Little Factory

Little Factory - Cover
Little Factory – Cover / Foto: iello

Wie bei den drei kleinen Schweinchen schon,
baut ihr in Little Factory Gebäude aus Stroh,
Holz oder Stein könnt ihr auch verwenden,
oder formt es aus Lehm, es liegt in euren Händen,
wie ihr die verschiedenen Ressourcen verwaltet,
welchen Ertrag ihr durch Veredelung erhaltet.
Im Zweifel lässt sich alles auch mit Geld bezahlen,
achtet nur immer darauf, die Nase vorn zu haben.

Spielmaterial:

Das Spielmaterial von Little Factory besteht vor allem aus 44 Ressourcenkarten in drei Stufen und 30 Gebäudekarten. Die Karten der einzelnen Stufen lassen sich anhand der Hintergrundfarbe einfach auseinander halten. Das Startgeld ist nicht auf Karten gedruckt, sondern auf ähnlich großen Stanzplättchen. Zusätzliche Siegpunktmarker zählen alle jeweils nur einen Siegpunkt, dennoch sind sie optisch etwas unterschiedlich ausgestaltet. Sämtliche Illustrationen ähneln denen aus Little Town.

Spielmechanismus:

In Little Factory liegen die Ressourcen sortiert nach Stufen in drei eigenen Reihen aus, gleiche Karten bilden einen Stapel. Die Spieler tauschen Rund für Runde Karten in andere Karten, um darüber an Siegpunkte zu gelangen. Diese gibt es für ausgespielte Gebäudekarten, manche dieser Gebäude ermöglichen es zusätzlich im eigenen Zug bestimmte Ressourcen in Siegpunktmarker einzutauschen. Tauschen ist das zentrale Element in diesem Spiel.

Little Factory Kartenauslage
Little Factory -Kartenauslage / Foto: Brettspielpoesie

Als verpflichtende Hauptaktion lässt sich darüber eine einzelne Karte herstellen oder eine Handelsaktion ausführen. Beim Handeln gilt eine 1:n-Beziehung: Mit genau einer Karte dürfen entsprechend ihres Wertes mehrere Karten aufgenommen werden, alternativ lassen sich auch mehrere Handkarten kombinieren um exakt eine einzelne Karte aus der Auslage zu erhalten. Für die Herstellung sind die abgebildeten Ressourcen gefragt, oft gibt es dafür mehrere Optionen. Für Garn braucht man zum Beispiel entweder eine Baumwoll-Ressource oder es reicht aus ein Schaf vorzuzeigen, denn nur dessen Wolle ist dafür notwendig, dem Schaf selbst passiert dabei nichts. Ressourcenkarten jeder Stufe gelangen auf die Hand (bis zu einem Maximum von 7), Gebäudekarten kommen offen in die Auslage.

Little Factory Spielsituation
Little Factory – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Jedes Gebäude lässt sich einmalig pro Zug aktivieren, entweder vor oder nach der Hauptaktion. Die meisten von ihnen bieten Tauschoptionen, wie sie von den Ressourcenkarten bekannt sind. Auch hier gilt, dass die entstehende Ressource in der Kartenauslage verfügbar sein muss. Am Ende eines jeden Zuges wird die Kartenauslage wieder nach den Regeln aufgefüllt.

Spielende:

Wem es zuerst gelingt zehn Siegpunkte zu sammeln, geht als Sieger aus der Partie hervor. Alternativ gewinnt man mit den meisten Siegpunkten, sobald alle Siegpunktmarker vergeben sind.

Spieleranzahl:

Je nach Spielerzahl stehen mehr oder weniger der einfachsten Ressourcen zur Verfügung. Das hält diese auch bei weniger Spielern knapp. Mir haben die Partien in jeder Besetzung gefallen. Umso mehr Spieler dabei sind, desto höher wird die Konkurrenz um bestimmte Ressourcen, während man sich zu zweit in der Regel eher unbehelligt auf seine eigene Engine konzentrieren kann.

Obwohl die Schachtel eine mögliche Spielerzahl von 2-4 angibt, ist eine zusätzliche Solovariante auf einem gesonderten Blatt beschrieben. Dabei kann ein Spieler bei angepassten Regeln zur Bestückung der Kartenauslage, versuchen mehr als 10 Siegpunkte zu sammeln, bis der Stapel der Gebäudekarten aufgebraucht ist. Diese Variante habe ich nicht ausprobiert.

