Café / Codex Naturalis

Heute möchte ich zwei Spiele vorstellen, die manche Gemeinsamkeiten haben, aber doch auch ganz unterschiedlich sind. Das eine kommt in einer länglichen Stülpschachtel daher, das andere in einer quadratischen Metalldose. Beide Covergrafiken zieren das Licht reflektierende gold- bzw. silberfarbene Applikationen, was einen edlen Touch verleiht. Sie sind beide in etwa zur selben Zeit bei Huch! auf deutsch erschienen. Eines gab es ein Jahr zuvor bereits als deutsche Version über die Spieleschmiede, das andere wurde gemeinsam mit den weiteren Sprachversionen veröffentlicht. Auch das Innenleben weist Gemeinsamkeiten auf, denn beide enthalten viele Karten, welche die Spieler in ihrer eigenen Auslage teilweise überlappend auslegen, um Punkte zu generieren. So viel zu den Gemeinsamkeiten, gehen wir also zu den Spielen selbst und Unterschieden zueinander über.

Café

Café Cover
Café Cover / Foto: Huch!

In Café simulieren die Spieler den Prozess vom Anbau vier verschiedenfarbiger Kaffeebohnen über die Trocknung und Röstung bis hin zur Auslieferung. Dazu entsteht vor jedem Spieler eine Kartenauslage aus vielen Aktionsfeldern. Ausliegende Kaffeetassensymbole bestimmen über die zur Verfügung stehende Anzahl von Aktionspunkten, welche die Spieler für die einzelnen Aktionen pro Runde ausgeben können. Eine solche Tasse auszuspielen kostet eine Kaffeebohne. Mit zwei Schiffen in der eigenen Auslage entfallen diese Zusatzkosten.

Café - Spielsituation
Café – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Zu Beginn einer jeden Runde wählen die Spieler reihum eine aus drei ausliegenden Karten und fügen diese der eigenen Auslage hinzu, wobei mindestens zwei Felder überdeckt werden müssen. Die Anzahl der sichtbaren Kaffeetassen bestimmt die Anzahl der in dieser Runde verfügbaren Aktionspunkte.

Café - Auslage
Café – Auslage / Foto: Brettspielpoesie

Die Ausführung der Aktionen können geübte Spieler parallel erfolgen lassen. Es gibt die vier Aktionsmöglichkeiten anbauen, trocknen, rösten und liefern. Die ersten drei dieser Aktionen belohnen orthogonal benachbarte Aktionsfelder. Wenn vier Bohnenfelder aneinander angrenzen, kostet es nur einen Aktionspunkt auf allen davon jeweils eine farblich passende Bohne zu platzieren. Auch beim Trocknen und Rösten profitieren die Spieler von angrenzenden Aktionsfeldern. Sind die Aktionsfelder nicht zusammenhängend, kostet es mehrere Aktionspunkte diese zu nutzen. Bei der Lieferung können alle gerösteten Bohnen auf Kaffeehäuser oder das Lager verteilt werden, hierfür ist keine angrenzende Auslage erforderlich.

Café - Spielsituation
Café – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Nach 8 Runden endet eine Partie. Die Spieler erhalten ggf. die aufgedruckten Punkte für vollständig belieferte Kaffeehäuser. In den Lagerhäusern zahlt sich gleichmäßige Verteilung aus, denn nur die beiden Sorten, die am wenigsten vorhanden sind, punkten. Die gesamt erzielten Punkte entscheiden über Sieg oder Niederlage.

Meinung

Ich trinke keinen Kaffee, mir schmeckt dieses koffeinhaltige Gebräu einfach nicht, auch wenn es viele so sehr lieben. Ebenso schwer tue ich mich mit dem Spiel Café. Einerseits finde ich es reizvoll, eine effiziente Produktionskette aufzubauen, aber es kommt bei mir einfach kein positives Spielgefühl auf. Zu sehr fühlt man sich den Karten ausgeliefert und das Anlegen neuer Karten gelingt nur selten zur eigenen Zufriedenheit. Immer wieder muss man mit Kompromissen leben und gute Felder überdecken. Die optimale Anordnung der Elemente ist schnell klar, nur gelingt dies eben nicht immer mit den zur Verfügung stehenden Karten.

