Downforce

Downforce Cover

Cover / Foto: iello GmbH

Spiele, die 20 Jahre oder mehr auf dem Buckel haben, können viele Spieler heutzutage kaum noch hinter dem Ofen hervor locken. Manches Mal sind es vielleicht noch schöne Erinnerungen an vergangene Spieleabende, welche die Spieler ab und an zu dem Spiel greifen lassen. Doch so manches Spielprinzip braucht einfach nur einen etwas neuen Anstrich und schon kann es auch in der heutigen Zeit bestehen. Genau dies hat sich der Verlag Restoration Games um den erfolgreichen Legacy-Autor Rob Daviau zum Ziel gesetzt, sie nehmen alte Spiele, polieren das Spielmaterial und die Regeln etwas auf, um sie in die heutige Zeit zu überführen. So ist es Top Race ergangen, einem der Spiele mit dem „Auto racing:Wolfgang Kramer card system“, wie es bei Boardgamegeek einzeln aufgeführt wird. Bereits seine allererste Veröffentlichung im Jahre 1974 mit dem Titel Tempo verwendete dieses Spielsystem. Daraus entwickelte sich Formel 1 und später Top Race, nun wird daraus Downforce, ein Spiel welches in diesem Jahr für Europa von iello veröffentlicht wird und sich für Deutschland im Vertrieb von Huch! befindet.

Spielmaterial:

Achtung! Das Spielmaterial auf den Bildern ist aus der englischen Ausgabe. Es unterscheidet sich lediglich in der Sprache der Texte auf manchen Karten von der deutschen Ausgabe.

Wie auch bei anderen iello-Spielen kann das Material auf ganzer Linie überzeugen. Der große, faltbare Spielplan ist doppelseitig bedruckt, darauf werden kleine Plastik-Autos bewegt. Diese haben leider keine Räder zum rollen, aber die wären vermutlich auch unpraktisch und könnten schnell verrutschen. So hinterlassen sie kleine Spuren auf dem Spielplan, doch irgendwie wirkt dies authentisch und passt einfach zum Spiel. Es sind noch 42 Tempokarten und zwölf weitere Karten enthalten. Die Karten fühlen sich relativ dünn an, es lässt sich mit ihnen aber problemlos spielen. Dazu gibt es noch einen Wertungsblock und sechs Fahrerkärtchen.

Downforce River Station

Downforce River Station / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Dieses Wettrennen erfolgt in zwei Phasen: Erst werden Autos und Fähigkeiten versteigert, dann fahren die Autos um den Sieg. Nacheinander wird zu Beginn jeweils eine Fähigkeit und eine Tempokarte mit Wert 8 einer bestimmten Farbe aufgedeckt, die es zu ersteigern gibt. Dafür wählt jeder Spieler geheim eine Handkarte, verglichen werden die Werte der entsprechenden Farbe. Die für die Autkion verwendeten Karten sind nicht verloren, sie kommen im Anschluss zurück auf die Hand, auch bei dem der die Auktion gewonnen hat. Die normalen Tempokarten zeigen bis zu sechs Farben mit unterschiedlichen Werten von eins bis sechs. Ein Spieler darf durchaus auch mehrere Wagen ersteigern, solange jeder Mitspieler mindestens ein Auto abbekommt. Ein Spieler kann jedoch nur genau eine Fähigkeit haben, die jeweils eine bestimmte Regel für diesen einen Spieler verändert. Wurden mehrere Fähigkeiten ersteigert, muss eine davon gewählt werden.

