Ishtar – Die Gärten von Babylon

Cover / Foto: Huch!

Die Gärten von Babylon, schön anzusehen,
viel Arbeit es sein muss, sie anzulegen.
Genau dem könnt ihr nun nachgehen,
in Ishtar eure eigenen Gärten pflegen.
Doch seid ihr dabei nicht ganz allein,
eure Mitspieler wollen besser darin sein.
Blumenbeete werden aneinander gereiht,
so mancher Baum darunter wächst und gedeiht.
Am Ende entscheidet mancher Edelstein,
wer am Ende wird der Gewinner sein.

 

Spielmaterial:

Typisch Iello: Die Ausstattung ist wunderbar, das Material und die Gestaltung überzeugen auf ganzer Linie. Da sind zum einen die sechs Spielplanteile, die in jeder Partie unterschiedlich angeordnet werden können. Sie zeigen jede Menge Plätze für Edelsteine in drei Farben, diese werden darauf platziert. Es gibt ein gemeinsames Ablagefeld für die Pflanzenplättchen, jeder Spieler erhält ein eigenes Spielertableau und zwei Spielfiguren. Zwei weitere Figuren jeder Farbe werden auf der gemeinsamen Ablage platziert und müssen freigeschaltet werden. Eine kleine, hölzerne Gießkanne hilft bei der Auswahl des Plättchens. Mindestens genauso besonders sind die Baum-Meeple, optisch macht das wirklich was her. Zu diesen Bäumen gehören auch Karten.

Ishtar Spielmaterial / Foto: Spielmaterial

Spielmechanismus:

Reihum platzieren die Spieler, ausgehend von den wasserbringenden Brunnen, Pflanzenplättchen auf dem modularen Spielplan. Diese Plättchen decken immer genau drei Felder des Spielplans ab, es gibt sie in drei verschiedenen Formen. Werden bei ihrer Platzierung Edelsteine abgedeckt, gehen diese in den eigenen Bestand über. Solche Edelsteine können eingesetzt werden, um freier bei der Wahl des nächsten Plättchens zu sein. Kostenfrei darf reihum immer nur vom folgenden Stapel genommen werden, mit Edelsteinen können Stapel übersprungen werden. Die bunten Steine können aber auch verwendet werden, um Funktionen freizuschalten oder Bäume zu platzieren. Für das Freischalten wird neben zwei beliebigen Edelsteinen zudem ein entsprechendes Aktionssymbol auf dem zu platzierenden Pflanzenplättchen benötigt. Doch nicht jedes bietet ein solches. Manche zeigen stattdessen einen Gärtner und ermöglichen die Platzierung eines solchen, um das gesamte angrenzende Blumenbeet für sich zu beanspruchen. Wieder andere Plättchen zeigen gar kein Aktionssymbol, dafür in der Regel mehr Blumen, die bei Spielende als Siegpunkte zählen.

Ishtar Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Wer seine Edelsteine einsetzt, um Bäume zu pflanzen, erhält nicht nur Siegpunkte dafür, sondern kann die Bäume gezielt platzieren, um den Mitspielern eine Verbindung von unterschiedlichen Blumenbeeten zu erschweren. Aber Vorsicht, eine Fähigkeit der Spielertableaus belohnt jeden Baum am eigenen Blumenbeet. Die Tableaus sind so aufgebaut, dass erst eine Fähigkeit der unteren Reihe aktiviert werden muss, bevor die darüber freigeschaltet werden kann. Unten erhalten die Spieler sofort einen Bonus, nur so können unter anderem die weiteren Arbeiter freigespielt werden. Die obere Reihe bringt zusätzliche Siegpunkte bei Spielende, dafür sind allerdings insgesamt vier Edelsteine und zwei Aktionssymbole erforderlich.

Ishtar Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Sobald zwei der sechs Stapel Blumenbeete abgeräumt sind, endet die Partie. Dies kann früher oder später passieren, je nachdem wie häufig die Spieler Edelsteine ausgeben, um Plättchen zu überspringen. Für jeden Brunnen wird dann geschaut, wer die meisten angrenzenden Blumenfelder beansprucht hat, um die Siegpunkte für den Brunnen abzustauben. Die drei unterschiedlich farbigen Brunnen geben auch unterschiedlich viele Punkte. Unabhängig von dieser Mehrheit, erhalten die Spieler für jede Blüte in ihren Blumenbeeten einen Punkt. Weitere Punkte können durch freigeschaltete Fähigkeiten des Spielertableaus hinzu kommen. So kann jeder Baum oder jede Steintafel an eigenen Blumenbeeten belohnt werden, nicht eingesetzte Gärtner oder übrige Edelsteine. Es gewinnt, wer nach diesen Wertungen die meisten Punkte vorweisen kann.

