Little Town

Little Town Cover

Cover / Foto: Huch!

Eine kleine Stadt lasst ihr entstehen,
der Bau beginnt zwischen Wäldern und Seen,
nah den Bergen gibt es fruchtbares Land,
um Getreide anzubauen von eigener Hand.
Damit könnt ihr die Arbeiter ernähren,
euch auch die Nachbarn Aktionen gewähren.
Tauscht eure Ressourcen hin und her,
Geld und Siegpunkte werden immer mehr.
Dies wird manches Mal teuer bezahlt,
damit euer Punktestand am Ende strahlt.

 

Spielmaterial:

In der kleinen Schachtel befindet sich ein faltbarer Spielplan, mit zwei leicht unterschiedlich bedruckten Seiten und jede Menge quadratischer Bauplättchen. Die Spieler erhalten Arbeiter, Häuser und einen Stern aus Holz in einer der vier enthaltenen Farben. Diese sind recht ungewohnt gewählt: Lila, orange, rot und weiß stehen zur Wahl. Der Stern dient zur Markierung der Punkte auf dem Spielplan. Die bunten Holzwürfel in blau, braun, gelb und grau repräsentieren die Ressourcen, Geld liegt als Pappmünzen bei. Ein kleiner schwarzer Hammer dient als Rundenanzeiger, das größere Pendant ist der Startspielermarker.

Little Town Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Zu Beginn der Partie zeigt der Spielplan nur wenige Felder mit Seen, Wäldern und Gebirgen, diese bringen Fisch, Holz und Stein ein. Das passiert automatisch, indem ein Arbeiter an ein solches Feld platziert wird. Es werden dabei immer alle bis zu acht angrenzenden Felder aktiviert. Zu Beginn stehen dafür nur wenige aufgedruckte Ressourcenfelder zur Verfügung, später können es immer mehr werden. Die Alternativaktion ist es nämlich, ein Gebäude zu errichten. Dafür wird eines der 12 verfügbaren Gebäude oder ein Getreidefeld gewählt, die geforderten Ressourcen abgegeben und ein freies Feld zum Platzieren gesucht. Werden später Arbeiter auf dem Spielplan platziert, aktivieren sie nicht nur die Ressourcenfelder, sondern auch die Gebäude. Eigene errichtete Gebäude, gekennzeichnet durch die Gebäudemarker, werden kostenfrei aktiviert. Die Gebäude ermöglichen Tauschaktionen und können zu Geld oder Siegpunkten führen. Gebäude der Mitspieler können ebenfalls aktiviert werden, jedoch ist dafür eine Münze an den Besitzer zu bezahlen. Sobald ein Gebäude auf ein Feld platziert wurde, steht dieses Feld natürlich nicht mehr zur Aktivierung mit einem Arbeiter zur Verfügung.

Little Town Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Ressourcen zu sammeln und zu tauschen wäre so einfach, wenn die Arbeiter nicht am Rundenende Nahrung, also Fische oder Getreide, einfordern würden. Sich diese Ressourcen zu beschaffen sollte nicht vernachlässigt werden, hungrige Arbeiter kosten Siegpunkte. Einige Sondergebäude werden am Rundenende automatisch aktiviert und bringen den angegebenen Bonus in Abhängigkeit umliegender Plättchen. Zu Beginn jeder Partie werden zudem einige geheime Zielkarten an die Spieler verteilt. Sobald eine Bedingung erfüllt wurde, wird die Karte aufgedeckt und die Punkte dafür vergeben. Diese Bedingung kann lauten Gebäude in bestimmter Formation zu errichten, die Arbeiter ausschließlich mit Fisch oder Getreide zu versorgen oder ein Gebäude zu bauen, welches bestimmte Ressourcen erfordert.

Little Town Zielkarten / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Nach vier Runde ist eine Partie vorüber, übrigens Geld kann noch in Siegpunkte getauscht werden bevor der Spieler mit den meisten Siegpunkten sich über den Sieg freuen kann.

Spieleranzahl:

Die Spielerzahl steuert die Anzahl Zielkarten, Häuser und vor allem die Anzahl Arbeiter, die jedem Spieler zur Verfügung stehen. Mehr Arbeiter bedeuten nämlich auch mehr hungrige Mäuler, die gestopft werden wollen. Durch diese Anpassung funktioniert es mit jeder möglichen Spielerzahl, das Spielgefühl verlagert sich dabei ein wenig. Zu zweit kann man sich schon gut aus dem Weg gehen, zu viert entsteht meist ein ziemliches Gerangel um die besten Bauplätze, was das ganze Spiel schwerer planbar macht. Es gibt eine Zielkarte, die mehr Häuser als Arbeiter verlangt, was natürlich beschwerlicher ist, umso mehr Arbeiter ein Spieler zur Verfügung hat. Bei drei Spielern wird genau ein Spieler in zwei Runden Startspieler, dafür gibt es keinen Ausgleich.