Downforce Marina Bay

Marina Bay / Foto: Brettspielpoesie

Wurden die Autos verteilt, notieren die Spieler den Kaufpreis, nehmen sich das entsprechende Spielmaterial und los geht das Rennen. Beginnend bei dem Spieler, dessen Wagen sich auf der vor Spielbeginn zufällig bestimmten Startposition befindet und dann im Uhrzeigersinn werden die Tempokarten ausgespielt. Die abgebildeten Autos werden von oben nach unten vom aktiven Spieler entsprechend des Wertes bewegt. Ein Wagen kann sich diagonal vorwärts bewegen, sind jedoch alle erreichbaren Plätze vor ihm belegt, muss er stoppen und warten bis Platz gemacht wurde. Die Strecken haben teilweise Engstellen, wo nur ein Auto stehen darf, die Strecke wird somit für nachfolgende Wagen blockiert.

Downforce Spielkarten

Spielkarten / Foto: Brettspielpoesie

Drei gelb markierte Stellen der Strecke lösen die Wetten aus. Sobald das erste Auto eine solche Linie überquert muss sich jeder auf das Siegerauto festlegen und dies auf dem Wertungszettel notieren. Anschließend geht das Rennen mit dem Zug des nächsten Spielers weiter. Sobald ein Wagen die Ziellinie überquert, wird er aus dem Spiel genommen und auf den nächsten freien Platz des Plazierungsfeldes gesetzt. Fährt der letzte Wagen eines Spielers über die Ziellinie, werden übrige Handkarten abgelegt.

Spielende:

Downforce Wertungszettel

Wertungszettel / Foto: Brettspielpoesie

Die Partie endet mit dem letzten Wagen im Ziel oder wenn kein Spieler mehr Handkarten zur Verfügung hat. Es kann also passieren, das manche Wagen das Ziel niemals erreichen. Die Wertungszettel helfen bei der Ermittlung des Siegers. Es werden Punkte für die Platzierung der eigenen Wagen vergeben und für die platzierten Wetten. Auch wenn der gewählte Wagen „nur“ den zweiten oder dritten Platz belegt, wird das belohnt. Von der Gesamtsumme abgezogen werden die Preise der ersteigerten Wagen. Es gewinnt, wer nach dem Rennen insgesamt über das meiste Geld verfügt.

Spieleranzahl:

Hierbei handelt es sich um ein Spiel, welches erst ab drei Spielern gut funktioniert. In einer Partie zu zweit bekommen beide Spieler die Hälfte aller Karten, dürfen aber immer nur sieben davon auf die Hand ziehen. Das erhöht den Glücksfaktor enorm, man kann nicht so gut im voraus planen, wie wenn man immer alle Karten zur Verfügung hat, mit denen man in die Versteigerung geht. Es ist der Anleitung gar nicht eindeutig zu entnehmen, ob es sich bei der 2-Spieler-Variante mit den sieben Handkarten um eine Variante handelt, oder so gespielt werden muss, diese Regel wird unter alternative Spielvarianten aufgeführt. Doch auch unter normalen Bedingungen sind Partien zu zweit nicht zu empfehlen. Spannend ist es vor allem zu viert oder fünft, wenn die Spieler zwangsläufig unterschiedlich viele Wagen abbekommen, denn mehrere Autos zu steuern und dabei erfolgreich ins Ziel zu bringen, kann sich als kniffelige Aufgabe herausstellen. Mehrere Autos bedeuten auch höhere Ausgaben, die unbedingt wieder reingeholt werden müssen. Die maximale Spielerzahl liegt bei sechs Spielern, dann erhält jeder genau ein Fahrzeug, was den Spielablauf noch überschaubarer macht, aber dennoch einwandfrei funktioniert.

Glücksfaktor?

Die Karten verteilen sich zufällig auf alle Spieler, da kann sich eine Wagenfarbe heraus kristallisieren oder auch nicht. Das ist aber gar nicht so schlimm, da man auch Siegchancen hat, wenn man statt dem passendsten ein übriges, günstiges Auto nimmt und stattdessen auf das Auto wettet, für das man vielleicht die besseren Karten auf der Hand hält. Beim Wetten gehört auch immer Glück hinzu, natürlich kann man anhand der bereits ausgespielten Karten etwas taktieren, aber es ist nicht immer eindeutig abzuschätzen, welche Autos noch irgendwo stecken bleiben. Ich finde diesen Glücksanteil keineswegs störend und bei der kurzen Spielzeit von 30 Minuten völlig akzeptabel.

