The Legend of the Cherry Tree

Cherry Tree Cover

Cover / Foto: Huch!

Von iello bereits auf der Spielwarenmesse 2017 angekündigt, erscheint in diesem Frühjahr nun endlich The Legend of the cherry tree that blossoms every ten years. Wow! Was für ein Name für ein Spiel…Dachte sich wohl auch Huch!, denn sie haben den Namen für die deutsche Version gekürzt. Dafür wurde, im Gegensatz zu Berge des Wahnsinns, der Originaltitel nicht eingedeutscht. Das Spiel erschien unter dem Namen Hitohira bereits 2015 in Japan, wo die Geschichte dazu spielt. Zur Legende selbst findet man im Internet nicht viel, denn eigentlich erwartet man die Kirschblüte in Japan jedes Jahr aufs Neue. Sie zieht Mitte/Ende März von Süden hinauf in den Nordosten, an jedem Ort ist die Kirschblüte dabei nur für ca. 10 Tage zu sehen. Dies läutet auch den warmen Teil des Jahres ein und wird von vielen Anwohnern als Grund zum Feiern angesehen.

Spielmaterial:

Das Spielmaterial ist in gewohnter iello-Qualität: Stabile Sichtschirme aus dicker Pappe, innen ist die Schlusswertung abgedruckt. Die knapp 100 Blüten-Spielsteine aus Plastik in sechs Farben sind schwer und liegen gut in der Hand. Sie kommen in den wundervoll bedruckten Spielbeutel. Weiterhin sind drei doppelseitig unterschiedlich bedruckte „Meister-Karten“ enthalten.

Spielmechanismus:

Wer an der Reihe ist, zieht Blüten aus dem Beutel. Mindestens eine, höchstens acht. Dafür darf man bis zu drei Mal in den Beutel greifen und nach jedem Griff entscheiden, ob man weiter machen möchte. Es sei denn, man hat fünf verschiedene Farben oder drei gleichfarbige Blüten gezogen, beides beendet den Zug. Wer seinen Zug jedoch erfolgreich zu Ende führt, darf aus den gezogenen Blüten eine Farbe wählen, die allesamt hinter den Sichtschirm gelangen dürfen. Alle anderen landen davor. Auch bei Misserfolg darf der Spieler zwei verschiedenfarbige Blüten wählen, die vor dem Sichtschirm abgelegt werden.

Cherry Tree Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Wird mindestens eine der auf den Meister-Karten abgebildeten Kombinationen gezogen, darf eine entsprechende Sonderaktion ausgeführt werden. Dazu zählen zwei Pärchen, vier unterschiedliche oder insgesamt mindestens sechs Blüten. Als Belohnung bekommt man je nach Meisterkarte zusätzliche Blüten oder darf Blüten vor den Schirmen verschieben. Diese Sonderaktion bekommt jedoch nur, wer sein Glück nicht überstrapaziert und aufhört, bevor ein Fehler passiert.

Cherry Tree Meisterkarten

Meisterkarten / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Befindet sich keine Blüte mehr im Beutel, ist die Partie beendet und es kommt zur Wertung. Diese wird für die Blüten vor und hinter dem Sichtschirm separat ausgeführt. Vor dem Sichtschirm werden Punkte für die Anzahl der Blüten je Farbe vergeben, sind nur zwei oder weniger Blüten einer Farbe vorhanden, sogar Minuspunkte. Zuvor werden schwarze Joker den Farben zugewiesen. Das folgt dann auch hinter dem Sichtschirm, wo weiße und schwarze Joker verteilt werden. Es muss jedoch mindestens eine Blüte der entsprechenden Farben vorhanden sein, um bei den folgenden Mehrheitswertungen der hellen und dunken Farben  mitzumischen.