Glücksfaktor?

Eigentlich gibt es wenig, was hier vom Glück beeinflusst wird. Lediglich die Zielkarten sind bis zur Erfüllung geheim und werden zufällig verteilt. Sie fühlen sich zum Teil etwas unausgewogen an, ihr Punkteeinkommen ist aber auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Besonders die Karte, bei der null Geld gefordert wird, ist gerade im Spiel zu viert gar nicht so leicht zu erfüllen. Nicht selten kommt noch ein Spieler dazwischen, der für die Aktivierung eines Gebäudes zahlt und schon hat man wieder Geld vorzuweisen. Alle anderen Spielelemente sind jederzeit offen einsehbar, es gibt keine Überraschungen. Pro Partie steht nur die Hälfte aller enthaltener Gebäudeplättchen zur Verfügung, das sorgt für Variation, aber pro Partie sind wirklich alle Optionen zu Beginn bekannt.

Fazit:

Little Town – Der Name ist bei diesem Spiel Programm. Es ist ein kleines Worker Placement Spiel, bei dem die Spieler gemeinsam ein kleines Dorf errichten. Ähnlich wie auch schon bei The River von Days of Wonder, wurde hier alles auf das Wesentliche reduziert, dies ermöglicht einen leichten Einstieg in das Genre. Die meisten Symbole auf den Gebäudeplättchen sind selbsterklärend, zudem gibt es eine Gebäudeübersicht mit den Funktionen der Sondergebäude.

Jede Fläche im Gelände kann als Bauplatz genutzt werden oder zum Aktivieren der Gebäude/Gelände. Wird es als Bauplatz genutzt, kann über dieses Feld in der Partie keine Aktivierung mehr ausgeführt werden. Daraus entsteht ein interessanter Interessenkonflikt. Möchte ich selbst viel aktivieren, muss ich meinen Arbeiter dort einsetzen. Doch auch manche Gebäude belohnen viele angrenzende Felder. Damit kann sogar für den Rest der Partie verhindert werden, dass ein Mitspieler einen Arbeiter dort einsetzt.

Die Zielkarten sind irgendwie nur schmückendes Beiwerk. Sie bringen wenige Punkte ein, können allerdings eine Richtung vorgeben, was sich lohnt zu errichten. Häufig können die Ziele bereits in der ersten Runde erfüllt werden, nicht selten kam die Nachfrage, ob in den Folgerunden weitere Aufgaben verteilt werden. Dies ist laut Spielregel nicht vorgesehen. Dieses Spiel richtet sich ganz klar an Einsteiger, kann dabei aber durchaus auch erfahrene Spieler bei Laune halten. Auch wenn man jetzt vielleicht denkt, es wäre doch zu Beginn direkt offensichtlich, wo man einen Arbeiter Ressourcen sammeln lässt, so zeigte die Praxis, dass man gerne den Wald vor lauter Bäumen übersieht. Erst wenn ein nachfolgender Spieler dann diesen perfekten Move macht, wird einem bewusst, welche Option man selbst hat liegen lassen.

Meinen persönlichen Geschmack trifft Little Town leider nicht so richtig, dafür ist der Spielablauf doch zu geradlinig. Nach wenigen Partien habe ich bereits das Gefühl, alles in diesem Spiel gesehen zu haben. Es kommen zwar in jeder Partie andere Gebäudeplättchen zum Einsatz, das sorgt auch für einen gewissen Wiederspielreiz, die jeweiligen Fähigkeiten unterscheiden sich aber kaum. Meist handelt es sich um Tauschaktionen, nur wenige Plättchen heben sich davon ein wenig ab. Objektiv macht dieses Spiel wenig falsch, alles fühlt sich harmonisch an, doch es fehlt für erfahrenere Spieler einfach das gewisse Etwas. Auch wenn ich die Aktivierung angrenzender Felder interessant finde. Und um weniger erfahrene Spieler an Worker Placement heranzuführen, ist Little Town hervorragend geeignet ohne erfahrenere Spieler direkt zu langweilen. Die liebevoll gestaltete Optik sorgt für ein stimmiges Gesamtpaket.

P.S.: Mir wurde ein englisches Exemplar zur Verfügung gestellt, zur SPIEL’19 wird es aber auch eine deutsche Version geben. Abgesehen von den Zielkarten ist das gesamte Spielmaterial sprachneutral.

Wertungsnote 4/6

Verlag: iello / Vertrieb: Huch!
Autor(en): Aya & Shun Taguchi
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 45 Minuten

Vielen Dank an Huch! für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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