Fazit:

Ich kannte das Original nicht, doch ich stelle fest, dass es mir und meinen Mitspielern in der überarbeiteten Version Spaß macht und daher danke ich Restoration Games und iello, dieses Spiel nun kennen gelernt zu haben. Der Spielablauf könnte simpler kaum sein: Auto(s) ersteigern, Karten ausspielen, Autos entsprechend bewegen. Das erzeugt eine Menge Spielspaß, es ist der schmale Grat zwischen Einfluss und Zufall, der dafür sorgt.

Auktionen in Brettspielen sind häufig besonders für Einsteiger schwer zu begreifen,  die anfangs noch nicht wirklich wissen worauf es ankommt, doch das funktioniert hier wunderbar. Während die Spieler bei Top Race noch nacheinander Gebote abgeben mussten, wird dies nun über die Karten gesteuert und geschieht gleichzeitig. Das gibt zu einem gewissen Maß vor, welche Optionen einem überhaupt zur Verfügung sehen. Es wird meist geschaut, welche Farbe man weit vorwärts bewegen kann und versucht einfach diesen Wagen zu bekommen. Das ist eine valide Strategie und so kommt jeder Spieler leicht ins Spiel. Wer das Spiel kennt, wird jedoch noch weitere Überlegungen bei der Auswahl der Wagen hinzunehmen. Die Startposition ist recht lukrativ, um den Wagen vom Start auf eine führende Position zu befördern. Auch die zugehörige Fähigkeit kann die Entscheidung beeinflussen, vielleicht nicht den Wagen zu wählen, der am besten zu den eigenen Handkarten passt. Und manches Mal ist es einfach eine knappe Sache und man verliert die angestrebte Auktion. Doch muss die Partie dann noch längst nicht aufgegeben werden. Auch für die hinteren Plätze gibt es eine Belohnung und man kann Punkte durch erfolgreiche Wetten bekommen. Wenn man ein ungewolltes Auto günstig bekommt, während die anderen Spieler häufig das Maximum bezahlen, kann man sich auch dadurch einen kleinen Vorsprung verschaffen.

Die speziellen Fähigkeiten der Spieler werden gerne mal vergessen, da sollte man vor allem in den ersten Partien genau drauf achten. Ihre Funktionen können den kleinen aber feinen Unterschied machen und einen Spieler zum Sieg führen, wenn entweder z.B. die Tempokarte in umgekehrter Reihenfolge abgearbeitet werden darf, das eigene Auto immer selbst bewegt wird oder in bestimmten Fällen Zusatzschritte möglich werden.

Durch die Tempokarten, die meist mehrere Autos bewegen, ist eine hohe Interaktion gegeben. Alle Spieler wollen das Geschehen auf der Rennstrecke mitverfolgen. Man muss ein wenig abwägen, welche Autos man durch seine Karten ebenfalls pusht und ob sich das in der aktuellen Situation lohnt. Besonders interessant sind natürlich Karten mit vielen Farben, bei denen aber fast keine Wagen bewegt werden, weil alle vor einem Nadelöhr stehen und nicht voran kommen. Freud und Leid über die gewählten Karten der Mitspieler liegen bei diesem Spiel also nah beieinander. Dieses Spielprinzip wurde zurecht so oft neu aufgelegt, es kann den Spielern eine vergnügliche halbe Stunde am Spieltisch einbringen. Und wem zwei Spielpläne als Abwechslung nicht ausreichen, der kann sich schon auf die angekündigte Erweiterung mit neuen Spielplänen freuen, die wirklich interessante Strecken beinhalten.

Wertungsnote 5/6

Verlag: iello, Restoration Games / Vertrieb: Huch!
Autor(en): Wolfgang Kramer
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 2 – 6 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Huch! und iello für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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2 Gedanken zu “Downforce

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