Spieleranzahl:

Das Spiel skaliert an sich gut, die Spielerzahl bestimmt über die Anzahl Landschaftsplättchen, die zu Beginn das Spielfeld ergeben sowie die Anzahl der zur Verfügung stehenden Pflanzenplättchen. Weitere Anpassungen sind nicht erforderlich. Da es bei diesem Spiel um territoriale Ausbreitung geht, spielt es sich in der Regel mit mehr Spielern interessanter, weil mehr um die einzelnen Gebiete gekämpft wird, während man sich zu zweit, auch auf dem kleineren Spielfeld, ganz gut aus dem Weg gehen kann. Laut Anleitung sollen die Brunnen zufällig gezogen werden, es kann also mit weniger Spielern passieren ohne den wertvollsten Brunnen zu spielen. Das mindert die Konkurrenz um gewisse Gebiete noch mehr. Da verstehe ich nicht ganz, wieso nicht dafür gesorgt wird, von jeder Sorte mindestens einen im Spiel zu haben.

Glücksfaktor?

Einen Glücksfaktor gibt es eigentlich nur bei der Reihenfolge, in der die Pflanzenplättchen auftauchen. Mit Edelsteinen ist man diesem Zufall jedoch nicht völlig ausgeliefert, sondern hat gewisse Freiheiten bei der Auswahl. Alle weiteren Informationen stehen immer allen Spielern zur Verfügung. Bei weniger als vier Spielern ist außerdem nicht bekannt, welche Pflanzenplättchen gar nicht zur Verfügung stehen und dementsprechend auch nicht, wie viele Plättchen mit Aktionssymbolen überhaupt vorhanden ist.

Fazit:

Objektiv kann ich diesem Spiel wenig vorwerfen: Das hochwertige Spielmaterial lädt direkt zum Losspielen ein, die Spieler lassen gemeinsam eine Landschaft entstehen, die mit der Zeit durch Blumen und Bäume immer lebendiger wirkt. Doch leider habe ich, ganz subjektiv, einfach keinen Spaß an diesem Spiel. Nach jeder Partie war ich froh darüber, dass es zu Ende ging, selbst wenn ich die Partie als Sieger beenden konnte. Ich mache auch immer wieder Denkfehler bei diesem Spiel: Zum Beispiel rechne ich mir genau aus, welches Plättchen ich erhalten werde, doch dann gibt der Spieler vor mir Edelsteine aus, und all diese Planungen sind für die Katz. Es gibt einfach so viele Details zu beachten. Die Edelsteine können für viele Dinge ausgegeben werden, es ist nicht so leicht zu erkennen, welches der sinnvollste Einsatz ist. Wenn ich das hier so aufschreibe, klingt das eigentlich nach einem verzahnten Optimierspiel, ein Genre welchem ich eigentlich sehr zugeneigt bin, aber Ishtar lässt mich einfach kalt.

Der Zugang zu diesem Spiel ist auch alles andere als einfach, da zeigt sich schnell das wirklich aufgesetzte Thema. Alleine die Unterscheidung zwischen Blumenbeet und Gärten, die für die Platzierungen wichtig ist, stellte sich als große Hürde dar und immer wieder versucht jemand sein Pflanzenplättchen unerlaubt zu platzieren. Das gibt sich zwar nach einigen Partien, zu diesen muss es aber mit derselben Gruppe erst einmal kommen. In der Wüste Brunnen zur Bewässerung zu benötigen, erscheint vielleicht noch nachvollziehbar, warum Blumenbeete nur einem einzigen Spieler gehören dürfen, jedoch nicht. Viele Spieler kennen Carcassonne, bei dem es durch das „reinzecken“ in Gebiete der Mitspieler erst richtig spannend wird. Vielen unserer Mitspieler fiel es daher schwer zu verstehen, warum dies bei Ishtar eben nicht erlaubt ist. Ich kann als Begründung auch nur liefern, „weil die Anleitung das so hergibt“. Sobald es einem Spieler nämlich gelingt ein großes Beet anzulegen, sind ihm diese Punkte sicher, es lohnt dann selten noch am gleichen Brunnen ein Beet zu beginnen, um bei der Mehrheitenwertung vielleicht noch eine Rolle zu spielen. In unseren Partien haben sich die Spieler in der Regel die Brunnen ganz gut untereinander aufgeteilt, Konkurrenz gab es kaum. Auch nicht in Vollbesetzung, da hat sich immer jemand daran ausprobiert, gar keine eigenen Gärtner zu Platzieren, immerhin verleiht eine Fähigkeit der Spielertableaus genau dafür Bonuspunkte. Diese erscheinen uns im Vergleich zu den Punkten, die mittels Blumenbeet generiert werden können, als einzige Punktequelle allerdings viel zu gering. Sicherlich können die Fähigkeiten irgendwie interessant kombiniert werden, uns ist dies bisher leider nicht gelungen und das Spiel übt zu wenig Reiz aus, es weiterhin zu erforschen.

Es bleibt leider eines dieser iello-Spiele für mich, welches mit der Optik sehr viel mehr punkten kann, als mit dem Spielprinzip selbst. Ich wollte es so gerne mögen, immerhin ist Bruno Cathala an der Entwicklung beteiligt, doch es gelingt mir nicht. Ich würde es zwar immer mitspielen, sollte ein Mitspieler es vorschlagen, allerdings nicht aus eigenem Impuls heraus.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Iello / Vertrieb: Huch!
Autor(en): Bruno Cathala, Evan Singh
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 45 Minuten

Vielen Dank an Huch! für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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