Glücksfaktor?

Die zufällige Kartenauslage bietet einige Glücksmomente. Ressourcen lassen sich nur produzieren, wenn die zu produzierende Ware in diesem Moment verfügbar ist. Wenn es blöd läuft, können die eigenen Gebäude nur selten aktiviert werden, man sollte dies schon gut abpassen und nicht mit zu vielen Mitspielern in Konkurrenz um einzelne Ressourcen stehen. Zudem passen die produzierten Waren nicht immer zu den ausliegenden Gebäudekarten. Diese lassen sich aber auch käuflich erwerben, sodass man durch unglückliche Kombinationen nicht völlig chancenlos ist.

Meinung:

Der optisch ähnliche Vorgänger Little Town hat noch eine weitere Gemeinsamkeit mit Little Factory: Beide Spiele setzen einen Kernmechanismus gekonnt in den Fokus. Statt Worker Placement setzen die Autoren bei Little Factory auf Engine Building, wieder kombiniert mit Ressourcenmanagement und Gebäudebau. Dabei ist das Spielprinzip sehr zugänglich, vieles lässt sich praktisch erklären. Eine Kuh kann wiederholt Milch geben, nach der Produktion von Leder steht die Kuh allerdings nicht mehr zur Verfügung. Thematisch vielleicht nicht so ganz dicht ist lediglich der Umstand, dass eine Ressource in der Auslage liegen muss, um sie entstehen lassen zu können. Aber an manchen Tagen beißt vielleicht auch mit einer Angel einfach kein Fisch an und die Wolle muss beim Schaf erst wachsen, bis daraus Garn entstehen kann.

Auch die Beschränkung beim Handeln kann anfangs zu Irritationen führen. Auf einer der beiden Seiten darf nur genau eine Karte sein, entweder als Input oder als Output. Zu gerne möchte man mehrere Karten aus der Auslage aufnehmen, besonders wenn viele Ressourcen auf der eigenen Hand sind. Zum Glück gibt es da noch die Gebäudefunktionen, die meist zusätzliche Tauschaktionen ermöglichen. Die einzutauschenden Ressourcenkosten variieren dabei in der Regel nicht zu denen auf den Ressourcenkarten selbst, die zusätzliche Tauschmöglichkeit ist schon Bonus genug.

Anfangs sind die Züge der einzelnen Spieler eher uninteressant, da sie sich zumeist auf den Erwerb einfacher Ressourcen beschränken und noch keine eigenen Gebäude zur Aktivierung vorhanden sind. Dafür lassen sie sich schnell abhandeln. Mit mehr Gebäuden gibt es, in Abhängigkeit der verfügbaren Ressourcen, meist auch mehr Optionen. Die Tauschketten ideal auszunutzen fühlt sich sehr belohnend an. Zumindest wenn die Ressourcen auch alle zur Verfügung stehen, sonst kann Little Factory nämlich frustrieren. Wenn man zwischen ausufernden Produktionsketten der Mitspieler selber immer wieder bloß die Hauptaktion ausführen kann, fühlt sich das schon blöd an. Ebenso wenn ein Mitspieler bestimmte Ressourcen bewusst hortet und damit den anderen vorenthält. Dennoch beginnt irgendwann die heiße Phase des Wettrennens um die zehn Punkte zum Sieg. In unseren Partien entstanden eigentlich immer spannende Schlussspurte, bei denen alle Spieler dem Sieg sehr nah waren.

Fazit:

Little Factory ist für mich genau das, was ich erwartet habe: Ein auf einen Kernmechanismus reduziertes Spielprinzip in hübscher Optik, mit spannendem Endspurt. Die vielen verschiedenen Gebäude mit unterschiedlichen Funktionen bieten Variation, letztlich bleibt es aber eine kleine Tauschorgie.

Wertungsnote 4/6

Verlag: iello / Vertrieb: Huch!
Autor(en): Aya Taguchi, Shun Taguchi
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 45 Minuten

Vielen Dank an Huch! für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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