Deal or no deal!?

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Logo / Foto: Brettspielpoesie

Über Brettspiel-Preise kann man lang und breit diskutieren. Besonders zu extrem verkaufstarken Zeiten, in denen die großen Online-Anbieter wie Amazon oder Thalia mit Rabatten nur so um sich schmeißen, wird viel diskutiert. Viele freuen sich Spiele zu so günstigen Preisen zu ergattern, andere sehen diese Entwicklung kritisch in Bezug auf die Verlage und Autoren. Schließlich steckt hinter jedem Brettspiel eine Menge Entwicklungszeit, von der Idee bis zur Umsetzung vergehen zumeist Jahre. Das sollte doch auch gebührend honoriert werden. Zudem haben viele passionierte Brettspieler eh viel mehr Brettspiele, als sie jemals ausgiebig spielen können. Doch muss dies grundsätzlich jeder für sich entscheiden, ob er Spiele zum spielen oder sammeln kauft. Wie viel Geld und Platz ihm sein Hobby wert ist.

Aber es gibt seit einiger Zeit eine Entwicklung, die wirklich zu verabscheuen ist. Wie so viele erfolgreiche Branchen, sind nun auch Raubkopien von Brettspielen in Umlauf gekommen. Peer Sylvester von Spielbar schrieb bereits 2010 über Raubkopien in China, doch ist dieses Phänomen mittlerweile viel verbreiteter. Hin und wieder hört man von billigen Kopien erfolgreicher Spiele, zuletzt kam ein Hinweis von Czech Games Edition (CGE), dem Verlag des Spiel des Jahres von 2016 Codenames. Es sind Exemplare aufgetaucht, die auf den ersten Blick sehr ähnlich aussehen. Schaut man jedoch genauer hin, erkennt man recht einfach den Fake. Zumindest als Brettspiel-Kenner, der seine Spiele immer genauestens unter die Lupe nimmt. Doch der klassische Familienspieler, der sich nur ab und an mal ein Spiel des Jahres zulegt, könnte enttäuscht vom Originalverlag und seinen Produkten sein, sollte ihm die billige Verarbeitung auffallen. Besonders beim einem Wortspiel wie Codenames, wo sich einige Rechtschreibfehler eingeschlichen haben, könnte diese schnell auffallen. Doch werden wohl nur die wenigsten in Betracht ziehen, eine billige Kopie erworben zu haben

Von diesem und weiteren Problemen, die aus den Raubkopien im Umlauf entstehen, sprechen auch Geschäftsführer und Marketing-Chef von Asmodee North America in diesem Interview. Besonders aufgefallen wären laut ihrer Aussagen wohl Raubkopien von Catan, 7 Wonders oder Zug um Zug. Doch wie bekommt ein Verlag dies mit? Natürlich sinken die eigenen Absätze dieses Produktes, doch vor allem sinkt die Reputation. Spieler, denen nicht bewusst ist ein Plagiat erworben zu haben, bemängeln die Qualität in ihren Bewertungen auf diversen Online-Plattformen. Dieser eine Umsatzausfall von dem Spieler, der das Plagiat anstelle des Originals erworben hat, kann dadurch zu weiteren Umsatzeinbußen führen. Sei es durch ausbleibende Käufe seinerseits, als auch durch ausbleibende Käufe der Leser seiner Bewertungen.

7 Wonders Legit vs Counterfeit

Bereits 2017, ein Jahr nach Veröffentlichung der 2nd Editions zu Dominion, hatte Rio Grande Games Plagiate bemerkt und ihre Kunden darauf hingewiesen, im Falle des Erwerbs eines solchen Produktes die Rückgabe an Amazon zu veranlassen. Diese waren anhand des schlecht verarbeiteten Inlays zu erkennen und an der dunkleren Schriftfarbe bei der Angabe der Illustratoren und des Verlags im unteren Bereich der Karten, wie auf folgenden Bildern zu erkennen:

Examples of Counterfeit Dominion 2nd Edition

Erst zu Beginn diesen Jahres sind Bilder von Pandemic Legacy Versionen aufgetaucht, bei denen das Original mit der Raubkopie verglichen wurde. Im direkten Vergleich erkennt man sofort die Unterschiede, hat man nur die Raubkopie, wird man sicherlich genauer hinsehen müssen oder den Unterschied erst mit der Zeit bemerken.

Fake vs real Pandemic Legacy

Dies sind nur einige Beispiele aus der letzten Zeit, die Brettspielszene wurde wohl als lukrativer Markt für solche Plagiate erkannt. Der aktuelle Stand der Technik macht es möglich sämtliches Spielmaterial einzuscannen und in ähnlicher Qualität nachzustellen. Dafür ist vermutlich nur ein Originalexemplar als Vorlage nötig. Zwar muss man immer noch Produktionskosten investieren, aber es scheint sich zu lohnen. Man spart immerhin die Kosten für de gesamte Entwicklungsarbeit. Doch wie kann man sich davor schützen? CGE hat bereits einige gute Tipps dazu gegeben: Seid auf der Lauer bei unglaublich niedrigen Preisen im Online-Handel, besonders wenn sie auf eBay oder Amazon angeboten werden. Amazon selbst ist zwar ein vertrauenswürdiger Anbieter, aber die Plattform ermöglicht es auch Drittanbietern Produkte zu verkaufen. Und bei diesen kann man sich nicht so sicher sein, vor allem wenn nicht einmal der Versand über Amazon geregelt wird. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kauft nur noch beim Händler seines Vertrauens vor Ort. Doch das geht aus diversen Gründen nicht immer, das ist mir bewusst. Auch online gibt es Unterschiede bei den Anbietern von Brettspielen. Wer bei Online-Fachhändlern kauft, sollte auf der sicheren Seite sein. Wer jedoch bei eBay, Amazon und Co. Brettspiele zu unglaublichen Discount-Preisen erwirbt, sollte sich darauf einstellen ggf. ein qualitativ minderes Produkt zu erwerben. Eines, bei dem die Texte verschwommen erscheinen, Motive unsauber platziert werden, das Spielbrett und die Karten schnell ausfleddern und bei dem die scharfen Kanten der Plastikteile schnell gefährlich werden können. Neben den offensichtlichen Mängeln, sollte man bedenken, dass dieses Material mit großer Wahrscheinlichkeit keiner Qualitätsprüfung unterliegt, das Material daher nicht auf Gesundheitsschädlichkeit oder ähnliches überprüft wurde. Doch selbst wenn die Qualität akzeptabel ist, schaden solche Plagiate den Autoren und Verlagen. Ohne ihre Investition in die Entwicklung ihrer Spiels, hätten wir nicht solch eine große Auswahl an guten Spielen, wie sie derzeit geboten wird. Also lautet mein Appell: Prüft genau, wo ihr Spiele kauft! Mit Plagiaten tut ihr euch selbst keinen Gefallen, den Autoren und Verlagen noch weniger.

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