn in jeder Partie eigentlich immer wieder dasselbe geschieht, so spielen sich diese durch die kleinen Anpassungen doch ein wenig anders. Das erzeugt für mich den enormen Wiederspielreiz. Zumindest erst einmal solange, bis auch das letzte Kapitel erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

Fazit:

Romeo & Julia ist im Kern ein abstraktes Logik-Rätsel, welches durch seine thematische Einbettung und insbesondere die Gestaltung ein tolles Gesamtkonzept bietet. Die einzelnen Kapitel unterscheiden sich in der Schwierigkeit und nehmen die Spieler mit auf eine Reise durch das gesamte Theaterstück, bei dem sie peu á peu dazu lernen und sich besser aufeinander einstellen können, um immer größere Herausforderungen zu meistern.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Huch! Spiele
Autor(en): Julien Prothière, Jean Philippe Salut
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 Spieler
Dauer: 10 – 35 Minuten

Vielen Dank an Hutter Trade für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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