Das Spielmaterial und die Illustrationen wirken minimalistisch. Das Cover ist abstrakt gestaltet, dies hebt sich von anderen Spielen ab und wirkt künstlerisch wertvoll. Die Symbole auf den Karten selbst sind klar und helfen ohne Schnörkel die Aktionsmöglichkeiten auseinander zu halten. Zusätzlich sind alle Aktionssymbole mit a-d als Verweis auf die zugehörige Aktion gekennzeichnet. Die Kaffeebohnen sind einfach verschieden farbige Holzwürfel, das ist vielleicht nicht sonderlich hübsch, aber vollkommen zweckmäßig.

Die Interaktion beschränkt sich auf die gemeinsame Kartenauslage, bei denen man Karten nicht nur danach wählen kann, welche einem selbst den meisten Nutzen einbringt, sondern auch welche ein nachfolgender Spieler nicht erhalten soll. Dies allerdings nur in sehr begrenztem Rahmen, denn bei nur acht auszuspielenden Karten sollten diese schon gut zueinander passen, um sich selbst nicht abzuhängen. Kaffeetassen für weitere Aktionen sind ebenso reizvoll wie die angrenzende Platzierung gleichartiger Aktionsfelder, um deren Synergien auszunutzen.

Fazit

Café bietet eine durchaus reizvolle Aufgabe, die mich jedoch einfach nicht abholt. Mich überfordert diese Aufgabe regelmäßig, es macht mir nur wenig Spaß die Kartenauslage bis zur Perfektion zu optimieren. Zumal auch Glück notwendig ist, um überhaupt an die erforderlichen Symbole zu gelangen. Ich kann aber verstehen, wenn Spieler genau diese Knobelaufgabe mögen.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Sylex / Vertrieb: Huch!
Autor(en): Costa, Rôla
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten


Codex Naturalis

Codex Naturalis Cover
Codex Naturalis Cover / Foto: Huch!

Was bei Codex Naturalis thematisch geschieht, erschließt sich mir nicht wirklich. Aber ein gutes Spiel braucht für meinen Geschmack nicht zwingend ein Thema. Vor jedem Spieler entsteht während einer Partie eine große Kartenauslage, bei der sich die Ecken der Karten überlappen müssen. Diese Auslage besteht zu Beginn nur aus einer Startkarte die auf einer Seite alle vier möglichen Ressourcen in den Ecken zeigt und auf der anderen auch Ressourcen in der Mitte, die niemals überdeckt werden. Drei Karten hat jeder Spieler immer auf der Hand, aus denen eine pro Zug auszulegen ist.

Codex Naturalis Spielsituation
Codex Naturalis Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Karten unterscheiden sich in Ressourcen- und Goldkarten, von denen jeweils immer zwei offen ausliegen. Ressourcen lassen sich ohne Bedingung ausspielen und bringen Ressourcensymbole ein, während Goldkarten bestimmte, ausliegende Ressourcen erfordern, um sie ausspielen zu dürfen. Sie selbst zeigen keine Ressourcen. Dafür bringen sie Punkte ein. Manche einfach so, andere bei bestimmten Voraussetzungen, wie zum Beispiel dem Vorhandensein von goldenen Objekten auf ausliegenden Karten. Nach dem Ausspielen wird eine neue Karte aufgenommen, entweder eine offene oder die oberste einer der beiden Stapel. Von dieser ist die Farbe bekannt, nicht jedoch welche Ecken und Symbole die Vorderseite zeigt.

Codex Naturalis Aufgabenkarten
Codex Naturalis Aufgabenkarten / Foto: Brettspielpoesie

Im Verlauf der Partie gesammelte Punkte lassen sich auf der kleinen Punktetafel verwalten. Sobald ein Spieler 20 Punkte erreicht, folgt auf die laufende Runde noch eine weitere, bevor es zur Endwertung kommt. Gleiches gilt, wenn beide Kartenstapel aufgebraucht sind. Dann werden die Aufgabenkarten aufgedeckt und bei Erfüllung weitere Punkte hinzugefügt, um den Sieger im Anschluss mit den meisten Punkten ablesen zu können.