Cherry Tree Wertungskala

Wertungskala / Foto: Brettspielpoesie

Spieleranzahl:

Die Spieleranzahl entscheidet über die Anzahl Blüten je Farbe. Zu zweit werden zusätzlich drei Blüten verdeckt entfernt, sodass man sich nicht exakt ausrechnen kann, welche Blüten der andere Spieler hinter seinem Schirm haben müsste. Bei der Mehrheitenwertung erhält im Spiel zu zweit nur der Spieler mit der absoluten Mehrheit Punkte. Wie so oft, wenn es um Mehrheiten geht, funktioniert das Spiel zu zweit weniger gut.

Glücksfaktor?

Der Glücksfaktor ist schon nicht unerheblich, da die Blüten verdeckt aus dem Beutel gezogen werden. Nicht selten passiert es bereits beim ersten Griff in den Beutel, dass man es versaut. Dem könnte man entgegen wirken, indem immer nur eine Blüte gezogen wird, aber so nimmt man sich alle Chancen auf die Sonderaktionen und wird mit mutigeren Mitspielern nicht mithalten können, so sie denn irgendwann mal erfolgreich sind. Was in der Regel jedem mal passiert, dem einen vielleicht etwas häufiger und dem anderen seltener. Bei der Mehrheitenwertung hinter dem Schirm kann es ausreichen, nur jeweils eine einzige Blüte beider Farbsegmente zu besitzen, wenn andere Spieler gar keine vorweisen können.

Fazit:

Ich bin hin und her gerissen. Das Material ist ganz hervorragend, es macht mir Spaß die Blüten aus dem Beutel zu ziehen und seines eigenen Glückes Schmied zu sein. Den richtigen Zeitpunkt zu finden, keine weiteren Blüten aus dem Beutel zu ziehen, ist gar nicht so einfach. Aber häufig auch eher uninteressant, wenn ich zum Beispiel Farben gezogen habe, die eh schon vor meinem Sichtschirm liegen, kann ich ruhigen Gewissens weiter ziehen. Wenn es dann zu einem Fehlschlag kommt, vermehre ich immerhin die Punkte vor dem Sichtschirm. Aber natürlich weniger als wenn man pro Zug vier bis sechs Blüten erhält. Das war bei uns so der Schnitt. Dass jemand versucht hätte acht Blüten auf ein Mal zu ziehen, haben wir nicht erlebt. Es wäre auch grob fahrlässig, schließlich hat man drei Versuche. Bei acht Blüten ist die Wahrscheinlichkeit zu hoch, dass man zu viele gleich- oder verschiedenfarbige zieht und der Zug nicht erfolgreich endet. Meist wird mit drei Blüten begonnen, da ist die Wahrscheinlichkeit eines Fehlschlags noch recht gering. Daraus ergibt sich keine wirkliche Flexibilität bei der Ausführung eines Zuges, die verfügbaren Optionen gaukeln mehr Freiheit zu, als sinnvoll umzusetzen ist. Das Ziehen der Blüten läuft aber bei jedem Spieler sehr ähnlich ab. Sammelt einer vor seinem Sichtschirm viele Blüten einer Farbe, ist er schnell uneinholbar vorne, da sollte man versuchen mit den Sonderaktionen Blüten zu entfernen. Diese sind wiederum risikobehaftet, einen Fehlschlag zu riskieren.

Thematisch wurde versucht eine Geschichte drum herum aufzubauen, doch ist diese ganz schwach. Jedenfalls bietet sie nicht den Ansatz einer Erklärung, warum das Sammeln der Blüten vor und hinter dem Sichtschirm andere Auswirkungen hat. Das fehlende Thema kann meiner Meinung nach aber mit dem hochwertigen Material wieder wett gemacht werden. Auch wenn das Spiel recht glückslastig ist, macht es mir hin und wieder wirklich Spaß, daher vergebe ich auch vier Punkte, obwohl einige Mitspieler es etwas schlechter einordnen würden. Für mich ist es eine Art schnelles Wohlfühlspiel mit spannendem Push your Luck-Mechanismus.

Wertungsnote 4/6

Verlag: iello / Vertrieb: Huch!
Autor(en): Hinatra Origuchi
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Huch! für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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