Codex Naturalis Spielsituation
Codex Naturalis Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Meinung

Die kompakte Schachtel täuscht ein wenig darüber hinweg, wie groß die Auslage werden kann. Diese kann schnell viel Raum einnehmen. Eigentlich möchte man keine Symbole überdecken, da die Ressourcen teilweise zum Ausspielen weiterer Karten erforderlich sind, anderseits die Objekte bei Spielende Punkte einbringen können. Durch die variable Rundenzahl entsteht auch ein kleiner Wettlauf. Es gewinnt zwar nicht automatisch, wer das Spiel durch Punkte beendet, aber dies ist meist eine lohnende Ausgangslage. Leider kommt es nicht selten vor, dass sich mehr Punkte erreichen lassen, als auf der Punktetafel abzutragen sind.

Die Interaktion beschränkt sich auf das Wegschnappen lukrativer Karten. Drei Handkarten ermöglichen es in gewissem Rahmen auch unvorteilhafte Karten aufzunehmen, um sie einem Mitspieler vorzuenthalten. Der größte Kritikpunkt an Codex Naturalis sind die eigentlich sehr hübsch illustrierten Karten mit ihren Goldapplikationen. Denn diese spiegeln das Licht, was es erschwert die Symbole oder auch Punkte korrekt abzulesen – bei den Mitspielern, genau wie in der eigenen Auslage. Die beiden Kartenarten nach einer Partie auseinander zu sortieren ist nervig, da sich nur die Rückseiten zuverlässig anhand vorhandener oder nicht vorhandener Goldapplikationen voneinander abgrenzen.

Codex Naturalis Spiegelung
Codex Naturalis Spiegelung / Foto: Brettspielpoesie

Ebenfalls störe ich mich jedes Mal aufs Neue daran, dass ich erst die Seite meiner Startkarte festlege, bevor ich meine Handkarten und vor allem die Aufgabenkarten kenne. Um wirklich effizient drauf zu spielen, erscheint es umgekehrt sinnvoller. Außerdem soll man die Mitte seiner Startkarte mit einem Spielstein seiner Farbe und ggf. dem Startspielermarker belegen, wodurch man aber je nach Wahl der Seite Symbole abdeckt. Der Start ist daher jedes mal etwas holprig.

Trotz der vielfältigen, zuvor genannten Kritikpunkte macht mir Codex Naturalis erstaunlich viel Spaß. Und das, obwohl es im Kern ein völlig abstraktes Spiel ist. Ich mag die lockere Knobelei, wie die Karten ideal anzuordnen sind, um viele Punkte zu erzeugen. Die Entscheidungen sind nicht banal, aber in der Regel auch nicht ausufernd. Es existieren verschiedene Wege an Punkte zu gelangen. Zum einen durch die Karten selbst, durch das Sammeln von Objekten oder vorgegebene Anordnung der Karten für die Endwertungen. Wobei man sich bei der Platzierung auch gerne mal vertut und eine anordnungsbezogene Wertung leicht verbockt, da die Anordnung exakt sein muss und sich nicht drehen oder spiegeln lässt. Was vermutlich auch für die Karten selbst gilt, leider geht die Anleitung darauf nicht genau ein, aber alle Beispiele zeigen die Karten in richtiger Ausrichtung.

Fazit

Codex Naturalis bietet genau die Leichtigkeit, die ich bei Café oft vermisse. Es fühlt sich weniger beengend an. Es gibt verschiedene Möglichkeiten Punkte zu erzeugen und bei allen entsteht eine bunte Auslage aus den hübsch anzusehenden Karten. Für mich ein richtiges Wohlfühlspiel, unabhängig vom Ausgang der einzelnen Partien. Leider mit kleineren Mängeln in der Ausführung, welche die Wertung etwas nach unten ziehen.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Bombyx / Vertrieb: Huch!
Autor(en): Thomas Dupont
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 25 Minuten


Vielen Dank an Huch! für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare!

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